Medizin (CamLex)

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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CamLex
Zitation Alexander Hubert und Marion Gindhart, Art. "Medizin (CamLex)", in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/Medizin_(CamLex) (19.02.2024).
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Zitation Alexander Hubert und Marion Gindhart, Art. "Medizin (CamLex)", in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/Medizin_(CamLex) (19.02.2024).
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Inhaltsverzeichnis

Zur Medizin in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts

Ärzte, Handwerkschirurgen und Laienheiler

Die praktische Medizin der Frühen Neuzeit zeichnete sich durch die Pluralität der Behandlungsmöglichkeiten aus. So wird man in den meisten Fällen im Rahmen von Selbstbehandlung zunächst auf das eigene, auch durch praktische Tradierung angeeignete medizinische Wissen sowie auf die Kenntnisse von Freunden und Bekannten zurückgegriffen haben. Für eine gebildete Minderheit standen volkssprachige medizinische Werke zur Verfügung, ein noch geringerer Prozentsatz konnte auch auf lateinischsprachige Texte zurückgreifen. Für die Mehrheit war aber der mündliche Austausch das entscheidende Medium.[1] Selbst Angehörige der obersten Gesellschaftsschichten waren bemüht, medizinisches Wissen zu erwerben und auch anzuwenden.[2] Dieses medizinische Laienwissen war umfangreich genug und von hinreichender Qualität, dass auch professionelle Heiler und Ärzte es nicht pauschal ablehnten, sondern immer wieder Heilmittel und Heilmethoden aus dem Wissensschatz des einfachen Volkes in ihre Therapien aufnahmen.[3]

Waren die Laienkenntnisse nicht mehr ausreichend für eine Selbsttherapie, hatten Kranke immer noch die Auswahl zwischen zahlreichen mehr oder weniger professionellen Heilern und Ärzten: Zeigte eine Behandlungsmethode keinen Erfolg, konnte man mehrere Alternativen ausprobieren.[4]
So standen Patienten im Allgemeinen einerseits verschiedene studierte Ärzte (physici) zur Verfügung, die oft unterschiedliche Herangehensweisen an ein und dieselbe Krankheit verfolgten. Sie waren Gelehrte und absolvierten nach Ausbildung an der Lateinschule ein Studium an einer Universität; dort durchliefen sie zunächst das Curriculum der Artistenfakultät und machten sich intensiv mit der Philosophie des Aristoteles vertraut, um im Anschluss mehrere Jahre an der Medizinischen Fakultät zu studieren.[5] Das Medizinstudium schlossen sie typischerweise mit einem Magister- oder Doktortitel ab.[6] Nicht wenige Ärzte hatten an mehreren verschiedenen Universitäten studiert. Oft verbrachten sie einen Teil ihres Studiums im Ausland, typischerweise in Italien oder Frankreich, aber auch in England; auf diese Weise erweiterten sie ihr persönliches Netzwerk und profitierten von dem Wissen und den Erfahrungen ausländischer Koryphäen.[7] Ihre Dienste waren oft nicht billig, doch im Ernstfall konnten sich wohl die meisten Menschen auch aus ärmeren Schichten eine Konsultation sehr wohl leisten, zumal die von den Städten festangestellten "Stadtärzte" oft verpflichtet waren, ihre Dienste billig oder gar umsonst anzubieten.[8]
Auf der anderen Seite standen die zahlreichen Bader, Barbiere und Handwerkschirurgen, die Apotheker sowie die verschiedensten Laienheiler und Quacksalber. Üblicherweise war die Behandlung von Vorgängen im Körperinneren sowie die Verabreichung von innerlich wirkenden Medikamenten Aufgabe der physici. Chirurgen dagegen kümmerten sich mittels Salben und Verbänden sowie chirurgischer Eingriffe um äußere Wunden, Geschwüre, ausgerenkte Gelenke, Knochen- und Gewebebrüche. Manche spezialisierten sich auf das Ziehen von Zähnen, die Behandlung des Grauen Stars mittels des Starstechens oder die Lithotomie, das Herausschneiden von Harnsteinen.[9] Auch für Aderlässe waren Chirurgen zuständig,[10] wobei solche kleineren Eingriffe auch oft von Badern und Barbieren vorgenommen wurden; von diesen von ihnen als "unqualifiziert" beurteilten Heilern jedoch suchten sich die "qualifizierten" Chirurgen zu distanzieren.[11] Diese mussten als Handwerker eine lange und gründliche Berufsausbildung sowie eine Abschlussprüfung absolvieren, um ihren Beruf ausüben zu dürfen.[12] Typischerweise waren sie in Zünften organisiert,[13] deren Gesetze ihnen das Monopol auf chirurgische Eingriffe sicherten. Während die studierten Ärzte somit gezwungen waren, sich auf ihren Bereich zu beschränken, hinderte die Handwerkschirurgen in der Praxis nichts daran, auch auf dem Gebiet der inneren Medizin aktiv zu werden, was sie vielfach auch taten.[14]

Die dritte Gruppe, die offiziell im Gesundheitssektor tätig war, waren die Apotheker. Historisch waren sie ursprünglich Gewürzhändler, von denen sich einige mehr und mehr auf die materia medica spezialisiert hatten, bis sie bis spätestens zum 16. Jahrhundert als eigenständige Berufsgruppe das Monopol auf diese hatten. Ärzten und Chirurgen war der Anbau von Heilpflanzen meist nur noch zum Eigenbedarf gestattet; sie waren es zwar, die den Patienten Rezepte ausstellten, diese wurden aber von Apothekern ausgeführt.[15] Die gelehrten Ärzte forderten dafür – meist erfolgreich – für sich das Recht ein, die örtlichen Apotheken regelmäßig zu inspizieren und ihre Vorratshaltung zu überwachen. Wie die Handwerkschirurgen waren auch die Apotheker oft Mitglieder in einer Kaufmannsgilde, die ihre Interessen schützte.[16]
Trotz des durchaus vorhandenen Konfliktpotenzials scheinen die drei Welten in der Praxis aber meist recht problemlos miteinander zusammengearbeitet zu haben. Die Arbeitsteilung zwischen Heilern und Apothekern war ohnehin recht klar definiert; ebenso scheinen Ärzte und Chirurgen trotz gegenseitiger Konkurrenz in vielen Fällen gut kooperiert und teilweise sogar voneinander gelernt zu haben.[17] Vielfach forderten Krankheiten wie Krebs oder Syphilis ohnehin die gleichzeitige interne und externe Behandlung durch einen Arzt und einen Chirurgen[18] und ganz besonders bei gesellschaftlich hoch gestellten Patienten war eine Kooperation oft üblich.[19]

Dagegen waren Laienheiler und 'Quacksalber' ohne Studium oder handwerkliche Ausbildung der Gegenstand heftiger Polemik von Seiten der studierten Ärzte.[20] Im Fall der fahrenden Heiler (medici circumforanei), die allerdings unbedingt von den bereits erwähnten, meist ebenfalls nicht sesshaften Okulisten (Starstechern) und Steinschneidern zu unterscheiden sind,[21] scheint diese auch aus heutiger Perspektive durchaus berechtigt: Generell unterlagen sie als fahrende Händler zwar meist den üblichen Regulierungen für Märkte, jedoch nur selten einer ärztlichen Aufsicht,[22] und bis absehbar war, ob ihre Kuren Wirkung zeigten, waren sie schon lange wieder außer Landes. Somit ergab sich hier reichlich Freiheit für Betrüger und Scharlatane.[23] Dennoch stellten fahrende Heiler in Gegenden ohne sesshafte Ärzte oder Chirurgen wie Süditalien eine wichtige Ergänzung des Gesundheitswesens dar.[24] Für den deutschsprachigen Raum ist ihre Rolle dagegen insgesamt als eher gering einzuschätzen.[25]
Die sesshaften Laienheiler (empirici, vetulae) dagegen nahmen gerade auf dem Land eine zentrale Rolle in der Krankenversorgung ein; entsprechend zeigte die gegen sie gerichtete Polemik der Ärzte eher geringe Wirkung.[26] Sogar die physici selbst suchten sie bisweilen auf,[27] und auch die lokalen Autoritäten sahen keinen Grund, ihren Untertanen (und sich selbst) einer Gruppe fähiger und gerne konsultierter Heiler zu berauben.[28]

Lange Zeit spiegelte die medizinhistorische Forschung die Haltung der zeitgenössischen Ärzte wieder, indem sie "offiziell qualifizierte" Heiler wie Ärzte, Handwerkschirurgen und Apotheker auf der einen Seite von den "nicht qualifizierten", teils betrügerischen Laienheilern unterschied. Die Realität des 16. Jahrhunderts offenbart jedoch ein weitaus komplexeres Bild, dem Vivian Nutton Rechnung zu tragen sucht, indem er die verschiedenen Heilberufe als Facetten eines "kaleidoscope of healing" bezeichnet:[29] Wie die Behandlung durch einen studierten Arzt nach modernem Wissenstand oft eher schaden als nützen konnte,[30] waren viele der Laienheiler durchaus fähig und ihre Heilmethoden oft zumindest nicht weniger wirksam als die der physici. Gerade für viele Angehörige niedriger Gesellschaftsschichten stellten sie eine probate Alternative zu Ärzten dar.
Es scheint gar, dass die medizinischen Vorstellungen der Laienmedizin mit der Zeit so dominant wurden, dass sie zwar nicht in der Theorie, wohl aber in der Praxis der akademischen Medizin einen Bewusstseinswandel bewirkten und die im Alltag angewandten Erklärungsmodelle von Krankheiten nachhaltig prägten. Die Folge war eine nicht geringe konzeptuelle Diskrepanz zwischen der universitären Lehre und der alltäglichen Behandlung von Krankheit, die Gegenstand des folgenden Kapitels sein soll.

(Alexander Hubert)

Theorie und Praxis der akademischen Medizin

Galen und Hippokrates – Die theoretischen Grundlagen

Die universitäre Medizin des 16. Jahrhunderts unterschied sich insofern kaum von der des Mittelalters, als sie in ihren Theorien und Behandlungsformen auf den Schriften von Galen und Hippokrates basierte; diese standen seit Beginn des Jahrhunderts erstmals auch auf Griechisch zur Verfügung (s.u.). Ihre medizinischen Lehren hatten die Jahrhunderte überdauert und entsprachen den aktuellen wissenschaftlichen Ansprüchen. Ihren Nutzen hatten sie wiederholt bewiesen: Schließlich wurden seit Menschengedenken Patienten unter ärztlicher Behandlung gesund.[31] "Something that had survived for so long and had centuries of apparently successful cures to its credit could not be dismissed as worthless."[32] Neben Galen und Hippokrates war Avicennas "Canon medicinae" als systematisch geordnetes Lehrwerk in Gebrauch, bis es in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Jean Fernels ebenfalls auf Galens und Hippokrates' Werken basierender "Universa medicina" abgelöst wurde.[33]
Galen und Hippokrates waren ihrerseits wiederum ganz der Philosophie des Aristoteles verpflichtet, die somit das Grundgerüst der gesamten theoretischen Medizin bildete;[34] für deren Kenntnis sprach sich Galen selbst in seiner Schrift "Quod optimus medicus sit quoque philosophus" aus. Dies ermöglichte es der Medizin als Fachgebiet, sich an der Universität zu etablieren, wo traditionell die Lehre der artes liberales nach Aristoteles' Schriften im Zentrum stand; dabei rückten ihre praktischen Inhalte die Medizin eigentlich näher ans Handwerk.[35] Die profunde Kenntnis von Aristoteles' Naturphilosophie und das damit einhergehende tiefere Verständnis der Vorgänge im Körper sowie die eingehende Kenntnis der Schriften von Hippokrates und Galen bis zu einem Punkt, wo der Arzt zu einer Krankheit passende Belegstellen frei zitieren konnte, waren auch im 16. Jahrhundert noch das Merkmal, durch das sich die studierten Ärzte von anderen Heilern abgrenzten;[36] darauf weist nicht zuletzt auch die Berufsbezeichnung als physicus hin: Während der medicus praktisch arbeitet, ist der physicus Theoretiker und stützt sich in erster Linie auf das tiefere Weltverständnis, das ihm seine Vertrautheit mit Aristoteles' Physik verleiht.[37] Nicht umsonst betonte auch Philipp Melanchthon in seiner Rede "De Hippocrate", dass die Kenntnis der Natur und der Ursachen für den Arzt so notwendig sei, dass jemand, der auf philosophische Bildung verzichte, nicht Arzt, sondern Henker genannt werden müsse.[38]
Auch wenn in dieser Zeit mit Paracelsus zunehmend auch neue Ideen in die Medizin Eingang fanden (s.u.), basierte diese in ihrer Theorie weiterhin größtenteils auf der antiken Humoralpathologie (Säftelehre) nach Galen. Dieser zufolge bestimmen sich Charakter, Aussehen und Gesundheit eines Menschen nach der individuellen Mischung der vier "Säfte" bzw. Primärqualitäten Blut (warm und feucht), Schleim (kalt und feucht), Gelbe Galle (warm und trocken) sowie Schwarze Galle (kalt und trocken);[39] der Makrokosmos der sublunaren Welt, dessen Grundbestandteile nach Aristoteles die Primärqualitäten und die mit ihnen verknüpften vier Elemente Feuer (warm und trocken), Luft (warm und feucht), Wasser (kalt und feucht) und Erde (kalt und trocken) waren, fand somit im Mikrokosmos des menschlichen Körpers sein Spiegelbild.[40] Das individuelle Mischungsverhältnis der Flüssigkeiten bzw. Qualitäten bildet so das "Temperament" des einzelnen Menschen, das den Charakter, aber auch Haar- und Augenfarbe, Körperbau und eventuelle Anfälligkeiten für Krankheiten bestimmt.[41] Andererseits sind es in der Theorie Abweichungen von diesem individuellen idealen Mischungsverhältnis (intemperies, dyscrasia), die Krankheiten bewirken.[42] Krankheit ist somit in der universitären Theorie erstens immer ein Teil des Menschen, da sie eine Form der Abweichung von einem Idealzustand bedeutet; zweitens ist sie nach diesem Verständnis auch immer individuell, da der gesunde Zustand für jeden Menschen in einem anderen Mischungsverhältnis der Säfte liegt.[43]

Das praktische Verständnis – Krankheit als Fremdkörper

Während die intemperies, ein falsches Mischungsverhältnis der Säfte im Körper, noch im Mittelalter auch bei der Behandlung von Krankheiten von großer Bedeutung war und in der theoretischen Medizin an den frühneuzeitlichen Universitäten eine durchaus große Rolle spielte,[44] dominierten in der medizinischen Praxis des 16. Jahrhunderts andere Ansätze.[45] Intemperies als Krankheitsursache spielte hier höchstens noch für einzelne Organe eine Rolle, nicht aber für den Körper im Ganzen,[46] "[u]nd selbst in diesen Fällen stand in der Regel nicht das Gleichgewicht der Säfte untereinander im Vordergrund, sondern das Mißverhältnis zum verfügbaren Raum".[47]
Stattdessen lässt sich in dieser Zeit beobachten, dass Krankheit zunehmend durch die Einwirkung fremder, verdorbener Stoffe erklärt wird, die sich im Körper lokal ansammeln und Probleme bereiten:[48] Diese Stoffe konnten von außen in den Körper gelangen, wie etwa Miasmata (verdorbene Luft) oder Kontagien (andere krankhafte Stoffe in der Umwelt), die auch in der klassischen Lehre nach Galen als Erklärung insbesondere für große Seuchen wie die Pest oder den Englischen Schweiß (↓ Pest, Schweiß und "Franzosenkrankheit" – Praktische Herausforderungen) herangezogen wurden.[49] Sie konnten aber auch im Körper entstehen, etwa durch "Verstopfungen" (obstructiones): Waren Durchgangswege im Körperinneren oder Ausscheidungswege blockiert, etwa durch zu zäh gewordene Galle, verblieb alte, minderwertige Materie im Körper.[50] Dies war deshalb gefährlich, weil sie dort zu faulen beginnen konnte, wodurch erstens die Materie selbst krankhaft wurde und zweitens krankmachende Dämpfe (vapores) entstanden.[51] Beim Verfaulen entstand außerdem, wie jeder Laie im Alltag etwa auf seinem Misthaufen beobachten konnte, Hitze. Diese widernatürliche Hitze konnte sich als Fieber äußern.[52]
Dabei muss man sich vor Augen halten, dass der Körper mit seinen Organen und Gefäßen laut frühneuzeitlicher Vorstellung sehr viel durchlässiger war als nach heutiger, sodass Feststoffe wie Nahrung ebenso wie Flüssigkeiten und Dämpfe sich nahezu frei darin bewegen konnten,[53] und dass aufgrund der großen Bedeutung der vier Säfte auch deren Ausscheidung für äußerst wichtig erachtet wurde.[54] Zu den Ausscheidungsvorgängen zählten auch die Absonderung von Schweiß,[55] Tränen und Samen und das Wachsen von Haaren, aber auch Menstrual- und Hämorrhoidalblutungen, bei denen, wie man glaubte, altes, verdorbenes oder überschüssiges Blut ausgeschieden wurde[56]. War einer dieser Ausscheidungswege weniger aktiv als üblich, bot dies sofort Anlass zur Sorge, da die Befürchtung bestand, Materie könnte sich stauen und verderben.[57] "Health consisted in clearing and cleansing the body, whilst blockages caused a build-up of putrid matter and consequent illness."[58]
Eine zweite häufige Ursache von im Körper entstandener verdorbener Materie war die mangelnde "Verkochung" der Nahrung:[59] Nach galenistischem Verständnis fanden im menschlichen Verdauungstrakt keine chemischen Reaktionen statt (von denen man noch keine Kenntnis hatte); vielmehr wurde die Nahrung im Körperinneren bei immenser Hitze gekocht. Dabei gelangte sie zunächst in den Magen-Darm-Trakt, der sie in der ersten Verdauungsstufe (digestio prima) zu dem "Chymus"/"Chylus" genannten Speisebrei verarbeitete. Dieser wurde in der Leber in der zweiten Stufe (digestio secunda) in Blut umgewandelt, das vom Herzen über die Venen in den Körper geleitet wurde. In der dritten Verdauungsstufe (digestio tertia) wurde das Blut an seinem Zielort im Gewebe oder den Organen in die jeweils benötigten Stoffe umgewandelt, an die Materie des Körpers "assimiliert".[60] Ein Teil des Blutes wurde außerdem vom Herzen über die Arterien geleitet. Daraus entstand im Körper die Lebensenergie, die den Organismus am Leben hielt, und im Gehirn die Seelengeister, die über die Nerven zirkulierten und so die Bewegung des Körpers steuerten und Empfindungen empfingen.[61]
Kam es nun an einer Stelle zu Komplikationen, konnte dies sich auf den ganzen Körper auswirken. Typischerweise waren die Ursache der Störung ein zu kalter Magen oder eine zu heiße Leber: War der Magen zu kalt, konnte Nahrungsbrei in den Körper gelangen, der noch nicht ausreichend verkocht war, wo er verfaulen oder wichtige Durchgangswege verstopfen konnte; letzteres führte wiederum zu Stauungen und Verfaulen von Materie.[62] Weiterhin konnte eine Leber, die mit minderwertigem chymus arbeiteten musste, auch nur minderwertiges Blut erzeugen, was wiederum an anderen Stellen im Körper für Probleme sorgen konnte.[63] Außerdem konnte der Magen "verschleimen"; dies führte wiederum zu einem Teufelskreis: Waren seine Wände mit Schleim überzogen, konnte die ohnehin schon nicht ausreichende Hitze noch schlechter an den Mageninhalt gelangen.[64]
War dagegen die Leber zu heiß, verbrannte der Speisebrei und es entstanden giftige Dämpfe und Schlacken im Körper, die ebenfalls für Verstopfungen mit schlimmen Folgen sorgen konnten. Dämpfe konnten außerdem in den Kopf aufsteigen und dort im Gehirn für Unheil sorgen, indem sie das Denken oder die "Seelengeister" störten,[65] oder sie konnten, da sie die Schädeldecke nicht durchqueren konnten, an dieser kondensieren. Das Resultat der nun in den Körper zurückfließenden oder -tropfenden Materie waren die sogenannten "Flüsse" (fluxus, catarrhi), die neben Verstopfungen und der Präsenz krankhafter oder verdorbener Materie eine der am häufigsten erkannten Krankheitsursachen darstellten; sie konnten als Erklärung für nahezu jede Krankheit mit lokal auftretenden Symptomen herangezogen werden, von Schnupfen und Sehstörungen über Lungenbeschwerden bis hin zu Gicht und offenen Geschwüren.[66]
Es lässt sich in der Frühen Neuzeit somit ein Bewusstseinswandel erkennen, der, wie Michael Stolberg argumentiert, nicht aus der Neuentdeckung der griechischen Originaltexte Galens zu erklären ist; stattdessen zeugt er vermutlich von Veränderung der Vorstellung von Krankheit in der Laienmedizin, die sich mit der Zeit auch auf die Praxis der studierten physici übertrug:[67] Anstatt Krankheit körperintern als eine Abweichung von einem individuellen Idealzustand zu erklären ("physiologisches Krankheitsverständnis"[68]), wurde sie externalisiert, wurde zu etwas Fremdem, das nicht zum Körper gehörte ("ontologisches Krankheitsverständnis"[69]). Damit einher ging die zunehmende Abstrahierung der Krankheit als eine eigene Instanz, die unabhängig von dem Individuum existierte, das sie traf. Mehrere Menschen konnten nun also dieselbe Krankheit haben, mit denselben Ursachen und daher derselben Behandlung.[70] Außerdem resultierte aus dem ontologischen Verständnis die tröstende Vorstellung, dass man von einer Krankheit vollständig genesen konnte, indem man die krankmachenden Stoffe ausleitete; dem physiologischen Verständnis nach war der Körper dagegen ständig dem Risiko eines Missverhältnisses der Säfte und damit einer schwerwiegenden Krankheit ausgesetzt gewesen.[71]

Therapie und Behandlung

Aus der ontologischen Vorstellung von der Krankheit als etwas Fremdem, das man aus dem Körper entfernen konnte, sowie der großen Bedeutung von Ausscheidungsvorgängen resultiert, dass die meisten Behandlungsmethoden purgierender Natur waren: Der Aderlass[72] diente ebenso wie die regelmäßig verschriebenen Abführ- und Brechmittel sowie Schweißbäder[73] und Klistiere[74] im Gegensatz zur mittelalterlichen Medizin in der Regel nicht mehr dazu, das Säftegleichgewicht wiederherzustellen.[75] Vielmehr hatten sie das Ziel, krankhafte Materie zu mobilisieren und aus dem Körper aus- oder von der kranken Stelle wegzuleiten,[76] indem sie blockierte Wege freimachten oder Ersatz für solche schufen.[77] Selbst chirurgische Maßnahmen konnten das Ziel haben, schadhafte Stoffe, etwa Eiteransammlungen, zu entfernen.[78] Ebenso diente das Thermalbad oder das Trinken von Thermalwasser zur innerlichen Reinigung des Körpers.[79]
Viele Vorgänge, die heute als Krankheitssymptome gedeutet werden, verstand man damals als Methode des Körpers, sich von verdorbener oder überschüssiger Materie zu befreien; dementsprechend musste man sie nicht lindern, sondern unterstützen. Litt eine Frau an besonders heftigen Monatsblutungen, zeugte das etwa davon, dass sie zu viel (so die studierten Ärzte) oder besonders viel faules (so die übliche Interpretation der Laien) Blut angehäuft hatte, das der Körper auszuscheiden suchte;[80] fiel die Blutung dagegen schwächer als üblich aus, bestand zu befürchten, das krankhafte Materie im Körper blieb oder Blut sich staute und dadurch schadhaft wurde.[81] Ein Aderlass konnte in beiden Fällen den Körper unterstützen; im letzteren Fall half es auch, wenn man andere Ausscheidungswege öffnete, etwa durch Abführmittel.[82]
Ebenso sollte man die Schließung eines offenen Geschwürs nicht zu sehr unterstützen, da es einen Ausgang für verdorbene Materie darstellte und sich von selbst schließen würde, sobald diese vollständig ausgeleitet war. Eine überstürzte Heilung des Geschwürs konnte Krankheiten an anderer Stelle verursachen, da dabei krankhafte Materie im Körper zurückblieb.[83] Unter Umständen war auch Kauterisation, also die Öffnung eines (zweiten) künstlichen Geschwüres (fontanella) angesagt, um die Ausleitung dieser zu unterstützen.[84]
Nach heutigem Verständnis ist der Nutzen vieler in der Frühen Neuzeit üblichen Therapien fraglich; viele, wie der großzügige Aderlass bei ohnehin schon heftigen Blutungen oder die heftigen Abführmittel mit bis zu 50 Stuhlgängen in kurzer Zeit[85] waren sicherlich eher schädlich und werden eher zu Dehydrierung oder Anämie als zur Heilung geführt haben.[86] Dennoch scheinen die Menschen im 16. Jahrhundert vom Nutzen der zeitgenössischen Therapien überzeugt gewesen zu sein: Immerhin nahmen sie sie immer wieder in Anspruch. Einerseits wird das damit zu erklären sein, dass die meisten Krankheiten sich auch ohne Behandlung von alleine bessern oder zumindest in Schüben mit besseren und schlechteren Phasen verlaufen. Erholte sich der Patient, schrieb man dies dem Erfolg der Therapie zu; wenn nicht, ließ sich das immer noch durch Fehler in der Anwendung der verschriebenen Medikamente durch den Patienten selbst, der Komplexität der Krankheit oder Gottes Willen erklären.[87] Die Wirkung einer Kur belegte schon die meist recht heftige körperliche Reaktion (etwa im Fall von Brech- und Abführmitteln). Alles weitere lag in Gottes Hand.[88] Andererseits ist davon auszugehen, dass die moderne Vorstellung davon, was den Erfolg oder Misserfolg einer Kur bedeutet, sich wesentlich von der des 16. Jahrhunderts unterscheidet, einer Zeit, als Pest und Seuchen an der Tagesordnung, die Kindersterblichkeit deutlich höher und die Lebenserwartung niedriger als heute waren.[89] Zudem ist zu bedenken, dass jede Form vormoderner Medizin mangelhaft oder gar rückschrittig wirkt, wenn man anachronistischerweise das moderne Verständnis von Krankheit und Pharmakologie zugrunde legt.[90]

Iatromathematik und Diätetik

Wie dargelegt, identifizierte man in der Medizin des 16. Jahrhunderts als Ursache von Krankheiten typischerweise verdorbene Materie, die die Vorgänge im Körper störte und die selbst auf verschiedene Arten, meistens im Körper selbst, entstanden war. Um aber zu erklären, wie es überhaupt erst zu solch schadhaften Veränderungen der Materie kommen konnte, wie etwa der Magen unterkühlen oder die Leber überhitzen oder ein bestimmter Ausscheidungsvorgang behindert werden konnte, wurden vielfach externe Ursachen herangezogen.[91]

