Sätze mit indem und so daß falsch statt Hauptsätze

Aus Zweidat
Wechseln zu: Navigation, Suche
Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 328 - 329
Externer Link zum Kapiteltext

Nur für eingeloggte User:

Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Hypotaxe oder Parataxe

Genannte Bezugsinstanzen: Fachsprache (Germanistik), Gegenwärtig, Literatursprache, Zeitungssprache
Text

Nie dürfen Nebensätze mit indem und so daß anstatt weiterführender Hauptsätze gebraucht werden; denn das hieße selbständige, gleichwertige Gedanken in ein vollständig unterordnendes Verhältnis zwängen, insofern Sätze mit indem heute hauptsächlich das zeitliche Zusammenfallen oder die besondere Art der Ausführung einer bereits gemeldeten Handlung anführen und so daß gar das logische Verhältnis der Folge zur Ursache angibt. Ganz verwerflich ist also der Zeitungssatz: Der Kommerzienrat enthob seinen ersten Beamten, als sich der Verdacht seiner Veruntreuung bestätigte, auf der Stelle telegraphisch seines Amtes, indem er aus dem Bade nach Hause eilte (statt: und eilte — nach Hause), um vorläufig das Geschäft selber zu leiten. Nicht besser steht bei einem Germanisten: Am siebenten $Seite 329$ Morgen kommen sie nach Worms, wo sie niemand kennt, bis Hagen herbeigerufen wird und den Fremden für Siegfried erklärt, indem er von seinen Taten erzählt. Weiter gar ein Satzungeheuer: Die Russen freilich und besonders die Franzosen und die italienischen Radikalen, die mit dem Zerfallen des Dreibundes schon die Erfüllung ihrer gefährlichen Pläne wie hofften, so auch glaubten, zetern über die in diesem Bunde liegende Herausforderung des übrigen Europa, jene beiden großen Mächte, die erste vor allem, freilich nicht in so kindischer Weise, wie die italienischen Radikalen ihren Ärger über die Durchkreuzung ihrer Pläne verraten, geradezu pöbelhaft nämlich, so daß es für jeden, der mit den Verhältnissen zu rechnen vermag, wahrlich ersichtlich genug ist, daß dieser den Frieden gewährleistende Bund die größte Segnung für die zivilisierte Welt bedeutet, mögen auch die Heere, auf denen sein überwältigender Eindruck beruht, ihren Völkern die schwersten Opfer kosten. Nicht nur ist der Satz kaum zu übersehn, sondern die Fortführung mit so daß erweckt den Eindruck, als ob die Erkenntnis der Einsichtigen nur eine Folge der pöbelhaften Auftritte in der italienischen Kammer wäre, während sie doch auch auf den Urteilen Rußlands und Frankreichs und auf allgemeinen Erwägungen beruht. Diesem Verhältnisse kann nur eine derartige Fortführung gerecht werden: Wer aber mit den Verhältnissen zu rechnen vermag, wird vollends nach solchen Urteilen von diesen Seiten nur desto deutlicher erkennen usw. Im ganzen darf man glücklicherweise sagen, daß dieser Mißbrauch der Bindewörter indem und so daß heute seltener ist als selbst bei den Klassikern, Gelehrte, die des Rechts vor allen, und Zeitungsschreiber abgerechnet. Um so öfter begegnet jetzt derselbe Fehler in der Form des abgekürzten Satzes, nämlich in der Anwendung des Mittelwertes der Gegenwart oder der Nennform mit um zu statt eines weiterführenden Hauptsatzes.


Zweifelsfall

Hypotaxe oder Parataxe

Beispiel
Bezugsinstanz Fachsprache (Germanistik), gegenwärtig, Literatursprache, Zeitungssprache
Bewertung

falsch, Fehler, Frequenz/seltener, Frequenz/um so öfter, Ganz verwerflich, kann nur eine derartige Fortführung gerecht werden, Mißbrauch, Nicht besser, Nie dürfen gebraucht werden, Satzungeheuer

Intertextueller Bezug