junger Gebrauch von würde + Nennform

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 374 - 375
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Konjunktiv oder Indikativ

Genannte Bezugsinstanzen: Literatursprache
Text

7. Ein wenigstens in seiner Häufigkeit junger Gebrauch von würde + Nennform (Konditional) ist in Erzählungen die Anwendung in Gedankengängen der folgenden Art: „Mitten in der Probe“ — so las sie, Freda Nöhring bei Wildenbruch in einer Depesche — „der Herzog von Anfang an dabei. Das Stück schlägt seine Augen auf. Tausend Grüße! Brief folgt. Schottenhauer.“ Mit hastigen Blicken hatte sie gelesen; jetzt wandte sie sich zur Tür, ... an der Tür blieb sie stehen und las noch einmal. Das Telegramm war so allgemein gehalten — es war offenbar an das ganze Haus Nöhring gerichtet. Von den tausend Grüßen würde einer doch wohl auch für sie bestimmt sein. Oder in Marie Herzfelds Übersetzung von Arne Garborgs „Bei Mama" steht einmal: „Die Toiletten, welche sie herstellte, fanden Beifall; wenn sie gesund bliebe, würde alles sich wieder machen, und an einer anderen Stelle: Fanny hatte in der letzten Zeit sich hübsch zu finden begonnen; allein sie war [nach ihrem Urteil] gar nichts gegen Lea. Ach, wer einmal solche Haare hätte! Dieses dumme, lichte Gekräusel ... sie würde niemals anständig aussehen.“ Ersichtlich handelt es sich in diesen Stellen um fast bis zum Selbstgespräch lebendig gewordene Gedanken, die der Schriftsteller seine Personen sich machen läßt. Daß er aber, um sie als solche zu kennzeichnen, mit einem bloßen Wechsel zwischen dieser Konditionalform und überwiegenden bloßen Imperfekten auskommt und nicht immer erst ein: „urteilte —, dachte —, sagte, — meinte er bei sich", „nach seinem Urteile" einzuschieben braucht, macht die Ausdrucksweise besonders gefällig; und zumal schon Gustav Freytag und Theodor Storm//1) Nämlich: wenn ich nicht bekennte!//, wenn auch vereinzelt, solche Fügungen gebildet haben, brauchen wir uns in unserer Freude an der geschmeidigen Form dadurch nicht stören zu lassen, daß ihre kaum vier Jahrzehnte alte Häufigkeit gewiß auf französischen Einfluß zurückgeht//2) Vgl. E. Herdin in Lyons Zeitschrift für den deutschen Unterricht, 17. Jahrg. (1905), S. 191 ff., und Th. Matthias, ebenda S. 419 ff., sowie E. Herdin, Studien über Bericht und indirekte Rede im modernen Deutsch, Dissertation. Upsala 1905, bes. S. 36. Ein umgekehrter Vorgang, das vom Standpunkte der Vergangenheit als künftig erst Vorgestellte doch wie schon leibhaftig erlebt hinzustellen, führt zu dem merk-$Seite 375$würdigen Indikativ des Imperfekts in folgendem Satze: Es war mir in solch seltsamen Stunden, als ob ich hinter die Dinge sehen könne. Morgen kam der Tod! Morgen würden wir wie ein Blatt verweht werden (Die Glocke, 1918, 123 f.). In feinem Klanggefühl biegt v. Kohlenegg aus dem schwerfälligen würde in ein bloßes Imperfekt ab: Nun würde sie sich noch ein Weilchen vor ihr dickleibiges Buch setzen ... , an dem Tee nippen und dazu mit spöttischer Nase nachdenklich über das Buch hinausblicken, bis sie müde sein würde und sich aufs Ohr legte.//.


Zweifelsfall

Konjunktiv oder Indikativ

Beispiel
Bezugsinstanz Literatursprache, Literatursprache, Literatursprache
Bewertung

besonders gefällig

Intertextueller Bezug