So sind es zum einen kosmische Einflüsse, die sich nach Ansicht von Camerarius' Zeitgenossen wie auf das ganze Leben so auch auf Krankheit und Gesundheit auswirken (vgl. auch → Astrologie). Bestimmte Konstellationen von Zodiakalzeichen, Planeten und dem Mond (der ebenfalls als Planet galt) hatten nach Ansicht mancher Autoren direkten ursächlichen Einfluss auf irdische Vorgänge; andere waren der Meinung, die Rolle der Gestirne beschränke sich darauf, als Zeichen Gottes Plan zu verkünden. Diese Vorstellungen übertrugen sich auch auf die Medizin.[92] Jedenfalls ermöglichte das exakte Wissen um die Vorgänge am Himmel in Verbindung mit der Kenntnis des Geburtsortes und -datums einer Person für die Erstellung eines Horoskops einem fähigen Iatromathematiker die Vorhersage nicht nur des Charakters dieser Person, sondern auch ihres Lebenslaufs einschließlich individueller Gesundheitsrisiken und der Todesart[93]; dies erklärt die große Rolle, die Astrologie und Iatromathematik im Alltagsleben der Menschen spielte:[94] Durch ein tieferes Verständnis der Ursachen von Krankheiten ermöglichten sie eine bessere Prävention und Behandlung derselben, indem sie entweder aus dem Geburtshoroskop einer Person allgemeine Aussagen über diese gewannen oder aber aus aktuellen Konstellationen konkrete Empfehlungen für die Lebensweise und zur Risikovermeidung ableiteten.
Doch auch auf die Behandlung selbst nahmen astrologische Erwägungen Einfluss: Astrologische Kalender für einzelne Jahre und Orte gaben nicht nur Auskunft über den besten Tag für Saat und Ernte, sondern auch für medizinische Prozeduren wie Schröpfen oder Aderlass. Die Erstellung solcher Kalender stellte für viele Ärzte des 16. Jahrhunderts eine lukrative Einkommensquelle dar.[95]
Wenngleich solche astrologische Methoden jedoch im Alltag der medizinischen Laien von großer Wichtigkeit waren, scheinen sie für die Behandlungspraxis der Ärzte nur eine geringe Rolle gespielt zu haben.[96] Die große Ausnahme war hier der Mond: Seine Größe am Himmel sowie seine sichtbaren Auswirkungen auf Ebbe und Flut legten einen durchaus relevanten Einfluss auf das alltägliche Leben nahe, und so wurden seine Phase und Position etwa beim Aderlass ebenso wie bei der Verabreichung von Purgantien regelmäßig berücksichtigt, so in den erwähnten astrologischen Kalendern. Auch als Erklärung für die Entwicklung verschiedener Krankheiten, etwa das An- und Abschwellen von Geschwüren oder das Auftreten epileptischer Anfälle wurde die Wirkung des Mondes herangezogen.[97]
Ebenso hatten die Jahreszeiten spürbaren Einfluss auf die Umwelt, indem sich etwa Tageslänge, Temperatur und Feuchtigkeit veränderten. Entsprechend ging man auch hier von starken Einflüssen auf den menschlichen Körper aus. So sollte der kalte Winter die Entstehung schlechter Säfte fördern und sie bewahren, wohingegen die Sommerhitze zwar ebenfalls verdorbene Materie erzeugen konnte, diese aber auch leichter auflöste. Generell erleichterte warmes Wetter die Ausleitung krankhafter Materie.[98]

Allerdings waren es nicht nur Vorgänge am Himmel und in der Umwelt, die sich positiv oder negativ auf den menschlichen Körper auswirken konnten. Mindestens genauso wichtig waren die unmittelbare Umgebung sowie die individuelle Lebensweise und Ernährung. Galens Lehre von den sechs res non naturales[99] zufolge gab es sechs Faktoren, die als erste Ursachen von Krankheiten von besonderer Bedeutung waren: Luft und Umgebung, die Ernährung, Schlaf und Ruhe, Anstrengung und Muße, die Leidenschaften und Ausscheidungen.[100]
Die große Bedeutung von Ausscheidungen wurde bereits angesprochen (s.o.). Die Luft war an der Erzeugung der Seelengeister beteiligt, konnte aber, wenn sie verdorbene Dämpfe enthielt, schwere Krankheiten und Epidemien auslösen. Körperliche Anstrengung in Maßen kräftigte den Körper, förderte die Verkochung von Nahrung (s.o.) und öffnete die Poren. Im Schlaf konnte sich die "Lebenswärme" ganz auf die Verkochung der Nahrung konzentrieren. Leidenschaftliche Emotionen, besonders negative Gefühle konnten den Körper schwächen und so zu Krankheiten beitragen. Die große Bedeutung der Ernährung schließlich erklärt sich wiederum aus der zeitgenössischen Vorstellung von der Verkochung der Nahrung: Zu viel rohes, "schleimiges" oder kühlendes (im Sinne der Primärqualität kalt) Essen konnte den Magen überbeanspruchen; zu viel erhitzendes konnte im Gegenteil den Körper überhitzen und die körperfremde Hitze etwa von Fiebern weiter anfachen.[101] Es versteht sich von selbst, dass nach diesem Verständnis manche Individuen, aber auch ganze Berufsgruppen aufgrund ihrer besonderen Lebensweise als gefährdet galten: Besonders Studenten und Gelehrte waren in Gefahr, heftig und langwierig zu erkranken, da das intensive Denken und Studieren den Körper erschöpfte.[102]
In der medizinischen Literatur der Zeit spielt daher die Diätetik, die Lehre von der richtigen Lebensführung und Ernährung, eine große Rolle. Sie ermöglichte durch Kontrolle der sechs res non naturales sowohl die Prävention von Krankheiten als auch die Unterstützung des Körpers bei deren Bekämpfung. Während die meisten Menschen Luft und Umgebung ausgeliefert waren und im besten Fall Aufenthalte im Freien in kritischen Zeiten verhindern konnten, unterlagen Emotionen sowie Ausscheidungen immerhin einer gewissen Kontrolle; vergleichsweise leicht war es dagegen, zumindest für das wohlsituierte Bürgertum, auf die Dauer des Schlafes, das Ausmaß körperlicher Anstrengung und die Ernährung Einfluss zu nehmen.[103] Im Allgemeinen galt es, in allem Maß zu halten: Körperliche Anstrengung war wichtig, man durfte es aber auch nicht übertreiben. Das gleiche galt für den Schlaf: Er musste lange genug dauern, um die ausreichende Verkochung der Nahrung zu gewährleisten, aber nicht so lange, dass die folgende Ausscheidung behindert wurde. Auch die Schlafposition war wichtig: So war es gefährlich, auf dem Rücken zu schlafen, da diese Position Albträume, Apoplexie und andere Probleme auslösen konnte.[104]
Am leichtesten beeinflussbar und für die ärztliche Behandlung am wichtigsten war die Ernährung, die der Arzt an Alter, Geschlecht, "Temperament" (s.o.) und Lebensführung anpassen musste: "[A]s revived during the Renaissance, the Galenic system was intensely individualistic. Foods like cheese and wine might be converted into nourishing foods in some bodies but could be poisons in others".[105] Die Primärqualitäten der Nahrung (warm – kalt, feucht – trocken) mussten dabei auf die des individuellen Temperaments und den Lebensstil abgestimmt werden.[106] Getreu dem allopathischen Prinzip, wonach Gegensätzliches einander Abhilfe schafft, waren Speisen und Getränke angeraten, die dem als im Körper dominant identifizierten Saft entgegenwirkten; so sollte ein Choleriker (Gelbe Galle = heiß, trocken) heiße, trockene Nahrung eher meiden.[107] Ebenso sollten Speisen mit unterschiedlichen Qualitäten kombiniert werden, um den Effekt auszugleichen, etwa indem Fisch, der als kalt und feucht galt, mit einem heißen und trockenen Gewürz verbunden wurde.[108] Generell waren Gerichte zu empfehlen, die dem Patienten zusagten und die er regelmäßig zu sich nahm; Neuerungen sollten nur langsam eingeführt werden.[109] Essen sollte man regelmäßig zur gleichen Tageszeit und wenn man Appetit hatte, am besten nach ein wenig Bewegung und nachdem das vorherige Essen ausgeschieden war. Im Winter war eher warme, trockene Nahrung (wiederum im Sinne der Primärqualitäten) zu empfehlen, im Sommer waren kühlende Speisen und viel Trinken angesagt; im Frühling sollte mehr Fleisch gegessen werden.[110] Im Krankheitsfall erhielten Patienten oft lange Listen mit Speisen und Getränken, die bei ihrem jeweiligen Temperament und Lebensstil zu bevorzugen oder zu vermeiden waren.[111]
Auch im Fall der Diätetik ist trotz der großen Bandbreite an diätetischen Schriften die praktische Bedeutung nicht zu überschätzen: Wie es scheint, wurden diätetische Werke gerne bei der Behandlung einzelner Krankheiten hinzugezogen; ob Laien sich im Alltag präventiv nach diätetischen Regeln zu richten pflegten, scheint zumindest fraglich, und das Nichtbefolgen diätetischer Ratschläge wurde unter Ärzten allgemein beklagt.[112] Freilich lag Prävention und Therapie dieselbe diätetische Theorie zugrunde.[113]

(Alexander Hubert)

Herausforderungen für die akademische Medizin

Pest, Schweiß und "Franzosenkrankheit" – Praktische Herausforderungen

Das 16. Jahrhundert war in vielerlei Hinsicht eine Zeit der Umbrüche, und so musste sich auch die akademische Medizin der Zeit einer Reihe an Herausforderungen stellen. Diese waren zum einen praktischer Natur und beeinflussten den ärztlichen Alltag. Die Differenz zwischen akademischer Theorie und ärztlicher Behandlungspraxis, die aus der Wandlung des Krankheitskonzeptes in der Praxis von einer physiologischen zu einer ontologischen Vorstellung resultierte, wurde weiter oben bereits angesprochen. Weitere Herausforderungen äußerten sich besonders in Form weit verbreiteter Seuchen und Krankheiten (vgl. auch ↓ "Pest" und Epidemiegeschehen): So traten im 16. Jahrhundert wie auch in den Jahrhunderten zuvor immer wieder lokale und regionale Wellen der Pest auf. Nach dem ersten großen europaweiten Ausbruch des vom Erreger Yersinia pestis hervorgerufenen "Schwarzen Todes" im Jahr 1347 war die Krankheit in Europa schnell endemisch geworden.[114] Für eine Stadt mit 10.000 bis 12.000 Einwohnern war mit einem kleineren Ausbruch pro Jahrzehnt und einem größeren pro Generation zu rechnen, für größere Städte war die Lage noch wesentlich ernster.[115]
Pestinfektionen wirkten sich auf die körperliche Gesundheit des Individuums aus, zugleich hatte die ständige Bedrohung durch die Seuche ebenso auch dauerhaften Einfluss auf die Psyche der Menschen. Die hohen Sterberaten während eines Pestausbruchs veränderten ferner die Demographie der Bevölkerung. Nicht zuletzt machte sich die Pest wirtschaftlich bemerkbar, indem sie regelmäßig Teile der arbeitenden Bevölkerung ausschaltete und weiterhin durch Quarantäne- und Isolationsregelungen den Handel auch mit lebenswichtigen Gütern behinderte; die Versorgung der Kranken und Hinterbliebenen gerade aus ärmeren Schichten war eine weitere wirtschaftliche Herausforderung.[116]

Eine weitere Krankheit, die im 16. Jahrhundert Europa heimsuchte und die bis heute ein Rätsel darstellt, war der sogenannte "Englische Schweiß". Erstmals trat diese Seuche 1485 um die Schlacht von Bosworth am Ende der Rosenkriege in England auf. Während sich die erste Welle ebenso wie die zweite in den Jahren 1507 und 1508 auf die Britischen Inseln beschränkte, erreichte die dritte 1516 bis 1518 Frankreich und die vierte 1528 bis 1530 kam bis nach Mittel- und Nordeuropa.[117] Nach einem fünften Ausbruch 1551 trat die Krankheit nicht mehr auf.[118] Der Erreger ist bis heute unbekannt, DNA-Analysen haben bisher nicht zum Ziel geführt und die Hypothesen sind zahlreich und vielfältig.[119]
Die Krankheit äußerte sich in heftigem Fieber und Durstgefühl, übelriechenden Schweißausbrüchen sowie Gliederschmerzen; sie begann außergewöhnlich plötzlich und war schnell letal: Viele Patienten starben innerhalb von 12 Stunden.[120] Außerdem zeichnete sie sich dadurch aus, dass sie vor allem junge, kräftige Männer traf und Frauen und Alte als klassische Risikogruppen meist verschonte.[121] Die gängigen Behandlungsmethoden halfen kaum, die Situation der Kranken zu verbessern: Üblich war es, das Schwitzen noch zu fördern und dem Erkrankten 24 Stunden lang Essen und Trinken zu verweigern, damit sich die Lebenswärme anstatt auf die Verdauung ganz auf die Austreibung der Krankheit konzentrieren konnte.[122]

Die dritte Seuche oder zumindest seuchenartige Krankheit schließlich, die im 16. ebenfalls neu auftrat, war die zunächst sogenannte Franzosenkrankheit (morbus Gallicus), für die sich schnell der Name "Syphilis" einbürgerte.[123] Die bereits damals gängige These, dass es sich bei dieser um die vielleicht einzige Seuche handele, die vom amerikanischen Kontinent nach Europa gekommen sei, ist schon lange wieder umstritten.[124] Recht unstrittig ist dafür, dass die Krankheit mit der, die wir heute als "Syphilis" bezeichnen, zumindest nahe verwandt war, da die beschriebenen Symptome ebenso wie die archäologisch nachgewiesenen Knochenveränderungen den modernen Erscheinungen entsprechen.[125] Allerdings war die Intensität der Symptome und damit die Krankheitserfahrung zu Beginn des 16. Jahrhunderts eine völlig andere;[126] insbesondere beschränkten sich die pathologischen Hautveränderungen im Gegensatz zu heute in der Regel nicht allein auf den Genitalbereich, sondern betrafen den ganzen Körper bis hin zum Gesicht. Typische Symptome reichten weiterhin bis zum Ausfall von Haaren und Augenbrauen.[127]
Die Seuche scheint erstmals 1495 unter den französischen Truppen in Neapel aufgetreten zu sein und verbreitete sich dann rasant.[128] Einer der prominentesten Patienten war ohne Zweifel der Humanist Ulrich von Hutten, der über seine Behandlung mit der Rinde des Guajak-Baumes ein Buch schrieb.[129] Diese war neben Quecksilber das am häufigsten angewandte Heilmittel gegen die Syphilis. Die fein geriebene und gekochte Guajakrinde wurde als Getränk verabreicht und sollte massiven Schweißfluss bewirken und so die krankhafte Materie aus dem Körper entfernen; als körperintern wirkendes Medikament wurde sie gerne von studierten Ärzten verabreicht.[130] Quecksilber trug man typischerweise als Salbe auf die Haut auf; entsprechend wurde es häufig von Chirurgen verwendet.[131] Teilweise wurde das Quecksilber auch verdampft, um so über die Luft auf die Haut wirken zu können.[132] Das Ziel der Therapie war ebenfalls, den Körper von schadhaften Stoffen zu reinigen, hier allerdings durch exzessiven Speichelfluss (dieser ist nach modernem Verständnis eines der Symptome einer akuten Quecksilbervergiftung[133]). Außerdem ging man bei beiden Stoffen davon aus, dass sie spezifisch gegen den Krankheitsstoff der Syphilis wirkten.[134]
Die Syphilis führte unter den medizinisch Gelehrten der Zeit zu heftigen Debatten über den Ursprung der Krankheit: Kam sie aus der neuen Welt oder wurde sie schon Galen beschrieben? War sie das Ergebnis einer besonderen Gestirnkonstellation?[135] Tatsächlich wurde sexueller Kontakt recht schnell als Übertragungsweg erkannt[136] und bereits Ende der 1520er Jahre hatte die Anfangs gefürchtete Krankheit viel von ihrem Schrecken verloren. Auch die Symptome begannen nach Aussage der zeitgenössischen Ärzte recht schnell, sich zu verändern und weniger ernst zu werden.[137] "It was now a disease that one could live with."[138]

Der griechische Galen – Philologische Herausforderungen

Eines der bedeutendsten Ereignisse für die Medizin des 16. Jahrhunderts, wenn nicht gar das bedeutendste Ereignis schlechthin, war die Wiederentdeckung der griechischen Schriften Galens, auf den mit der Säftelehre immerhin das grundlegendste Konzept der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Medizin zurückging. Im frühen Mittelalter war Galen in Westeuropa nahezu unbekannt gewesen; das in seinen Schriften vermittelte medizinische Wissen war wie viele andere Bereiche des antiken Wissens mit dem Untergang des weströmischen Reiches verloren gegangen und nur im byzantinischen Reich sowie der arabischen Welt erhalten und weiterentwickelt worden. Es waren die Ärzte der italienischen Stadt Salerno und der nordafrikanische Mönch Constantinus Africanus, der Kontakte nach Salerno hatte, die die Werke des antiken Mediziners in Europa bekannt machen: Constantinus war ein hochproduktiver Übersetzer arabischer medizinischer Texte ins Lateinische. Er war es auch, der auf Basis arabischer Galen-Übersetzungen erste lateinische Versionen der Texte anfertigte und zusammen mit den Übersetzungen medizinischer Schriften verschiedener Autoren nach Europa brachte.[139] Im Laufe des Mittelalters entstand so ein Korpus lateinischer Schriften medizinischen Inhalts, die teils (in übersetzter und überarbeiteter Form) von Galen, teils aus dem Corpus Hippocraticum und teils von weniger bekannten antiken oder arabischen Gelehrten stammten; auf diesen gründete die westeuropäische Medizin ihre Lehren. Sie wurden in der unter dem Namen Articella bekannten Sammlung zusammengefasst, die noch im 16. Jahrhundert in der akademischen Lehre verwendet wurde.[140] Im Laufe der Zeit kamen dazu noch lateinische Übersetzungen von Avicennas Canon medicinae und Rhazes' Liber ad Almansorem, die ebenfalls schnell zu Standardwerken der universitären Lehre avancierten.[141]
Die Übersetzung aus dem Arabischen erschwerte jedoch ein bedeutsamer Faktor: Die Übersetzer übertrugen einen Text zwischen zwei Sprachen mit völlig verschiedener Terminologie und Syntax; dieses Problem war umso größer für diejenigen Texte, die im Original auf Griechisch verfasst waren, da sie diesen Prozess zweimal durchliefen.[142] Auch die Übersetzungsmethode der ursprünglichen arabischen Übersetzer gab Anlass zu Kritik, da sie bei der Übertragung meist recht frei vorgegangen waren und sich bemüht hatten, vor allem den Sinn der griechischen Passagen, wie ihn der Übersetzer verstand, auf Arabisch wiederzugeben. Die zunehmend größer werdende Zahl an Übersetzern, die direkt vom Griechischen ins Lateinische übersetzte, arbeitete jedoch genauer und übertrug die Texte wesentlich wörtlicher – freilich hatten sie es damit auch einfacher, da die beiden Sprachen sich deutlich ähnlicher sind.[143]
Der frühe Humanismus steuerte zunächst wenig Neues zur Medizin bei. Seine Hauptleistung war die Neuentdeckung des römischen Mediziners Celsus, der jedoch mehr in der Philologie als in der Medizin rezipiert wurde. Für die universitäre Medizin, die sich um das Jahr 1450 etabliert hatte und die im wesentlichen auf der Articella sowie Avicenna und Rhazes basierte, hält Vivian Nutton noch fest: "This was a Latin medicine, whatever its roots."[144] Terminologie und Vorstellungen dieses Systems basierten grundsätzlich auf lateinischen Schriften.

Es war der Italiener Niccolò Leoniceno, der mit der Publikation des ersten Buchs seines Werks "De Plinii et aliorum in medicina erroribus" 1492[145] das medizinische System erschütterte, indem er Plinius und anderen, teilweise arabischen Vermittlern der griechischen Medizin grundlegende Fehler in ihrem Verständnis der griechischen Texte nachwies. Damit schuf er zum ersten Mal ein Bewusstsein für die Notwendigkeit, die griechischen Originaltexte zu studieren.[146] Diese waren allerdings zunächst schwer erhältlich.[147]
Das änderte sich erst mit dem Wirken des Venezianer Druckers Aldus Manutius, der in den 1490er Jahren als erster begann, griechische Werke herauszugeben. Im Jahr 1500 erschien bei den Venezianer Druckern Zacharias Callierges und Nicolas Vlastos eine Edition von Galens "Methodus medendi" und "Ad Glauconem de medendi methodo", die vermutlich der erste Teil einer Gesamtedition sein sollte; zu dieser kam es jedoch nie, und auch Aldus, der vermutlich eine konkurrierende Ausgabe plante, musste seine Pläne aufgeben: Die Edition von 1500 war ein kommerzieller Misserfolg. Für einen Fachtext mit so kleiner Zielgruppe war es einfach noch zu früh.[148]
Die Umstände änderten sich jedoch radikal innerhalb der folgenden 20 Jahre: Bis 1520 wurde Griechisch an vielen Schulen und Universitäten gelehrt. Viele griechische Autoren las man inzwischen im Original und in der akademischen Medizin dominierte nun der Glaube, dass der griechische Galen echte Fortschritte bringen konnte.[149] So kam es dazu, dass 1525 in Ravenna die erste lateinische Übersetzung (auf Basis des griechischen Textes) des "Corpus Hippocraticum" gedruckt wurde; die griechische Erstedition wurde ein Jahr später in der Offizin des mittlerweile verstorbenen Aldus Manutius in Venedig gedruckt. In derselben erfolgte ebenfalls 1525 der Druck der ersten vier Teile einer griechischen Gesamtausgabe Galens, deren fünfter Teil im Folgejahr nachgeliefert wurde.[150] Die Bedeutung dieser Edition als Textgrundlage für die Ausgaben der folgenden Jahrhunderte sowie als Basis für humanistische Übersetzungen ins Lateinische ist nicht zu überschätzen, auch wenn sie zahlreiche Fehler aufwies (s.u.).[151]

Andere Autoren gingen ähnliche Wege wie Galen: So war der griechische pharmakologische Autor Dioskurides in Europa lange Zeit nur durch geringwertige lateinische Übersetzungen bekannt, bis alleine im Zeitraum von 1499 bis 1529 gleich vier griechische Editionen auf den Markt kamen.[152] Die Schriften des Hippokrates gewannen dann in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert zunehmend an Einfluss und wurden schließlich ebenso gewichtig wie die Galens oder übertrafen diese noch.[153]

Die Neuentdeckung der antiken Werke ging mit einer hohen Erwartungshaltung unter den zeitgenössischen Medizinern einher. Insbesondere die Schriften Galens galten als normative Kompendien, in denen Galen das Wissen seiner Zeit in geordneter und bereinigter Form zusammengetragen hatte. "Die große Hoffnung des medizinischen Humanismus war es, aus den in mühsamer philologischer Kleinarbeit in ihrer ursprünglichen, authentischen Form wiederhergestellten antiken Texten die eine wahre Medizin begründen zu können."[154] "The doctors who translated these classical texts ... all subscribed to the humanist creed that the recovery of the works of Antiquity was a mark of progress. ... [T]here was a universal conviction ... that 'medicine in the Middle Ages had been buried and overwhelmed in a great gloom', 'utterly corrupt' and 'shrouded in darkness perpetual and silent night'. Now medicine had been raised from the dead to speak again with its true voice."[155]
Es stellte sich aber auch eine Reihe philologischer Herausforderungen: Grundlage für die Arbeit mit dem griechischen Text war zunächst die Klärung der genauen Textgestalt und die Edition. Die Galen-Ausgabe von 1525/26 wurde weithin mit großem Enthusiasmus aufgenommen, zugleich kam jedoch recht schnell auch Kritik auf: Der Druck der Edition war überstürzt worden und wies daher zahlreiche Lücken und grobe Fehler auf, wie auch Erasmus von Rotterdam bemängelte.[156] Dies hielt ihn freilich nicht davon ab, bereits 1526 die erste lateinische Übersetzung einiger Texte auf Basis der Aldine anzufertigen.[157] Eine zweite Gesamtausgabe von Galens Werken, die 1538 in Basel gedruckt wurde und an der auch Camerarius mitarbeitete (↓ Beteiligung an der Basler Galen-Edition), konnte einige deutliche Verbesserungen erreichen, echte Fortschritte ließen jedoch bis zum 19. und 20. Jahrhundert auf sich warten.[158]
Die eifrige Recherche der Humanisten brachte zahlreiche bis dahin unbekannte Werke ans Licht: Viele Schriften von Galen und Hippokrates und erst recht der zahlreichen weniger bekannten Autoren waren nie oder nur schlecht ins Lateinische übersetzt und daher kaum oder gar nicht rezipiert worden. Die Fülle neuen galen(ist)ischen Materials, die nun im 16. Jahrhundert zur Verfügung stand, machte eine Sichtung dringend notwendig, da die frühen Editionen und Übersetzungen kaum unterschieden, ob ein Werk tatsächlich von Galen verfasst war oder ihm nur zugeschrieben wurde.[159] Widersprüche versuchte man zunächst aufzulösen, indem man unter den Werken eine Ordnung zu etablieren versuchte, in die die einzelnen Werke je nach ihrer Authentizität eingereiht wurden: Diese Methode stammte letztlich von Galen selbst, der sie angewandt hatte, um Widersprüche in den Hippokrates zugeschriebenen Schriften aufzulösen.[160]
Außerdem war trotz der zunehmenden Verbreitung des Griechischen noch immer eine den Ansprüchen der Humanisten genügende Übersetzung auf Basis des Griechischen gefordert, mit der die Ärzte praktisch arbeiten konnten: "The full impact of the abundance of new material which was becoming available in the Greek Galen was not felt until it had been translated into Latin from 1526 onwards."[161]
Ein drittes Problem, dass sich aus der Verfügbarkeit der griechischen Texte ergab, war die Bestimmung der Terminologie. Wie bereits erwähnt, war es gegen Ende des 15. Jahrhunderts gelungen, den arabischen Autoren, aber auch manchen antiken lateinischen Autoren Fehler in ihrer medizinischen Terminologie nachzuweisen, die sich aus sprachlichen Missverständnissen ergaben. Diese Fehler waren zwar für die ärztliche Praxis meist nicht relevant; für die medizinische Theorie aber und diejenigen Ärzte, die des Griechischen mächtig waren, konnten sich hier jedoch wichtige Fragestellungen ergeben, wie der Streit um den Aderlass (↓ Neubewertung).[162] Zudem musste auch nach Edition, Übersetzung und Kommentierung der völlig neu entdeckten griechischen Texte die darin erwähnten Begrifflichkeiten den bekannten griechischen, lateinischen und volkssprachigen Termini zugeordnet werden.[163]

Das Verhältnis zu Galen – Konzeptuelle Herausforderungen

Neue Texte, neue Länder, neue Ideen

Insgesamt blieb die Medizin auch zu Beginn des 16. Jahrhunderts äußerlich insofern eine mittelalterliche, als die Überlegenheit des antiken Wissens weiterhin anerkannt blieb.[164] Allerdings erforderten besonders drei neue Entwicklungen eine grundlegende Beschäftigung mit den antiken Lehren. Diese waren zum einen die große Menge bisher unbekannter Texte, die zum Beginn des 16. Jahrhunderts auf den Markt kamen. Zweitens führte die Erkundung neuer Länder und Kontinente sowie die zunehmend intensivere Erforschung der Natur in der Fremde ebenso wie in der Heimat zu neuen Erkenntnissen, die sich mit der etablierten Lehre nicht mehr vereinbaren ließen. Schließlich gab es auch in der Medizin selbst neu aufkommende Ansätze der Wissensgewinnung, die mehr auf Empirie als auf überlieferte Autoritäten setzten. Alles zusammen führte dazu, dass die akademischen Mediziner des 16. Jahrhunderts ihr Verhältnis zu Galens Lehre neu bewerten mussten; teilweise entwickelten sie sie auch weiter oder verwarfen sie vollständig.

