Als, wie, denn beim Komparativ

Aus Zweidat
Wechseln zu: Navigation, Suche
Buch Wustmann (1903): Allerhand Sprachdummheiten. Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen
Seitenzahlen 262 - 264
Externer Link zum Kapiteltext

Nur für eingeloggte User:

Unsicherheit
Text

Ob es richtiger sei, zu sagen: größer als oder größer wie, läßt sich am besten geschichtlich beantworten. In der Anwendung der drei vergleichenden Bindewörter als, wie und denn ist im Laufe der Zeit $Seite 263$ eine Verschiebung vor sich gegangen. Im Althochdeutschen und noch im Mittelhochdeutschen stand (wie noch heute im Englischen) hinter dem Komparativ stets danne, dan, denne, z. B.; wizer dan ein sne (weißer denn Schnee). Denn bezeichnete also die Ungleichheit. Hinter dem Positiv stand damals stets also (d. h. ganz so), alse, als, z. B.: wiz als ein swan (weiß als ein Schwan), Als bezeichnte also die Gleichheit, und zwar nicht nur hinter dem Positiv, sondern auch bei andern Vergleichungen, wie bei Luther: wer nicht das Reich Gottes empfängt als ein Kind — du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst — und auch in vergleichenden Zwischensätzen: als sich gebührt. Wie endlich, althochdeutsch hweo oder hwio, war ursprünglich überhaupt keine vergleichende Konjunktion, sondern nur Fragewort.

Allmählich erweiterte sich aber das Gebiet von als so, daß es nicht bloß bei der Gleichheit, sondern auch bei der Ungleichheit, hinter dem Komparativ, verwendet wurde und dort das alte denn verdrängte. Dafür wurde aber wie zur Vergleichungspartikel und fing nun seinerseits an, das alte als da zu verdrängen, wo dieses früher die Gleichheit bezeichnet hatte, ja es drang sogar noch weiter vor, bis an die Stelle von denn und bezeichnete nun ebenfalls auch die Ungleichheit (größer wie). Diese Verschiebung, die schon im sechzehnten Jahrhundert beginnt, ist im siebzehnten und achtzehnten in vollem Gange und ist auch jetzt noch nicht ganz, aber doch ziemlich abgeschlossen. Daß sie noch nicht ganz abgeschlossen ist, daher stammt eben das Schwanken.

Wenn man also auch nicht behaupten kann, es sei falsch, zu sagen: so weiß als Schnee, es dürfe nur heißen: so weiß wie Schnee, so trifft man doch ungefähr das richtige, wenn man sagt: denn als Vergleichungspartikel ist veraltet (nur in gewissen Verbindungen wie: mehr denn je ist es noch üblich), als bezeichnet die Ungleichheit (anders als) und gehört hinter den Komparativ (wie lat. quam, franz. que, engl. than), wie bezeichnet die Gleichheit und gehört hinter den Positiv (wie lat. ut, franz, comme, engl. as). Es könnte nichts schaden, wenn der Unterricht in diesem Sinne $Seite 264$ etwas nachhülfe und dem Schwanken dadurch ein Ende machte. Wie auch hinter dem Komparativ zu gebrauchen (er sieht ganz anders aus wie die übrigen sterblichen), mußte dann natürlich der Gassensprache überlassen bleiben, in der es ohnehin schon das beliebteste ist.

Erhalten hat sich noch die ursprüngliche Bedeutung von als im Sinne der Übereinstimmung bei den Appositionen hinter als: als Knabe, als Mann, als König, als Gast, als Fremder. Da kommt es nun nicht selten vor, daß dieses als unmittelbar hinter ein als beim Komparativ tritt, z. B.: er betrachtete und behandelte den jungen Mann mehr als Freund, als als Untergebnen. In diesem Falle pflegt — nach dem alten, nun schon oft bekämpften Aberglauben — gelehrt zu werden, es müsse heißen: denn als Untergebnen; das Wort als dürfe nicht zweimal hintereinander stehen. Und so wird denn auch meist ängstlich geschrieben: die Trennung der Christenheit hat sich eher als Gewinn denn als Schädigung erwiesen — Bismarck fühlte sich weniger als deutscher Staatsmann denn als der ergebne Diener des Hauses Hohenzollern — manche Gymnasiallehrer stellen sich lieber als Reserveoffiziere denn als Bildner der Jugend vor. Es fragt sich aber doch sehr, was anstößiger sei: das doppelte als oder das auffällige, gesuchte, veraltete denn, das sonst niemand mehr in diesem Sinne gebraucht. Die Umgangssprache, auch die der Gebildeten, setzt unbefangen ein doppeltes als: mir hat Lewinsky besser als Shylock als als Mohr gefallen. Ein feiner Satz ist: Friedrich Wilhelm der Vierte haßte die Revolution nicht bloß wie, sondern als die Sünde. Hier sieht man deutlich hinter wie die Vergleichung, hinter als die Übereinstimmung.


Zweifelsfall

als oder wie oder denn

Beispiel
Bezugsinstanz alt, althochdeutsch, niedere Sprache, Schulsprache, Sprachverlauf, mittelhochdeutsch, gegenwärtig, Luther - Martin, 16. Jahrhundert, 18. Jahrhundert, 17. Jahrhundert, Gebildete, Umgangssprache, ursprünglich
Bewertung

ängstlich, auffällige, Ein feiner Satz, Es fragt sich aber doch sehr, was anstößiger sei, es müsse heißen, Frequenz/das beliebteste, Frequenz/das sonst niemand mehr in diesem Sinne gebraucht, Frequenz/fing nun seinerseits an zu verdrängen, Frequenz/nicht selten, Frequenz/verdrängte, gesuchte, man also auch nicht behaupten kann, es dürfe nur heißen, man also auch nicht behaupten kann, es sei falsch, nach dem alten, nun schon oft bekämpften Aberglauben, richtiger, trifft man doch ungefähr das richtige, wenn man sagt, veraltet, veraltete

Intertextueller Bezug