Lerne früh das Lob (zu) ertragen

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 265 - 266
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Unsicherheit
Text

Ein gleich gewichtiger geschichtlicher Grund gegen das zu wie in den Fällen von §276 fehlt zwar bei einer zweiten Reihe von Wörtern wie lehren und lernen, helfen, heißen, machen und nennen, und das Wörtchen ist denn auch nicht selten neben ihnen, immerhin wird es im allgemeinen noch heißen: Das nenn ich doch beweisen, Das heißt anlaufen//2 Während neben dem Infinitiv-Ersatze (§ 118) immer die bloße Nennform steht (ich habe ihn gehen heißen), ist neben der vollständigen Form des Mittelwortes die Nennform mit zu üblich: als er mich zu bleiben geheißen hatte.// u. ä. Bei machen ist der Infinitiv mit zu im wesentlichen auf einige Veranlassungen der Äußerung eines Affektes beschränkt, wie zu weinen, fürchten, lachen (auch zum Lachen) und ebenso zu singen machen. Auch bei lernen ist die bloße Nennform noch gebräuchlicher; und die Infinitivpräposition zu, die freilich in einem guten norddeutschen Buche über den deutschen Unterricht durchgehends steht, $Seite 266$ bliebe besser auf die Fälle aufgespart, wo der abhängigen Nennform, sie zum Satze erweiternd, viele Bestimmungen beigegeben sind oder ein versteckter Begriff des Wünschenswerten und besonders des Gebührenden und Notwendigen zwischen den Zeilen zu lesen ist, bei dem auch sonst zu steht: so wenn schon zu Luthers Zeiten eine Mahnung erklang: Lernt, eure Ehefrauen recht zu lieben und, was Gott mit euch handelt, mit Geduld zu tragen; oder bei Lessing die Frage: So war ich ja der erste, den Saladin mit Worten abzulohnen doch endlich lernte? Die bloße Schwere der Belastung und Möglichkeit sonst falscher Auffassung sprach für zu in dem Satze der Nordd. Allg. Ztg.: Zumal sich das Publikum gerade nach dieser Richtung sehr [zu] bescheiden gelernt hat. Nur eine weitere Entwicklung auf diesem Wege ist es, wenn bei lehren die Form mit zu fast schon gleich häufig ist, zumal in längeren Sätzen, während engeren und althergebrachten Verbindungen wie Herr, lehre mich erkennen, bedenken u. ä. auch heute noch die bloße Nennform zukommt; nicht minder auch den Fügungen, worin lehren, zum Teil ironisch, soviel ist als auf eindringliche Art, vielleicht auch zur Strafe etwas kundtun: Warte, ich will dich lügen lehren! Ich will Sie lehren, alte Leute wie die Kinder anführen!


Zweifelsfall

Infinitivkonstruktionen mit und ohne (um) zu

Beispiel
Bezugsinstanz gegenwärtig, Redewendung/Sprichwort, norddeutsch, Schulsprache, Schriftsprache, Lessing - Gotthold Ephraim, Luther - Martin, Sprachverlauf, Zeitungssprache
Bewertung

Frequenz/gebräuchlicher, Frequenz/gleich häufig, Frequenz/im allgemeinen, Frequenz/immer, Frequenz/nicht selten, Frequenz/üblich, Schwere der Belastung und Möglichkeit sonst falscher Auffassung

Intertextueller Bezug