Neubewertung

Wie bereits angesprochen stand mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts eine Fülle neuen griechischen Textmaterials zur Verfügung. Dieses galt es zunächst zu edieren, zu übersetzen und sich über die verwendete Terminologie klar zu werden sowie ihre Authentizität zu bestimmen. Dennoch blieben selbst innerhalb von Galens Werk selbst zahlreiche Widersprüche bestehen, die sich nicht durch philologische Methoden auflösen ließen.[165] Auch völlig neue Erkenntnisse ergaben sich aus den bisher unbekannten Texte, nicht zuletzt über Galens eigene Arbeitsmethode. Jahrhunderte lang hatte man ihn als reinen Dogmatiker gesehen und seine Lehre als logisch auf Aristoteles aufbauend unangefochten vertreten. Nun zeigte sich jedoch, dass Galen selbst viel praktisch arbeitete, experimentierte und beobachtete und auch seine Schüler dazu aufforderte. Und er war bereit, seine keineswegs dogmatische Lehre zu überarbeiten und frühere Ansichten zu verwerfen, wenn neue Indizien dies erforderten.[166] Die Folge war, dass Galens Autorität durch die schiere Menge an Texten zwar zunächst gefestigt wurde, dass man zugleich aber Kompromisse eingehen musste, um Widersprüche in seiner Lehre zu klären und neue Krankheiten und Informationen über die Welt darin einzupassen.[167] Bisweilen war eine komplette Neubewertung etablierter Lehren notwendig.

Ein bedeutendes Beispiel für eine Debatte, die sich letztlich am Wortlaut des griechischen Texts entzündete, ist die um den Aderlass.[168] Dieser war über das gesamte Mittelalter hinweg auf Basis lateinischer Galenübersetzungen so praktiziert worden, dass man das Blut möglichst weit entfernt von der erkrankten Stelle abließ (Revulsion). Das Ziel war dabei, die kranke Stelle zu entlasten, indem man schadhafte Materie mobilisierte und von ihr wegleitete.[169] Der Pariser Arzt Pierre Brissot kam nun 1514 zu dem Schluss, dass dies den Lehren von Galen und Hippokrates widersprach, die den Aderlass derivativ praktiziert hätten: Dabei wird das Blut auf der von der Krankheit betroffenen Seite des Körpers entnommen, um die verdorbenen Stoffe direkt auszuleiten. Dies empfahl Brissot nach eigenen Experimenten besonders im Fall der Lungenentzündung. Er eröffnete damit eine Debatte, die die Welt der Medizin über ein halbes Jahrhundert hinweg spaltete und teilweise zu offiziellen Verboten dieser oder jener Aderlassmethode führte.
Einer von Brissots wichtigsten Unterstützern war der deutsche Arzt Leonhart Fuchs, der seine Meinung in einer polemischen Schrift gegen den Löwener Arzt Jeremias Brachelius vertrat. Das Werk wurde 1538 und dann 1540 gleich zweimal jeweils zusammen mit zwei weiteren von Fuchs verfassten Polemiken gedruckt. Camerarius verfasste ein Werbegedicht, das er allen drei Ausgaben beigab: Darin stellt er sich dezidiert auf Fuchs' Seite (↓ Epigramme für medizinische Abhandlungen und Disputationen Dritter).
Ein zweiter Streitpunkt, der ab den 1520er Jahren aufbrach, war die Frage nach der Haltung zur Astrologie.[170] Giovanni Manardi, vielleicht inspiriert von seinem Lehrer Niccolò Leoniceno äußerte sich erstmals in einem undatierten, 1521 publizierten Brief kritisch zur Astrologie:[171] Hippokrates und Galen seien beide skeptisch gegenüber der Astrologie gewesen. Galen habe zwar in "De diebus decretoriis" einige Kenntnis der Astrologie bewiesen, widerlege diese damit aber erst recht, da er die Bewegung des Mondes anders verstehe, als man sie zu Manardis Zeit auffasse: Somit sei entweder die gegenwärtige Astrologie zu verwerfen, wenn Galen mit seiner Interpretation recht habe, oder aber Galens gesamte Schrift, wenn die aktuelle Auffassung korrekt und damit Galens Folgerungen aus der seinen falsch seien. Manardi schließt, dass die Astrologie für die Medizin letztlich irrelevant sei.[172]
Auch wenn Manardi einige Unterstützer fand, kam er doch nur schwer gegen die etablierte Tradition an. Astrologische Vorstellungen waren in allen gesellschaftlichen Schichten weit verbreitet und viele Ärzte waren erfahrene Astrologen. Nicht zuletzt waren es auch die Gelehrten der Wittenberger Universität, allen voran Melanchthon selbst, die sich zur Astrologie bekannten.[173] Vielleicht ist in diesem Kontext Melanchthons Widmung von Camerarius' Schrift "Norica" an den italienischen Astrologen Luca Gaurico als Bekenntnis zu sehen, dass es auch in Deutschland Anhänger der Astrologie gab (→ Astrologie).

Die akademische Medizin existierte nicht in einem Vakuum; auch neue Entwicklungen in Bereichen, die auf den ersten Blick nichts mit Medizin zu tun hatten, konnten für diese zur Herausforderung werden. Das 16. Jahrhundert war eine Zeit der Entdeckungen. Während spanische Conquistadoren immer tiefer in das neu entdeckte Amerika und russische Händler immer weiter nach Sibirien vordrangen, berichteten Missionare, Naturforscher und Händler von ihren Reisen nach Afrika und Indien.[174] Durch den Buchdruck fanden Reiseberichte ein immer größeres Publikum. Viele Ärzte ließen sich auch selbst in fernen Regionen nieder, um in der Neuen Welt oder Indien die medizinische Versorgung zu garantieren.[175] Die so gewonnen Erkenntnisse stellten das überlieferte Weltbild auf den Kopf: Zonen im höchsten Norden und in Äquatornähe sollten nach Aristoteles unbewohnt sein; tatsächlich stellte sich heraus, dass hier sehr wohl Menschen lebten.[176] Ebenso gab es hier eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren, die sich nicht in überlieferte Kategorien einordnen ließen.[177] Mit neuen Ländern kamen auch neue, unbekannte Krankheiten, ebenso aber auch neue Heilmittel. Aus Ostindien wurde ab 1530 die Chinawurzel importiert, die regelmäßig gegen die Syphilis angewandt wurde.[178] Guajak-Holz, das einzige Heilmittel aus der Neuen Welt, das weithin Verwendung fand, wurde spätestens ab 1508 importiert und war eine Standardtherapie gegen dieselbe Krankheit, prominent im Fall Ulrich von Huttens.[179] Camerarius nutze es 1542 erfolgreich gegen ein langwieriges Geschwür am Bein (↓ Malum pedis inveteratum – Ein hartnäckiges Geschwür).
Es waren jedoch nicht nur ferne Länder, in denen man mit neuen Erkenntnissen zu rechnen hatte. Schon lange war bekannt, dass die Identifikation vieler in der antiken Literatur beschriebener Pflanzen und Naturstoffe problematisch war; viele Heilmittel zeigten völlig andere Wirkungen, als in den klassischen Werken beschrieben waren. Zunehmend wurde offensichtlich, dass dies nicht nur ein Problem der Zuordnung und Bestimmung war, sondern ein systemischer Defekt: Das klassische pharmakologische Werk, "De materia medica" des Dioskurides, beschäftigte sich naturgemäß vor allem mit den Heilmitteln, die in Dioskurides' eigener Umgebung, im südöstlichen Mittelmeerraum zu finden waren, sowie mit exotischeren Substanzen aus Indien; für die ebenfalls weithin rezipierten arabischen Autoren galt dasselbe. Heimische Pflanzen, die dann fälschlicherweise mit den in den medizinischen Werken beschriebenen identifiziert worden waren, hatten naturgemäß andere Effekte als diese. So genügte es für mittel- und nordeuropäische Mediziner schon, sich mit der einheimischen Natur und Pflanzenwelt vertrauter zu machen, um zunehmend die Mängel und Grenzen der klassischen medizinischen Werke und ihrer Anwendbarkeit zu erkennen.[180]

Weiterentwicklung

Auch in der Medizin selbst begann man, neue Wege der Erkenntnis zu beschreiten und so das in Galens Schriften überlieferte Wissen zu überprüfen und zu erweitern, besonders in der Anatomie. Zwar handelt es sich bei dem oft zitierten Sektionsverbot der Kirche, die den mittelalterlichen Ärzten so jegliche Möglichkeit zur Autopsie des menschlichen Körpers genommen habe, um einen weit verbreiteten Mythos, der sich durch keinerlei kirchliche Beschlüsse bestätigen lässt;[181] Auch Joachim Camerarius wollte nicht, dass sein Körper nach seinem Tod auf die Todesursache untersucht würde (↓ Nierensteine – eine Familienkrankheit). Hinzu kam die praktische Schwierigkeit, überhaupt an geeignete Körper zu kommen.[182]
Lange Zeit hatte sich die anatomische Lehre außerdem darauf beschränkt, geeignetes Anschauungsmaterial für Vorlesungen zu stellen. Wie Vivian Nutton bemerkt, bedeutete Galens Werk trotz seiner großen Bedeutung so beinahe das Ende der Anatomie: Warum sollten die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ärzte selbst Körper sezieren und nach neuen Erkenntnissen suchen, wenn der Begründer der Medizin dies schon selbst getan und seine Ergebnisse ausführlich und systematisch niedergeschrieben hatte?[183] "Galenic empirical anatomy had become book anatomy, something to be read rather than practised in imitation of the master."[184] Anatomische Vorlesungen – die es an italienischen Universitäten seit 1316 gab – liefen entsprechend so ab, dass ein lector, typischerweise der Medizinprofessor, aus einem anatomischen Lehrwerk vorlas und dieses erläuterte, während ein dissector, meist ein Handwerkschirurg, einen Leichnam öffnete und das vom Lektor Angesprochene am offenen Körper demonstrierte. Teilweise wurden die Aufgaben des Lektors noch einmal aufgeteilt: Ein iunior las dann den Text, während der Professor diesen erläuterte.[185]

Die Grundeinstellung der Anatomen änderte sich jedoch im 16. Jahrhundert: Während zuvor das Zeigen des Erläuterten im Mittelpunkt der Sektion gestanden hatte, verschob sich der Akzent nun in Richtung des Suchens nach Neuem und der Überprüfung des bei Galen Dargestellten.[186] Die Autopsie stand nun im Mittelpunkt der Anatomie.[187] Hier wird oft Andreas Vesalius als die Person genannt, die diese Revolution in Gang gesetzt habe; sein 1543 veröffentlichtes Werk "De humani corporis fabrica" habe als erstes Fehler bei Galen aufgezeigt und bisherige Lehren obsolet gemacht. Dies ist jedoch so nicht ganz korrekt.[188] Tatsächlich war das Interesse an der Anatomie bereits mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts gestiegen; so hatte etwa Alessandro Benedetti schon 1502 die Galenhörigkeit mancher Anatomen kritisiert.[189] Wie weiter oben dargestellt, entstand im 16. Jahrhundert auch zunehmend ein Bewusstsein dafür, dass Galen Fehler gemacht hatte. "Die Kritik an Galen und die Erneuerung der Anatomie lagen zu Vesals Zeit also gewissermaßen in der Luft",[190] oder, wie Vivian Nutton schreibt: "Vesalius was pushing on a door that was already open."[191] Dies entsprach einer allgemeinen Entwicklung, die auch in der Pharmakologie zu beobachten war, in der die Empirie in der Medizin immer mehr an Bedeutung gewann.[192]
Eine Neuerung, die tatsächlich auf Vesal zurückzugehen scheint, ist allerdings, dass er in seinen Vorlesungen sowohl die Rolle des Lektors als auch die des Dissektors übernahm;[193] in gewisser Weise brach Vesal hier das Eis: Während nach der Meinung der mittelalterlichen Ärzte die praktische Tätigkeit des Sezierens ihrem Selbstbild als Buchgelehrte widersprach, war sie nun nicht mehr unter der Würde der studierten physici. Allerdings war auch diese Entwicklung teilweise bereits vor Vesal im Gange.[194] Vesals Praxis sowohl zu lesen als auch zu sezieren, verbreitete sich im Anschluss weiter; die traditionelle Arbeitsteilung hielt sich jedoch mancherorts noch lange.[195]
Vesals zweite Hauptleistung war es, durch die Arbeit an menschlichen Körpern festzustellen, dass Galens anatomische Erkenntnisse vor allem auf der Sektion von Tieren beruhten. Der griechische Arzt hatte viele der Entdeckungen, die er an Tierkörpern machte, einfach auf den menschlichen Körper übertragen, was teilweise nicht ganz unproblematisch war.[196] Während andere Anatomen bereits vor ihm Fehler in Galens Lehre gefunden hatten, war es Vesal, der als erster darauf hinwies, dass diese systematisch von der fehlerhaften Übertragung vom Tier auf den Menschen herrührten.[197] Eigene Neuentdeckungen machte Vesal dagegen kaum; bei den meisten handelte es sich um Korrekturen bisheriger Lehrwerke.[198]

Vesals "De humani corporis fabrica" war somit vor allem insofern bedeutend, als das Buch die bis dahin akkurateste und vollständigste Beschreibung des menschlichen Körpers bot; dabei war es weder besonders revolutionär noch fehlerfrei.[199] Die Reaktionen waren insofern gespalten: Während das Buch in Leipzig innerhalb eines Jahres ausverkauft war und die Wittenberger Mediziner und Philipp Melanchthon Vesal als Fortsetzer des Werkes feierten, das Galen begonnen habe und nicht hatte vollenden können,[200] verteidigten andere Galen: Nicht dieser habe falsch gelegen, sondern der heroische römische Körper sei seit der Antike degeneriert.[201] Auch stellte man schnell fest, dass Vesal Galen teilweise missverstanden habe, und wies auf Fehler in Vesals Werk selbst hin: Tatsächlich hatte Vesal trotz seiner Kritik an Galen aus praktischen Gründen selbst weiter viel an Tierkadavern gearbeitet und hatte ebenso wie Galen manche Entdeckung von dort fälschlicherweise auf den Menschen übertragen. Außerdem wurden Plagiatsvorwürfe laut, da Vesal ganze Passagen aus Galens Werken unverändert übernommen hatte.[202]

Der Sinn der Anatomie wurde auch im 16. Jahrhundert noch oft hinterfragt. Einige Argumente, die teilweise seit der Antike gegen die anatomische Praxis vorgebracht wurden, zitiert Vivian Nutton:[203] Man könne anatomische Erkenntnisse ebenso gut aus der Sektion von Tieren gewinnen, indem man das Gefundene auf den Menschen übertrage; die Fehleranfälligkeit dieser Methodik zeigte allerdings Andreas Vesalius auf. Ebenso wurde die Meinung geäußert, dass die chirurgische Praxis ausreichende Erkenntnisse liefere und Sektionen Toter keinen Mehrwert darüber hinaus hätten. Außerdem genüge es doch, einmal alles anatomische Wissen zusammenzustellen; wiederholte Sektionen brächten keinen Erkenntnisgewinn. Ohnehin seien grundlegende anatomische Kenntnisse für die studierten Ärzte ausreichend, da diese ja – im Gegensatz zu den Handwerkschirurgen – nicht mit mechanischen Wunden zu tun hätten. Nicht zu letzt wurde als häufiges Argument vorgebracht, dass die aus Sektionen gewonnenen Erkenntnisse über den Aufbau des toten Körpers praktisch irrelevant seien, da Krankheiten nach der gängigen universitären Lehre ja durch Ungleichgewichte im lebendigen Körper zustande kamen; diese ließen sich an Verstorbenen jedoch nicht beobachten.[204]
Tatsächlich gibt es außerhalb der Chirurgie kaum Beispiele für klinische Anwendungen anatomischen Wissens.[205] Dennoch fanden anatomische Demonstrationen im 16. Jahrhundert auch an den Universitäten immer größeres Interesse, da die studierten Ärzte ihre Patienten bei der Behandlung beraten mussten und oft auch die Aufsicht über die lokalen Handwerkschirurgen, Starstecher und Steinschneider führten.[206] Insofern waren anatomische Kenntnisse für ihre eigene medizinische Praxis zwar vergleichsweise unbedeutend, sie waren jedoch für die weiter gefassten Aufgaben eines Arztes sehr wohl relevant. Außerdem gewann die Anatomie auch im Rahmen der Naturphilosophie und Theologie zunehmend an Bedeutung: Die zeitgenössische Naturphilosophie nahm ebenso wie die Medizin vermehrt von antiken Autoritäten Abstand und setzte auf die empirische Erforschung der Welt, die als Gottes Schöpfung gesehen wurde. Die Erforschung der Natur und somit auch des menschlichen Körpers als deren Krönung kam damit der Erforschung von Gottes Willen und Wirken gleich und wurde so geradezu zur "Christenpflicht"[207]. Gerade in dem von Wittenberg beeinflussten Protestantismus wurde die Anatomie so geradezu "zur theologischen Hilfsdisziplin"[208] und die Sektion zum Gottesdienst (↓ Die Medizin an der Universität Wittenberg).

Verwerfung

Einen besonders radikalen Weg schließlich gingen diejenigen Gelehrten, die sich (augenscheinlich) ganz von der galenischen Medizin abwandten. Der bedeutendste von ihnen war gewiss Philippus Aureolus Theophrastus Bombastus von Hohenheim, besser bekannt unter dem Namen Paracelsus. Er war schon zu Lebzeiten eine kontroverse Figur. Sein Vater, von Beruf Arzt, vermittelte ihm umfangreiche Kenntnisse über Mineralogie; vermutlich studierte Paracelsus dann in Wien und vielleicht Ferrara, anschließend führten ihn Reisen angeblich durch ganz Europa, von Spanien bis Moskau und in die Türkei. Anfang 1527 trat er in Basel auf, wo es ihm gelang, den Buchdrucker Johann Froben vor einer Beinamputation zu bewahren. Dies brachte ihm den Respekt der lokalen Humanisten ein; er wurde Stadtarzt und las an der Universität. Zugleich machte er sich zahlreiche Feinde, indem er dieser den Eid verweigerte und sich öffentlich gegen den Medizinunterricht nach Galen und Hippokrates aussprach: Er selbst wolle auf Basis seiner eigenen Erfahrung unterrichten. Am 24. Juni 1527 verbrannte er öffentlich eine Ausgabe von Avicennas "Canon", woraufhin die Universität ein Lehrverbot gegen ihn aussprach. Paracelsus unterrichtete dennoch, und zwar auf Deutsch.[209] Sein Schüler Johann Oporinus äußerte sich später zu Paracelsus' akademischer Unkenntnis, seinem seltsamen Verhalten und seiner heftigen Kritik sowohl am Papst als auch an Luther.[210]
Der Verlust seines Fürsprechers Froben, der im Oktober 1527 starb, und Klagen eines Patienten veranlassten Paracelsus schließlich zur Flucht aus Basel. Im Anschluss zog er als Wanderprediger und Chirurg durch Süddeutschland, Österreich und die Schweiz, bis er 1541 in Salzburg starb.[211]

Trotz seiner ungewöhnlichen religiösen und sozialen Einstellungen, die wohl hauptsächlich für seine Probleme verantwortlich waren, zog Paracelsus immer wieder wohlhabende Patienten an. Immer wieder gelang ihm wohl auch die Heilung von Patienten, die andere Ärzte bereits aufgegeben hatten.[212] Es sind Berichte von solchen Wunderheilungen, die vor allem postum für seinen großen Erfolg sorgten.[213] Hinzu kam die Tatsache, dass Paracelsus auf Deutsch publizierte: Der deutschsprachige Raum wies eine relativ hohe Alphabetisierungsrate auf[214] und erstreckte sich durch Siedler und Kaufleute wesentlich weiter vor allem nach Osteuropa als heute, sodass Paracelsus eine große Reichweite seiner Schriften garantiert war. Außerdem gab es im deutschsprachigen Raum eine lange Tradition medizinischer Laienliteratur; das Publikum war also sowohl interessiert als auch an medizinische Inhalte gewöhnt: "By deliberately choosing to write in German, Paracelsus was not cutting himself off from learned society, but aiming for as wide an audience as possible within a German-speaking world that had long been accustomed to reading printed books by other doctors on similar themes."[215]

Großen Erfolg hatte seine 1536 publizierte "Grosse Wundartzney".[216] Sein Werk ist durchzogen von seinem Verständnis von Mineralogie, Bergbau und Destillation. Anstatt der klassischen vier Säfte oder Primärqualitäten sind es für ihn die Stoffe Salz, Schwefel und Quecksilber mit den Qualitäten fest, brennbar und lebendig, aus denen die Welt besteht. Bei der Behandlung von Krankheiten setzte er nicht auf die Diätetik oder Heilkräuter, sondern auf angeblich schneller wirkende Drogen auf mineralischer Basis; Naturstoffe wirkten außerdem laut seiner Lehre dann am besten, wenn sie durch Destillation auf ihre Quintessenz reduziert wurden.[217]

Paracelsus' medizinische Vorstellungen entsprachen und resultierten teils aus seinen theologischen Anschauungen: Wie für Luther, den er allerdings ebenso kritisierte wie den Papst, folgte für ihn wahres Christentum nicht aus der Teilhabe an den Sakramenten, sondern aus der persönlichen Beziehung zu Gott. Ebenso basierte wahre medizinische Kenntnis nicht auf Autoritäten, sondern auf persönlicher Erfahrung.[218] Für den Patienten ist zur Heilung das Vertrauen auf Christus essentiell: "It is not the patient's trust in the Hippocratic doctor that will bring about healing, the message of the opening section in the Hippocratic Prognostics, but the belief of both doctor and patient in the Christian God. Christian love, not book-learning, must lie at the basis of all healing."[219] Auch Paracelsus betont im Übrigen die Bedeutung der Erkundung der Natur zur Gotteserkenntnis: Reisen sind daher für ihn unerlässlich, um Gottes Schöpfung wahrhaft kennenzulernen und die Natur wirklich zu verstehen.[220]
Dazu kamen neuplatonische und gnostische Ansichten, die Paracelsus leiteten.[221] Für ihn lässt sich der wahre Arzt von Gott führen, der Paracelsus' Signaturenlehre zufolge in der Natur Hinweise hinterlassen hat; diese muss der Arzt nur erkennen. So gab die Form oder Farbe eines Naturbestandteils Aufschluss darüber, gegen welche Krankheiten er einzusetzen war.[222] Damit widersprach Paracelsus der galenischen Standarddoktrin der Allopathie, wonach Gegensätzliches Gegensätzliches heile.

Paracelsus' nicht-theologische Schriften wurden mehrheitlich erst nach seinem Tod gedruckt. Katalysator war Adam von Bodenstein, Sohn des Reformators Andreas Bodenstein, genannt "Karlstadt", der zusammen mit anderen Paracelsus' Schriften sammelte und nach und nach auch gegen Widerstand drucken ließ. Ab den 1560er Jahren kamen auch lateinische Übersetzungen der Werke auf den Markt.[223] Vor allem unter den Protestanten fand Paracelsus durch seine theologischen Vorstellungen ein breites Publikum; viele andere Leser interessierten vor allem die alchimistischen und magischen Aspekte seiner Lehre. Auf der anderen Seite wurde auch schnell Kritik laut und Paracelsus wurde der Magie, des Arianismus und der Scharlatanerie beschuldigt.[224] Dennoch begann sich seine Lehre spätestens mit den lateinischen Übersetzungen von 1575 einzubürgern und war bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts ebenso wie die Kritik an ihr wohl etabliert.[225]

Michael Stolberg argumentiert allerdings, dass die Schriften von Paracelsisten und Galenisten zwar von gegenseitiger Polemik geprägt waren, der Gegensatz in der Realität jedoch nicht so gravierend gewesen sei. Galenistische Ärzte scheinen sich häufig recht offen für paracelsistische, "chymische" Heilmittel gezeigt zu haben – gerade für solche gegen bisher unheilbare Krankheiten -, auch wenn sie sich weniger für die dahinter stehenden Theorien interessierten.[226] Zugleich war der Bruch der Paracelsisten mit Galens Lehre zwar besonders radikal, entsprach aber, wie dargestellt, im Großen und Ganzen dem zeitgenössischen Einstellungen.[227] Auch die Betonung der Quintessenz war nicht komplett neu; Destillationstechniken existierten schon lange, und auch "okkulte" Kräfte von Naturstoffen – also solche Heilkräfte, die nicht durch Kenntnis der Bestandteile vorherzusagen waren, sondern auf unerklärliche Weise aus der gesamten Substanz (tota substantia) hervorgingen – gewannen im 16. Jahrhundert allgemein an Bedeutung.[228] Mineralische und metallische Heilmittel fanden durch Paracelsus' Lehre regelmäßig Eingang in Krankheitskuren, jedoch waren auch sie schon vorher angewandt worden. Die Kritik der galenistischen Ärzte richtete sich hier weniger gegen die Kuren an sich als gegen übertriebene Hoffnungen, die man in diese setzte.[229]
Die paracelsistischen Ärzte dagegen verwendeten bei der Beratung und Behandlung von Patienten oft dieselbe Terminologie wie die Galenisten und sprachen von "verdorbener gelber Galle", von "Verstopfungen der Galle", einem "Überschuss an Schleim im Körper" oder "Flüssen".[230] Während Laienpatienten für paracelsistische Wunderkuren gewiss offen waren, fiel die Kommunikation neuer medizinischer Theorien deutlich schwerer; insofern war es auch für Anhänger des Paracelsus einfacher, sich gegenüber Patienten der etablierten Erklärungsmodelle und Terminologie zu bedienen.[231]

In Umfeld des Joachim Camerarius war es vor allem der Mathematiker und später auch Mediziner Georg Joachim Rheticus, der sich für die paracelsistische Lehre offen zeigte und auch Schriften des Paracelsus übersetzte.[232] In einem Brief vom 09.11.1558 berichtet er von 'Wunderheilungen' (miracula) des Paracelsus.[233] In einem Brief an Camerarius' Sohn Joachim vom 01.02.1563 schreibt er, er sehe, dass sich in Deutschland mit Paracelsus' Lehre eine neue medizinische Schule verbreite, und zeigt sich offen, Teile der Lehre zu übernehmen, die mit Vernunft und Erfahrung zusammenpassen (quae cum ratione et experientia consensiunt).[234] Dem Thaddaeus Hagecius schreibt Rheticus am 10.05.1567 gar, dass er an Paracelsus' Schriften Gefallen finde.[235] Und aus einem weiteren Brief an den jüngeren Camerarius vom 29.05.1569 erfahren wir, dass Rheticus Paracelsus 1532 persönlich getroffen hatte; er bezeichnet Paracelsus dort als bedeutenden Mann (vir magnus), der hervorragende Schriften produziert habe (praeclara edebat opera), merkt allerdings auch an, dass er keinen Schüler von Paracelsus' Lehre kenne, der auch Schüler des Paracelsus selbst gewesen wäre, wohl ein Hinweis auf Paracelsus' ungewöhnlichen Charakter. Falls Camerarius Paracelsisten kenne, fordert Rheticus ihn auf, für ihn Kontakt herzustellen.[236]
Rheticus' Hinwendung zum Paracelsismus bezeugt und bedauert Andreas Dudith in einem Brief an den älteren Joachim Camerarius vom 15.05.1569.[237] Am 08.02.1570 schreibt Dudith, Rheticus irre weiter als Argonaut mit Paracelsus als Steuermann auf dem Meer umher und weigere sich trotz wiederholten Schiffbruchs, den Ozean und seine Ungeheuer hinter sich zu lassen.[238] Am 6. Juli desselben Jahres berichtet Dudith dem jüngeren Camerarius dasselbe und verweist darauf, dass die Paracelsisten zwar ihre Versprechungen nicht halten könnten, dass die klassischen Ärzte aber ebenso wenig in der Lage seien, Zahn oder Kopfschmerzen oder gar Wassersucht, Epilepsie oder Podagra zu heilen.[239] An Thaddaeus Hagecius schreibt Dudith am 12.04.1573, Rheticus halte sich in Ungarn auf und bewundere Paracelsus.[240]

(Alexander Hubert)

