Es ist bestimmt und; es ist bestimmt worden

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 102 - 103
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Text

Geradezu ein Fehler ist meist die auch immer häufiger werdende Weglassung des Partizips worden beim Passiv. Dieses worden ist nämlich erforderlich in der Wiedererzählung, d. h. wenn die Handlung als eine in einem bestimmten Zeitpunkte unter bestimmten Verhältnissen vollzogene oder sich entwickelnde dargestellt werden soll. Dies kann aber z. B. in der Verbindung: der Ausbrecher ist gestern wieder eingefangen worden, allein das Mittelwort von werden, dem Verbum des Geschehens, ausdrücken; denn bei dessen Weglassung stünden nur zwei Formen, die von sein und ein zweites Mittelwort da; diese können aber, wie jede einzelne für sich, so auch beide zusammen nur das Abgeschlossene einer Handlung seit einem Zeitpunkte der Vergangenheit oder ihr Fortwirken noch in der Gegenwart bezeichnen, sie reichen also nicht zur vollständigen Wiedererzählung, sondern nur zum Berichte des Ergebnisses aus. Fragt also z. B. ein Geschäftsherr: Ist der Brief an Kommerzienrat B. schon beantwortet (worden)? so genügt die Antwort: Er ist beantwortet, wenn es nur auf die Versicherung ankommt, daß die Sache in Ordnung sei; will aber der Antwortende angeben, unter welchen Verhältnissen, wann und von wem es geschehen sei, so muß er sagen: Er ist gestern, er ist noch denselben Abend, wo er eintraf, er ist von N. beantwortet worden. Danach sind folgende Sätze aus dem allerliebsten Buche eines Predigers im Drömling (M. Ebeling) nicht gut zu heißen: Jener Faulpelz ... war der verbummelte Sohn eines Pastors. An der Wiege und beim Aufwachsen im Pfarrhause waren ihm keine übermütigen Studentenlieder gesungen, sondern das Beten und Kirchengehen als Christenpflicht vorgehalten (fehlt: worden). Der Ton, der damals in dem ... Gemüte des Pfarrersohnes angeschlagen (fehlt: worden) war, klang jetzt noch fort. Was besagte dies alles für einen Jungen, der bisher unter der Zucht des Lehrers gestanden hatte, zu Hause bald hierhin, bald dorthin geschuppt (fehlt: worden) war? Wie denn aber, wenn gar auch in einem wieder preußischen Schulbuche steht: Hektor ist, während er für das Vaterland kämpfte, von Achill getötet, oder: Preußen ist von Friedrich dem Großen vermehrt?! Freilich auch W. Raabe hat viele Sätze der Art: Alles, was der Mensch nötig hat, ist der Schwester [die längst tot ist] genommen; oder: P. Holtzmann ist 1849 in einer römischen Villa von französischen Plünderern erstochen, als er Raphaels Madonna vor ihrer Zerstörungswut schützen wollte. Aus Th. Storms Briefen sei zu dem § 115 verzeichneten Beispiele noch angemerkt: Ämil sagte mir, meine Sachen seien in Gotha sehr bekannt und noch neulich in einem Kränzchen vorgelesen (6. 2. 52 statt: vorgelesen worden). P. Ernst schreibt: Die Freiheit $Seite 103$ ist oft mißverstanden, und: Ophelia ist von fast allen Menschen als eine der geglücktesten Gestalten des Dichters betrachtet //1 Behaghel, Deutsche Syntex II (1924), S. 209 sieht in dieser Abknapsung von worden, eine Erfindung der Kanzleisprache, und ihre überwiegende Häufigkeit bei norddeutschen Schriftstellern führt er darauf zurück, daß im Norden die Schriftsprache mit den Mundarten weniger Fühlung hat als im Süden.//.


Zweifelsfall

Zweifelsfall Importplatzhalter

Beispiel
Bezugsinstanz Geschäftssprache, Behördensprache, Ebeling - Max, norddeutsch, Literatursprache, Ernst - Paul, Preußen, Schulsprache, Storm - Theodor, Raabe - Wilhelm
Bewertung

Fehler, Frequenz/immer häufiger werdende, muß er sagen, nicht gut zu heißen

Intertextueller Bezug Behaghel: Deutsche Syntax II (1924), S. 209