Es erstaunt mich; einen beteiligten

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 219 - 220
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Unsicherheit
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Auch den Übertritt transitiver Verben in transitiven Gebrauch wird die Sprachlehre in wach- $Seite 220$ sendem Umfange zugestehn müssen, und es ist müßig z. B. über die Zeitungswendung: Diese Handlung kann nicht erstaunen (= in Erstaunen setzen), zu spotten, zumal damit nur die alte transitivische Bedeutung des Wortes wieder belebt ist. Ebenso wird Älteres wieder zu Ehren gebracht, wenn beteiligen, das bisher überwiegend rückbezüglich oder in dem Mittelwort beteiligt mit oder ohne sein zuständlich gebraucht wurde, wie schon von Grimm, so z. B. auch in der Tgl. R. wieder aktivisch angewandt wird: Um den gemeinsamen Unterbau zu bekämpfen, hatte man ... Uhlig an der Konferenz beteiligt. Natürlich können in ähnlicher Weise auch bisher nur intransitiv verwendete Verben transitiv und damit fruchtbarer werden: das Unglück das meine Feinde ratschlagten (H. Hoffmann); Es ist bekannt, daß General Scott große Entwürfe gereift hat (Eltze); Die acht Hauptteile wirken gestelzt (Schliepmann); Der feine Schneestaub erstarrt (= macht starr) alle Glieder (v. Hörmann). Gundolf fügt: das Gesetz, das jeden Förderer schweigen (= schw. machen) und beschämen muß, und: indem Goethe Gottes gesetzliches (in etwas anderm Sinne als gesetzlichem) Verfahren nachsann, und mit noch aktiverem Sinne von schweigen Morgenstern: Schweig diese Stirn Gelübde in die Sphären! Überhaupt nützt voran die dichterische Sprache solche Möglichkeiten: das Räuspern, das sie in ein verstohlenes Kußhändchen auszumünden wußte (Spitteler); Eine Quelle murmelte ihr leis, des Mondes blasse Scheibe widerscheinend, und: Mir blieb ein Hort, den rosten nicht Wetter und Wogen (Ann. v. Droste-H.); Ein Leib, verhungert, krank und dürr, flucht alle Küsse fern (Jak. Haringer); Ich lebe Werden unter Steinen und Leichen (Trentini); wenn meine Uhr die Stunde über sie hinklang; Jede Welle glänzte deinen Namen in mein Herz; Fata Morgana der Seele, die ihre Innenbilder der Sehnsucht herauffunkelt in die dunkle Bewußtheit des Daseins; Ich sehne nichts als dich (vgl. § 225 M. Fischer), und: hättest du ein Recht dich zu verarmen (sämtl. bei H. Chr. Ade); ihre Welt in den andern hineinrufend, die Ströme ihres Innern in den andern hineinfiebernd (Ad. Gerhard); Sein Auge tränte Entzücken (Kohlenegg); Die riesigen Schilde schrillen die heilige Stille zu Schemen (B. v. Münchhausen); der Himmel, den rasch dahinziehende Wolken fleckten (Galsworthy, deutsch); und mit ähnlichem Prädikativ: Gottes Sohn, dir blüht mein Nöten gelb zu Mohn und harft mich wanderfroh, sowie: Es schien mein Frankreich grün, kein Sternlein schien mich rein (J. Haringer). Indes auch die Prosa, und zwar des Lebens wie des Stiles, ist an solchen Rektionsverschiebungen beteiligt: einen Junker fliegen und: Weiß, der die besten Kampfeinsitzer der deutschen Armee eingeflogen hat, stand in Zeitungen und mit gleich glücklicher Kühnheit sagt die Heilkunst: Der Patient wurde während der Operation künstlich geatmet. So praktisch als kurz ist einen knipsen (photographieren), und mehr gegen die Sache als ihren sprachlichen Ausdruck ist auch zu folgenden Wendungen zu sagen: einen raubrittern und: eine Dame zahlte dem Manne, der sie erpressen kam (Univ. 25). In dem Satze: Der Arme an Leben verarmt es noch, der Reiche, Starke bereichert es, wird der transitive Gebrauch des ersten Zeitwortes durch die Parallele mit dem zweiten klar; doch auch ohne solche Hilfe spricht Alice Berend ganz verständlich von einer Uniform, die alle Prügelnden auseinanderstob.