Die Medizin an der Universität Wittenberg

Die Stellung der Medizin bei Philipp Melanchthon

Die Medizin ist wie die anderen Wissensfelder an der Universität Wittenberg im Kontext von Philipp Melanchthons Naturphilosophie zu sehen: Die Betrachtung der Natur dient in erster Linie der Gotteserkenntnis (entsprechend auch die → Astrologie und die → Mathematischen Wissenschaften) und ist insofern eine Hinführung zur → Theologie.[241] Dasselbe gilt auch für die Medizin, die den Menschen von Gott gegeben ist, um diesen zu erkennen; dementsprechend ist es nicht nur dumm, sondern zeugt von Gottlosigkeit (impietas), die Medizin geringzuachten.[242] In seiner Rede "De doctrina anatomica" sagt Melanchthon über die Anatomie, diese sei eine Ernährerin vieler Tugenden, von denen die erste und wichtigste die Erkenntnis Gottes sei.[243] Sie diente aber "[n]icht nur der Erkenntnis Gottes, sondern auch ... des Menschen selbst"[244] und war damit "integraler Bestandteil seines anthropologischen Entwurfs"[245]. Entsprechend forderte Melanchthon gewisse anatomische Kenntnisse nicht nur von Medizinstudenten, sondern von Studenten aller Fakultäten; nicht nach solchen zu streben, sei geradezu eine Schande.[246]

Ansonsten war die akademische Medizin für Melanchthon "in erster Linie eine Buchwissenschaft"[247]. Die Studenten sollten im Rahmen ihres Studiums sowohl die Anatomie als auch die Identifikation und Therapie von Krankheiten in erster Linie aus Büchern lernen.[248] Bereits 1519 betonte er den großen Wert der griechischen Autoren für die zeitgenössische Medizin. In seiner an den Herausgeber Peter Burckhard gerichteten Vorrede zur "Parva Hippocratis tabula" schreibt Melanchthon, der größte medizinische Autor, Hippokrates, liege verachtet darnieder; wenn er wieder auflebe, bestehe noch Hoffnung für die Medizin.[249] Es war Galen, der für ihn die Grundsteine der Medizin gelegt hatte, auch wenn andere Griechen und Araber die Medizin mit großem Verdienst ausgeübt hätten.[250] Dies war denn auch das Zentrum von Melanchthons Konzept: "Im Vordergrund stand die Wiederentdeckung der antiken medizinischen Schriften, die die mittelalterlichen Übersetzungen und Kommentare als grundlegende Texte der Universitätsmedizin ablösen sollten."[251]
Zugleich legte Melanchthon großen Wert auf die philosophische Grundbildung der Ärzte, die es zur dringend notwendigen Erkenntnis der Ursachen von Krankheiten brauche; wer sie nicht habe, müsse eher Henker denn Arzt genannt werden.[252] Nicht umsonst war auch in Wittenberg ein Studium an der Artistenfakultät notwendige Voraussetzung für das Medizinstudium. Für Bewerber, die keinen Magister Artium nachweisen konnten, wurde die Mindeststudienzeit für den Baccalaureus medicinae von zwei auf drei Jahre erhöht.[253]

Melanchthon war mit seiner hohen Wertschätzung für Galen und der Erwartung, dass die Wiederentdeckung des Hippokrates die Medizin voranbringen würde, ganz auf der Höhe seiner Zeit (s.o.). Zugleich bedeutete dies jedoch nicht nicht, dass er spätere Werke grundsätzlich ablehnte. So empfahl Melanchthon explizit die Lektüre von Avicennas "Canon".[254] In der zweiten überarbeiteten Auflage seiner Schrift "De anima" von 1553 fügte er auch neue Erkenntnisse aus Andreas Vesalius' Schrift "De humani corporis fabrica" hinzu.[255] Dieser, so die Wittenberger Auffassung, hatte mit seiner empirischen Anatomie nur die Arbeit fortgesetzt, die Galen begonnen und nicht hatte vollenden können.[256]

Die Medizinische Fakultät in Wittenberg

An der Wittenberger Universität entwickelte sich die Lehre der Medizin im 16. Jahrhundert in drei Stufen: Die Statuten der Universität von 1508[257] legen ursprünglich zwei medizinische Professuren fest: Eine "niedere" Professur für die theoretische sowie eine "höhere" Professur für praktische Medizin; erstere sollte ein Doktor oder Lizentiat, letztere ein Doktor bekleiden. Die praktische Medizin sollte dabei am Vormittag im Sommer ab sechs, im Winter ab sieben Uhr gelesen werden, die theoretische folgte dann am Nachmittag ab ein Uhr. Auf dem Lehrplan standen Rhazes' "Liber nonus ad Almansorem", Auszüge von Avicennas "Canon" sowie Kommentare zu diesen, Hippokrates' Aphorismen sowie lateinische Versionen der "Articella" (s.o.) und von Galens "De febribus ad Glauconem"; gelesen wurde in einem Zyklus von vier Jahren, dann wiederholten sich die Vorlesungen.[258]
Die Aufteilung in eine Professur für "Praktische Medizin", die die Lehre von Krankheiten und ihrer Behandlung behandelte, und eine für "Theoretische Medizin", die sich mit allgemeinen Fragen um die Medizin und mit der allgemeinen Körper- und Säftelehre nach Galen befasste, entsprach für das 16. Jahrhundert dem Normalfall, allerdings war die Gewichtung zu Beginn des Jahrhunderts in der Regel umgekehrt: Die theoretische Professur war die höhere, die praktische die niedere.[259] Erst im Laufe der Zeit kehrte sich die Gewichtung mit dem Aufstief der Empirie langsam um,[260] sodass Wittenberg hier eine spätere Entwicklung bereits früh antizipierte. Üblicherweise stieg der niedere Professor bei Vakanz der höheren Professur in diese auf.[261]
In der Fundationsurkunde des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen von 1536[262] werden dann erstmals drei Professuren eingerichtet. Der erste Professor, der einen Doktortitel haben sollte, sollte "die nutzlichsten bücher hipocratis und galeni" lesen, der zweite Doktor Rhazes und Avicenna; der dritte Professor sollte zumindest Lizentiat sein und anatomische Vorlesungen halten.[263] Auch wenn die zu lesenden Texte nicht genauer benannt sind, ist doch klar der Vorrang der Griechen gegenüber den Arabern zu erkennen.[264]
Einen dritten Schritt bedeuteten schließlich die neuen Statuten der Universität von 1572, die "deutlich die humanistische Grundorientierung der medizinischen Fakultät" zeigten.[265] Die ersten zwei Professoren sollten nun beide Schriften von Hippokrates und Galen, aber auch anderer antiker Ärzte lesen, mit deren Inhalten "die Lehren arabischer Ärzte sorgfältig verglichen werden" sollten. Der dritte Professor hatte unter anderem die Anatomie zu lesen. Ihm wird auch explizit die Korrektur von Galens Schriften nach den neuen Erkenntnissen Vesals und Gabriele Falloppios geboten.[266] Außerdem wird der Universität dort für ihre Sektionen Zugriff auf die Leichen Gehängter und Enthaupteter garantiert.[267]

Indem er sich auf die in den "Scripta publice proposita" gedruckten Vorlesungsankündigungen der Jahre 1540 bis 1569 stützt, kommt Jürgen Helm zu dem Schluss, dass den erhaltenen Quellen zufolge "der medizinische und anatomische Unterricht an der Wittenberger Universität weitgehend mit Melanchthons programmatischen Reden und Texten übereinstimmte".[268] Demnach wurden im entsprechenden Zeitraum vor allem Galen sowie teilweise Rhazes und Avicenna gelesen, bisweilen sogar Melanchthons Schrift "De anima".

(Alexander Hubert)

Die Medizin an der Universität Leipzig

Auch an der Leipziger Universität war ein Studium an der Artistenfakultät Voraussetzung für das Medizinstudium.[269] Bereits seit 1438 bestanden eine "höhere" Professur für "Therapie", also wie in Wittenberg für praktische Medizin, und eine "niedere" Professur für "Pathologie", also Krankheitslehre oder theoretische Medizin. Die höhere Professur war bis 1796 automatisch mit dem Dekanat verbunden.[270] Gelesen wurden in der theoretischen Medizin der erste Teil von Avicennas "Canon", Galens "Ars parva" sowie Hippokrates' Aphorismen; in der praktischen Medizin Rhazes (wahrscheinlich "Liber ad Almansorem", "Liber continens" und "Liber de variolis et morbillis") sowie die Bücher IV und V von Avicennas "Canon" (Fieber- und Heilmittellehre).[271] Für die Doktorpromotion ging man gerade in der frühen Zeit der Universität meist ins Ausland, in der Regel nach Italien.[272] Eine Evaluation des Herzogs Georg bemängelte 1502 die schlechte medizinische Ausbildung in Leipzig.[273]
1531 wurde zusätzlich eine Professur für Physiologie eingerichtet und allen drei Professuren dasselbe Gehalt zugeordnet; der neue Professor wurde zudem speziell als Ratgeber für Syphiliskranke in den Hospitälern abgestellt.[274] Eine vierte Professur für Chirurgie wurde schließlich 1542 durch Herzog Moritz von Sachsen eingerichtet.[275] Die dafür angedachten Mittel wurden aber zunächst anderweitig verwendet, darunter für die Anstellung des zunächst dritten Mathematikprofessors Johann Hommel;[276] zu dieser Umwidmung kam es auf Anregung von Joachim Camerarius (→ Mathematische Wissenschaften). Erst als Kurfürst August insistierte, wurde die Stelle 1554 mit Gregor Schett besetzt.[277]

Auch ansonsten wurde die Medizin in Leipzig zwar wohl gefördert, jedoch wurden die entsprechenden Maßnahmen nur langsam umgesetzt: Ein hortus medicus wurde 1542 durch Moritz von Sachsen bewilligt, doch erst 1576 gegründet.[278] Außerdem ordnete Moritz 1543 mit den neuen Statuten der Universität jährliche Sektionen an;[279] deren Durchführung konnte zunächst jedem beliebigen Fakultätsmitglied aufgetragen werden, mit der Zeit übernahm sie jedoch regelmäßig der Professor für Chirurgie.[280] Allerdings fehlte zunächst ein passender Raum, bis 1555 im Gebäude der Artistenfakultät zufällig ein geeigneter Ort frei wurde; "relativ rasch verlagerten sich die ... Sektionen jedoch in ein Nebengelaß des Paulinerkreuzgangs"[281]. Tatsächlich fanden sie aber offenbar so selten statt, dass Herzog August 1580 die Fakultät zu ihrer regelmäßigen Durchführung ermahnen musste.[282]

(Alexander Hubert)

Camerarius und die Medizin

Joachim Camerarius stand zu zahlreichen Medizinern in persönlichem Kontakt. Mit großem Abstand am meisten erhaltene Briefe umfasst die Korrespondenz mit dem Breslauer Arzt Johannes Crato: Die Ärztebriefdatenbank[283] listet nicht weniger als 456 Briefe Cratos an Camerarius und 121 Briefe von Camerarius an Crato auf. Doch auch aus Korrespondenzen mit anderen Ärzten sind zahlreiche Briefe erhalten. Die Mediziner Leonhart Fuchs, Wolfgang Fuhrmann, Hieronymus Herold und Sebald Hauenreuter gehörten mit respektive 28, 33, 17 und 55 erhaltenen Briefen ebenso zu Camerarius' Korrespondenzpartnern wie sein ehemaliger Kommilitone Antonius Niger, die Leipziger Ärzte und Professoren Wolfgang Meurer und Andreas Ellinger sowie die Wittenberger Jakob Milich und Caspar Peucer; im Süden reichte sein Netzwerk bis hinunter nach Wien zu Johannes Sambucus, im Norden hielt er zu den Preußen Johann Placotomus und Matthias Stojus[284] mehr oder weniger regelmäßigen Kontakt.
Außerdem war Camerarius auch persönlich medizinisch höchst interessiert. Dies war sicherlich mit biographisch begründet, war doch seine Lebensgeschichte immer wieder von langwierigen und schweren Krankheiten geprägt (↓ Varii morbi – Camerarius als Patient). Ebenso stand Camerarius Familie, Freunden und Bekannten gerne mit Rat und Tat zur Seite, wenn deren Gesundheit es erforderte (↓ Medizinkenntnisse und medizinische Ratschläge an Dritte). Eine im 16. Jahrhundert weit verbreitete Behandlungsmethode war der Besuch von Thermalbädern; Camerarius setzte eine Weile auf Badbesuche, als ihn ein langwieriges Geschwür am Bein plagte. Es verwundert daher nicht, wenn das Thema Badekultur auch in Camerarius' Werk vertreten ist (↓ Badbesuche). Nicht zuletzt waren die Pest und andere Epidemien zu Camerarius' Zeit allgegenwärtig und prägten das alltägliche Leben ebenso wie das literarische Schaffen (↓ "Pest" und Epidemiegeschehen).

Es ist daher keineswegs erstaunlich, dass medizinische Themen, in der Regel in Rückbezug auf antike Formen und Inhalte, in Camerarius' gesamtem Werk reichlich vertreten sind. Er verarbeitet sie poetisch in Lobhymnen auf die Gesundheit (↓ In Orpheus' Fußstapfen – Camerarius' Lob der Gesundheit), in diätetischen Lehrgedichten (↓ Diätetik) und in Werbegedichten für medizinische Schriften (↓ Epigramme für medizinische Abhandlungen und Disputationen Dritter). Außerdem beschäftigt sich der astrologisch interessierte Camerarius mit iatromathematischen Themen (↓ Iatromathematik).
An der Gesamtedition der Schriften Galens, die 1538 in Basel unternommen wurde, um eine Alternative zu dem fehlerhaften Text der Aldine von 1525/26 zu bieten, ist er ebenfalls beteiligt (↓ Beteiligung an der Basler Galen-Edition). Als die Pest in Nürnberg wütet, veröffentlicht er hochaktuell eine Sammlung antiker Theriakrezepte (↓ Theriak) und versucht so, seine Expertise in den antiken, besonders griechischen Schriften einzubringen. Philologie und Medizin verbindet Camerarius, als er umfangreiche terminologische Materialsammlungen anlegt und teilweise veröffentlicht, in denen er antike medizinische Fachbegriffe aufarbeitet (↓ Terminologie). Schließlich fanden medizinische ebenso wie diverse andere Themen Eingang in seine großen Sammlungen gemischter quaestiones (↓ Medizinisches in den "Decuriae" und der "Appendix problematum").

Camerarius bleibt dabei stets seinem Spezialgebiet, der antiken Literatur treu; neue medizinische Erkenntnisse sind von ihm nicht zu erwarten, seine Herangehensweise ist stets eine philologische.[285] Im Privaten zeigt er sich jedoch Neuem gegenüber durchaus aufgeschlossen, wenn Altes versagt: So ist es das aus der Neuen Welt importierte Guajak-Holz, das ihn letztlich von seinem Geschwür heilt (↓ Malum pedis inveteratum – Ein hartnäckiges Geschwür).
Auch hindert ihn seine philologischer Herangehensweise nicht daran, geradezu wissenschaftsphilosophische Überlegungen anzustellen: In dem an Johannes Magenbuch gerichteten Vorwort seiner Theriak-Schrift von 1533 kritisiert er die zeitgenössischen Ärzte, deren Therapien bei aller Naturkenntnis doch meist erfolglos blieben, selbst wenn die Patienten ihre Ratschläge genau befolgten.[286] Dieser Gedanke findet im Übrigen auch in einem griechischen Spottepigramm auf die modernen Ärzte nach hellenistischem Vorbild Ausdruck.[287] Die Schuld sieht er dabei bei den Ärzten, die zu sehr buchwissenschaftlich arbeiteten: Sie konzentrierten sich allzu stark auf die überlieferte medizinische Literatur und darauf, antike Medikamentenrezepte theoretisch anzupassen, vernachlässigten dabei aber ihre praktischen Aufgaben wie die Kontrolle vor allem ausländischer Medikamente, die sie den Apothekern überließen. Bei diesen aber, und hier zeigt sich wieder Camerarius' humanistische Rückbesinnung auf die Antike, äußert sich dieselbe Verderbtheit wie bei allen Erscheinungen der Moderne: Häufig fänden sich daher in den Apotheken gepanschte oder minderwertige Heilmittel. Ebenso seien die medizinischen Rezepte, die durch die Vermittlung der Araber überliefert worden seien, durch deren Einfluss und Adaptation verfälscht.[288] Die Araber treten hier also wie auch in der Astrologie als 'Verunreiniger' der reinen antiken Lehre auf (→ Astrologie).
Somit seien einerseits viele antike Heilmittel in der Moderne unbekannt, andererseits seien viele Herstellungsprozesse wie die Destillation neue Entwicklungen, die in der antiken Literatur keine Rolle spielten.[289] Diejenigen Ärzte, die sich durch erfolgreiche Kuren einen Namen gemacht hätten, hätten sich, so Camerarius, selbst zunächst pharmakologisch gebildet und dann auf ihre eigenen, so gewonnenen Kenntnisse anstatt auf die der Apotheker vertraut.[290] Die Kenntnis der Wirkweise von Kompositdrogen sei keine Sache von Lektüre, Talent oder Bildung, sondern bedürfe der persönlichen, langjährigen und vor allem praktischen Erfahrung, die vielen Ärzten fehle. Galen selbst berichte von vielen Medikamenten, deren Wirkung er auf langen Reisen kennengelernt habe.[291] Daher bewundere Camerarius die antiken Ärzte, die aufgrund ihrer großen Erfahrung in Kombination mit theoretischen Überlegungen in der Lage gewesen seien, Rezepturen für praktisch wirksame Komposita zu generieren, eine Leistung, die er mit der Erschaffung des Menschen durch Gott vergleicht[292] (da in beiden Fällen verschiedene Teile mit gegensätzlichen Primärqualitäten miteinander vermischt werden mussten).[293] Der Arzt habe bei der Herstellung von Kompositdrogen daher mit mathematischer Exaktheit vorzugehen und stets das Prinzip der ἀναλογία zu beachten; diese ermögliche die korrekte Mischung der Primärqualitäten.[294] Die übereilte und somit nachlässige Herstellung von Komposita sei daher unbedingt zu tadeln. Dagegen sei es kein Wunder, dass man in der Antike diejenigen, denen der Herstellungsprozess glückte, für Götter oder Kinder von Göttern hielt.[295]

(Alexander Hubert)

Medizinisches in Werken und Briefen des Camerarius

In Orpheus' Fußstapfen – Camerarius' Lob der Gesundheit

Wie in allen Wissensgebieten, so beweist Camerarius auch in der Medizin seine Kenntnis selbst der entlegeneren Gebiete der antiken Literatur, waren doch "auch seine medizinischen Studien zunächst einmal philologische Studien"[296]. Ein Beispiel dafür ist sein in 33 griechischen Hexametern gehaltenes Lob auf die personifizierte Gesundheit (Hygieia), das 1562 zusammen mit anderen Gedichten des Camerarius in einem Druck zu Ehren Johann Stigels erschien.[297] Das Gedicht rezipiert nicht nur inhaltlich, sondern auch in Struktur und Wortwahl explizit den Hymnos an Hygieia aus den Orphischen Hymnen (dort Hygeia), erweitert diesen aber um einen ganzen Abschnitt.[298] Die editio princeps der Orphischen Hymnen hatte Andreas Johannes Laskaris bereits im Jahr 1500 besorgt.[299]

Beide Gedichte beginnen mit einem Anruf an Hyg(i)eia, die jeweils mit dem ersten Wort des ersten Verses als ἱμερόεσσ'(α), also "Verlangen, Sehnsucht erregend" adressiert wird. Camerarius zeigt hier also dem gebildeten Leser bereits mit dem ersten Wort seines Hymnos an, auf welches Vorbild er sich bezieht. Auf die Anrufung der Göttin mit verschiedenen Epitheta folgt jeweils eine Art Aretalogie, die die Beigabe dieser Epitheta begründet.
Der eigentliche Anruf umfasst dabei in der antiken Version zwei Verse;[300] Camerarius dehnt sie auf siebeneinhalb Verse aus.[301] Dabei greift er nicht nur das Epitheton ἱμερόεσσα auf. Wörtlich zitiert er auch die Anrede als φερόλβιε ("Wohlstand bringend")[302] und ἀιεθαλής[303]. Außerdem greift Camerarius verschiedene Gedanken aus der orphischen Aretalogie heraus und formuliert sie als Epitheta; darunter findet sich die Vorstellung, dass Hygieia Krankheiten zerstört,[304] dass Hygieia dem Hades als Gott des Todes verhasst ist, alle anderen sie jedoch herbeisehnen[305] und dass Gesundheit viel erbeten bzw. die Göttin Hygieia oft angebetet wird[306]. Auch die Vorstellung, dass Hygieia den Sterblichen Ruhe und Erholung bringt, findet sich in beiden Gedichten.[307] Der orphische Dichter bittet die Göttin außerdem ganz am Ende des Gedichts, Unheil (ἀνία) von ihm abzuwenden; in Camerarius' Gedicht ist sie daher bereits bekannt als "Stopperin des Unheils" (παύστειρα ἀνιῶν).[308] Das Wort ἠπιόχειρος ("mit heilender, schmerzstillender Hand"), das Camerarius außerdem verwendet, ist als Epitheton für die Gesundheit/Hygieia aus drei anderen orphischen Hymnen bekannt.[309] Für Camerarius ist die Gesundheit Gottes bestes und nützlichstes Geschenk an die Menschen.[310]
Auf den Anruf lässt der Dichter des orphischen Hymnos nun eine Aretalogie in acht Versen folgen: Die ersten fünf davon führen als positive Hauptsätze die Leistungen Hygieias auf.[311] Diesen Abschnitt hat Camerarius inhaltlich allerdings bereits verarbeitet, indem der die zentralen Gedanken verkürzt in seinen Anruf aufgenommen hat. In den folgenden drei Versen nennt der orphische Dichter dann, was ohne Hygieias Hilfe nicht möglich wäre: Die Lage der Menschen wäre hilflos und es gäbe weder Reichtum, noch hätte man die Möglichkeit, alt zu werden.[312] Denn, wie der Dichter in einem Nachsatz in Vers 11 erklärt: Hygieia beherrscht und leitet alles (πάντων γὰρ κρατέεις μούνη καὶ πᾶσιν ἀνάσσεις). Camerarius baut auch diesen negativ formulierten Abschnitt im Vergleich zur Vorlage weiter aus:[313] Ohne Hygieia gäbe es keine Freude, keine Kinder, keine Gruppen Heranwachsender (νεολαία); es gäbe die Weisheit der alten Männer ebenso wenig wie die Schönheit der Frauen. Und auch den Reichtum gäbe es nicht; hier greift Camerarius wieder nicht nur die Idee des orphischen Hymnos auf, sondern zitiert neben dem Wort für Reichtum (πλοῦτος) auch das Wort πολυγηθής ("von Freude erfüllt"): Bei ihm ist es der Reichtum, der voller Freude ist, beim orphischen Dichter dagegen ist das Haus dank Hygieia πολυγηθής.[314]

Camerarius fügt im Folgenden nun ein genuin eigenes Stück ein, das gut die Hälfte des Gedichts umfasst und den ersten Teil einer Priamel bildet.[315] In diesen Versen, die kein Vorbild im orphischen Hymnos haben, entwirft Camerarius das Bild eines Menschen, der sich nicht um seine Gesundheit kümmert und Leidenschaften lebt, die dem Leben feindlich sind (τέρψεις μισόβιοι[316]), der viel isst und trinkt und viel Schlechtes tut, ständig betrunken ist, ausschweifend, hochmütig, kurz: die Pest für sich selbst[317]. Dem gibt Camerarius noch einige weitere schlechte Eigenschaften bei. Solch ein Mensch aber, so die logische Folgerung aus dem Wesen der Gesundheit als Geschenk Gottes, ist laut Camerarius wahnsinnig und man sollte ihn entweder in Ketten legen[318] oder er soll wie ein Verrückter unter Zwang mit Nieswurz gereinigt werden (ἑλλεβοριζόμενος) und danach aufhören, an sich und andere Hand anzulegen[319]. Camerarius schließt die Priamel, indem er sich mit einem Theokrit-Zitat von solchen Menschen distanziert (χαιρέτω ὅστις τοῖος).[320]
Beide Gedichte schließen mit dem an Hygieia gerichteten Wunsch, sie möge dem Dichter gewogen sein. Der orphische Dichter bittet die Göttin, sie möge unter die Eingeweihten (μυστιπόλοι) kommen und Krankheiten von ihnen abwehren.[321] Camerarius fordert Hygieia auf, sie möge von Gott gesandt (ἐκθεόθεν) an seiner Seite stehen, bis seine Lebenskraft ihr Ende finde. Bis dahin wünscht er sich, noch vielen anderen Menschen nützen zu können, wie der Ausdruck ἄλλους / ὠφελέουσα an den Tonstellen der zwei letzten Verse deutlich macht.[322]

So endet Camerarius' Gedicht mit einer nachdenklichen Note: Im Kontext eines Bandes, der anlässlich Johann Stigels Tod entstand, reflektiert Camerarius seine eigene Sterblichkeit, sicherlich auch vor dem Hintergrund seiner Gesundheit, die bereits seit den 50er Jahren durch ein schweres Nierenleiden stark beeinträchtigt wurde (↓ Nierensteine – eine Familienkrankheit). Dass sein unausweichlicher Tod Camerarius zunehmend beschäftigte, gab er auch selbst gegenüber anderen zu, wie Andreas Freyhubs Grabrede für Camerarius bezeugt.[323] Im Zentrum steht für ihn aber auch hier stets, mit seinem Leben anderen zu nützen.

(Alexander Hubert)

Diätetik

Iatromathematik

Badewesen

Badbesuche

Theriak

Wohl im Herbst/Winter 1533 lässt Camerarius bei Johann Petreius während der in Nürnberg grassierenden Pestwelle (↓ "Pest" und Epidemiegeschehen) ein Konvolut drucken, mit dem er nicht nur einen gelehrt-antiquarischen, sondern auch einen praktischen Beitrag zur Seuchenmedikation leisten möchte: Es beginnt mit einem an den Nürnberger Stadtarzt Johannes Magenbuch adressierten "Commentariolus", der (a) die zeitgenössische Herstellung von Medikamenten kritisiert (mangelnde Übung und Erfahrung der Ärzte, Profitgier und fehlende Sorgfalt der Apotheker) und Galen zum idealen Arzt stilisiert, (b) eine Widmung an Magenbuch einflicht und von der Werkgenese berichtet und (c) "eine mit zahlreichen Anekdoten und Exkursen gespickte Zusammenfassung"[324] von bei Galen überliefertem Wissen zu den Gegengiften Theriak und Mithridateion gibt.[325]

Eingeleitet durch eine Dedikation an Johann Schütz von Weyll folgt dann die lateinische Übersetzung von Galens Schrift "De theriaca ad Pamphilianum".[326] Ebenfalls in lateinischer Übersetzung werden im folgenden vier griechische Theriakgedichte präsentiert, die bei Galen in "De antidotis" überliefert sind (die "Galene" des Andromachos, ein Theriakgedicht des Eudemos und eine Dichtung des Servilius Damokrates) bzw. in "De compositione medicamentorum secundum locos" (Theriakgedicht des Philon von Tarsos).[327] Danach folgen im griechischen Original die zuvor übersetzten Dichtungen von Andromachos, Damokrates und Eudemos sowie vier weitere Dichtungen des Damokrates, ebenfalls aus den beiden genannten Galenschriften[328] (die Rezepte sind ebenfalls Magenbuch gewidmet).[329]

Camerarius verfertigte die Sammlung in ländlicher Sicherheit und entbunden von seinen schulischen Verpflichtungen auf Gut Eschenau, wohin er sich vor der Pest zurückgezogen hatte (↓ "Pest" und Epidemiegeschehen).[330] Grundlage war die 1525/26 in der aldinischen Offizin publizierte, einflussreiche Galen-Ausgabe (sog. "Galenaldina", die editio princeps des galenischen Gesamtwerks),[331] genauer: der zweite Band mit den pharmazeutischen und pharmakologischen Werken, den Camerarius (wohl mit einer Reihe anderer Bücher) im Reisegepäck mitgeführt hat. Wie er Schütz berichtet, hatte er sich schon immer gerne mit Medizin beschäftigt und bereits alle Werke Galens gelesen bis auf dessen Schriften über die Medikamentenherstellung.[332] Diese Schriften sind in dem Band vereint und bilden die Quellen von Camerarius' Theriakdruck. Über naturkundliche Themen und speziell auch über die Gegengifte habe er im Bekanntenkreis referiert.[333] In diesem Zusammenhang sei er dann gebeten worden, die Inhalte der von ihm gelesenen griechischen Schriften zu den Gegengiften auf Latein darzustellen.[334] Dies habe er, so hoffe er, mit dem Konvolut geleistet und damit insbesondere den studiosi adulescentes genutzt,[335] so dass alles bestenfalls auch aktuellem Gebrauch zugeführt werden könne (nam ut etiam elaborentur in praesentem usum, ut optare soleo, ita sperare vix ausim, "Commentariolus", a6r). Diese Aufforderung dürfte sich direkt an Magenbuch, aber auch an andere Nürnberger Apotheker und Ärzte gerichtet haben, die die Theriakherstellung überwachten.[336] Im September und Oktober 1533 erreichte die Sterblichkeit in Nürnberg ihren Peak und der Bedarf an (vermeintlich) wirksamen Medikamenten war dementsprechend groß. Ob die von Camerarius vermittelten antiken Rezepte 'nachgebaut' wurden, ist nicht bekannt, aber unwahrscheinlich, zumal auch das Pestregiment des Nürnberger Rates (16.07.1533) eine Reihe von (erprobten) Rezepten enthielt. Eobanus Hessus lobt das Werk jedenfalls in einem Brief an Camerarius[337] und fragt diesen, warum er sich gerade mit dieser Thematik beschäftige und ob er denn noch Arzt werden wolle.

