jenes, dieses; jener, dieser alleinstehend als Genitive

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 77 - 77
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Konkurrierende Demonstrativpronomina

Genannte Bezugsinstanzen: Chiavacci - Vinzenz, Sprachgelehrsamkeit, Förster - Emma, Frau, Gegenwärtig, Mann, Schneider - Paul, Steinhausen - Heinrich, Zeitungssprache
Text

Nur noch wenig gebräuchlich ist die Anwendung der substantivischen Genetive jenes und dieses in der Art: Überall tritt das Deutsche hervor in dem Geiste der heutigen höheren Schulen, denen die Pflege jenes (statt: denen dessen -, denen seine Pf.) mehr als je obliegt. (Lit. Wschr. 26). Urbarmachung alles brachen Bodens und stärkste Ausnutzung dieses (statt: und dessen st. A.) (P. Schneider). Er hat den von ihm angerichteten Schaden oder einen Teil dieses (statt: davon) wiedergutzumachen. Auch bei einem Deutschforscher wirkt es befremdend: Man versteht den Vorzug, den wienerisch und kölnisch genießen; bei jedem dieser (statt: bei beiden) steht im Hintergrunde eine berühmte, gefeierte Stadt. Nur formelhaft ist üblich Vorzeiger, Überbringer dieses.

§ 97. Oft macht es den Eindruck, als ob man nichts mehr wüßte von dem Hauptdienste von jener und dieser, mit jener auf räumlich oder zeitlich Entfernteres oder früher Genanntes, mit dieser auf das räumlich oder zeitlich Näherliegende oder das Zuletztgenannte hinzuweisen: Italien und Frühling sind nicht dieselben Begriffe, und jenes schließt diesen nicht in sich hat z. B. klar und schön eine Frau (E. Förster) geschrieben. Heute meinen die Männer der Feder dafür meist die häßlichen ersterer und letzterer nötig zu haben: Als die aufgebotenen Mannschaften den Wald durchsuchten, bekamen sie wenigstens noch zwei der Wilderer in ihre Gewalt, den tollen Steffen samt einem noch nicht bekannten Genossen, letzteren ohne jede Gegenwehr, ersteren erst, nachdem er schwer verwundet worden. Wäre da diesen ohne Gegenwehr, jenen erst ... nicht ebenso klar und zugleich gefälliger? Dabei ist noch zuzugeben, daß hier die beiden Wörter, die als Komparative nur am Platze sind, wo es sich um die Auswahl zwischen zweien handelt, wenigstens insofern richtig angewandt sind. Also sind solche Sätze noch schlimmer, wo diese Komparative statt erste oder letzte stehn, also auf einen von mehr als zwei Gegenständen gehn, wie bei Chiavacci: Dort lagen die Hühner- (1) und Gänseleichen (2), sowie die irdischen Reste von Kälbern (3) und Schweinen (4), letztere waren schon in Wurstform verpuppt, oder wo gar das schwerfällige letztere in Beziehung auf ein einziges in Frage kommendes Hauptwort für ein einfaches hinweisendes oder besitzanzeigendes Fürwort eintritt: das Blumengärtchen ... stieß durch eine Lücke des Schloßgartens an den schattigsten Teil des letzteren statt an dessen schattigsten Teil (Steinhaufen). Gerade dieser Mißbrauch wird jetzt, besonders in Zeitungen, grenzenlos getrieben. Man höre nur einige Beispiele: Weil der Putz an einigen Stellen des Rathauses abfällt, hat der Rat beschlossen, das letztere (statt es) ganz neu abputzen zu lassen. — Der Statthalter und Herr v. H. haben neulich das vom Kaiser jüngst erworbene Gut Urville besichtigt, wie verlautet, weil der Kaiser auf letzterem (statt dort) nächstes Frühjahr einige Tage zubringen will.


Zweifelsfall

Konkurrierende Demonstrativpronomina

Beispiel

dessen, seine, dieses, davon, beiden, erst, jener, dieser, jenes, ersterer, letzterer, letzteren, ersteren, diesen, jenen, erste, letzte, letztere, dessen, es, letzterem, dort

Bezugsinstanz Chiavacci - Vinzenz, Sprachgelehrsamkeit, Förster - Emma, Frau, gegenwärtig, Mann, Schneider - Paul, Steinhausen - Heinrich, Zeitungssprache
Bewertung

befremdend, Frequenz/oft, Frequenz/wenig gebräuchlich, hässlich, klar, Missbrauch, richtig, schlimm, schön, schwerfällig

Intertextueller Bezug