Fragen und bitten

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 201 - 201

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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Verb: Valenz

Genannte Bezugsinstanzen: Behördensprache, Hagedorn - Friedrich von, Literatursprache, Gegenwärtig, Umgangssprache, Redewendung/Sprichwort
Text

Eine Ausnahmestellung nehmen lehren, fragen und bitten ein, insofern sie zwei wirkliche nähere Ergänzungen, eine der Person und eine der Sache, im gleichen vierten Falle zu sich nehmen. Bei fragen und bitten ist freilich als solches Sachobjekt auch nur noch ein Für- (oder Zahl)wort sächlichen Geschlechtes möglich: Er sagte alles, was ihn Holofernes gefragt hatte. Ich bitte dich nur dies, nur eins. Auch in der Leideform kann die Sache allenfalls im vierten Falle stehn bleiben: das wurde ich nicht gefragt; und hier schließt die Wendung der heutigen Verkehrssprache an: Anfangs wurden Autoaktien weniger gefragt. Die gefragten Papiere wurden nicht angeboten. Gewöhnlich aber tritt selbst da wie neben Hauptwörtern in der Tätigkeitsform das Verhältniswort um oder nach ein: nach dem Urteil gefragt, darum gebeten werden. Immer aber bleibt die Person im Aktivum Akkusativobjekt, im Passivum Subjekt. Daher können Sätze wie der Hagedornsche: Nur eines bitt ich von euch allen, die besonders in Übersetzungen zu lesen sind, nur als Latinismen bezeichnet werden. — Nebenbei ein leiser Bedeutungsunterschied: ersuchen ist, was den Gemütsanteil betrifft, schwächer als bitten und wird mit der Vorstellung gesellschaftlicher Höflichkeit besonders auch von Behörden gebraucht, die als nicht unmittelbare Vorgesetzte nicht anordnen können, aber auch nicht mögen und als Behörde auch nicht wohl können, jedoch so gut wie bei „Sie wollen ...“ die Ausführung des Ersuchens voraussehen und gemäß den in Frage kommenden Bestimmungen und Vorschriften tatsächlich auch dürfen.


Zweifelsfall

Verb: Valenz

Beispiel
Bezugsinstanz Behördensprache, Hagedorn - Friedrich von, Literatursprache, gegenwärtig, Umgangssprache, Redewendung/Sprichwort
Bewertung
Intertextueller Bezug