(Marion Gindhart)

Beteiligung an der Basler Galen-Edition

Camerarius' Beschäftigung mit Galen kulminierte schließlich in seiner Beteiligung an der fünfbändigen Basler Gesamtausgabe (1538), einem Gemeinschaftsprojekt der Drucker Andreas Cratander, Johann Bebel, Johann Herwagen d.Ä., Johann Erasmius Froben und Michael Isengrin. Die Edition versprach, eine zuverlässigere Textfassung als ihre Grundlage, die Galenaldine von 1525, zu liefern. Hauptverantwortlich war der Mediziner Hieronymus Gemusaeus, der seit 1537 an der Basler Artistenfakultät als Professor für Physik, zeitweise auch für das aristotelische Organon, tätig war und in Basel eine Reihe antiker griechischer Autoren edierte, kommentierte und übersetzte.[338] Leonhart Fuchs übernahm die Edition des 2. Bandes, Joachim Camerarius die des 4. Bandes, der (in Analogie zur Aldine) kleinere galenische und ps.-galenische Schriften u.a. zu verschiedenen alltagsmedizinischen Themen enthält (etwa zum Aderlass, zu Schröpfmethoden oder zu Gesundheitslehren mit Blick auf Bewegung und Ernährung; ebenfalls enthalten sind die 14 Bücher "Methodus medendi" sowie das von Galen zusammengestellte Verzeichnis seiner Werke und ihrer Reihenfolge, dazu Vermischtes, das Galen zugeschrieben wurde).[339]

Gedruckt wurde der fast 500 Seiten starke Band bei Herwagen und Froben. Zusammen mit der im selben Jahr bei Froben und Nikolaus Episcopius d.Ä. erschienenen Gesamtausgabe der Hippokratischen Schriften (ed. Janus Cornarius)[340] sowie einer – von Gemusaeus besorgten – Edition der Werke des Paulus von Aigina, die in der Offizin Cratander erschien,[341] traten die Basler Drucker und Editoren in offene Konkurrenz zur aldinischen Offizin, die diese Werkausgaben wenige Jahre zuvor publiziert hatte.[342] Verbalisiert wurde dieser paragone in den Paratexten, in denen mehr oder weniger explizit auf Mängel der Aldinen und die bessere Qualität der Basler Projekte verwiesen wird.[343] Mit der verbesserten Basler Galen-Edition, die eine noch größere Nähe zum galenischen Originalwerk versprach, sollte mit Hilfe der Philologie zugleich der Weg zur besten Medizin gesichert werden, galt doch Galen als Sammler und Purgierer, systematisch-methodischer Ordner und 'Vollender' der antiken Medizin[344] und damit als Exponent eines als normativ erachteten medizinischen Wissens. Als solcher wird Galen, der als Geschenk der Natur und der Götter an die Menschen gefeiert wird,[345] auch auf dem Titelblatt der Basler Ausgabe inszeniert (Galeni Pergameni summi semper viri, quique primus artem medicinae universam, apud priores homines obscuram & veluti errantem, in perspicuam quandam & propriam expositionem traduxit, opera omnia).

Gemusaeus weist in seiner Widmung an Guillaume du Bellay auf die Nutzung verschiedener Handschriften hin, deren Sichtung u.a. durch Jean Ruel auf Geheiß du Bellays möglich gemacht wurde. Diese wurden, so Gemusaeus, in Basel mit dem Text der Aldine kollationiert und die Kollationierung zur Begutachtung an weitere viri diligentes ac industrii übergeben, um durch entsprechende (gesicherte!) Eingriffe und ohne spekulative Konjekturen einen verbesserten Text zu schaffen (ut […] universum opus diligenter ac religiose perpurgarent, Band I, [α8]r).[346] Dies sei an vielen korrupten Stellen gelungen, so dass die Basler Edition in der Textzuverlässigkeit weit über die Venezianer hinausgehe: Proinde aeditio haec infinitis modis priore deprehendetur melior (ebd.) – eine Einschätzung, die in der Galen-Forschung so nur partiell geteilt wird: Während etwa Nikolaus Mani mit Berufung auf die Herausgeber einzelner Galen-Werke feststellt, dass die Basler Edition "direkt aus der Aldina" fließe, da sie gerade kein neues handschriftliches Material beiziehe und nur kleinere Verbesserungen biete,[347] spricht Vivian Nutton von "considerable improvements", welche die Basler Ausgabe liefere[348].

Leonhart Fuchs und Joachim Camerarius erwähnen für die von ihnen edierten Galen-Bücher auch keine weiteren Handschriften, sondern verweisen lediglich auf die Miteinbeziehung von notae Britannicae (dazu s.u.). In der Vorrede an den Leser[349] umreißt Camerarius die Maximen seiner Editionsarbeit, die sich so auch in den Paratexten anderer Ausgaben finden: Er stellt seine diligentia et industria sowie die cura et assiduitas beim Erstellen der Edition heraus[350] und betont, dass er bei verderbten Stellen und Fehlern auf geeignete und moderate "Heilmittel" (medicina) zurückgegriffen und mutwillige Konjekturen vermieden habe, die den Text nur noch mehr schädigten. Seine Alternativen habe er (am Rand) mit angemerkt, damit der Leser sich selbständig für eine Varianten entscheiden könne. Er habe jedenfalls bei der Texterstellung "größte und einzigartige Gewissenhaftigkeit" (maxima et singularis religio, Band IV, *2r) walten lassen und lieber wenige sichere Korrekturen vorgenommen als viele unsichere untergeschoben ([…] hocque egerimus ut pauca potius et certa reponeremus, quam incerta multa supponeremus, ebd.).

Wie Gemusaeus verortet er die Basler Edition qualitativ weit über der Aldine (Cum autem hanc editionem possem, si non alio pacto, at comparatione cum priore in coelum propemodum effere […], ebd.). Wie er vermerkt, konnte er zusätzlich zur Vorgängerausgabe für einige sicher Galen zuweisbare Werke "Anmerkungen aus England" nutzen, sonst hatte er – abgesehen von auf der Aldine basierenden und damit wenig nützlichen lateinischen Übersetzungen – keine weitere Hilfe ([…] quibusdam notis sumus adiuti Britannicis, ut opinor, praeterea nullum extrinsecus auxilium affuit, nisi levissimum quoddam versionum ideo quia ex hac ipsa Aldina descriptione essent elaboratae, Band IV, *2r/v). Bei diesen notae Britannicae dürfte es sich um handschriftliche Annotate im persönlichen Aldinen-Exemplar von John Clement handeln, das Beate Gundert mit dem (heute unvollständigen) Druck Leiden, UB, Sign. 1366 A 9-11 identifiziert.[351] Clement war 1525 an der Venezianer Galenausgabe beteiligt und hatte sein Druckexemplar mit Korrekturen und Textvorschlägen versehen, die – neben Konjekturen – in erster Linie aus der in seinem Besitz befindlichen und von ihm bearbeiteten Handschrift (dem Parisinus gr. 2165), einer Druckvorlage für die Aldina, stammten, aber darin keinen Eingang gefunden hatten.[352] Wie Camerarius weiter ausführt, griff er für die Textkonstituierung der ersten beiden Schriften in der Gruppe der Ps.-Galenica auf andere Werke zum selben Thema zurück, wie er dies auch bei philosophischen und astrologischen Texten tat.[353] Bei stark verderbten Schriften wie dem "Libellus de elenchis et de qualitatibus" habe er sich um eine sorgfältige Durchsicht und Verständlichmachung des Textes bemüht.[354] Ausgewählt habe er den Band IV vor allem aufgrund der Vielfalt der enthaltenen Werke (Hanc autem partem seu tomum, in quo accuratius versaremur, non tam propter eximios curationum libros quam varietatem quandam scriptorum nobis proposuimus […], Band IV, *2v).

(Marion Gindhart)

Terminologie

Eine der großen Herausforderungen, vor denen die Medizin des 16. Jahrhunderts stand, war die exakte Klärung der medizinischen Terminologie in den wiederentdeckten griechischen Texten, um deren "wahren", im Mittelalter verlorenen Inhalt wiederherzustellen (Der griechische Galen – Philologische Herausforderungen).[355] Zugleich ist die Terminologie eines der Gebiete, die den Philologen Camerarius besonders faszinierten (→ Philologie). Programmatisch äußert er sich dazu in seinem Glossar zum Thema "Pferd": Nichts sei so nützlich zur Erkenntnis der Welt (rerum ullarum cognitio) wie das Wissen um die genaue Bedeutung der Wörter und eine gewisse Sprachgewandtheit (nominum primum explorata significatio, deinde proprii sermonis peritia).[356] An anderer Stelle schreibt er, es gebe keinen "Henkel", also kein anderes Mittel, mit dem sich eine Aussage oder eine Vorstellung so genau fassen lasse wie mit der Sprache; wer diese nicht beherrsche, dem müsse auch alles andere entgleiten.[357]
Diese Einstellung findet in der Entstehung mehrerer Glossare zu naturkundlichen (→ Naturkunde) und theologischen Themen (→ Theologie) Ausdruck; auch in seinen mathematischen Werken legt Camerarius stets großen Wert auf terminologische Genauigkeit (→ Mathematische Wissenschaften). Es verwundert daher kaum, dass Camerarius sich auch und gerade in der Medizin für die korrekte Terminologie interessierte: Hier konnte er seine philologische Kompetenz in die medizinischen Debatten seiner Zeit einbringen.

Das früheste in Ansätzen medizinterminologische Werk des Camerarius ist ein kurzes Glossar mit dem Titel "Partium humani corporis nomina", das er seiner 1532 gedruckten lateinischen Übersetzung von Albrecht Dürers "Vier Büchern von menschlicher Proportion" beigibt. Es zeugt von Camerarius' gewissenhafter Übersetzungsarbeit, dass er, wo der Autor des Werkes sich laut Camerarius' eigener Aussage bewusst um exakte Bezeichnungen bemüht und im Deutschen teilweise neue Ausdrücke geprägt habe und wo kein antikes Vorbild vorhanden war,[358] besonders auf die Transparenz seiner Entscheidungen als Übersetzer achtet. So listet Camerarius also auf knapp über einer Seite die lateinischen Begriffe für Körperteile auf, die er verwendet, sowie ihre Entsprechungen in Dürers deutschem Original.[359] Dabei geht es ebenso um eher triviale Begriffe wie "Frons. Die stiern" und "Nasus. Die nase" wie auch um ausgefallenere Bezeichnungen wie "Occiput et occipitium. Hinden der kopff ob dem genigk" oder "Mons pedis sive convexus pes. Des fues ritz (= Rist)"; alle Begriffe sind allerdings klassisch belegt, Neologismen bildet Camerarius nicht.[360] Die Aufzählung folgt dabei dem Aufbau des menschlichen Körpers von oben nach unten (a capite ad calcem).

Bei aller Bedeutung für Camerarius' Leistung als Übersetzer handelt es sich bei dem Glossar, das Dürers Werk beigegeben ist, doch um ein sehr kleines Werk. In seinen späteren Lebensjahren brachte Camerarius allerdings ein weiteres Glossar zum Druck, dieses von gewaltigem Umfang: Das knapp 500 Spalten (auf ca. 250 Seiten) umfassende Werk, das, wieder in der Richtung a capite ad calcem geordnet, lateinische und griechische Bezeichnungen für die menschlichen Körperteile enthält, wurde 1551 unter dem Titel "Διασκευὴ ὀνομαστική partium corporis humani" gedruckt; Thomas Baier bezeichnete es in seiner Analyse von Camerarius' Bildungsprogramm als ein "besonderes Herzensanliegen" des Camerarius, ja "[w]omöglich ... seine Leipziger 'Lebensaufgabe'".[361]
Auf jeden Fall hatte Camerarius die Arbeit an dem Werk schon vor Aufnahme seiner Tätigkeit in Leipzig 1541 begonnen und auch eine Veröffentlichung vorgesehen: Die letzte Seite des Bandes enthält einen Abdruck des Privilegs, das König Ferdinand Camerarius ausgestellt hatte; es ist auf den 26.11.1538 datiert und führt zahlreiche Werke des Camerarius namentlich auf, deren Nachdruck verboten wird, darunter auch explizit die "Διασκευὴ ὀνομαστική".[362] Mithin scheint Camerarius den Druck dieses Werks bereits mindestens seit 1538 geplant zu haben. Auch ein dem Druck beigegebener Brief des Simon Grynäus, in dem dieser Camerarius zur Abfassung des Glossars ermutigt,[363] und Camerarius' Widmungsbrief an Wolfgang von Werthern, in dem er erwähnt, dass Grynäus ihn in seinem Vorhaben immer bestärkt habe,[364] deuten auf den frühen Beginn der Arbeit hin, da Grynäus bereits 1541 an der Pest starb.
Tatsächlich scheint es sich bei der "Διασκευὴ ὀνομαστική" um ein Ergebnis von Camerarius' persönlicher Exzerpierarbeit zu handeln: Wie Camerarius im Widmungsbrief schreibt, habe er sich, immer auf der Suche nach dem korrekten Gebrauch lateinischer und griechischer Termini, bei der Lektüre antiker Autoren die Gebrauchsweise einzelner Wörter notiert;[365] als seine Freunde dies erfahren hätten, hätten sie ihm zur Veröffentlichung geraten.[366] Obwohl seine Notizen Camerarius' Meinung nach einer gründlichen Überarbeitung bedurften, habe er nach stetiger Aufforderung durch seine Freunde das folgende Material über den menschlichen Körper ausgewählt (coepi decerpere); dieses habe er einst auf eine Bitte des Georg Sturtz hin zusammenzustellen begonnen, als sie einen Ersatz für Martius Galeottus' Werk "De homine" gesucht hätten.[367] Da Camerarius aber trotz allem aufgrund seiner Gesundheit sowie zahlreicher Pflichten die Zeit für eine eigenständige Gliederung des Gegenstands nach οὐσία / natura, δύναμις / potestas, ἐνέργεια / effectio und χρεῖα / actio (den aristotelischen Kategorien Wesen, Vermögen, Verwirklichung (Aktualität) und Nutzen[368]) fehlte, sei er in der Anordnung dem Iulius Pollux gefolgt,[369] wie er es später auch bei seinem Glossar zum Thema "Pferd" tat (→ Naturkunde). Er strebe dabei keine Vollständigkeit an,[370] hoffe aber, dass sein kleines und bescheidenes Werk den um beide Sprachen Bemühten dennoch großen Nutzen bringen werde. Andere könnten hierauf aufbauen und ein umfangreicheres Werk schaffen.[371]

Die 1551 erschienene "Διασκευὴ ὀνομαστική partium corporis humani" trägt als Untertitel "Τὰ ἔξω, id est, partes exteriores" und behandelt entsprechend nur die äußeren Körperteile. Offenbar plante Camerarius ein dazu komplementäres Glossar der inneren Körperteile, wie Georg Summer notiert. Dieser führt unter Camerarius' unvollendeten Werken als erstes "Commentarii de partium internarum humani corporis nominibus tam Graecis quam Latinis" auf.[372] Bei dem zweiten Werk in der Liste handelt es sich ebenfalls um ein Glossar medizinischen Inhalts, nämlich eines, das die Namen von Krankheiten aufführen sollte ("De nominibus morborum").[373] Beide Werke konnte Camerarius offenbar zu Lebzeiten nicht mehr vollenden und auch seine Söhne ließen sie nicht drucken. Allerdings waren sie ebenso wie zwei weitere bei Summer aufgeführte unveröffentlichte Glossare in dem königlichen Privileg von 1538 für Camerarius bereits enthalten[374] und demnach vermutlich parallel zur "Διασκευὴ ὀνομαστική" entstanden; das Material, das darin hätte enthalten sein sollen, stammte daher vermutlich aus derselben Stoffsammlung, aus der auch die "Διασκευὴ ὀνομαστική" hervorging.

Camerarius' bestehendes Interesse für Medizin und medizinische Terminologie zeigt auch ein lateinischsprachiger Brief, den er 1554 als Begleitgedicht für Nikolaus Selneckers Lehrgedicht "De partibus corporis humani" verfasste. Darin lobt er Selneckers Werk, das er trotz zahlreicher Pflichten sofort gelesen habe, sowohl auf fachlicher als auch auf dichterischer Ebene und vergleicht Selnecker selbst mit seinem alten Freund Helius Eobanus Hessus.[375]

(Alexander Hubert)

Epigramme für medizinische Abhandlungen und Disputationen Dritter

Nicht nur für Nikolaus Selneckers Lehrgedicht "De partibus corporis humani" verfasste Camerarius ein Werbegedicht (s.o.). Ähnliche Werbegedichte des Camerarius existieren zu drei Werken des Leonhart Fuchs: Fuchs' 1538 gesammelt neu aufgelegten drei Apologien gegen Gulielmus Puteanus, Sebastianus Montuus und Jeremias Thriverus Brachelius (s.o.), die 1540 einmal unter demselben Titel und einmal mit leicht veränderter Anordnung erneut gedruckt wurden, gibt Camerarius ein lateinisches Werbegedicht bei, in dem er sich ganz deutlich auf Fuchs' Seite stellt: Die drei hätten lieber schweigen sollen, denn nun werde Fuchs' Verteidigung sie ebenso erdolchen, wie die Spitzmaus erdolcht werde, die sich dem alten Sprichwort nach durch ihr eigenes Pfeifen verrate. Dennoch hätten die drei insofern alles richtig gemacht, als nun Fuchs die Gelegenheit habe, seine Schrift zu veröffentlichen, mit der er nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Ehre der antiken Ärzte kämpfe.[376]
Ein lateinisches Begleitgedicht stellte Camerarius auch Fuchs' 1539 gedrucktem Kompendium über die Behandlung verschiedener Krankheiten zur Seite. In der ganzen antiken Literatur, so Camerarius, finde man kein Werk, das diesem ebenbürtig sei. Fuchs lehre hier die "wahre Heilkunst" (vera ratio medendi), sodass der Benutzer nicht nur fundiertes theoretisches, sondern auch praktisches Wissen mitnehmen könne.[377]
Ein drittes Werbegedicht, ebenfalls auf Latein, gab Camerarius Leonhart Fuchs' Hippokrates-Ausgabe bei. Hier lobt er Fuchs, der der Welt den fähigen Arzt Hippokrates wiederbringe, dessen Schriften schon beinahe verloren gewesen seien und der so vielen Patienten das Leben zurückgegeben habe.[378]

Weitere Werbegedichte schrieb Camerarius für medizinische Disputationen. Der Leipziger Medizinprofessor Wolfgang Meurer präsidierte 1549 eine Disputation "De catarrhis", bei der Philipp Bech als Respondent auftrat. Der Druck wird von drei griechischen Werbegedichten eingeleitet, von denen das auf dem Titelblatt mit Sicherheit, die beiden auf der folgenden Seite vermutlich von Camerarius sind.[379] Das erste Gedicht stellt eine einfachere Version des poetischen Modells dar, von dem Camerarius auch in seinem nur handschriftlich überlieferten Werbegedicht für Kopernikus' "De revolutionibus" Gebrauch macht:[380] In einem fingierten Dialog fragt eine nicht benannte Person, ein "Unwissender", den ebenfalls nicht weiter benannten "Wissenden", um was für ein Buch es sich handle (Τίς λόγος οὗτος;). Auf die Antwort, dass es um "Flüsse" (im medizinischen Sinn, s.o.) gehe,[381] fragt der "Unwissende" weiter, was für ein Mensch denn der "Vater dieses Werks" (πατὴρ τοῦδε λόγοιο) Wolfgang Meurer sei. Der "Wissende" lobt darauf hin Meurer als fähigen Arzt und Freund der Musen.[382]
Das zweite wie auch das dritte Gedicht auf der folgenden Seite sprechen das Thema des Bandes an, die "Flüsse" (ῥεύματα), die die Menschen belästigen. Der Leser möge Meurers Mühe schätzen, der dieses Thema zur Untersuchung gestellt habe.[383]

Camerarius verfasste Werbegedichte für noch zwei weitere Disputationen Meurers: In einer 1555 gedruckten Disputation mit dem Titel "De vera corroborandi ratione capita" (Respondent war Sebastian Scheib) behandelt Meurer Kraft und Stärkung des menschlichen Körpers. Camerarius wirbt in drei griechischen Distichen auf dem Titelblatt: Zwar habe einst jemand (gemeint ist Oppian) gesagt, Kraft ohne Verstand sei wertlos,[384] allerdings sei der Verstand eines Menschen ohne Kraft ebenso ohne Nutzen; Meurer habe sowohl Kraft als auch Verstand bewiesen. Im letzten Distichon verzichtet der Sprecher bereitwillig auf Ehre (τιμή) und Wohlstand (ὄλβος), solange er bei Kräften sei (εὔρωστος)[385] und ihn der Verstand (γνώμη) nicht verlasse.
Schließlich erschien 1562 eine von Meurer präsidierte Disputation "De recta medendi ratione", für die Camerarius ebenfalls ein griechisches Geleitgedicht schrieb: Jemand habe einmal gesagt, das Wichtigste im menschlichen Leben sei die Gesundheit, das zweitwichtigste aber ohne Betrug erhaltener Reichtum.[386] Die Heilkunst könne als einzige der Künste beides verschaffen. Asklepios habe sie die Menschen gelehrt, Hippokrates habe sie ausgearbeitet, Galen habe beide noch übertroffen. Meurer wird als der nächste in der Reihe gefeiert, der Galens Methode folgend das, was dieser in vielen Büchern ausgeführt habe, in einer kleinen Schrift vereine.[387]

Auch für Johannes Hoffmanns Disputation über den Wein von 1558 schrieb Camerarius ein griechisches Werbegedicht. Hoffmann wird darin mit Homer verglichen, der, indem er den Wein lobte,[388] selbst Ruhm gefunden habe und den ersten Preis des Musenchores erhalten habe.[389] Welches Lob verdiene nun also erst Hoffmann, der ein ganzes Buch über den Wein geschrieben habe? Ein solches sei überdies für einen Franken wie Hoffmann nur passend.
Zu einer Disputation über das Erysipel (Wundrose), die Andreas Ellinger 1560 präsidierte (Respondent war der Leipziger Apotheker Moritz Steinmetz), hatte Camerarius persönlichen Bezug, da er selbst seit spätestens 1558 häufiger unter der Krankheit gelitten hatte (s.u.). Entsprechend gibt Camerarius dem Druck ein ausführliches griechisches Werbegedicht in 34 Hendekasyllaben bei, in dem er die Symptome der Krankheit beschreibt. Ellinger wird Galen gleichgestellt.[390] Schließlich wird es sich auch bei Camerarius' Beitrag zu Simon Scheibes "Disputatio ordinaria de causis famis animalis", den der VD16-Katalog verzeichnet, um ein Werbegedicht handeln. Die Überprüfung dieser These steht mangels Verfügbarkeit des Bandes jedoch noch aus.

(Alexander Hubert)

Medizinisches in den "Decuriae" und der "Appendix problematum"

Großen Raum nimmt die Medizin in den erst zwanzig Jahre nach Camerarius' Tod von seinen Söhnen Joachim und Philipp herausgegebenen "Decuriae συμμίκτων προβλημάτων" (erschienen 1594) sowie in der 1596 gedruckten Appendix zu diesen ein. Bei beiden Bänden handelt es sich um recht umfangreiche Sammlungen verschiedener quaestiones, die als Grundlage für Disputationen oder als Fragenfundus für diese begleitende Corollaria oder προβλήματα fungieren konnten. Camerarius plante ihre Veröffentlichung offenbar bereits im Jahr 1538, wie ein am 26. November dieses Jahres ausgestelltes Privileg König Ferdinands zeigt, das neben anderen teils nie veröffentlichten Werken auch libri problematum nennt.[391] Während die "Decuriae" thematisch bunt gemischt sind, ist die "Appendix" grob nach Wissensgebieten geordnet. Medizinische Fragestellungen machen dabei einen großen Teil der ersten elf (von 21) Dekaden der "Decuriae" aus und spielen auch in der "Appendix" eine große Rolle.
In unterschiedlicher Länge und Ausführlichkeit bietet Camerarius Fragen und Denkanstöße zu verschiedenen Bereichen der Medizin; teilweise gibt er auch ganze Argumentationen vor, etwa wenn es um die Frage nach Seele und Verstand bei Tieren geht (→ Naturkunde). Weitere Fragen betreffen unter anderem verschiedene Alltagsphänomene (Warum erholt sich das geblendete Auge in der Dunkelheit?[392] Warum sind die Glieder beim Aufwachen schwach?[393] Warum wird die Haut bei langem Aufenthalt im Wasser runzlig?[394] Was meint Aristoteles, wenn er eine Verschränkung der Finger beschreibt, die den Tastsinn so täuscht, dass eines als zwei wahrgenommen wird?[395]), Krankheiten (Warum haben manche Überlebende der Pest bei Thukydides das Gedächtnis verloren?[396] Warum sehen Triefäugige nachts einen Halo um Lichtquellen?[397] Warum hilft Eisenhut gegen Wassersucht?[398]), Diätetisches (Warum verliert gekochter Honig an Süße, wohingegen bittere Speisen durch Kochen an Süße gewinnen?[399] Warum sagte man einst, man solle Gekochtes nicht nochmal kochen?[400] Warum heißt es, Kinder würden ohne Fingernägel geboren, wenn Schwangere zu viel Salz essen?[401]) und Physiologisches (Wenn jegliche Bewegung vom Geist kontrolliert wird, warum schlägt das Herz, hebt sich das männliche genitale und bewegt sich der weibliche Uterus gegen den Willen des Menschen, und im Gegenteil, tut sich nichts, wenn er es bewusst versucht?[402] Warum wird, wenn man eine Geruchsquelle näher an die Nase hält, der Geruch stärker, doch was man näher an die Augen hält, wird verschwommener (der Sinneseindruck also schwächer)?[403] Warum ist bei manchen Lebewesen wie Eulen und Katzen die Sicht nachts besonders gut, und zugleich sind sie manchmal wie blind?[404] Woher kommt der Zahnschmerz, wenn Zähne doch Knochen sind und Knochen keinen Schmerz empfinden?[405]).

