Mit solchem Eifer und Beständigkeit

Aus Zweidat
Wechseln zu: Navigation, Suche
Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 135 - 136
Externer Link zum Kapiteltext

Nur für eingeloggte User:

Unsicherheit
Text

Was hier der Sinn, verlangt in anderen Fällen zum Teil die Form. Zwar wenn die Hauptwörter verschiedenen Geschlechts sind oder in verschiedener Zahl stehn, braucht das Eigenschaftswort trotzdem nur vor das erste zu treten, wenn seine Form, äußerlich gefaßt, auch zu dem oder den folgenden paßt. Man darf also sagen: Ländlicher Natur und Sitten, ihre Reiche und Herrlichkeit. Wohl aber müssen Artikel und andere Formwörter, wenn die verschiedenen Zahlen und Geschlechter daran durch verschiedene Formen ausgedrückt werden, unbedingt wiederholt werden. Also sage man nicht mit einem Reiseberichte: Die Pracht dieser einst reichsten Stadt und Zentrum (statt: dieser einst reichsten Stadt, dieses Zentrums)//1 Schon Wolfram v. E. sagt Parz. XIII, 659, 4 z. B.: dise burc unt diz gemezzen lant.// aller intellektuellen Kreise der Welt; nicht mit solchem Eifer und Beständigkeit statt: und solcher Beständigkeit; selbst nicht mit O. Brahm: mit welcher Energie und zähem (statt und welch zähem oder welchem zähen) Rechtssinne; nicht gegen sein Wissen und Willen (statt und Wollen); vor allem auch nicht mit Präpositionen wie häufig: Eingang zum Garten und Kegelbahn statt richtig und bequem (nach § 135): zu Garten und Kegelbahn.

Aber was man für den Artikel und seine Vertreter, die auch zur Unterscheidung des Geschlechtes mit da sind, fordern kann, darf man nicht vor Hauptwörtern verschiedenen Geschlechtes ausnahmslos auch für jedes Attribut verlangen, also daß es nur heißen könnte: großer Schmerz und große Angst, nicht: großer Schmerz und Angst, und bloß das schön gelegene Schloß und die schön gelegene Kapelle. Nur ein lediglich korrekt sein wollender Stil wird auf diese Weise der Form zuliebe Langeweile und Eintönigleit eintauschen; und das andere Mittel, die Eintönigkeit zu vermeiden, indem man ein sinnverwandtes Hauptwort gleichen Geschlechts aussucht oder ein sinnverwandtes Eigenschaftswort vor das spätere Hauptwort stellt, kann wohl dem langabwägenden Prunkstile zugemutet $Seite136$ werden: wo anders, an falschem Orte zu prunken dagegen kann nur geziert und gespreizt, ja lächerlich wirken. Und so finden sich denn z. B. folgende Fügungen: im bloßen Hemd, Strümpfen und Unterkleidern; Erinnerungen an zerkratzte blutige Hände und Gesicht; da hat ein solches Lied große Gewalt und Trost; man brachte dem Werke großes Interesse und Spannung entgegen; von ländlicher Freude und Verdruß; mit einer hölzernen Kelle oder Kochlöffel; mit müdem Fuß und Knien bei Schiller, W. Hauff, Bismarck, Th. Vischer, O. Brahm, G. Keller u. W. Raabe, lauter Namen, die deutlich genug erhärten, daß da nicht von Unförmlichkeit und Liederlichkeit die Rede sein kann, sondern nur von ungezwungener Natürlichkeit. Schon Goethe hat sich nicht nur alles Leid und Schmerzen, all der Schmerz und Lust im Verse, sondern auch in Prosa nach geringem Trank und Speise gestattet.


Zweifelsfall

Ellipsen in koordinierten Präpositionalphrasen

Beispiel
Bezugsinstanz Literatursprache, Brahm - Otto, Bismarck - Otto von, Keller - Gottfried, Vischer - Friedrich Theodor, Hauff - Wilhelm, Raabe - Wilhelm, Schiller - Friedrich, Goethe - Johann Wolfgang
Bewertung

an falschem Orte, bequem, da nicht von Unförmlichkeit und Liederlichkeit die Rede sein kann, gespreizt, geziert, lächerlich, langabwägenden Prunkstile, ungezwungener Natürlichkeit

Intertextueller Bezug


Zweifelsfall

Ellipsen in koordinierten Phrasen

Beispiel
Bezugsinstanz Bismarck - Otto von, Keller - Gottfried, Goethe - Johann Wolfgang, Brahm - Otto, Literatursprache, Schiller - Friedrich, Vischer - Friedrich Theodor, Hauff - Wilhelm, Raabe - Wilhelm, Wolfram von Eschenbach
Bewertung

an falschem Orte, bequem, da nicht von Unförmlichkeit und Liederlichkeit die Rede sein kann, Eintönigkeit, Frequenz/häufig, gespreizt, geziert, korrekt, lächerlich, langabwägenden Prunkstile, Langeweile, Man darf also sagen, die Eintönigkeit zu vermeiden, nur heißen könnte, richtig, sage man nicht, ungezwungener Natürlichkeit

Intertextueller Bezug