Wer und der

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 82 - 83
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Konkurrierende Relativpronomina

Genannte Bezugsinstanzen: Goethe - Johann Wolfgang, Grimm - Jacob, Grimm - Wilhelm, Schiller - Friedrich, Zeitungssprache
Text

In der Natur des männlichen Geschlechtes, das sich auf solche allgemeine Für- und Eigenschaftswörter wie auf Sätze $Seite83$ nicht beziehen kann, liegt es, daß der Gebrauch von wer eingeschränkter ist als der von was. Es ist nicht einmal üblich nach vorausgehenden unbestimmten Zahl- und Fürwörtern: der(jenige), einer, mancher, jeder, kein, niemand, die aus der Allgemeinheit zwar nicht sachlich, aber doch nach Zahl und Form bestimmt nur einen herausheben und deshalb bloß der (und welcher) nach sich haben. Also nicht: die Schilderungen muß jeder gelesen haben, wer, sondern: der die Geschichte jener Tage schreiben will. Selbst wenn kein solches Beziehungswort vorausgeht, ist nur der, nicht wer am Platze, sobald der Relativsatz die Umschreibung für ein bestimmtes Einzelwesen ist, wofür es kein belehrenderes Beispiel gibt als immer wieder die Verse aus Goethes Mignon: Nur wer die Sehnsucht kennt (das sind viele), weiß was ich leide; aber: der mich liebt und kennt (nur ein Bestimmter), ist in der Weite. Nur dann steht in diesem Falle wer, wenn die durch den Relativsatz bezeichnete Person zwar ein Einzelwesen ist, aber eines, von dem es noch nicht festgestellt, noch fraglich ist, ob es mit jener Person sich deckt; woran man denn noch recht deutlich fühlt, wie das rückbezügliche wer aus dem fragenden herausgewachsen ist. So heißt es in Grimms Märchen: Wer aber herein kam, das war der Wolf. (Lebhafter gelesen: Wer aber herein kam? — das war der Wolf) und oft genug in den Spalten der Zeitungen: Wer mir den Täter so anzeigt, daß ich ihn gerichtlich belangen kann, erhält 50 M. Belohnung //1 Ebenso fein ist der Wechsel zwischen beiden Wörtchen in der Stelle von „Wallensteins Lager 880 ff.: wenn hier in dem Streite, wer sie bezahle, der Arkebusier sagt: Und der uns bezahlt, das ist der Kaiser, der Trompeter aber wer uns nicht bezahlt, das ist der Kaiser, so klingt da in dem wer die Unsicherheit der Entscheidung und — wieder die Entstehung aus der Frage durch!//.


Zweifelsfall

Konkurrierende Relativpronomina

Beispiel

was, der(jenige), einer, mancher, kein, niemand, der, welcher, jeder, die Schilderungen muß jeder gelesen haben, wer die Geschichte jener Tage schreiben will, die Schilderungen muß jeder gelesen haben, der die Geschichtejener Tage schreiben will, wer, der, wer

Bezugsinstanz Goethe - Johann Wolfgang, Grimm - Jacob, Grimm - Wilhelm, Schiller - Friedrich, Zeitungssprache
Bewertung

eingeschränkter, Frequenz/nicht üblich, Frequenz/oft genug, lebhafter, Unsicherheit der Entscheidung

Intertextueller Bezug