Auffällig, da geradezu gesellschaftskritisch, ist eine quaestio, die sich mit der Anatomie befasst:[406] Camerarius wirft hier die Frage auf, warum die Anatomen sich immer noch nicht über den Aufbau des Körpers einig seien, obwohl sie ihn doch aufschnitten, und alle Sinne bei der Betrachtung eines konkreten Gegenstandes doch unfehlbar sein sollten (quum tamen sensus nullus in re obiecta falli perhibeatur)? Dazu gibt er drei mögliche Antworten, von denen er jedoch nur die dritte weiter ausführt. Ist es möglich, dass der Körper sich nach dem Aufschneiden unvorhersehbar und in jedem Fall individuell verändert oder sind die Körper verschiedener Menschen grundsätzlich verschieden aufgebaut? In beiden Fällen wäre es leicht zu erklären, dass verschiedene Anatomen verschiedene Beobachtungen machen.
Camerarius scheint jedoch die dritte Option zu bevorzugen, dass nämlich der Hintergrund hier ein gewisser Wettstreit (aemulatio) ist: Jeder Anatom möchte die anderen übertreffen, indem er etwas findet, was anderen entgangen ist und was er an anderen kritisieren kann.[407] Dieser Drang sei dem Menschen in allen Dingen zu eigen, und zwar umso mehr, je größer das Genie, da die Gier nach Lob bei denen unerschöpflich und unersättlich sei, die den ersten Rang in einer Disziplin erstreben.[408] So würden manchmal falsche und absurde Meinungen verteidigt, um dem anderen nicht weichen zu müssen.[409] Solche Menschen seien aber, wie schon Sokrates sagte, keine Philosophen, sondern Streitsüchtige (litigiosi), weil sie sich nicht um die Richtigkeit einer Sache kümmern, sondern nur darum, andere von ihrer Meinung zu überzeugen.

Die "Decuriae" scheinen auch ein Lesepublikum gefunden zu haben: Caspar Dornau bezieht sich in seinem "Amphitheatrum" von 1619 auf eine Frage aus Camerarius' Sammlung (Wenn der Sehsinn der beste und wichtigste aller Sinne ist, warum sind von Geburt an Blinde dann klüger als von Geburt an Taube?[410]) und lobt dessen Argumentation.[411]

(Alexander Hubert)

Camerarius und die praktische Medizin

Medizinkenntnisse und medizinische Ratschläge an Dritte

Joachim Camerarius war kein studierter Arzt; doch wie Michael Stolberg feststellt, waren grundlegende medizinische Kenntnisse im 16. Jahrhundert in der Bevölkerung weit verbreitet, sei es durch die Lektüre teils volkssprachiger Schriften durch die gebildete Oberschicht, sei es durch mündlichen Erfahrungsaustausch.[412] Dies gilt ganz besonders für Camerarius, dem zum persönlichen Austausch ein ganzes Netzwerk medizinisch gebildeter Gelehrter und studierter Ärzte zur Verfügung stand (↑ Camerarius und die Medizin). Nach Zeugnis des an Johannes Magenbuch gerichteten Vorworts zur 1533 gedruckten Theriakschrift führte der naturkundlich interessierte Camerarius häufig mit Freunden und Bekannten Gespräche über medizinische Themen, etwa über die Frage, warum die zeitgenössische Medizin so geringe Heilungserfolge verbuchen konnte, oder über Theriakrezepte, die er in antiken Werken fand.[413] Diese Form des fachwissenschaftlichen Austausches fand allerdings offenbar vor allem in persönlichen Gesprächen statt und lässt sich daher nur über Selbstaussagen von Camerarius nachvollziehen. In seinem Briefwechsel spielen wissenschaftlich-medizinische Themen aus brieftheoretischen Gründen[414] kaum eine Rolle, wie etwa die Korrespondenz mit dem Arzt Leonhart Fuchs zeigt.[415]
Camerarius' eigene Patientengeschichte mag ihm einen Anreiz gegeben haben, sich mit medizinischen Themen zu beschäftigen (vgl. den Abschnitt ↓ Varii morbi – Camerarius als Patient, besonders ↓ Krankheit als Impulsgeber).

Auch bei der Lektüre musste Camerarius sich, anders als viele seiner Zeitgenossen, nicht auf volkssprachige Werke beschränken, sondern konnte auf die antiken Klassiker zurückgreifen. So zeugen von seiner medizinischen Bildung nicht nur die zahlreichen Zitate aus Hippokrates und Galen, die sein ganzes Werk durchziehen. Camerarius begann früh, nach Zeugnis seines Sohnes Joachim angeregt durch sein langwieriges Fußleiden (s.u.),[416] mit der intensiveren Lektüre antiker medizinischer Werke, darunter der bereits erwähnte Galen; bis spätestens 1533 hatte er nahezu alle Werke Galens (in der Fassung der Aldine von 1525/26) gelesen (↑ Theriak) und 1538 war er an der Gesamtedition von Galens Werken beteiligt (↑ Beteiligung an der Basler Galen-Edition). Eine besondere Auszeichnung für Camerarius' Kenntnis von Galens Werk ist es auch, dass Philipp Melanchthon ihn ob seiner Expertise bereits 1533 und 1534 um die Zusendung passender Galen-Stellen, vor allem zum Thema Säftelehre und Temperament, für sein 1540 gedrucktes Werk "De anima" bat.[417]
Im Umgang mit seinen eigenen Krankheiten zeigt sich Camerarius – notgedrungen – ebenfalls als medizinisch gebildet, wenn er etwa Andreas Ellingers Disputation zum Erysipel rezipiert (s.u.), sein Nierenleiden als chronisch erkennt (s.u.) oder auch bei der Anwendung von Badekuren, Guajakholz und chirurgischen Behandlungen für sein Fußleiden (s.u.).

Schließlich äußern sich Camerarius' medizinische Kenntnisse immer wieder im Rahmen des mündlichen oder brieflichen Erfahrungsaustausches in praktischen medizinischen Ratschlägen für Freunde und Bekannte. Denn die Rolle von Familie und Freunden in Krankheitsfällen beschränkte sich in der Frühen Neuzeit nicht allein auf moralische und pflegerische Unterstützung, vielmehr nahmen sie an Diagnose und Behandlung lebhaft teil, "äußerten ihre eigenen Vermutungen über die Natur der Krankheit[,] ... empfahlen besonders begabte Heilkundige oder als wirksam bewährte Heilmittel oder neue Diagnoseverfahren"[418]. Besonders letztere waren auch oft Gegenstand der Korrespondenz.[419]

Als sein enger Freund Daniel Stiebar von Rabeneck 1534 schwer erkrankt, augenscheinlich an einer Fieberkrankheit, zeigt sich Camerarius in einem Brief zutiefst betroffen. Er lobt Stiebars Seelenstärke (firmitas animi), von der dessen mitgesandte Schrift zeuge und die auch dessen Gesundheit förderlich sei. Neben dem nur allzu zeitgemäßen Rat, sich von der Krankheit nicht zur Verzweiflung bringen zu lassen und auf Gott zu vertrauen,[420] gibt Camerarius konkrete medizinische Ratschläge: Das Schwitzen solle Stiebar vergehen lassen und nicht aktiv herbeiführen, wie man es gemeinhin tue. Auch diätetische Ratschläge gibt er seinem Freund. Außerdem sendet Camerarius Säfte (succi) und confectiones, also Kompositdrogen, die er nach Anweisung eines Arztes habe anfertigen lassen, mit Empfehlung: Falls Stiebar durstig sei, solle er ein wenig von den mitgeschickten Säften in Wasser verdünnen und trinken; im Anschluss könne er, wenn und sooft er wolle, die erste confectio zu sich nehmen und am Abend die zweite.
Schließlich fordert Camerarius Stiebar auf, er möge doch, wenn es ihm ein wenig besser gehe, zu ihm (nach Nürnberg) kommen, um sich dort ganz auszukurieren.[421] Es ist dies ein ganz besonderes Zeichen der engen Freundschaft beider Männer, das üblicherweise Blutsverwandten zu Teil wurde, bei denen der Grad der pathischen Betroffenheit, also der Sorge und Niedergeschlagenheit angesichts der Krankheit eines anderen, höher war:[422] "Wenn es die beengten Wohn- und Familienverhältnisse erlaubten, ging die Betroffenheit häufig sogar soweit, dass auch entfernt lebenden Verwandten ein Krankenquartier im Haus in Aussicht gestellt wurde."[423]

Von einem weiteren Fieberfall in der Familie Stiebar zeugt Camerarius' Brief vom 03.06.1547 an Daniel Stiebar: Hier ist es ein namentlich nicht genannter Bruder Stiebars, dessen Krankheit Camerarius als ein Dreitagefieber identifiziert.[424] Wieder spricht Camerarius mit einem Arzt und veranlasst diesen, Stiebars Bruder Medikamente zu schicken.[425]
Den Arzt Cornelius Sittard empfiehlt Camerarius Stiebar in einem Brief vom 29.01.1548 und rät ihm, Sittard zu Stiebars krankem Freund zu schicken; obwohl Sittard sich skeptisch gezeigt hatte, dass er selbst mehr wisse als andere Ärzte, zeigt sich Camerarius überzeugt, dass gerade in der Medizin der Erfolg nicht nur Glücks (fortuna) und des richtigen Zeitpunkts (tempus), sondern auch der richtigen ausführenden Person (homo) bedürfe.

Zwei nicht datierte Fälle, in denen Camerarius sich "pathisch betroffen" zeigt, betreffen Matthäus von Wallenrode und dessen Umfeld. Von Wallenrodes Freundschaft zu Camerarius zeugt ein Empfehlungsschreiben Philipp Melanchthons für Camerarius vom 09.04.1544: Darin fordert dieser Wallenrode auf, seiner Freundschaft zu Camerarius entsprechend diesen von einigen Reitern nach Würzburg geleiten zu lassen, da Camerarius große Gefahr drohe.[426]
Nun schreibt Camerarius in einem nur auf den 7. Oktober (ohne Jahr) datierten Brief an Wallenrode, er habe von dessen Krankheit gehört. Obwohl er nichts genaueres darüber habe in Erfahrung bringen können, habe er aus dem Bekannten auf Ischias geschlossen. Hätte man ihm nicht mitgeteilt, dass Wallenrode in einem Bad sei (freilich ohne dieses näher zu benennen), wäre Camerarius sofort aufgebrochen, um für ihn zu sorgen.[427] Was uns heute übertrieben scheint, war zu Camerarius' Zeiten durchaus üblich: "Schenkt man den Berichten der Ärzte Glauben, dann waren die Kranken zu Hause oft von Menschen umringt, von der eigenen Familie, aber auch von Freunden und Bekannten. ... Den Laien ... waren Krankenbesuche offenbar Pflicht und Bedürfnis zugleich."[428]
In einem zweiten Brief ohne Jahr, in dem Camerarius auch seine langjährige Bekanntschaft mit Wallenrode anspricht, geht es um die Krankheit von Wallenrodes Frau, bezüglich derer Camerarius sich zutiefst betroffen zeigt (non potui non, sicut par erat, graviter perturbari). Mit dem Brief schickt Camerarius drei Medikamente, "die man für wirksam und gut hält" (quae efficacia et bona perhibentur); mit dem zweiten und dritten habe Camerarius schon selbst gute Erfahrungen gemacht.[429]

Hier darf eine Anekdote nicht fehlen, die Georg Andreas Will in seinem Nürnbergischen Gelehrtenlexikon zu Camerarius' Freund und Kollege an der Oberen Schule in Nürnberg Michael Roting bringt: Demnach habe Camerarius Roting "zur Zeit der Bauernaufruhr", also vermutlich 1525, im letzten Moment vor der Amputation eines entzündeten Schenkels bewahrt und ihm jede Hilfe versprochen. Schließlich habe Camerarius Roting unter Anwendung von Guajak sogar geheilt.[430]
Will bringt leider keine Quellen für seine Anekdote an, weshalb sie sich bis auf Weiteres kaum bestätigen lässt. Das Krankheitsbild erinnert offensichtlich an das offene Geschwür am linken Bein, das Camerarius zwischen 1529 und 1542 über ein Jahrzehnt hinweg plagte (s.u.). Auch hier brachte Guajak die Heilung. Man sollte meinen, dass Camerarius schneller zu diesem Mittel gegriffen hätte, wenn er mit Rotings Fall bereits zuvor solch positive Erfahrungen gemacht hätte. Andererseits galt die Guajakkur als physisch belastend, und selbst ungeachtet Wills Anekdote hatte Camerarius auf jeden Fall das Vorbild Ulrichs von Hutten, der im Rahmen seiner Syphilis-Erkrankung eine erfolgreiche Behandlung mit Guajak vorweisen konnte: Auch diesem Vorbild folgte jedoch Camerarius nicht sofort. Insofern ist die Tatsache, dass Camerarius nur zögerlich zu diesem Mittel griff, auch kein Beweis für die Falschheit von Wills Bericht.

Ebenso wurden innerhalb von Camerarius' eigener Familie medizinische Ratschläge und Medikamente weitergegeben, wie ein handschriftlich überlieferter Brief von Camerarius' Schwiegersohn Esrom Rüdinger vom 05.04.1558 belegt:[431] Darin berichtet dieser Camerarius von der Krankheit von dessen Tocher Anna. Weiterhin schreibt er, sie habe heute Camerarius' Panacea genommen, nämlich Tabletten mit Aloe. In der Folge wolle man Caspar Peucers Ratschläge befolgen.

Wie man sieht, stand Camerarius Familie und Freunden stets mit Rat und Tat zur Seite und ließ zuweilen sogar extra Medikamente für kranke Bekannte oder Familienangehörige anfertigen oder Besorgungen tätigen: Zur Vermittlung einer Brille an seinen Freund Helius Eobanus Hessus vgl. den Abschnitt ↓ Fieber, Haut- und Augenleiden. Von der hervorragenden Ausstattung von Camerarius' eigener Hausapotheke zeugt ein Brief Philipp Bechs vom 17.06.1547: Nach der Eroberung Leipzigs durch die kaiserlichen Truppen ist Bech vor Ort und informiert Camerarius über den Zustand von dessen Haus: Camerarius' Bücher, so schreibt er, seien unberührt. Verloren seien allerdings größere Teile von Möbeln und Liegen und insbesondere die auch Latwergen, Kompositdrogen, Arzneiwein und -essig sowie Pflanzen- und Blütendestillaten (ligna, lectus, electuaria et confecta, vinum, acetum, aquae ex herbis et floribus fragrantibus igne extractae).[432]

Dass studierte Ärzte für die Bemühungen des Laien Camerarius bisweilen aber nicht mehr als ein müdes Lächeln übrig hatten, zeigt eine Anekdote, die Camerarius selbst seinem Freund Hieronymus Wolf in einem Brief vom 15.10.1556 erzählt: Einmal habe er einem Bekannten ein Medikament empfohlen, mit dem Hinweis, vor der Einnahme noch den Rat eines Arztes zu suchen. Dies habe der Bekannte auch getan. Als er dem Arzt das Rezept zeigte und dazu sagte, es stamme von Camerarius, habe der Medicus gelacht und es zwar nicht verworfen, aber doch kritisiert und gesagt, Camerarius habe das Rezept wohl aus irgendeinem griechischen Autor übersetzt.[433]

(Alexander Hubert)

Varii morbi – Camerarius als Patient

Andreas Freyhub braucht in seiner Grabrede für Camerarius nicht lange, um auf dessen körperliche Verfasstheit zu sprechen zu kommen. Nach einem Lob auf Gesundheit und Engagement von Camerarius' Vater Johannes und die Klugheit seiner Mutter Martha schließt er, dass die geistigen Fähigkeiten letzterer und die körperliche Widerstandskraft und Stärke des ersteren wohl auf den Sohn übergegangen sein müssten, letztere freilich nur im mittleren Lebensabschnitt: In seinen jungen Jahren und im späten Alter sei Camerarius schließlich immer wieder von zahlreichen Krankheiten geplagt worden.[434] In der Tat stellen die vierziger Jahre neben der frühen Kindheit des Camerarius die einzige größere Lücke in seiner überlieferten Krankengeschichte dar; in allen anderen Jahrzehnten seines Lebens sind uns zahlreiche Zeugnisse von Krankheiten überliefert, und selbst Camerarius beliebte bisweilen über seine Gesundheit zu scherzen, wie Freyhub berichtet: So sagte Camerarius offenbar einmal aus, wenn die Stoiker Recht hätten und der wahrhaftig Weise von Krankheiten und Sorgen unberührt bleiben müsse, gestehe er, selbst keineswegs weise zu sein.[435] Dabei sind es namentlich zwei Bereiche, an denen Camerarius über lange Zeit hinweg und heftig litt und die auch Freyhub in seiner Rede anspricht: Ein Geschwür am linken Bein in den jungen Jahren und Nierenprobleme in den letzten Jahren seines Lebens.[436] Das folgende Kapitel soll einen Überblick über Camerarius' Patientengeschichte geben, soweit sie aus den gedruckten Werk hervorgeht. Handschriftliche Briefquellen, wie sie etwa im Melanchthonbriefwechsel[437] oder in der Ärztebrief-Datenbank[438] erschlossen sind, können nur in Einzelfällen berücksichtigt werden.

Malum pedis inveteratum – Ein hartnäckiges Geschwür

Die Leidensgeschichte

Ende der 20er Jahre begann Camerarius, an einem offenen Geschwür am linken Bein zu leiden. Der Anfang dieses Leidens lässt sich wohl auf das Jahr 1528 datieren: Dieses Jahr gibt Camerarius selbst in seinen eigenen biographischen Notizen zweimal an;[439] einmal spricht er dagegen sehr konkret von Oktober 1529 nach einer Reise nach Speyer.[440] Sein gleichnamiger Sohn Joachim schreibt ebenfalls von 1528 und verzeichnet für 1529 nur eine deutliche Verschlimmerung des Leidens.[441] In einem später gedruckten Brief an Daniel Stiebar von Rabeneck erwähnt Camerarius bereits am 20.04.1529 sein Fußleiden.[442] Später im Jahr spricht Camerarius in einem weiteren Brief an Stiebar (dat. 01.08.1529) von einem inveteratum malum pedis,[443] sodass der Datierung auf 1528 wohl der Vorzug zu geben ist. Jedenfalls entstand damals an Camerarius' linkem Unterschenkel ein offenes, wohl äußerst unansehnliches Geschwür, das wohl auch eiterte;[444] sein Sohn Joachim, der Mediziner war, benennt als Ursache ein zu heißes Bad und einen Juckreiz, die zu einer defluxio in den Fuß führten.[445]

Dies war der Beginn einer über zehnjährigen Leidensgeschichte, von der sowohl die handschriftlichen (auto)biographischen Aufzeichnungen des Camerarius und seines Sohnes als auch zahlreiche gedruckte Briefe zeugen. So zeigt sich Camerarius am 20.04.1529 gegenüber Daniel Stiebar noch voller Hoffnung, dass das Übel bald verschwinden werde, da es bereits in die Ferse hinabgeflossen sei.[446] Sein Sohn verzeichnet allerdings für dasselbe Jahr schwere Episoden des Leidens,[447] sodass von einer Besserung nicht auszugehen ist. Dazu passt Camerarius' im Dezember 1529 gegenüber Daniel Stiebar geäußerte Klage über seine eiternde Wade und die aus dem Herumsitzen resultierende Melancholie; Camerarius überlegt aus diesem Grund, Stiebar zu besuchen.[448]
Helius Eobanus Hessus berichtet Georg Sturtz am 11.11.1530, dass Camerarius das Haus aufgrund eines Geschwüres am Bein nicht verlassen könne, das sich seit langem immer weiter ausbreite und doch nicht verschwinde.[449] Im Sommer 1533, kurz nach seinem Weggang aus Nürnberg, erkundigt sich Hessus nach Camerarius' Fuß[450] und im Oktober 1534 lehnt Camerarius eine Einladung Daniel Stiebars (wohl nach Würzburg) mit der Begründung ab, dass sein Fuß die Reise (von Nürnberg aus) nicht zulasse.[451] Am 13.01.1535 fragt Hessus wiederum, ob Camerarius noch immer an seinem Geschwür leide, nachdem er von Georg Sturtz gehört hatte, dass es Camerarius schlecht gehe.[452] Mit der brieflichen Bestätigung durch denselben Georg Sturtz erhält Hessus auch die Nachricht, dass das Leiden sich (wiederum) auf die Ferse ausgebreitet habe (bzw. dahin "hinabgeflossen" sei, defluxit) und äußert wie Camerarius schon 1529 die Hoffnung, dass die Heilung damit nahe sei,[453] eine Hoffnung, die Hessus im nächsten Brief noch einmal aufgreift.[454] Auch Nikolaus Gerbel hat 1535 durch einen Bekannten von Camerarius' Leiden gehört und zeigt sich entsetzt.[455] Einen Monat später klagt Camerarius gegenüber Daniel Stiebar über eine weitere Verschlimmerung der Lage.[456] Im Juni sind es wiederum Hessus und Sturtz, die Camerarius gute Besserung wünschen und ihm ihre Unterstützung versprechen, da sie mit ihm litten.[457] Auch aus Camerarius' Widmungsbrief zu Theodorets Kirchengeschichte an Justus Jonas vom 13.08.1535 erfahren wir, dass er in diesem Jahr wegen seines Fußleidens viel Zeit im Bett verbrachte.[458]
So war Camerarius' gesamte Nürnberger Zeit von seiner Krankheit geprägt, wie er auch Simon Grynäus berichtet.[459] Doch auch mit dem Wechsel an die Universität Tübingen im Sommer 1535 besserte sich die Lage nicht: Klagen über sein Fußleiden äußert Camerarius auch in Briefgedichten an Bartholomäus Amantius vom 28.06.1535[460] und Thomas Venatorius aus der zweiten Jahreshälfte 1535.[461] Am 26.08.1536 schreibt Camerarius an Stiebar, nach einem Bad habe sich sein Leiden verschlimmert[462] und am 25.10.1536 klagt Camerarius in einem Schreiben an Jakob Micyllus über Schmerzen im Fuß.[463] Laut den Aufzeichnungen seines Sohnes waren die Schmerzen 1536 sogar so schlimm, dass Camerarius eine Weile am Stock gehen musste;[464] Camerarius selbst verzeichnet in seinen autobiographischen Notizen einen schweren Anfall für 1537.[465] Dies deckt sich mit einem Brief an Daniel Stiebar aus diesem Jahr, in dem Camerarius bedauert, dass sein Leiden ihm längere Reisen zu Fuß oder zu Pferd unmöglich mache,[466] sowie einem an Matthäus Irenäus gerichteten Gedicht, in dem Camerarius über seine Schmerzen klagt und bedauert, dass kein Medikament ihm Abhilfe verschaffen könne.[467] Auch am 17.01.1538 berichtet Camerarius Stiebar, sein Fuß habe ihn kürzlich so niedergestreckt, dass er das Haus nicht habe verlassen können.[468]

In das Jahr 1538 fällt auch eine der am besten bezeugten Episoden von Camerarius' Krankengeschichte, auf die er sich in seinen autobiographischen Notizen wohl bezieht, wenn er dort von einer schweren Krankheit[469] schreibt. Anlass zu dieser war eine Reise nach Wittenberg, von der Camerarius in seiner Melanchthon-Vita berichtet: 1538 sei er auf dem Pferd von Tübingen aus nach Wittenberg geritten, um dort Philipp Melanchthon zu treffen.[470] Anhand mehrerer Brief lässt sich diese Reise auf Anfang November datieren: So muss Camerarius nach dem 27. Oktober in Tübingen aufgebrochen sein, da er einen an Melanchthon adressierten Brief von Rektor und Senat der Universität überbrachte, der auf diesen Tag datiert ist;[471] Seine Ankunft vor dem 6. November bezeugt ein Brief Philipp Melanchthons an Johannes Lang, der Camerarius als in Wittenberg anwesend erwähnt.[472] Auf dem Rückweg übermittelte Camerarius dann zwei Briefe Melanchthons an Ludwig Gremp[473] und Leonhart Fuchs[474].
Camerarius' konnte seine Zeit in Wittenberg aber nicht genießen: Möglicherweise lag es an der Belastung durch den Gewaltritt über 500 Kilometer, wie Camerarius auch in einem Brief an Hieronymus Baumgartner d.Ä. schreibt,[475] jedenfalls hatte sich sein Fußleiden bei seiner Ankunft in Wittenberg deutlich verschlimmert. Aus Sorge vor schlimmeren Komplikationen beendete Camerarius seinen Besuch deshalb früher als geplant und brach – wieder zu Pferde – nach Tübingen auf.[476] Von der Rückreise erzählt auch ein kurz nach der Ankunft in Tübingen entstandenes Hodoeporicon an seine Wittenberger Freunde (dat. 29.11.1538), in dem Camerarius bedauert, dass er nicht länger in Wittenberg hatte bleiben können.[477] Aus dem Gedicht wird ersichtlich, dass Camerarius zunächst noch Georg Sturtz in Erfurt besuchte[478] und dann zusammen mit dem Würzburger Matthäus Irenäus einen Stopp in dessen Heimatstadt einlegte, wo er Irenäus zurückließ[479]. Das Wetter war den Reisenden allerdings nicht wohlgesonnen, sodass Camerarius auch noch einen kleinen Unfall erlitt, als sein Pferd im strömenden Regen in den Graben fiel. Der Sturz blieb für Camerarius freilich folgenlos, sodass Camerarius am nächsten Tag wieder aufbrechen konnte.[480]
Einen weiteren Zwischenhalt legte Camerarius in einem Bad bei Tübingen ein (vermutlich in Bläsibad), von dem er sich Linderung versprach.[481] Diese Hoffnung wurde allerdings enttäuscht, wie Camerarius einen Monat später an Hieronymus Baumgartner schreibt, und das Leiden war schwerer als erwartet.[482] Auch im Februar 1539 vergleicht sich Camerarius im einem Briefgedicht an Caspar Volland noch mit Philoktet,[483] und im März 1539 schreibt er an Georg von Loxan, die Folgen der Krankheit spüre er noch immer und er habe Schwierigkeiten beim Gehen[484]. Bei seiner Rückkehr (über Schwäbisch Hall[485]) fand Camerarius, so das Hodoeporicon, seine Söhne und seine Gattin Anna krank vor. Die Krankheit, die ihn anschließend niederstreckte, während der er das Gedicht schrieb und die er auch in seinem Brief an Loxan erwähnt, wird eine Folge seines Fußleidens sein.[486]
Camerarius sah als Grund für sein neuerliches schweres Leiden explizit die Anstrengung der Reise und zog daraus gegenüber Hieronymus Baumgartner für sich die Lehre, seinen eigenen Kräften nicht mehr so blind zu vertrauen.[487]

Auch in den Folgejahren blieb Camerarius' Bein problematisch. Im November 1539 schreibt er Daniel Stiebar, er könne nach einem unerwarteten neuen Anfall noch gehen, doch insbesondere nachts seien die Schmerzen unerträglich.[488] Noch 1541 beklagt sich Camerarius gegenüber Melanchthon über seine immer wiederkehrenden Schmerzen[489] und vergleicht sich auch gegenüber Johannes Sturm mit dem leidenden Philoktet.[490] Nachdem Melanchthon sich im Frühjahr 1541 seine Hand schwer verletzt hat, als auf der Reise sein Wagen umgestürzt ist, und die Heilung sich lange hinzieht,[491] äußert er in einem Brief an Camerarius vom 10. Mai den Gedanken, dass ihnen beiden vielleicht ein ähnliches Schicksal bevorsteht und Melanchthons Hand also ebenso wie Camerarius' Fuß dauerhaft problematisch bleibt.[492] Camerarius hatte gegenüber Hieronymus Baumgartner bereits Ähnliches geschrieben, nachdem er gerüchtehalber von Melanchthons Verletzung gehört hatte; allerdings ging er davon aus, dass Melanchthon sich das Bein gebrochen habe.[493]

