Zusammenziehung eines über- und eines untergeordneten Satzes, besonders mit wenn, obgleich und weil

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 309 - 311
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Ellipse finiter Verben im Nebensatz

Genannte Bezugsinstanzen: Zeitungssprache, Lange - Friedrich, Goethe - Johann Wolfgang, Literatursprache, Schriftsprache
Behandelter Zweifelfall:

Konnektoren und ihr Gebrauch

Genannte Bezugsinstanzen: Zeitungssprache, Literatursprache, Schriftsprache, Goethe - Johann Wolfgang
Text

Das Bestreben, die Wiederholung gleicher oder in einer bestimmten Satzart regelmäßig wiederkehrender Satzteile zu vermeiden, hat endlich sogar dazu geführt, daß ungleichartige, d. h. Haupt- und Nebensätze zusammengezogen werden. Freilich nicht allgemein. Ein Herausgeber der Germania durfte z. B. einen Satz des Tacitus nicht also wörtlich nachmachen: weil die, welche zuerst den Rhein überschritten, Gallier aus ihren Sitzen vertrieben und jetzt Tungrer (fehlt heißen), damals Germanen genannt worden seien. Noch weniger können wir in dem Satzgefüge: Außer daß er glaubte, der Friede sei unter des Großvaters Herrschaft notwendig gewesen, (glaubte er) auch, daß er die Ruhe, die jenem vergönnt gewesen war, nicht wohl ohne Kränkung werde haben können, das eingeklammerte Zeitwort des Hauptsatzes $Seite 310$ entbehren, obwohl es im lateinischen Original fehlt. Vor allem dürfen bei der deutschen Art, wonach die Stellung des finiten Verbs ein Hauptmittel ist, Haupt- und Nebensatz zu unterscheiden und jenem an seiner zweiten Stelle im Verbum den Hauptträger zu verleihen, bei der Zusammenziehung höchstens Nebensätze ihr Verbum verlieren. Hauptsächlich sind es kürzere, wie der Fr. Langes: Wer in Liebe, der ist in Gott, und einräumende (obgleich, obschon, wenn auch), begründende (weil, nicht: da) und auch bedingende (wenn). Für jede dieser Satzarten möge ein Beispiel folgen: Meine Rechte, obgleich im Kriege nicht unbrauchbar, ist gegen den Druck der Liebe unempfindlich (Goethe). Er ist, weil besser vorbebereitet, auch des Vorzugs wert. Leichte ephemere Gebilde, die, wenn einmal zerfallen, für immer dahingegangen und unwiederbringlich verloren sind. Fehlerhaft werden die Sätze, wenigstens die mit wenn und weil, sobald das Zeitwort des Hauptsatzes gar nicht als Ersatz für das Prädikat des Nebensatzes dienen kann. Also kann man nicht sagen: Die Lieferung muß, weil (oder wenn) verspätet, entsprechend billiger berechnet werden, sondern nur: Weil (wenn) sich die Lieferung verspätet hat, muß sie ... berechnet werden. Bedenklich wird die Zusammenziehung auch dann, wenn das mit weil oder wenn angefügte Wort nicht auf das Subjekt, sondern auf einen andern Fall geht, so daß nicht nur das Zeitwort des Seins, sondern auch noch ein neues Subjekt zu ergänzen wäre, wie in dem Satze: Die Kammer bewilligte dem Manne, weil vollständig verarmt, eine jährliche Unterstützung.

Eher kann in bescheidenen Grenzen ein weil und wenn vor einer von mehreren Beifügungen gutgeheißen werden, in der Art: die neueste, wenn wahr, erschütternde Nachricht. Diese Beifügungen entsprechen nämlich Sätzen, in denen die Zusammenziehung möglich wäre: eine Nachricht, welche, wenn (sie) wahr (ist), erschütternd ist. Auch daß die bequeme und zugleich das Gedankenverhältnis scharf herausstellende Fügung von dem attributiven Verhältnisse auf das prädikative und adverbiale übergegangen ist, darf nicht wundern: Schwerer, weil noch unberechtigter als der angestammte Tyrann drückt immer der ausländische Eroberer. Ein Zuviel, z. B. zwei solche Fügungen hintereinander, wirkt freilich satzzerstückend: Die Straßen sind, obgleich staubig, weil noch ungepflastert, breit angelegt (Tgl. R.). Überhaupt muß die Fügung, in der sich die Tagesliteratur förmlich übernimmt, wenigstens in zwei Fällen unbedingt verworfen werden. Das eine Mal, wenn dadurch eine adverbiale Bestimmung des Verbums zu einer attributiven des Subjektes oder eines anderen substantivischen Satzteiles wird: die letzten, weil vorurteilsfreien Freunde der Kirche stimmen darin zusammen; das kann doch nur bedeuten, die, welche, weil sie vorurteilsfreier, die letzten Freunde der Kirche sind usw. und nicht, was es bedeuten soll: die letzten Freunde der Kirche stimmen, weil sie vorurteilsfreier sind, darin überein. Sodann, und das ist häufiger, ist die Fügung falsch, wenn dadurch die krankhafte Hast befördert wird, was in einzelne Sätze gehört, in hart und scharf aneinander gerückte Satzteile zusammendrängen; verbindet sich doch damit zugleich die Verleitung zu den schon vielmals gerügten ellenlangen und unrhythmischen Attributen; so wenn es in der Tgl. R. heißt: die, wenn auch im Werte ungleich (!) besseren, aber nur mittels Handarbeit herstellbaren Leinenfabrikate, und in einer $Seite 311$ andern Ztg.: ein so reichhaltiges und weil in seiner vorwiegenden Mehrheit der jüngsten Vergangenheit entstrahlend (1)//1 In dieser ungebeugten Form kommt die Empfindung zum Ausdruck, daß hier eigentlich kein Attribut, sondern eine partizipiale, besser verbale vollständige Satzfügung vorliegt. Dadurch rechtfertigt sich wohl grammatisch diese Form, aber nicht stilistisch die ganze Fügung, da wir Attribute mit eingeschachtelten Sätzen schon oben § 266 verurteilen mußten.// so gesichtertes Material mußte auch zu Untersuchungen führen.


Zweifelsfall

Ellipse finiter Verben im Nebensatz

Beispiel
Bezugsinstanz Zeitungssprache, Lange - Friedrich, Goethe - Johann Wolfgang, Literatursprache, Schriftsprache
Bewertung

Bedenklich, bequeme, das Gedankenverhältnis scharf herausstellende, dürfen höchstens, durfte nicht, Ein Zu:viel [sic!], falsch, Fehlerhaft, fehlt, Frequenz/häufiger, Frequenz/Hauptsächlich, Frequenz/nicht allgemein, Fügung, in der sich die Tagesliteratur förmlich übernimmt, kann in bescheidenen Grenzen gutgeheißen werden, kann man nicht sagen, krankhafte Hast befördert, möglich, muß wenigstens in zwei Fällen unbedingt verworfen werden, nicht, was es bedeuten soll, nur, rechtfertigt sich nicht stilistisch, rechtfertigt sich wohl grammatisch diese Form, verbindet sich doch damit zugleich die Verleitung zu den schon vielmals gerügten ellenlangen und unrhythmischen Attributen, verurteilen mußten, wirkt freilich satzzerstückelnd

Intertextueller Bezug


Zweifelsfall

Konnektoren und ihr Gebrauch

Beispiel
Bezugsinstanz Zeitungssprache, Literatursprache, Schriftsprache, Goethe - Johann Wolfgang
Bewertung
Intertextueller Bezug