Konjunktiv der Gegenwart

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 95 - 95
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Verb: Bildung des Konjunktiv II

Genannte Bezugsinstanzen: Volk, Norddeutsch, Schriftsprache, Preußen, Ursprünglich
Text

Groß ist die Unsicherheit auch in Bezug auf die Formen des ja auch seiner Bedeutung nach immer weniger verstandenen Konjunktivs (der abhängigen, unbestimmten oder bedingten Redeweise). Der der Gegenwart, der nie einen Umlaut hat, unterscheidet sich vom Indikativus (der bestimmten Redeweise) besonders durch die stete Beibehaltung des e nach dem Stamme. Dem Indikativ: Ich tu//1)Die ursprüngliche, allein mustergültige einsilbige Form bietet das Sprichwort: was ich denk und tu, trau ich andern zu; tuen ist papierne Anlehnung. Auch von steh[e]n, geh[e]n gestattet das neueste preußische Regelheft die einsilbige Form, und von sein gehört das e ja nur an die Konjunktivformen: wir, sie seien, ihr seiet. Aber außerdem darf es in der Nennform wegfallen von allen auf h oder Selbstlaut ausgehenden Stämmen, also ebensogut heißen fliehn, bereun und zwar ohne Apostroph, als fliehen, bereuen, letzteres wieder nur etwas breiter und förmlicher. (Vgl. § 110 über du sitzest und du sitzt.)//, du tust, er, ihr tut, wir, sie tun steht z. B. der Konjunktiv: ich, er tue, du tuest, ihr tuet, wir, sie tuen gegenüber. Das geht soweit, daß bei den abgeleiteten Verben auf -eln und -ern im Konjunktiv, wenn nicht beide e beibehalten werden, das zweite e bleibt, während dies in allen anderen Formen ein norddeutscher Provinzialismus ist. Vgl. § 762). Es heißt also mauern, nicht mauren, erleichtern, nicht erleichtren, heucheln, nicht heuchlen, und davon geheuchelt, ich heuchelte, und im Indikativ der Gegenwart: ich heuchle, du heuchelst, er, ihr heuchelt, wir, sie heucheln, aber im Konjunktiv: ich, er heuch(e)le, du heuch(e)lest, ihr heuch(e)let, wir, sie heuch(e)len. Durchgängig dagegen wird das erste e ausgeworfen bei den Verben auf -nen, deren Nennform: bezeichnen, trocknen durchaus maßgebend ist: Formen wie er bezeichent, er ist bezeichent worden (statt bezeichnet), die wohl der gewöhnliche Mann spricht, befremden uns daher in der Schriftsprache //1 Die ursprüngliche, allein mustergültige einsilbige Form bietet das Sprichwort: was ich denk und tu, trau ich andern zu; tuen ist papierne Anlehnung. Auch von steh[e]n, geh[e]n gestattet das neueste preußische Regelheft die einsilbige Form, und von sein gehört das e ja nur an die Konjunktivformen: wir, sie seien, ihr seiet. Aber außerdem darf es in der Nennform wegfallen von allen auf h oder Selbstlaut ausgehenden Stämmen, also ebensogut heißen fliehn, bereun und zwar ohne Apostroph, als fliehen, bereuen, letzteres wieder nur etwas breiter und förmlicher. (Vgl. § 110 über du sitzest und du sitzt.)// .


Zweifelsfall

Verb: Bildung des Konjunktiv II

Beispiel

tu, du tust, er tut, ihr tut, tun, tun, tue, er tue, du tuest, ihr tuet, tuen, tuen, mauern, mauren, erleichtern, erleichtren, heucheln, heuchlen, geheuchelt, heuchelte, heuchle, du heuchelst, er heuchelt, heuchelt, heucheln, heucheln, heuchele, er heuchele, du heuchelest, heuchelet, heuchelen, heuchelen, er bezeichnet, bezeichnet, seien, seien, ihr seiet, fliehn, bereun

Bezugsinstanz Volk, norddeutsch, Schriftsprache, Preußen, Schriftsprache, ursprünglich
Bewertung

befremden, förmlicher, Frequenz/breiter, mustergültig, nicht, Provinzialismus, Unsicherheit

Intertextueller Bezug