Heutiger Unterschied der Konjunktivarten 1.

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 363 - 365
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Konjunktiv oder Indikativ

Genannte Bezugsinstanzen: Gegenwärtig, Sprachverlauf
Text

Tatsächlich sind im Grunde von jeher//1 Vgl. darüber namentlich O. Behaghel, Über die Entstehung der abhängigen Rede und die Ausbildung der Zeitfolge im Ahd., 1878, besonders S. 22—30; und: Der Gebrauch der Zeitformen im konjunktivischen Nebensatz des Deutschen. Mit Bemerkungen zur lateinischen Zeitfolge und griechischen Modusverschiebung, 1899.//, besonders deutlich aber gerade jetzt die Gebiete, auf denen die Konjunktive des Präsens und des Imperfekts verwendet werden, in andrer Weise geschieden, wohlgemerkt immer in Nebensätzen — über ihre Verwendung in Hauptsätzen schwankt selten jemand. Die Konjunktive der Gegenwartreihe stehn in allen Arten von Nebensätzen, von den schon besprochenen finalen abgesehn, hauptsächlich in aussagenden und fragenden mit samt den davon wieder abhängigen Nebensätzen höherer Stufen, und zwar auch nach Zeitformen der Vergangenheit, wenn etwas nicht als Tatsache, als wirklich so seiend oder nicht seiend hingestellt werden soll, sondern als subjektive Auffassung des Subjekts im übergeordneten Satze, als Gedanke, Vorstellung oder Äußerung des Trägers der Handlung, kurz in der abhängigen Rede. Wie sich diese subjektive Auffassung zur Wirklichkeit verhält, bleibt dabei durchaus unangedeutet; ja die Kenntnis, die man davon vielleicht hat, anzudeuten, darauf wird oft geradezu verzichtet und so, was nach besserem Wissen vielleicht wirklich eingetreten ist, nur als möglich, als bloß gedacht oder gesagt hingestellt. Wenn ich mich z. B. so ausdrücke: Schiller sagt, der Übel größtes sei die Schuld, so stelle ich den Gedanken lediglich als eine Meinung Schillers hin und enthalte mich selbst jedes Urteils über seine Richtigkeit, sein Verhältnis zur Wirklichkeit; wenn ich den Satz aber so wende: Schon Schiller sagt, der Übel größtes ist die Schuld oder daß der Übel größtes die Schuld ist, so stelle ich damit zwei Tatsachen fest, daß Schiller den Ausspruch getan hat und daß dieser in den Tatsachen begründet ist. Über die an solcher Stelle ungebräuchliche Umschreibung mit würde. (Vgl. S. 372 Anm. 1//1).


Zweifelsfall

Konjunktiv oder Indikativ

Beispiel
Bezugsinstanz gegenwärtig, Sprachverlauf
Bewertung

Frequenz/an solcher Stelle ungebräuchliche

Intertextueller Bezug O. Behaghel: Über die Entstehung der abhängigen Rede und die Ausbildung der Zeitfolge im Ahd., 1878, besonders S. 22-30, O. Behaghel: Der Gebrauch der Zeitformen im konjunktivischen Nebensatz des deutschen. Mit Bemerkungen zur lateinischen Zeitfolge und griechischen Modusverschiebung, 1899