Bad und Holz – Behandlungsversuche

Camerarius stand aufgrund seines Fußleidens offenbar schon früh mit Ärzten in Kontakt. So berichtet er Daniel Stiebar von Rabeneck bereits am 01.08.1529 von einem Versuch, einen Arzt zu besuchen, den er freilich mehrfach verpasste.[494] 1531 ist es Melanchthon, der Camerarius zu einer schonenden Behandlung in Absprache mit den Ärzten rät,[495] und auch Helius Eobanus Hessus rät Camerarius Anfang 1535 zur Absprache mit seinen Ärzten.[496] Briefe von Camerarius an Antonius Niger und Daniel Stiebar zeugen ebenfalls davon, dass Camerarius den Rat von Ärzten wie auch Freunden sucht.[497]
Diese scheinen ihm meist zum heißen Bad, besonders in Thermalbädern, zu raten, eine Methode, die Camerarius gerne und oft anwendet. Badbesuche verzeichnet Camerarius' Sohn Joachim etwa für 1536,[498] 1537,[499] 1539[500] und 1541[501] (vgl. auch ↓ Badbesuche). Antonius Niger rät weiterhin auch zu körperlichen Übungen vor Frühstück und Abendessen[502] sowie dazu, es mit den Studien nicht zu übertreiben.[503] Die Thermenbesuche zeigten allerdings wenig langfristige Wirkung.[504] Namentlich der Besuch der Thermen von Plombières verschlang beträchtliche Mittel und brachte wenig Erfolg,[505] was Camerarius auch gegenüber Hieronymus Baumgartner d.Ä. erwähnt.[506] 1536 schreibt Camerarius gar an Daniel Stiebar, nach einem Besuch im Bad gehe es ihm schlechter.[507] Und am 10.05.1542, als Camerarius gerade seine Guajakkur abgeschlossen hat und ein Erfolg erreichbar erscheint, äußert er sich in einem Brief an Hieronymus Baumgartner d.Ä. verbittert, das Bad, das Baumgartner empfehle, habe ihm bisher nur Unglück gebracht.[508]

Anderen Ansätzen zur Heilung stehen sowohl Camerarius als auch die Leute, deren Rat er sucht, meist zurückhaltend gegenüber. Im September 1534 hatte Daniel Stiebar Camerarius offenbar geraten, Hilfe bei einem Chirurgen zu suchen. Dies lehnt Camerarius mit dem Hinweis ab, dass die Chirurgie alleine ihn wohl kaum heilen werde, und verweist auf Bäder als mögliche Lösung;[509] zu der Zeit, als der Brief entstand, war er freilich noch für ein Jahr in Nürnberg: Erst im September 1535 rückten mit dem Wechsel nach Tübingen die Thermalbäder des Schwarzwalds in geographische Nähe und wurden so Badeaufenthalte dort möglich. Im Jahr 1540 scheint Camerarius dann allerdings (aus Verzweiflung?) seine Bedenken überwunden zu haben: Wie Camerarius selbst in seinen autobiographischen Notizen und sein Sohn in dem darauf basierenden Konzept für eine Biographie seines Vaters notieren, begab sich Camerarius damals aufgrund des guten Rufs eines Chirurgen aus Bad Königshofen auf eine lange Reise (von Tübingen aus sind es gut 250 Kilometer); diese hat Sabine Schlegelmilch nachvollzogen.[510] Jedoch war auch dieser Versuch trotz des großen Aufwands nicht von Erfolg gekrönt, da der Chirurg keine Zeit für Camerarius hatte; stattdessen verwies er diesen auf einen neuen Termin wohl zwei bis drei Wochen später. Auf dem Rückweg ging Camerarius' Pferd durch, warf ihn ab und schleifte ihn, dessen linker Fuß noch im Steigbügel hing, zwanzig Schritt weit. [511] Camerarius hatte Glück und blieb, bis auf leichtere Verletzungen an dem ohnehin wunden Fuß, unbeschadet; doch den Sturz sowie die insgesamt vergebliche Reise wertete er als schlechtes Omen. Außerdem sagte ihm die äußerliche Behandlung des Chirurgen mit Salben und Räucherwerk ohnehin nicht zu. So suchte er den Chirurgen kein zweites Mal auf, stattdessen neigte er sofort wieder dem Bad zu[512] und suchte dann auch in der Folge die Thermen von Plombières auf (s.u.).

Bereits 1535 erwog Camerarius angesichts seines hartnäckigen Leidens offenbar eine Kur mit dem Holz des Guajakbaumes, die häufig gegen Syphilis angewendet wurde.[513] Der prominenteste Fall dürfte dabei der Ulrichs von Hutten sein, der sich nach Anwendung des Holzes so viel besser fühlte, dass er ein Buch schrieb, in dem er die Guajakkur anpries;[514] 1523 starb er dann aber dennoch an der Syphilis. Es ist wahrscheinlich, dass Camerarius diese Schrift kannte und sogar selbst besaß, denn wie er 1569 in einem Brief an Matthias Stojus schreibt, habe er einmal fast alle Schriften Huttens besessen.[515] Glaubt man Georg Andreas Will, hatte Camerarius auch in seinem Bekanntenkreis schon positive Erfahrungen mit der Guajakkur gemacht, als Michael Rotings "entzündeter Schenkel" nach einer solchen abheilte (s.o.).[516]
Dass er nun selbst die Kur mit Guajak in Erwägung zog, bezeugt ein Brief, den Helius Eobanus Hessus Camerarius im Januar oder Februar 1535 schrieb: Darin rät er Camerarius dringend von der Behandlung ab, da sie recht heftig sei, und verweist ihn wiederum auf das Bad; außerdem bemerkt er, manche Leute sagten, Ulrich von Hutten hätte ohne die Kur länger gelebt.[517] Auch Georg Sturtz warnt Camerarius am 13.01.1535 eindringlich vor der Behandlung mit Guajak, deren Auswirkungen er bei Petreius Aperbacchus habe sehen können: Dieser sei in der Folge nicht nur nicht genesen, sondern bald gestorben.[518] Camerarius folgte offenbar dem Rat der beiden, denn kurze Zeit später freut sich Hessus in einem weiteren Brief, dass er und Camerarius sich bezüglich dieser Sache einig seien.[519]

Die Behandlung mit Guajakholz war in der Tat keine kleine Angelegenheit. Problematisch war dabei allerdings weniger die medizinische Wirkung des Holzes als die Begleitumstände seiner Verabreichung. Hierfür gab es verschiedene Ansätze; Ulrich von Hutten berichtet, wie die Kur bei ihm ablief.[520] Sein Bericht ist besonders deshalb interessant, weil er nach eigener Auskunft auf Anraten des Leipziger Medizinprofessors Heinrich Stromer zu diesem Mittel griff[521] und dieser auch "aller Wahrscheinlichkeit nach ... der behandelnde Arzt Ulrich von Huttens" war:[522] Stromer war offenbar Anhänger der Guajakkur: Er empfahl sie 1525 auch Willibald Pirckheimer gegen Podagra.[523] Es war Stromer, der 1542 auch Camerarius dazu bewegte, der Guajakkur eine Chance zu geben.[524] Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass Camerarius' Behandlung ähnlich ablief wie die Huttens.
Dieser also beschreibt ausführlich, wie das Holz zerkleinert und in Wasser erhitzt wird, das aber nicht kochen darf. Der Schaum wird abgeschöpft, getrocknet und als Pulver auf das Geschwür appliziert. Das Wasser wird abgegossen und als starke Medizin gegeben, das Holz anschließend in frischem Wasser gekocht, das als Getränk verabreicht wird. Der Patient wird zunächst purgiert, sitzt dann in einem möglichst dicht verschlossenen geheizten Raum und muss fasten; nur Brot und etwas verdünnter Wein sind erlaubt. Zweimal am Tag wird der Guajaksud verabreicht, außerdem lässt man den Kranken mehrere Stunden schwitzen. Diese Behandlung wird über 30 Tage aufrechterhalten, mit Purgierungen am 15. Tag und kurz vor Abschluss der Behandlung.[525] Zumindest in den Grundzügen entspricht dieser Behandlungsablauf auch dem, was Michael Stolberg den Notizen des böhmischen Arztes Georg Handsch entnimmt.[526]

Die Guajakkur war also schon alleine aufgrund ihrer Dauer eine Herausforderung für den Patienten, und das extreme Fasten bedeutete weitere Strapazen. Nachdem Camerarius' Fußleiden allerdings ins 14. Jahr ging, ohne sich gebessert zu haben, und als mit Camerarius' Wechsel nach Leipzig 1541 die Thermalbäder des Schwarzwaldes in geographische Ferne rückten, überwand er offenbar 1542 auf den Rat Heinrich Stromers hin seine und seiner Freunde Bedenken und unterzog sich im April der Prozedur.[527] Philipp Melanchthon hatte kurz zuvor noch von der Kur abgeraten, mit dem Hinweis, dass er es nicht für nützlich halte, ein Geschwür per Medikation zu verschließen[528] (vermutlich weil sich dann nach damaliger Vorstellung die kranke Materie im Körper ansammelt, anstatt durch das offene Geschwür auszulaufen[529]).
Camerarius war aber offenbar mit seiner Geduld am Ende. Um den Georgstag 1542 herum (23. April) unterzog er sich der Kur, wie die biographischen Notizen bezeugen.[530] Am 30. April wünscht der befreundete Arzt Johannes Meckbach Camerarius ein gutes Gelingen der Kur.[531] Am 10. Mai berichtet Camerarius Hieronymus Baumgartner d.Ä., seine Kur sei abgeschlossen und die Ärzte machten ihm Hoffnung; die seine sei freilich schon lange geschwunden und er versuche, sie wieder zu wecken.[532] Die Behandlung war offenbar erfolgreich, wie Camerarius' handschriftliches Fazit und auch das seines Sohnes bezeugen: Das Geschwür verschwand; allerdings litt Camerarius, vermutlich in Folge des extremen Fastens, in der Folge an einem schwachen Magen.[533] So wird Camerarius auch die Nachfrage des Leonhart Fuchs nach dem Erfolg seiner Kur positiv beantwortet haben.[534] Melanchthon schrieb freilich am 31. Mai von einer Halsentzündung, die Camerarius auskurieren wolle; sein Fluss (ῥεῦμα) habe sich offenbar in den Zapfen verlagert.[535] Als "Fluss" bezeichnen Camerarius und seine Zeitgenossen zahlreiche Krankheiten, darunter ebenso sein Geschwür am Fuß wie auch eine einfache Erkältung.[536] Ob Melanchthon also eine Verlagerung der verdorbenen Materie aus dem Fuß nach Verschließen des Geschwürs für Camerarius' Halsentzündung verantwortlich macht oder ob dieser sich kurz nach der Guajakkur eine Erkältung einfing, auf die Melanchthon sich bezieht, bleibt daher unklar.

Fieber, Haut- und Augenleiden

Neben Camerarius' offenem Bein wissen wir aus den biographischen Notizen von ihm und seinem Sohn Joachim und aus zahlreichen Briefen von verschiedenen weiteren Krankheiten, die ihn in seinen jungen Jahren oder später im Alter heimsuchten.

Da sind zunächst einmal die in früheren Zeiten allgegenwärtigen Fieber, die ihn immer wieder trafen.[537] Sein Sohn ordnet diese in seinem Résumé am Ende seiner Biographie chronologisch nach dem Fußleiden ein;[538] beide berichten allerdings bereits von Episoden mit Viertagefieber 1514 nach Erlangung des Baccalaureats[539] und einem Dreitagefieber 1522, das Camerarius vermutlich sogar zur Reise in die Heimat bewegte.[540] Im März 1525 schreibt Camerarius in einem Briefgedicht an Michael Roting und Johann Seiler von einer Krankheit, die ihn abwechselnd durch Hitze- und Kältegefühle schwäche, bei der es sich vermutlich ebenfalls um ein Fieber handelt.[541] Auch für Mai 1530 verzeichnet Camerarius ein kurzes Fieber (febricula).[542]
Das nächste Mal hören wir erst 1557 in einem Brief an Johannes Crato (dat. 21.06.1557) von einem Fieber, das offenbar zusammen mit schlimmen Herz- oder Magenschmerzen (καρδιωγμός) kam.[543] Wohl dasselbe Leiden suchte Camerarius wohl auch zwei Jahre später heim: In einem Brief an Hieronymus Baumgartner d.Ä. vom 30.05.1559 berichtet er von einer kurz zurückliegenden Krankheit und verwendet dabei dieselbe Terminologie wie in dem Brief an Crato: Wieder ist von Fieber mit Herz- oder Magenschmerzen (καρδιωγμός) die Rede, die sein Sohn Joachim miterlebt haben muss, da er den Brief überbringt.[544] In der Tat notiert Joachim Camerarius d.J. in seiner Biographie für den 13.05.1559 den Beginn eines Dreitagefiebers mit heftigen Schmerzen in der Brust, das mit dem siebten Anfall endete.[545] Hier ist vermutlich auch der Brief an Hieronymus Baumgartner vom 26. Juni einzuordnen, in dem Camerarius berichtet, er genese von einer schweren Krankheit.[546]
Im Herbst 1558 litten Camerarius und seine Frau Anna Truchseß von Grünsberg an einem Quartanfieber, wie ein Brief des Georg Joachim Rheticus vom 9. November dieses Jahres bezeugt; in diesem rät Rheticus zu gründlicher Purgation mit Brechmitteln und empfiehlt ein Gebräu aus Nieswurz.[547] Von einem schweren Anfall von Schüttelfrost berichtet außerdem ein Brief an Georg Fabricius vom 22.09.1565.[548]

Einige teilweise nicht explizit identifizierte Krankheitsfälle zeigen eine ähnliche Verteilung mit Schwerpunkten in den frühen und späteren Jahren von Camerarius' Leben. Joachim Camerarius d.J. berichtet, sein Vater sei 1517 aus gesundheitlichen Gründen von der Universität in die Heimat zurückgekehrt; dies habe ihn aber nicht davon abgehalten, ab Oktober desselben Jahres in Leipzig Petrus Mosellanus zu hören.[549] Am 20.12.1529 berichtet Camerarius Daniel Stiebar von Rabeneck von einem Durchfall (citata alvus).[550]
Es folgen Jahre, in denen seine Gesundheit entweder entsprechend Freyhubs Darstellung besser war oder er zumindest weniger von Krankheit berichtet; 1545 hören wir in einem Brief an Melanchthon von geschwollenen Lippen, die Camerarius daran hinderten, Vorlesungen zu halten,[551] und 1550 berichtet in einem Brief an Adam Siber von einer Erkältung.[552] In einem Brief an Christoph von Karlowitz von Anfang Februar 1552 schreibt Camerarius von seiner geschwächten Gesundheit;[553] dazu passen wiederum ein Brief an Daniel Stiebar vom 10. Mai, in dem Camerarius berichtet, er sei schwer erkrankt, sei aber schon fast wieder gesund,[554] und einer von Georg III. von Anhalt-Plötzkau an Camerarius vom 12. Mai, in dem Georg schreibt, er habe von Camerarius' schwerer Krankheit gehört.[555]
Ein problematischer Fall sind die "Verstopfungen", von denen Camerarius bisweilen berichtet, da sich die entsprechenden Begriffe auf alle damals wahrgenommen Formen von Ausscheidung eines der vier Säfte beziehen können (als Ausscheidung zählten neben den heute so bezeichneten Vorgängen auch Schweiß, Tränen und sogar Haare).[556] Wenn Camerarius also Hieronymus Baumgartner am 21.02.1555 von einer "Verstopfung der Gänge, durch welche die Feuchtigkeit abgeführt wird" (ἐμφράξεις τινες τῶν πόρων οἷς ἐκκρίνεται τὰ ὑγρά), schreibt,[557] ist das keine sehr konkrete Information. Für den März 1556 scheint eine Verstopfung im modernen Sinn recht wahrscheinlich, wenn Camerarius gegenüber Hieronymus Baumgartner unzureichende Verdauung der Nahrung dafür verantwortlich macht,[558] doch auch dies ist nicht eindeutig. Ebenso wenig wird man für die eintägige Verstopfung im Juni 1555 in Augsburg, bei der ein Klistier geholfen habe,[559] sicher sagen können, dass sie den Darm betraf, denn an anderer Stelle half ihm ein Klistier auch gegen eine "Nierenverstopfung" (ἔμφραξις νεφριτική).[560] Auch das Zeugnis seines Sohnes Joachim hilft hier wenig, nach dem Camerarius in Augsburg sowohl unter Nierenschmerzen als auch unter einer "Verstopfung des Bauchraumes" (ἔκφραξις alvi) litt.[561]
Völlig unklar bleibt der Hintergrund einiger besonders vager Andeutungen des Camerarius. So berichtet er im Januar 1559 Christoph von Karlowitz von einer leichten Krankheit.[562] Ähnliches findet sich auch in einem Brief, den er 1563 oder 1564 an Adrien Turnèbe richtete[563] und in einem undatierten Brief an Ludwig Carinus[564].

Im fortgeschritteneren Alter litt Camerarius offenbar des Öfteren an Erysipelen (Wundrosen), wie auch sein Sohn Joachim berichtet.[565] Camerarius selbst berichtet von erysipelartigen Symptomen das erste Mal im August 1558 in einem Brief an Johann Stigel; dort schreibt er allerdings auch, dass die Krankheit bei ihm häufiger auftrete.[566] 1559 stellt Camerarius seinem Schwiegersohn, dem Leipziger Mathematikprofessor Johann Hommel, eine mathematische Frage zum Pyramidenschatten (→ Mathematische Wissenschaften); diese sei im nachts in den Sinn gekommen, als er nicht habe schlafen können. Als Ursache seiner Schlaflosigkeit führt er eine kurz zurückliegende Krankheit mit erysipelartigem Hautausschlag an, die ihn noch zusätzlich zu seinem Augenleiden (s. den folgenden Absatz) getroffen habe.[567] 1560 hielt Andreas Ellinger in Leipzig eine Disputation zum Erysipel; Respondent war der Leipziger Apotheker Moritz Steinmetz.[568] Camerarius verfasste zu dem Druck ein Begleitgedicht[569] (s.o.) und lobt in einem Brief an Ellinger dessen Schrift: Genau die Symptome, die Ellinger beschreibe, habe Camerarius auch bei sich beobachtet.[570] Einem nicht identifizierten Adressaten schreibt Camerarius im Dezember 1571 von einem heftigen Schub seiner Krankheit (vermutlich ist sein Nierenleiden gemeint, s.u.), zu der völlig unerwartet auch noch ein Erysipel hinzugekommen sei.[571]

Schließlich litt Camerarius auch immer wieder an einer Augenkrankheit, die sein Sohn ebenfalls als Fluss (Epiphora oculorum) bezeichnet.[572] Eine erste Erwähnung dieser Krankheit findet sich in einem Briefgedicht an Christoph von Karlowitz von 1546.[573] Am 04.04.1553 schreibt Camerarius Franz Kram von einer Augenentzündung (lippitudo), die ihn ans Bett fessele;[574] im Juni 1559 geht eine Augenentzündung dem Erysipel voraus.[575] Lippitudo zwingt Camerarius auch 1562 im Haus zu bleiben, wie er in einem Brief an Hieronymus Baumgartner schreibt,[576] und im Oktober 1567 behindert sie ihn, als er einen Brief an Christoph von Karlowitz verfasst.[577] Ein Jahr später vergleicht sich Camerarius in einem Brief an Georg Cracow mit dem Greis in Plautus' Stück "Menaechmi", der klagt, im Sitzen schmerzten ihn die Lenden und beim Sehen die Augen.[578] Und auch gegenüber einem namentlich nicht genannten Empfänger klagt Camerarius am 29.11.1572, seine Augenentzündung sei ihm beim Schreiben lästig.[579]

Keine Krankheit im eigentlichen Sinne, aber dennoch bemerkenswert an dieser Stelle ist, dass Camerarius offenbar bereits seit seinem 24. Lebensjahr eine Brille benutzte: Theodor Kolde kennt einen Brief des Camerarius an Martin Luther von November 1524, in dem Camerarius sich überschwänglich für eine Brille (specula[580]) bedankt, die Luther ihm über Philipp Melanchthon zugeschickt hatte.[581] Er wundere sich, dass sich noch niemand gefunden habe, dem diese Brille helfe.[582] Die anderen glaubten ihm nicht und dächten, er wolle Luther schmeicheln, wenn er ihnen vorschwärme, wie scharf er mit der Brille sehe, was er ohne sie kaum und nur unscharf erkennen könne.[583] Es gebe aber bereits einige, die sich daran gewöhnten, Brillen zu tragen und für die so Hoffnung bestünde.[584]
Eine der Personen, die sich offenbar vom Konzept der Brille überzeugen ließ, war Helius Eobanus Hessus: Dieser bat Camerarius etwa zehn Jahre nach dessen Dankesschreiben an Luther, ihm eine Brille zuzusenden, die er auf die Nase setzen könne.[585] Am 13.10.1535 dann bedankt sich Hessus herzlich für die Zusendung.[586]

Nierensteine – eine Familienkrankheit

Das andere große Leiden, das Freyhub in seiner Grabrede erwähnt, das Camerarius über viele Jahre hinweg bis zu seinem Tod schwer zu schaffen machte und sein Leben nachhaltig beeinträchtigte, ging von seinen Nieren aus.[587] Die Ursache waren vermutlich Nierensteine, wie auch Camerarius' Sohn Joachim meinte; einige zeitgenössische Ärzte vermuteten allerdings eine Ulzeration der Harnblase. Da Camerarius sich aber aus Angst, die Lage zu verschlimmern, nie einer chirurgischen Behandlung unterzog und auch nicht zulassen wollte, dass man seinen Körper nach seinem Tod öffnete, wurde die Frage nie endgültig geklärt.[588] Für ein Steinleiden spricht nicht nur das bei Camerarius immer wieder auftretende Blut im Urin, sondern insbesondere auch die häufigen Schmerzattacken.[589]
Die Krankheit lag jedenfalls in der Familie: Auch Camerarius' 1522 verstorbene Mutter litt an Nierenproblemen, wie Joachim Camerarius d.J. notiert. Von der Erblichkeit dieser Krankheit ging man damals schon aus[590] und so rechnete auch Camerarius selbst damit, betroffen zu sein.[591] Vermutlich rührte von der familiären Erfahrung auch die Sicherheit, dass er von dieser Krankheit nicht mehr genesen werde: So zitiert Joachim Camerarius d.J. einen häufigen Ausspruch seines Vaters, nach dem die Krankheit zusammen mit ihm sterben werde.[592] In der Tat äußert Camerarius ähnliche Prognosen über viele Jahre hinweg in verschiedenen Briefen, das erste Mal am 14.01.1564 gegenüber Adrian Albinus.[593] Von einem Ringen mit seiner Krankheit spricht er auch ein knappes Jahr vor seinem Tod, am 12.07.1573, gegenüber einem namentlich nicht genannten Adressaten.[594]
An anderen Stellen orientiert sich der Wortlaut mehr an dem, den Camerarius' Sohn überliefert, einschließlich des Wortes συν(απο)θνῄσκειν ("mitsterben"), das auch das "Corpus Hippocraticum" verwendet.[595] So zählt Camerarius in einem Brief an Johannes von Schroeter zu denen, die "mitsterben", und leitet daraus ab, dass die Behandlung vor allem auf Linderung der Symptome zielen müsse, da Heilung unmöglich sei.[596] Auch in Briefen an Georg Cracow, Andreas Ellinger und Johannes Crato rechnet er seine Krankheit unter die "mitsterbenden".[597]

Der Krankheitsverlauf

Joachim Camerarius d.J. verortet den Beginn von Camerarius' Nierenleiden nach dessen 53. Lebensjahr, also nach dem Jahr 1553.[598] Weiterhin berichtet er von einem schweren Fall von Nierenschmerzen in Verbindung mit einer "Verstopfung des Unterleibs" (ἔκφραξις alvi), die Camerarius 1555 niederstreckte, während er sich aufgrund des Reichstags in Augsburg aufhielt.[599] Dies deckt sich mit Briefen an Hieronymus Baumgartner d.Ä. (dat. 04.06.1555) und Christoph von Karlowitz (dat. 05.08.1555), in denen Camerarius von einer Krankheit in Augsburg berichtet; die Nieren erwähnt er in beiden Fällen allerdings nicht explizit.[600] Am 9. August schreibt Melanchthon an David Chyträus, er selbst sei an einem Steinleiden mit akuter Kolik erkrankt und ein solches beginne auch Camerarius lästig zu werden.[601]
Der nächste schwere Anfall, von dem Camerarius in Briefen berichtet, traf ihn im Oktober und November 1560. So berichtet er Hieronymus Baumgartner am 01.11.1560, er habe die letzten Tage an heftigen Nierenschmerzen gelitten;[602] etwas später (dat. 11.11.1560) klagt er gegenüber Johannes Sinapius über Alter und Nierenbeschwerden.[603] Anfälle von Nierenkoliken suchen ihn von da an häufiger heim.
1562 hören wir explizit von einer schweren Nierenobstruktion am 20. Februar;[604] im Juli klagt Camerarius gegenüber Johannes Crato allgemein über seine Nierenbeschwerden[605] und im Herbst scheint er von einem weiteren akuten Anfall getroffen worden zu sein[606]. Eine Nierenobstruktion durch Steine (ἔμφραξις νεφριτική bzw. obstructio a calculis) machte Camerarius auch im folgenden Juni das Leben schwer, wie er in gleich zwei Briefen vom 09.06.1563 an Hieronymus Wolf und Jodokus Lorber schreibt.[607] Auch im August 1564 klagt Camerarius in einem Brief an Hieronymus Wolf, er schreibe diesen mit Mühe aufgrund seines Nierenleidens;[608] drei Tage nach diesem Brief berichtet er Franz Kram, nach einer Reise nach Schulpforta habe ihm eine Nierenentzündung (nephritis) zugesetzt.[609]
Zwei Jahre später schreibt Camerarius Johannes Crato, das Reisen belaste seine Nieren: Nach einer Reise nach Würzburg und seiner Rückkehr nach Leipzig sei sein Urin blutig gewesen.[610] Ähnliches findet sich in einem Brief an Matthias Stojus aus demselben Jahr.[611] An Georg Cracow schreibt Camerarius am 26.07.1566 wiederum von einer Nierenverstopfung durch Steine, die er noch nicht ausgeschieden habe,[612] und ein weiterer Brief an Johannes Crato vom 17.10.1566 zeugt davon, dass Camerarius' Nierenprobleme ihn von einer Reise nach Bamberg abhielten[613].

