Kalnoky und Caprivi waren zugegen. Geld und Gut macht nicht glücklich u. ä.

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 243 - 245
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Unsicherheit
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Durchaus frei steht die Wahl zwischen Einzahl und Mehrzahl der Aussage, die von mehreren ohne Bindewort oder durch und aneinandergereihten Subjekten gemacht wird, wenn nicht etwa die Stellung der Aussage ihre Zahl nach einer Seite hin bestimmt.

Zu mehreren selbst ausschließlich singularischen Subjekten kann das Prädikat natürlich in die Mehrzahl treten: Schlummernd lagen Wies' und Hain, jeder Pfad verlassen. Sie muß eintreten, wenn eine sachliche Trennung ausgesagt wird; Fr. Neumann (DLZ. 28) fügt also richtig: Darin gründet, daß die Welt des Geistig-Seelischen und die Welt des Sinnlich- Seelischen auseinander treten, dagegen falsch: So wird es Zeitstil, daß das Geistige und das Leibliche stark auseinandertritt. Diese Mehrzahl hat man mit einer gewissen Freiheit, die niemand mitmachen muß, selbst auf eine Ausdrucksweise übertragen, die grammatisch verschieden, inhaltlich freilich gleich ist, auf den Fall nämlich, daß einem singularischen Subjekt durch mit oder samt noch eine Begleitung beigefügt ist. So fügte mit Recht schon Schiller „nach dem Sinn": Scherz mit Huld in anmutvollem Bunde $Seite 244$ entquollen dem beseelten Munde; J. Grimm (Meine Entlassung): Es bedarf kaum gesagt zu werden, daß das ganze Gebiet der Theologie und selbst der Medizin, indem sie die Geheimnise der Religion und Natur zu enthüllen streben, dazu beitragen müssen, den Sinn und das Bedürfnis der Jugend für das Heilige, Einfache und Wahre zu stimmen und zu stärken; Der König mit seinem Sohne stiegen eiligst aus (L. Corinth). Dagegen fühlt sich feineres Stilempfinden verletzt, wenn ein gelehrter Baukünstler in der Tgl. R. schreibt: Wo einmal die Schaffenslust des Architekten mit derjenigen des Bauherrn ... sich zusammenfinden, da gibt es dann jenen unglaublichen Firlefanz, oder ein Literaturhistoriker: wie sich in Strindbergs Leben das unbewußte Fühlen der frühen Jugend mit der Erkenntnis des Alters begegnen; denn in diesen beiden Fällen handelt es sich auch „dem Sinne nach“ um das Zusammenfinden zur Einheit. — Nötig ist der Plural dann, wenn die Aussage von den verschiedenen Subjekten in ihrer gemeinsamen Betätigung und Wirkung gilt. Die Einzahl wimmelte wäre denn auch geradezu undenkbar in den bekannten Versen: Schwarz wimmelten da in grausem Gemisch der stachlichte Roche, der Klippenfisch, des Hammers greuliche Ungestalt. Nur als Dichter hat Geibel wagen dürfen: das Antlitz, drin sich Ernst und Milde paart, während für die Prosa richtig Langbehn geschrieben hat: Eiserne Entschlossenheit und goldene Bedachtsamkeit paaren sich in dieser Menschengattung. Ebenso notwendig ist die Einzahl der Aussage, wenn die von mehreren Subjekten ausgesagten Tätigkeiten und Zustände als für jedes im besonderen zur Wirkung, Darstellung und Anschauung gelangend bezeichnet werden sollen. Daher singt der Preuße: Ein Wölkchen und ein Schauer kommt zur Zeit; und noch notwendiger war die Einzahl bei Schiller: Und ein Arm und ein glänzender Nacken wird bloß, wenn anders uns nicht die Möglichkeit genommen werden sollte, selbst in der sprachlichen Form das allmähliche Auftauchen fast mitanzusehen. Bei Personennamen ist freilich die Einzahl auch in solchem Falle nur möglich, wenn das Prädikat vorangeht: Wäre York und Somerset gekommen, traun! wir hätten einen blut'gen Tag zu schaun (H. Viehoff), aber: Der Niederdeutsche soll zugleich Märker und Holländer sein, wie es der große Kurfürst und sein Enkel waren (Langbehn). Nicht gut stand daher in der Tgl. R.: unter fortwährendem Feuer, dem ein junges Mädchen und ein alter Mann zum Opfer gefallen war (statt waren). Etwas anderes ist es natürlich bei sachlichem Gegensatze, wofür dann der Satz von ebenda mustergültig ist: Der Thron, zu dessen Rechten der Raja, ihm gegenüber meine Wenigkeit Platz nahm. Geboten ist die Einzahl auch noch in einem anderen Falle, freilich nicht der Trennung, sondern wenn verwandte oder sich ergänzende Begriffe zu einem Ganzen zusammengefaßt werden: Salz und Brot macht Wangen rot. Wenn um den Ofen Knecht und Herr die Hände reibt und zittert, wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht (E. M. Arndt) — ähnlich auch bei weniger formelhaft zusammengehörigen Wörtern, zumal wenn sich die Zusammenfassung in einem gemeinsamen Geschlechts- oder Beiworte kundgibt: Auf der anderen Seite schießt die Mißstimmung und Beunruhigung von neuem üppig empor. Das Prädikat kann endlich sogar in die Einzahl treten, wenn im Subjekte Ein- und Mehrzahlen vereinigt sind, solange ihm nur die Mehrzahl nicht vorangeht und es der Einzahl $Seite 245$ möglichst nahe gerückt ist. Wir können also nicht mehr gut mit Luther sagen: Wolken und Dunkel ist um ihn her, wohl aber: Das Meer gehorcht ihm und die Länder oder Ihm gehorcht das Meer und die Länder. Doch muß dann zwischen den Subjekten auch eine gewisse sachliche Scheidung möglich sein; da diese am wenigsten bei artikel- und attributlosen Hauptwörtern angedeutet ist, herrscht denn neben diesen die Mehrzahl, und niemand möchte anders sagen als Goethe: Vom Eise befreit sind Strom und Bäche. Vg1. auch § 311.


Zweifelsfall

Kongruenz: Numerus

Beispiel
Bezugsinstanz Schiller - Friedrich, Literatursprache, Zeitungssprache, Arndt - Ernst Moritz, Neumann - Friedrich, Geibel - Emanuel, Fachsprache (Architektur), Goethe - Johann Wolfgang, Viehoff - Heinrich, Grimm - Jacob, Corinth - Lovis, Langbehn - Julius, Fachsprache (Germanistik), Luther - Martin, Preußen, Schriftsprache, gegenwärtig
Bewertung

Durchaus frei steht die Wahl, falsch, Freiheit, die niemand mitmachen muß, Frequenz/herrscht, fügte mit Recht "nach dem Sinn", fühlt sich feineres Stilempfinden verletzt, Geboten, geradezu undenkbar, kann natürlich, können nicht mehr gut sagen, muß eintreten, mustergültig, Nicht gut, niemand möchte anders sagen, Nötig, notwendig, nur als Dichter hat wagen dürfen, richtig

Intertextueller Bezug