Infolge (wegen) und durch (vermittels)

Aus Zweidat
Wechseln zu: Navigation, Suche
Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 151 - 152
Externer Link zum Kapiteltext

Nur für eingeloggte User:

Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Präposition: Auswahl

Genannte Bezugsinstanzen: Junker - Wilhelm, Boyen - Hermann von, Ernst - Paul
Text

Ein besonders verbreiteter Fehler ist die Wahl von durch, auch vermittels statt infolge oder auch wegen. Durch (vermittels) gibt nämlich die unmittelbare ursächliche Verknüpfung einer Erscheinung mit der anderen, namentlich auch einer Handlung mit ihrem Ergebnisse, ja oft geradezu das Mittel zu ihrer Ausführung an: Er ragt durch die Lauterkeit seiner Gesinnung hervor. Man will die Geschäftsleute oft durch Drohung mit dem Verruf zwingen. Dagegen bezeichnet infolge (wegen) nur eine unmittelbare Verknüpfung zweier Erscheinungen, namentlich auch den zurückliegenden Umstand oder Anstoß, unter dessen Nachwirkung durch mancherlei — oft nicht genannte — Umstände ein Zustand herbeigeführt worden ist. Viele Verträge haben infolge des Ausstandes nicht innegehalten werden können. Den Unterschied beider Ausdrucksweisen veranschaulicht besonders ein Satz wie der folgende: Infolge eines für einen etwaigen Rückzug gegebenen Befehles wurde die Brücke durch die angestrengtesten Bemühungen der Pioniere zum Einsturz gebracht. Man kann nämlich nicht sagen: der Befehl hat die Brücke zum Einsturz gebracht, wohl aber: die Bemühungen der Pioniere haben dies getan, wie denn überhaupt durch immer anwendbar ist, wenn diese Erscheinung zum Subjekt des entsprechenden aktivischen Satzes gemacht $Seite 152$ werden kann. Junker hat denn z. B. falsch geschrieben: Der Inhalt der Kisten war vermittels des eindringenden Wassers (statt: infolge Eindringens von Wasser) zu einem großen Eisklumpen gefroren; denn nicht das Eindringen von Wasser macht gefrieren, sondern die Kälte, unter deren Wirkung jener Umstand erst solche Folgen hat. Ähnlich mußte es bei v. Boyen heißen: Infolge zweckmäßig gegebener Baugelder (nicht: durch ... gegebene Baugelder) fand man an Stelle elender Hütten freundliche Häuser, und: nach einem infolge oder bei der späten (nicht: durch die späte) Jahreszeit anstrengenden Marsche: denn nicht diese Jahreszeit an sich strengt an, sondern die in ihr gewöhnliche Ungangbarkeit der Wege u. ä. Von der unmittelbaren Folge eines Todesfalls heißt es: Durch den Tod des Archivrates Naumann ist eine behagliche Gelehrtenstelle erledigt worden; aber man muß sagen: Infolge des Todes Archivrat Naumanns harrt eine Stelle von heut seltener Behaglichkeit ihrer Neubesetzung, da der Tod nicht auch die unmittelbare Ursache zum Unterbleiben der Neubesetzung ist. Ursache und Mittel nebeneinander zeigt wieder der Satz: Alle Anschuldigungen gegen den Beamten haben sich infolge der Mutwilligkeit, mit der sie erfunden waren, durch die amtliche Untersuchung in ein reines Nichts aufgelöst. Eigenartig, aber kaum zu beanstanden, steht durch in dem Satze P. Ernsts: Dann befiehlt Herkules, ihm ein Band um den Mund zu legen, damit er in seinem Schmerz durch das Gift nicht schreit, sondern freudig stirbt. Vgl. Behaghel, Ztschr. des Allg. Deutschen Sprachvereins 1905 S. 342 ff.


Zweifelsfall

Präposition: Auswahl

Beispiel
Bezugsinstanz Junker - Wilhelm, Boyen - Hermann von, Ernst - Paul
Bewertung

besonders verbreiteter Fehler, falsch, eigenartig, aber kaum zu beanstanden

Intertextueller Bezug Behaghel, Ztschr. des Allg. Deutschen Sprachvereins 1905 S. 342 ff.