Fehlerhafter Beisitz mit als

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 230 - 232
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Unsicherheit
Text

Mit der Billigung dieser Sätze sollen nimmermehr auch solche gebilligt werden wie: Als ein Hauptführer der Brüderschaft galt sein Wort bei Brachvogel, oder: Als sichtbare (statt sichtbarer) Malerei muß die Schönheit ihr (der Schauspielkunst) höchstes Gesetz sein (bei Lessing)//2 Den Mangel der richtigen Form in diesen Sätzen darf man nicht etwa dadurch entschuldigen, daß die Apposition vorangeht, wenn ihn das auch erklärlicher erscheinen läßt. Durch solche Voranstellungen werden vielmehr umgekehrt selbst Fügungen im Nominativ mit als, die als prädikative Aussagen neben dem Hauptworte an sich richtig sein könnten, fehlerhaft, so in dem Satze Eltzes: Ich gebe zu, daß die offiziellen Aussprüche von einigen der Minister nicht glücklich gewählt waren; aber als Staatsregierung kann ich in ihrem Verhalten nichts Tadelnswertes finden. Denn so kann man Staatsregierung nur zu ich in Beziehung sehen; soll es zu „Verhalten“ gehören, muß es als nachgestellte Beifügung hinter diesem bleiben: aber in ihrem Verhalten als Staatsregierung kann ich usw. Höchst tadelnswert schreibt H. O. Meis- $Fußnote auf nächster Seite fortgeführt$ ner bei völligem Mangel einer (grammatischen) Beziehung: Die noch als Kronprinz niedergeschriebenen Gedanken über die Regierungskunst würde man gern missen.//. Auch der Satz Hansjakobs: Als Witwe ver- $Seite 231$ geudete ihr der Sohn Hab und Gut, ist nicht sonderlich schön, weil die sachlich eindeutige Beziehungsmöglichkeit keinen Ausdruck in der Form findet. Noch gröber sind natürlich die Fehler derartiger Sätze: Er besang den Kaiser als Held (st. Helden). Sie gaben ihm als dichterisches (st. dichterischem) Genie den Preis. Meine Kinderjahre verflossen mir als Berliner Schusterjunge (Rodenberg statt -jungen). Ein Romandichter hat gar geschrieben: Wir haben ihr als Ebelings geliebte Cousine (st. geliebter Cousine) nahe gestanden, und eine seiner Schwestern in Apoll das doppelte: Uns war als halbes Kind (statt als halben Kindern) eine schöne Liebe zuteil geworden, und: Mit ein paar Dukaten als einzige (statt einziger) Mitgift. Im übrigen werden hier Fehler selbst von sprachlich besser Gebildeten besonders dadurch gemacht, daß man ein Eigenschaftswort, dem nach als kein Geschlechtswort vorangeht, schwach statt stark beugt und so oft scheinbar einen vierten Fall neben einen dritten stellt, oder dadurch, daß man einem Fremdworte (vgl. § 68—71) die Endung vorenthält. So stand bei Eltze: Man hört nie von einem italienischen Staatenbunde mit dem Papst als Präsident (statt Präsidenten); in der Deutschen Zeitung: Die Kabinettsbildung mit Stremayer als Präsident gilt als abgeschlossen, und bei Hindenburg: der Eindruck, den ich von Conrad v. H. als Soldat (statt: Soldaten) und Führer erhalten hatte; und: so schwer dieser Schritt mir als Soldat auch wurde. Dagegen mit dem ersteren Fehler in der Tgl. R.: kleine Vorteile, die ihm als ältesten (statt ältestem) Hauptmann eigentlich zukamen; zu der wichtigen Entscheidung, die ihm als politischen (st. politischem) Ratgeber des Thronfolgers zufiel; und bei einem sprachgelehrten Professor wie E. Troeltsch: werden diese Tugenden von dem Deutschen als solchen (statt solchem) sozusagen mit naturgesetzlicher Sicherheit bewiesen, und: diesem Zustande als solchen kann kein Bildungsziel entnommen werden.

Man sieht, welche Unordnung in festgeregelte Verhältnisse gekommen ist, fast allein infolge der Unklarheit//1 An dieser Unklarheit sind freilich die Sprachlehrer selber schuld. Selbst Lyon (bei Heyse, 28. Aufl. S. 519), der allerdings auf dem Wege zum Richtigen ist, indem er von der Verwandlung in einen Satz redet, verwirrt die Sache wieder, indem er als Hauptmittel, sich für zweiten oder ersten Fall zu entscheiden, das Vorhandensein oder Fehlen eines Attributes vor dem Zusatze mit als aufstellt und den Nominativ nun als mit dem Nominative der Substantive kongruierend hinstellt, die bei der Umwandlung der Sätze in ein Substantiv herausgekommen sind, den Genetiv mit ihren genetivischen oder possessivischen Attributen. Liegt darin schon ein Widerspruch an sich, so versagt das Mittel ganz vor Fügungen, in denen ein Nominativ mit einem dieselbe Person bezeichnenden Dative oder Akkusative in Widerspruch geraten könnte. Angedeutet ist die richtige Auffassung von Paul, Prinzip (S. 257) und ausführlich dargetan von Th. Matthias in der Zeitschrift des Allgem. Deutschen Sprachvereins 1900 (S. 121 ff.). — Eine verwandte Erscheinung, insofern da auch Aussage und Beisatz vermengt werden, ist die besonders in Süddeutschland vorkommende Verschiebung der eigentlich mit als einzuleitenden in weiterem Sinne appositionellen Erklärung oder Erläuterung zum Subjekt und des Subjekts zum Prädikat mit als: Als Vögel zeigen sich auf der Ebenalp der Meerspecht, der Schneefink und die Bergschwalbe statt: Auch besondere Vogelgattungen zeigen sich auf der Ebenalp, als (auch wie) der Meerspecht usw. Richtig gebraucht ist dieses als z. B. in dem Satze Goethes: Sie setzten die gewöhnlichen ritterlichen Übungen fort, als jagen, Pferde kaufen, tauschen, bereiten und einfahren.// über den Unterschied jener prädikativen Zusätze und der Apposition mit als; freilich wird sie, von der grammatischen Unbildung zu schweigen, außerdem auch durch die Ähnlichkeit der $Seite 232$ unvollständigen Vergleichsätze mit wie herbeigeführt; man lese nur, um sich von der Möglichkeit ihrer Einwirkung zu überzeugen, das § 321 über diese Gesagte.


Zweifelsfall

Kongruenz bei als-Phrasen und wie-Phrasen

Beispiel
Bezugsinstanz Brachvogel - (?), Zeitungssprache, Literatursprache, Eltze - A. (?), Goethe - Johann Wolfgang, Meisner - Heinrich Otto, Hansjakob - Heinrich, Hindenburg - Paul von, Lessing - Gotthold Ephraim, Rodenberg - Julius, Sprachgelehrsamkeit, Troeltsch - Ernst, Gebildete, süddeutsch
Bewertung

an sich richtig sein könnten, Billigung dieser Sätze, Fehler, Fehler, fehlerhaft, gröber sind natürlich die Fehler, Höchst tadelnswert, nicht sonderlich schön, nicht sonderlich schön, Noch gröber, Richtig gebraucht, richtigen Form, sollen nimmermehr gebilligt werden

Intertextueller Bezug Lyon: bei Heyse, 28. Aufl. S. 519, Paul: Prinzip (S. 257), Th. Matthias: Zeitschrift des Allgem. Deutschen Sprachvereins 1900 (S. 121 ff.)