Es gibt nichts Lächerlicheres als einen verliebten oder als ein verliebter Mann

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 312 - 313
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Unsicherheit
Text

Der Nominativ hat sich sogar in die verkürzten Vergleichsätze nach der Wendung es gibt Eingang verschafft, und das nicht unberechtigter Weise, wenn sein grammatisches Objekt und logisches Subjekt einen Komparativ bei sich hat oder durch eine Verbindung wie etwas, nicht anders, keinen anderen gebildet und danach durch einen mit als eingeleiteten Vergleichsatz näher bestimmt wird. Nicht nur bei Herder heißt es: Gibt es keine andere Empfindbarkeit zu Tränen als körperlicher Schmerz? sondern auch beim neusten Übersetzer Drummonds: Gibt es etwas Traurigeres $Seite 313$ als ein nur mit sich selbst beschäftigter Mann? Ja in dem Satze des Grimmschen Märchens: So glücklich wie ich gibt es keinen Menschen unter der Sonne, würde wie mich geradezu verletzen. So wenig diese Fügung immer nötig sein mag, so wenig ist sie als fehlerhaft zu bezeichnen, da sich in solchen Fällen das vergleichende Glied tatsächlich zu einem zusammengezogenen Vergleichsatze ausgewachsen hat: nichts Traurigeres als ein nur mit sich selbst beschäftigter Mann (nämlich: ist). W. v. Humboldt schrieb: Es gibt in der Welt nichts Interessanteres für den Menschen als wieder der Mensch, und Hansjakob: Es gibt nichts Köstlicheres als so ein junger Erdenbürger auf der ersten Wanderung zur deutschen Wissenschaft. Bei dem bloßen nichts als, das lediglich ein bloßes nur ist, kann freilich von einem andern als formellen Vergleiche nicht die Rede sein, daher auch nicht von einer Ausdehnung der freieren Fügung auch hierauf. Demgemäß ist der Satz aus einem Märchen: Es gibt aber nichts als ein Affe (statt einen Affen)//1 Noch viel weniger kann mit der Rechtfertigung eines Nominativs in einem wirklichen vergleichenden Gliede nach es gibt der Nominativ nach es gibt selber und im Gefolge davon neben einem pluralischen Objekt der Plural es geben gebilligt werden. Vielmehr beruht diese in der thüringischen und hessischen Mundart heimische Fügung auf gänzlicher Verkennung der Bedeutung von es gibt. Hierin ist nämlich gibt wirkliches transitives Verbum, und es deutet als wirkliches Subjekt die ungenannt gelassene Ursache und Kraft an, die darin wirksam ist. In Sätzen wie: Nach der letzten Volkszählung gaben es hier 716 Israeliten (Frankf. Journ.) oder: Es müssen auch solche Käuze geben, sieht man die Mundart in die Schriftsprache eindringen, und ähnlich erklärt sich wohl der vorletzte Vers in Goethes „Ungleichen Hausgenossen": Es sollen Schläge regnen.// ebenso falsch wie die Fügung Wilhelms v. Polenz: Seine Zärtlichkeit bedeutete ihrer Leidenschaft nur ein magerer Brocken.


Zweifelsfall

Kongruenz bei als-Phrasen und wie-Phrasen

Beispiel
Bezugsinstanz Herder - Johann Gottfried, Drummond - Henry, Grimm - Jacob, Grimm - Wilhelm, Humboldt - Wilhelm von, Hansjakob - Heinrich, Thüringen, Hessen, Mundart, Zeitungssprache, Schriftsprache, Goethe - Johann Wolfgang, Polenz - Wilhelm von, Übersetzer
Bewertung

beruht auf gänzlicher Verkennung der Bedeutung, ebenso falsch, nicht unberechtigter Weise, sieht man die Mundart in die Schriftsprache eindringen, So wenig diese Fügung immer nötig sein mag, so wenig ist sie als fehlerhaft zu bezeichnen, Transitives Verb, viel weniger kann gebilligt werden, würde geradezu verletzen

Intertextueller Bezug