Schlimme Folgen der falschen Ansicht von der Stellung des Subjekts

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 391 - 392
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Text

Vielleicht geradezu hervorgerufen durch die Lehre von dem an die Spitze zu stellenden Subjekte sind die zahlreichen Fehler, die darin bestehen, daß das Subjekt in passi- $Seite 392$ vischen Sätzen in einer das Sprachgefühl verletzenden Weise am Anfange steht. Man höre nur: Als aber die Kugeln von allen Seiten hereinschlugen, als ein Spiegel von einer derselben (statt als von einer ... ein Spiegel) zertrümmert wurde, zog sie sich in den Keller zurück; und den schlimmeren Satz: Auch hier (im Cumaondistrikt) werden Schafe und Ziegen zum Getreidetransport von den Eingeborenen verwendet, wofür am besten stünde: Auch hier werden von den Eingeborenen Schafe und Ziegen zum Getreidetransport verwendet. An dem Verhältnisse des Aktivs zum Passiv, das ja oft nicht wegen einer andern Auffassung sondern lediglich der Deutlichkeit halber gewählt werden muß, wäre es überhaupt besonders leicht gewesen, das Verkehrte jener Lehre einzusehen, wonach das Subjekt soll an der ersten Stelle stehn müssen. Aktivisch sagt jeder; die Eingeborenen verwendeten auch hier oder: Auch hier verwendeten die Eingeborenen Schafe und Ziegen zum Getreidetransport; was in der Welt soll für ein Grund vorhanden sein, passivisch in der oben getadelten Weise umzustellen? — Eine verkehrte Folgerung ist auch die, daß es auf alle Fälle, auch wo der Zusammenhang alles klarstellt, unbequemlich sei und Mißverständnisse hervorrufe, wenn das Objekt dem Subjekte vorangehe und in der Form keines als Subjekt oder Objekt kenntlich sei. Danach getadelt werden wahrhaftig auch Sätze wie die: Eine tote Stille herrschte jetzt in Brüssel, die nur zuweilen das ungewohnte Geräusch der Waffen unterbrach (Schiller), und viele Stellen der Grimmschen Märchen, so: Nun trug sie (Akkusativ) das Männchen wieder in das königliche Schloß und in ihr Bett; deshalb schloß es (Akkusativ) die Zauberin in einen hohen Turm. Da geht aber doch nur wie in Tausenden von Sätzen, die täglich gedruckt, geschrieben und gesprochen werden, der Objektskasus lediglich nach dem — schönen — rhythmischen Gesetze voran, daß ein Satzteil, der nach grammatisch-logischen Forderungen einem anderen nachfolgen müßte, diesem vorantritt, sobald er viel kürzer, unbedeutsamer und weniger betont ist. Wo wirklich — d. h. auch beim Lesen im Zusammenhänge! — durch die aktivische Fügung Undeutlichkeit entsteht, hilft öfter und deutlicher die Verwandlung ins Passiv; daß aber auch, wenn der Rhythmus nicht verletzt wird, die Voranstellung des ersten und die Nachstellung des vierten Falles helfen kann, beruht nicht auf der nach der alten Ansicht bestehenden Notwendigkeit, das Subjekt voranzustellen, sondern auf der sprachgeschichtlich begründeten Gewohnheit, das Objekt nachzustellen, worüber oben mehr!


Zweifelsfall

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Beispiel
Bezugsinstanz Grimm - Jacob, Grimm - Wilhelm, Schiller - Friedrich, Sprachgelehrsamkeit, gesprochene Sprache, Schriftsprache, alt
Bewertung

in einer das Sprachgefühl verletzenden Weise, schlimmer, verkehrt, unbequemlich, Frequenz/täglich, schön

Intertextueller Bezug