Mißbrauch der losen, erläuternden Zusätze

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 238 - 239
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Parenthesen, Appositionen und Konkurrenzkonstruktionen

Genannte Bezugsinstanzen: Gelehrte, Frau, Gegenwärtig, Rodenberg - Julius, Literatursprache
Text

Ob man es aber gleich berechtigt und ungezwungen finden darf, daß z. B. in einem dünnen, aus Feuilletonplaudereien entstandenen Bändchen von Rodenberg gleich ganze Sammlungen solcher Fügungen anzutreffen sind? Nur ein halbes Dutzend sei hergesetzt: 1. Von all den alten Häusern, heut königliche Gebäude, ist dies das hübscheste. 2. In dem weitläufigen Hofe, zu des Prinzen Zeit ein großer Garten, sind mehrere Fabriken. 3. in dem Hause $Seite 239$ Nr. 6, noch heut ein altmodischer Bau. 4. in eben diesem Revier, bis vor wenigen Jahren eines der stillsten von Berlin. 5. Es war lange der Palast der Prinzessin Amalie von Preußen, *jüngsten//1 Vgl. oben § 240, Anm.).// Schwester Friedrichs des Großen, auch sie eine Schülerin Voltaires. 6. Französisches Blut fließt in den Adern du Boys-Reymonds, er, der echte getreue Sohn unsrer Kolonie. Das 5. Beispiel, meine ich, sollte allein wegen der Härte des zusammenstoßenden zweiten und ersten Falles mißbilligt werden; mit dem 6. ist man gar bei der Auflösung der Satzfügung angelangt. Es ist, als freute man sich, mit dieser freien Form in Nachäffung des Französischen der regelrechten Form ein Schnippchen schlagen zu können. Dazu kommt sie dem schon öfter beklagten Zuge unsrer heutigen Sprache entgegen, alles in einen Satz mit endlosen Nebenbestimmungen zusammenzudrängen, statt in ordentlicher Gliederung Neben- und Zwischensätze, für Zwischenbemerkungen die gebührende Form, an- und einzufügen. Gar nicht dringend genug kann es darum empfohlen werden, Relativ- und Zwischensätze wie: welcher, was ... ist (war); das (er, es) ... ist (war)//2 Als ein Beispiel, das für den Vorzug solcher Sätze vor andern deutlich spricht, führt A. W. Grube, Streiflichter auf die Wandlungen und Schwankungen im nhd. Sprachgebrauche (S. 57) die Übersetzung einer W. Scottschen Stelle an, die bei einem Fräulein lautet: reitend auf einem Esel, das Geschenk des Geächteten, und bei einem Dr. phil.: auf einem Esel, dem Geschenke des Geächteten, reitend. Jene wäre vor der Formlosigkeit dieser von seiner Lächerlichkeit, dem auf dem Geschenke Reitenden, bewahrt geblieben durch die Fassung: auf einem Esel reitend — er war das Geschenk des Geächteten.//, nicht zu scheuen, damit man nicht zwischen zwei gleich übeln substantivischen Fügungen und somit immer wieder ein Übel wählen muß.


Zweifelsfall

Parenthesen, Appositionen und Konkurrenzkonstruktionen

Beispiel
Bezugsinstanz Gelehrte, Frau, gegenwärtig, Rodenberg - Julius, Literatursprache
Bewertung

Auflösung der Satzfügung, der regelrechten Form ein Schnippchen schlagen zu können, Formlosigkeit, gebührende Form, gleich berechtigt, Härte, Lächerlichkeit, Mißbrauch, Nachäffung des Französischen, nicht zu scheuen, ordentlicher, sollte mißbilligt werden, Übel, ungezwungen, Vorzug solcher Sätze, zusammenzudrängen, zwei gleich übeln

Intertextueller Bezug A. W. Grube: Streiflichter auf die Wandlungen und Schwankungen im nhd. Sprachgebrauche (S. 57)