Die Furcht vor Frankreich als der beherrschenden Vormacht

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 229 - 230
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Unsicherheit
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Aus dieser andern Seite nun, d. h. wenn sich ein Substantiv mit als auf ein Objekt oder Attribut bezieht, aber ohne daß die Gültigkeit oder Möglichkeit dieser von als begleiteten Aussage von dem im Verbum oder einem regierenden Substantiv offen oder versteckt ausgedrückten Begriffe einer Handlung oder Zuständlichkeit abhinge, tritt die strenge Form des Beisatzes ein, also Gleichsetzung des erklärenden Wortes mit dem Beziehungsworte im Falle. Je nach der Verschiedenheit der Beziehung und des Sinnes heißt es also: Ich rate dir als guter Freund, aber: ich verrate es nur dir als meinem besten Freunde; Pfichttreue, Fleiß und Ehrenhaftigkeit des Beamtenkörpers als Ganzen seien rückhaltlos zugegeben; Deutsches Wesen ist es, sich der Menschheit als Ganzer verantwortlich zu fühlen. Die Ideen der Arbeiterpolitik sind die Herrschaft des Volkes als Ganzen (die letzten drei Beispiele bei Wolfgang Heine, Zu Deutschlands Erneuerung). Man erkennt an den Beispielen zugleich deutlichst, daß die mit als eingeführte Erklärung in keiner Weise von den regierenden Verben abhängig ist//1 Das ist dagegen z. B. bei sich bedienen der Fall, welches ausdrückt, daß der betuchte Gegenstand erst durch die Benutzung in das durch als angeführte Verhältnis gesetzt wird. Daher heißt es ganz natürlich: wobei ich mich seines langen Haares als Leitseil bediente, und umgekehrt mutet es gezwungen an, wenn Junker schreibt: Ich bediente mich nicht des Kamels, sondern eines Esels als Reittiers.//. Richtig also schrieb Eltze: was uns vor Krieg mit den beiden Mächten als Alliierten der Sklavenstaaten geschützt hat, und ein Politiker: Das Mißtrauen vor Kaiser Wilhelm dem II. als einem leidenschaftlichen Soldaten ist allgemeiner Verehrung für ihn als einen Menschenfreund gewichen. Natürlich muß, auf ein eigentliches Genetivattribut bezogen, im Beisatz ein zweiter Wesfall erscheinen: Die Ersetzung Tamisiers als Oberbefehlshabers der Nationalgarde durch den General Thomas; Die Wahl des Grafen Waldersee als desjenigen Offiziers, den Moltke selbst als seinen fähigsten Schüler bezeichnet hatte, zur Stelle des Generalstabschefs* wird freudig begrüßt; Bismarck bezeichnete eine Reihe von Vorgängen fälschlich als von Sheridan als Augenzeugen erzählt (Freifr. v. Spitzenberg). Falsch hat dagegen Scheler geschrieben: Für die Völker als Ganzer (statt: Ganze) bleiben die hier gemeinten Mißverständnisse notwendig, und mit gleich unbegründetem Wesfall Rud. Huch: Es sei schwierig für den Gebideten, an alle Tatsachen als solcher zu glauben; Gymn.-Prof. W. Sprink: Die Darstellung der Erregung im Volk mit Thoas als ungewollter (statt: ungewolltem) Zuhörer; L. Corinch: Er zog mit sechs großen und forschen jungen Leuten als seine Schüler (statt: seinen Schülern) im kleinen Neste herum; Sächs. Staats-Ztg.: Man darf von ihm als bekannten (statt: bekanntem) Psychiater Lehrreiches erwarten; Deutscher Wille 1917, Dez. I: die Freude an der eigentlichen Kunst als solche (statt: solcher); Ein entsprechender Einfluß geht von der Beschaffenheit des akustischen Ein- $Seite 230$ drucks als solchem (statt: solchen) aus; Grenzboten: die durch Darwin als Biologe (statt: Biologen) vertieften Bevölkerungsgesetze.


Zweifelsfall

Kongruenz bei als-Phrasen und wie-Phrasen

Beispiel
Bezugsinstanz 20. Jahrhundert, Zeitungssprache, Eltze - A. (?), Spitzemberg - Hildegard von, Schulsprache, Sprink - W. (?), Junker - Wilhelm, Corinth - Lovis, Sprache der Politik, Huch - Rudolf, Sachsen, Scheler - Max, Heine - Wolfgang
Bewertung

Falsch, heißt es, heißt es ganz natürlich, mutet es gezwungen an, Richtig, unbegründetem

Intertextueller Bezug