Besonders schwierig für Camerarius war mit Blick auf seine Nierenprobleme das Jahr 1567, in dem er schließlich mit einem halben Jahr Verspätung und trotz anhaltender Beschwerden die Reise nach Bamberg unternahm. So klagt Camerarius noch am 21. März in einem Brief an Johannes Crato über Nierenschmerzen verbunden mit Strangurie (Harnzwang).[614] Nichtsdestotrotz kam er am 31. März mit seiner Frau Anna in Bamberg an, wo er seinen Sohn Joachim traf.[615] Dies war ein Glücksfall, da Camerarius in Bamberg eine heftige Nierenkolik überraschte und sein Sohn immerhin Arzt war. Am 07. April kam die Familie Camerarius dann nach Nürnberg, wo sie bis Anfang Juni blieb;[616]
Hier war Camerarius gut versorgt, wie er am 24. April an Johannes Crato und Franz Kram schreibt.[617] Ein Ausflug zu Pferde zu einer Verwandten seiner Gattin in der Umgebung Nürnbergs, den Camerarius trotz seines gesundheitlichen Zustands unternehmen wollte,[618] schlug allerdings fehl: Wie er Franz Kram wenige Tage später mitteilt, mussten sein Sohn und seine Frau Camerarius eine Meile vor dem Ziel im Kloster Heilsbronn zurücklassen.[619] So schreibt Camerarius am 1. Mai wiederum am Christoph von Karlowitz, er halte sich bei seinem Sohn in Nürnberg auf, der sowohl sein Gastgeber als auch sein Arzt sei.[620]
Johannes Crato zeigt sich in Wien mitleidig: Nicht alle seien stark genug, um Krankheit und Alter geduldig ertragen zu können; er freue sich, dass Camerarius' Sohn sich um ihn kümmere.[621] Gleichzeitig verbreitete sich offenbar das Gerücht, dass Camerarius dauerhaft in Nürnberg bleiben oder zumindest nicht an die Universität Leipzig zurückkehren werde: Mit ausgelöst wurde dieses Gerücht offenbar durch Briefe Caspar Peucers an Johannes Crato, wie dieser erwähnt. So schrieb Peucer am 29.05.1567, Camerarius verbleibe noch mit schweren Nierenproblemen in Nürnberg und sei zum Reisen nicht in der Lage.[622] Explizit erwähnt Crato einen Brief Peucers vom 3. Juni, in dem Peucer geschrieben habe, es bestehe angesichts von Camerarius' gesundheitlichen Problemen kaum Hoffnung, dass er nach Leipzig zurückkehren könne; Crato zeigt sich in Briefen an Camerarius und seinen Sohn erleichtert, nachdem er einem Brief des jüngeren Camerarius entnommen hat, dass dessen Vater sehr wohl nach Leipzig zurückzukehren gedenke.[623] Peucers Brief ist leider nur in einer unvollständigen Abschrift erhalten, der Abschnitt über Camerarius' schlechte Gesundheit fehlt dort.[624] Auch Matthias Stojus hatte gehört, Camerarius wolle sich in dauerhaft in seiner Heimat (Bamberg oder Nürnberg) niederlassen und nicht mehr an die Universität zurückkehren. Wie Crato zeigt er sich erleichtert über die Nachricht, dass dies nicht der Wahrheit entspreche.[625] Camerarius hatte freilich zumindest Crato bereits am 25. Mai mitgeteilt, er wolle innerhalb eines Monats nach Leipzig aufbrechen;[626] ebenfalls im Mai entstand laut Stojus Camerarius' Brief, der Stojus nach dessen Zeugnis die Sorge nahm, Camerarius werde nicht mehr nach Leipzig zurückkehren.[627]
Tatsächlich erfolgte der Aufbruch, wieder über Bamberg, Anfang Juni, zwischen dem 07.06.1567, an dem Camerarius noch aus Nürnberg an Crato schreibt,[628] und dem 12.06.1567, als Camerarius einen Brief an Denis Lambin aus Bamberg adressiert[629]. Camerarius' Nierenleiden plagte ihn nach Zeugnis des Briefes an Crato immer noch, auch wenn es ihm ansonsten recht gut ging.[630] Crato antwortet mit explizitem Bezug auf Camerarius' Brief, es freue ihn, dass es Camerarius besser gehe, als er gedacht habe;[631] am 11. August freilich muss er Camerarius dann doch wiederum bedauern, dem sein Nierenleiden erneut Probleme bereite,[632] und Camerarius selbst schreibt bereits am 07. August an Georg Cracow, seine Nierenbeschwerden ließen nicht nach, sodass zu befürchten stehe, dass sie chronisch würden; außerdem machten sie ihm das Reiten unmöglich, da er heftige Bewegungen nur schwer ertragen könne.[633] Auch bei dem Anfall der "üblichen Krankheit", von dem Camerarius Christoph von Karlowitz am 05.11.1567 schreibt, wird es wieder um die Nieren gehen.[634] Johannes Crato wollte das Thema auf sich bewenden lassen, nachdem Caspar Peucer ihm geschrieben hatte, es stehe schlecht um Camerarius; dieser habe Crato vermutlich nur deshalb Gegenteiliges geschrieben, um diesen zu beruhigen.[635]

Auch im Folgejahr 1568 begleiteten Camerarius' gesundheitliche Probleme ihn weiter, wie er etwa Ulrich von Mordeisen mitteilt.[636] Doch als ihn der Kaiser zum Religionsgespräch nach Wien einlud, konnte Camerarius schlecht nein sagen, auch wenn er zu derselben Zeit wieder über Blut im Urin klagte.[637] An Christoph von Karlowitz schrieb Camerarius daher am 09. August, er wolle zuerst zu diesem (nach Rothenhaus) reisen und dann sehen, ob er weiterreisen könne.[638] Doch bereits am 15. August schreibt Camerarius, er werde tun, was man ihm befehle, und nach Wien kommen, allerdings in dem Tempo, wie es ihm möglich sei.[639] Und so kam Camerarius um den 20. August herum tatsächlich nach Rothenhaus,[640] am 31. August nach Prag[641] und um den 8. September nach Wien,[642] von wo aus er sich am 26.10.1568 gegenüber Georg Cracow über seine Nierenschmerzen beklagt[643]. Der Rückweg aus Wien im kalten Wetter des Novembers 1568 tat laut Camerarius' Sohn Joachim ein Übriges, um die Nierenbeschwerden langfristig zu verschlimmern.[644]
Für 1569 verzeichnet Camerarius' Sohn eine schwere Dysurie; in seiner Notiz äußert er Bewunderung für seinen Vater, der aufgrund seiner Schmerzen oft ganze Nächte nicht habe schlafen können, der sich aber bei der geringsten Besserung seines Leidens der Lektüre oder dem Schreiben gewidmet habe.[645] In Briefen an Christoph von Karlowitz klagt Camerarius über seine schlechte Gesundheit[646] und berichtet von einem schweren akuten Anfall an Blasen- und Unterleibsschmerzen, bei dem zum Glück sein Sohn anwesend gewesen sei. Alle hätten Camerarius dafür bewundert, dass er in seinem Alter solche Schmerzen ertragen könne.[647] Abhilfe gab es offenbar tatsächlich keine, im Gegenteil scheint die Medizin, die Camerarius nahm, das Leiden bisweilen eher verschlimmert zu haben.[648] So begleiteten Camerarius' Nierenprobleme ihn auch durch seine letzten Jahre. Allgemeine Klagen über seine Gesundheit finden sich für 1570 in Briefen an Georg Cracow vom 30. Januar[649] und Hubert Languet vom 5. März[650]. Von akuten Anfällen schreibt Camerarius am 12. Februar an Karlowitz[651] und am 15. Juli an Hermann von Neuenahr d.J.[652]
Bei einer schweren Attacke Anfang Oktober waren wieder die medizinischen Kenntnisse von Joachim Camerarius d.J. gefragt, da Camerarius sich gerade in der fränkischen Heimat aufhielt.[653] Wie bereits 1567 folgte darauf ein längerer Aufenthalt in Nürnberg,[654] den neben der Krankheit auch das schlechte Wetter und die Gründung der Hohen Schule in Altdorf bedingten.[655] Kurz vor Weihnachten 1570 trafen ihn erneut schwere Nierenbeschwerden.[656] So musste Camerarius' Sohn Joachim wiederum zugleich Gastgeber und Arzt sein, wie er in Anlehnung an die Formulierung seines Vaters schreibt. Dieser Aufenthalt in Nürnberg war nach dem Zeugnis seines Sohnes auch der letzte Aufenthalt des Camerarius in Franken; seine gesundheitliche Situation und die Jahreszeit machte ihn zu einem schier unmöglichen Kraftakt, der Camerarius aber unvermeidbar erschien.[657] Immerhin konnte er so der Hochzeit seines Sohnes Philipp beiwohnen.[658] Die Rückkehr nach Leipzig erfolgt nach dem Zeugnis eines Briefs an Hubert Languet vor Ende März 1571.[659]
Nachricht von Camerarius' gesundheitlicher Lage gelangte offenbar bis nach Preußen: Am 13.08.1571 erkundigt sich Matthias Stojus nach Camerarius' Gesundheit, nachdem er gehört hat, dass Camerarius schwer an Nieren- oder Blasenschmerzen leide.[660] Camerarius antwortet darauf am 5. Oktober, er versuche die Krankheit wie ein Philosoph zu ertragen (φιλοσοφεῖν).[661] Seinen Gesundheitszustand im Jahr 1571 fasst er am 19.11.1571 in einem Brief an Georg Cracow summarisch zusammen als "immer schlecht, bisweilen sehr schlecht", während er mit einem neuerlichen Anfall ringt; darunter litten auch seine Studien.[662] Entsprechend sah Camerarius sich 1571 auch nicht mehr in der Lage, eine Übersetzung von Diophants "Arithmetik" anzufertigen, nachdem er von Andreas Dudith nach jahrelanger Suche eine Abschrift dieses Werks erhalten hatte (→ Mathematische Wissenschaften).[663]
Bis zu Camerarius' Tod folgte dann ein Anfall seiner Krankheit auf den anderen. Von einer besonders schweren Attacke in einer bereits schweren Zeit schreibt er Johannes Crato am 25.07.1572.[664] Am 26. September dann leidet er laut einem Brief an Hieronymus Wolf seit einer Woche an einer neuen Nierenkolik[665] und auch im November traf es ihn erneut schwer.[666] Über Strangurie zur Sonnenwende (11.06.) 1573 klagt Camerarius zwei Monate später in einem Brief an Hermann von Neuenahr d.J.[667] Im Juli 1573 verfasst Camerarius einen Brief an einen namentlich unbekannten Adressaten, obwohl er zum Schreiben aufgrund eines erneuten Anfalls eigentlich kaum in der Lage sei.[668] Zur Trauer um seine Frau Anna, die am 15. Juli starb, gesellte sich am 28. August auch körperliche Schmerzen aufgrund des Nierenleidens,[669] das in der Folge nach Zeugnis seines Sohnes wie alle seine Krankheiten immer schlimmer wurde[670].

Behandlungsversuche

Über die Art, wie Camerarius versuchte, sein Nierenleiden in den Griff zu bekommen, wissen wir nicht allzu viel. Nach Zeugnis seines Sohnes Joachim wandte er zahlreiche Heilmittel an, jedoch ohne Erfolg.[671] Für das Jahr 1569 notiert Joachim Camerarius d.J. nicht nur eine heftige Dysurie, sondern auch Ratschläge von auswärtigen Ärzten; Camerarius habe aber bereits damals die chronische Natur seines Leidens erkannt.[672] Einer dieser auswärtigen Ärzte war offenbar der Königsberger Severin Göbel, der laut einem Brief des Camerarius an Matthias Stojus 1566 in Leipzig war und Camerarius Tabletten mit Bernsteinöl verschrieb.[673] Dieselben wird Camerarius auch meinen, wenn er am 11.05.1566 Johannes Crato mitteilt, sein Arzt habe ihm ein harzreiches Medikament (θεραπεία ῥητινώδης) verschrieben.[674]
Auch Matthias Stojus selbst fragt Camerarius um Rat: So bittet er den Königsberger Medizinprofessor und Leibarzt Albrechts von Preußen nicht nur um dessen Zweitmeinung zu Göbels Bernsteintabletten. Stojus schickt Camerarius auch zur gleichen Zeit, jedoch bereits bevor er Camerarius' Nachfrage erhält, einen ausführlichen Brief mit Rezepten für Medizin und Umschläge, die Camerarius helfen sollen.[675] 1572 bedauert Stojus dagegen, dass er Camerarius nicht besser helfen kann, da er ihn zu einer genaueren Untersuchung persönlich treffen müsste.[676] 1570 kam es laut einem Brief des Camerarius an Johannes Sambucus aufgrund von Medikamenten zu Komplikationen, sodass Camerarius in der Folge auf Medikation verzichten musste.[677] Welches Medikament die Komplikationen hervorgerufen haben soll, ist ebenso unklar wie die Frage, wie lange der Medikamentenverzicht andauerte.
Eine Behandlungsmethode, die in Camerarius' Fall zu seiner Zeit auf jeden Fall üblich war, ist wiederum das Bad. Dahinter stand vermutlich die Hoffnung, dass die Hitze die Harnwege erweitern und so dem Stein zum Abgang verhelfen würde.[678] Camerarius, der sich dessen offenbar bewusst war, schreibt am 12.06.1572 an Hieronymus Wolf, er würde daher wohl regelmäßig die Thermen aufsuchen, und vermutlich nicht ohne Nutzen, wenn es nur welche in der Nähe gäbe.[679] Doch anders als in seiner Tübinger Zeit war dies in Leipzig nicht der Fall; längere Reisen erschwerten Camerarius nicht nur sein Alter und sein Gesundheitszustand, sondern auch seine intensive Einbindung in das Universitätsgeschehen.
Letztes Mittel wäre wohl eine Lithotomie (Steinschnitt) gewesen, die insbesondere dann angewandt wurde, wenn der Stein den Blasenausgang blockierte.[680] "Ein erfolgreicher Eingriff konnte eine lange, schwere Leidenszeit auf geradezu wundersame Weise beenden."[681] Camerarius aber war gegenüber chirurgischen Eingriffen sowohl bei seinem Geschwür als auch bei seinem Nierenleiden stets skeptisch (s.o.); selbst eine Sektion nach seinem Tod wollte er nicht zulassen.[682] Mindestens zwei der Ärzte, mit denen Camerarius Kontakt hatte, standen der Lithotomie äußerst skeptisch gegenüber: Matthias Stojus schreibt am 25.08.1570, der Theologe Joachim Mörlin wolle seinen Blasenstein herausschneiden lassen, obwohl Stojus davon abgeraten habe, und äußert leise Hoffnungen, dass Mörlin die Operation nicht überleben werde;[683] dieser starb tatsächlich am 23.05.1571 "an den Folgen einer unglücklichen Steinoperation"[684]. Auch Johannes Crato schreibt zwar, ein Bekannter von ihm sei durch einen Steinschnitt geheilt worden, er wolle Camerarius angesichts von dessen Alter aber nicht dazu raten.[685] Letztlich wäre bei einer Lithotomie ebenso wie bei einem Blasenkatheter aber ohnehin unklar, inwiefern die Behandlung Camerarius genutzt hätte, da beides nur Abhilfe schaffen konnte, wenn der Blasenausgang blockiert war. Wie Camerarius am 09.10.1573 in seinem Antwortbrief an Crato schreibt, waren bei ihm aber die Nieren betroffen, sodass der Stein ohnehin nicht erreichbar gewesen wäre.[686]

Familiäres

Schon zu Camerarius' Zeit war bekannt, dass Steinleiden auch erblich bedingt auftreten.[687] Mithin war Camerarius seit dem Leiden seiner Mutter mehr oder weniger klar, dass es eines Tages auch ihn treffen würde, auch wenn er zwischenzeitlich Hoffnung schöpfte, dass er doch verschont bleiben würde.[688] Doch geht man nach einem Brief Wolfgang Meurers an Camerarius, so war nicht nur Camerarius selbst, sondern auch seine Frau Anna von Nierensteinen betroffen: Jedenfalls verschrieb Meurer ihr eine Salbe gegen eine Nierenobstruktion.[689]
Außerdem litt auch Camerarius' Tochter Magdalena unter Nierensteinen, wie Andreas Dörer Joachim Camerarius d.J. am 26.03.1590 mitteilt.[690] Einen Tag später schreibt Dörer an Joachim Jungermann, den Sohn von Camerarius' Tochter Ursula und Caspar Jungermann, seine Mutter leide an Nierensteinen und seine Tante (Magdalena) plage das alte Leiden; mit diesem wird nach Auskunft des vorher genannten Briefes ebenfalls der Stein gemeint sein.[691] Wie bei ihrem Vater, so führte auch bei Magdalena das Steinleiden offenbar zum Tod: Am 14.06.1590 schreibt Andreas Dörer Joachim Camerarius d.J., um Magdalena stehe es sehr schlecht und sie sei in großer Gefahr;[692] am 29. August teilt Dörer Joachim Jungermann dann mit, seine Tante sei vor einem Monat gestorben.[693]

Krankenbett und Tod

Nach dem Tod von Camerarius' Frau Anna verlor dieser laut seinem Sohn Joachim zunehmend an Kraft; sein Alter machte sich nun ebenso immer mehr bemerkbar wie sein Nierenleiden. Letzteres war es wohl hauptsächlich, das Camerarius schließlich zu dauerhafter Bettruhe zwang. Mangel an Schlaf (vigilia) und Nahrung (ἀσιτία) (ob freiwillig oder aus Mangel an Hunger, lässt sein Sohn unklar) raubten ihm zunehmend die körperliche Kraft. Offenbar war er jedoch bis zum Ende im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte und in der Lage, seinen Zustand zu analysieren.[694] Camerarius starb am 17. April um 6 Uhr abends im Alter von 74 Jahren und 5 Tagen in Leipzig;[695] sein Schüler Gregor Bersman verglich die Bedeutung von Camerarius' Tod für die Leipziger Universität mit der von Melanchthons Tod für die Wittenberger Universität.[696]
Sein Testament sieht für den Tag seines Begräbnisses großzügige Almosen für die Armen vor; großen Prunk wünscht Camerarius explizit nicht.[697] Obwohl nach Zeugnis seines Sohnes die Universität und ganz Leipzig um ihn trauerten, wurde ihm zumindest der letztere Wunsch gewährt; seine Ruhestätte fand er, ebenfalls wie von ihm gewünscht, neben seiner Frau Anna[698] im Familiengrabmal auf dem alten Gottesacker in Leipzig; die verlorene Grabinschrift überliefern Stepner 1675 und Hiller von Gaertringen 2011.[699] Die Beerdigung fand am 19. April statt. Im Anschluss an die Bestattung begaben sich "die gantze Universität und der Rath" vom Gottesacker in die Paulinerkirche, wo Andreas Freyhub die oben erwähnte Leichenpredigt hielt.[700] Dort wurde außerdem, entsprechend Camerarius' testamentarischer Verfügung,[701] ein Bild[702] mit einem Epitaph aufgestellt, das exakt dem von Camerarius gewünschten entsprach.[703]

Das Fazit seines Sohnes zeigt ihn als einen ernsten und wenig gesprächigen Mann, der unter Freunden aber auch gerne aus sich heraus ging.[704] Körperlich sei er keineswegs fragil gewesen und habe große Ausdauer bewiesen; oft habe Camerarius gescherzt, dass ihm Hunger so fremd sei, dass er gar nicht wisse, was Galen meine, wenn er dieses Gefühl beschreibe.[705] Camerarius sei bescheiden gewesen und habe nicht nach Ehren gestrebt; die Verwaltung der Finanzen habe er seiner Frau überlassen.[706] Entsprechend habe er einen Spruch geprägt, den auch Hieronymus Wolf in seinem Werk zur Suida zitiert: Wann immer Camerarius gemerkt habe, dass jemand in seinem Haus nach etwas Unnötigem strebte, habe er gesagt: Disce carere! ("Lerne zu entbehren!").[707] Er sei so wenig eitel gewesen, dass er nicht einmal zulassen wollte, dass man ein Portrait von ihm malen ließ.[708] Entsprechend konnte Joachim Camerarius d.J. auch Hugo Blotius nicht weiterhelfen, als dieser für eine Sammlung ein Portrait von Camerarius suchte.[709] Schließlich erwähnt Joachim Camerarius d.J. auch die Studien seines Vaters, denen dieser sich ununterbrochen hingab, und dessen Liebe zu Pferden, die sich in umfangreichen hippologischen Schriften äußerte (→ Naturkunde).[710]

Krankheit als Impulsgeber

Immer wieder waren Krankheiten für Camerarius auch Anlass zur Beschäftigung mit antiker Literatur oder eigener literarischer Tätigkeit. Antonius Niger rät Camerarius am 03.08.1536 im Kontext von dessen Fußleiden zu körperlicher Betätigung; in demselben Jahr erscheint im Rahmen von Camerarius' Druck "Praecepta vitae puerilis" auch sein Dialog "De gymnasiis", in dem es um die Bedeutung des Sports in der Erziehung geht. Der Widmungsbrief des Bandes ist bereits auf den 18. Mai datiert, doch er erwähnt "De gymnasiis" nicht explizit und das Werk ist nur das dritte von drei in dem Band enthaltenen. Möglicherweise war es also von Nigers Brief inspiriert und kam erst spät im Druckprozess hinzu. Ebenso gut kann aber auch Nigers Brief sich "De gymnasiis" zum Anlass genommen haben, oder es besteht kein Zusammenhang zwischen beiden Werken.

Immerhin nennt aber Camerarius' Sohn Joachim das Fußleiden seines Vaters als Anlass zu dessen Beschäftigung mit Galen und anderen griechischen Ärzten. Allerdings, so plausibel ein Zusammenhang erscheint, verortet er den Beginn dieser Beschäftigung erst ins Jahr 1539[711] und Camerarius' Galenedition erschien bereits 1538; außerdem bat Philipp Melanchthon Camerarius bereits 1533 wegen seiner Galenkenntnisse um Unterstützung beim Verfassen seiner Schrift "De anima".[712] Die Bedrohung durch die Pest führte außerdem zur Entstehung von Camerarius' Schrift über den Theriak (s.o.).
Nach Selbstaussage von Camerarius begann er seine Übersetzung von Theodorets Kirchengeschichte im Sommer 1535,[713] nachdem er aufgrund seines Fußleidens ans Bett gefesselt das in Basel edierte griechische Original und die schlechte Übersetzung des Epiphanius Scholasticus gelesen hatte.[714] Die Krankheit, die 1538 in Zusammenhang mit seinem Geschwür aus seinem Gewaltritt von Tübingen nach Wittenberg und zurück resultierte, führte dazu, dass er Xenophons Werk "Περὶ ἱππικῆς" las und zu übersetzen begann; außerdem fing Camerarius an, selbst ein hippologisches Werk zu verfassen, wie er Georg von Loxan in seinem Widmungsbrief vom 18.03.1539 mitteilt.[715] Das Ergebnis dieser Arbeit war der Druck "De tractandis equis", der Camerarius' Xenophonübersetzung und sein eigenes Werk "Hippocomicus" enthält (→ Naturkunde), dazu eine numismatische Abhandlung. Sowohl bei der Theodoretübersetzung als auch beim hippologischen Kompendium waren es nach Aussage des Camerarius Freunde, die als Krankenbesuch zu ihm kamen, die ihn darauf brachten, die literarische Produktion zu beginnen.
1563 oder 1564 teilt Camerarius Adrien Turnèbe mit, er sei während einer Krankheit auf Plutarchs Werk "De defectu oraculorum" ("Περὶ τῶν ἐκλελοιπότων χρηστηρίων") gestoßen und habe begonnen, dieses zu übersetzen. Diese Übersetzung habe er nur deshalb abgebrochen, weil ihm jemand mitgeteilt habe, dass es bereits eine lateinische Übersetzung von Turnèbe gebe.[716] Während seines langen Aufenthalts in Nürnberg im Jahr 1567 begann Camerarius die Arbeit an den Werken, die 1598 posthum im Druck "De rebus Turcicis" erschienen, wie ein Brief des Camerarius an Johannes Crato vom 25.05.1567 bezeugt.[717]
Auch soll nicht unerwähnt blieben, dass Camerarius, als er am 14.06.1559 zusätzlich zu seinen gerade akuten Augenproblemen auch noch am einem erysipelartigen Ausschlag zu leiden begann (s.o.), anfing, sich über mathematische Probleme Gedanken zu machen; er entschied sich schließlich, seinen Schwiegersohn um Rat zu frage, den Leipziger Mathematikprofessor Johann Hommel, in dessen Spezialgebiet die Frage fiel (→ Mathematische Wissenschaften).

So zeigt sich, wie Camerarius selbst schwere gesundheitliche Krisen immer wieder zum Anlass nahm, sich in seine Studien zu vertiefen. Auch die wiederkehrenden Pestwellen nahm Camerarius immer wieder zum Anlass zu Lektüre und literarischer Produktion (s.u.). Das Bild des unermüdlich studierenden Gelehrten, das Joachim Camerarius d.J. von seinem Vater zu zeichnen sucht, bestätigt sich so auf beeindruckende Weise.[718]

(Alexander Hubert)

Badbesuche

In Camerarius' Korrespondenz haben die Themen "Badbesuche" und "Thermen" in der Tübinger Zeit (1535-1541) verstärkt Konjunktur. Camerarius setzt die warmen Bäder in erster Linie zur Linderung seines chronischen Beinleidens ein, das ihn seit 1528 beeinträchtigt (↑ Malum pedis inveteratum – Ein hartnäckiges Geschwür) und sich in den 1530er Jahren zusehends verschlimmert.[719] Camerarius wurde mit zum Teil äußerst schmerzhaften Episoden konfrontiert und war dadurch auch in seiner Mobilität eingeschränkt.[720] Tübingen und der Schwarzwald boten eine Reihe von Kurbädern, die Camerarius besucht (Bläsibad, Bad Wildbad, Bad Antogast), auch nutzt er privat Wannenbäder mit erwärmtem Thermalwasser.[721] Große Hoffnungen setzt er auf einen Kuraufenthalt in dem berühmten Thermalbad von Plombières in den Vogesen, zu dem er im Mai 1540 reist, das er jedoch aufgrund eines Seuchengeschehens nach drei Wochen bereits verlassen muss[722] (geplant war ein – üblicher – Aufenthalt von einem Monat[723]). Auch dieser Aufenthalt brachte keine Heilung für das Bein; Abhilfe schaffen konnte erst eine Guajak-Kur, für die sich Camerarius nach einigem Zögern – auch aufgrund der Warnungen von Helius Eobanus Hessus und Georg Sturtz – entschieden hatte.

Anscheinend hatte Camerarius sich bereits in Nürnberg mit dem Gedanken getragen, gegen die Geschwulst am Bein nicht nur warme Bäder (thermae) aufzusuchen,[724] sondern, nachdem sich das Geschwür bis zum Fuß ausgebreitet hatte, auch Guajak anzuwenden, wie er Sturtz schreibt.[725] Hessus versucht (zunächst erfolgreich), ihn mit der nachdrücklichen Empfehlung konkreter Heilbäder davon abzubringen.[726] Doch scheint Camerarius erst mit seinem Umzug nach Tübingen Thermenbesuche forciert zu haben, über deren potentiell heilsame Wirkung auf sein Bein er des öfteren auch mit dem befreundete Arzt Johannes Meckbach diskutiert hat, wie er in einem Brief an Antonius Niger berichtet.[727] Niger schreibt zurück,[728] er hoffe auf Besserung, wenn Camerarius auf den Rat von Meckbach und anderen Ärzten höre; er solle aber im Bad seinen geistigen Aktivitäten auch körperliche vor Frühstück und Abendessen hinzufügen: Diese seien generell unabdingbar für eine beständige Gesundheit, während dauernde Studien diese unmerklich schwächten; er solle also seinen Geist freistellen und Mühe auf den Körper verwenden.[729]

Ob Camerarius die 'Bewegungsangebote' in den Thermen und der Peripherie nutzte,[730] wissen wir nicht; wohl aber, dass er die Thermen auch als Orte der Zerstreuung sah[731] und mit verschiedenen Begleitern dorthin reist (mit Caspar Volland etwa zu heißen Quellen und einer Schlucht im Schwarzwald, ggf. Bad Liebenzell mit seiner berühmten Monbachschlucht oder Bad Wildbad im Enztal;[732] mit einem gewissen "Lydius", den Camerarius nach dem Tod Claude de Férays tröstet, nach Bad Wildbad, wohin auch Johannes Sturm reiste, um den Verlust des geschätzten Kollegen zu verarbeiten[733]) oder reisen wollte: So animiert er etwa nach erneuten heftigen Schmerzen im Bein Daniel Stiebar und Moritz von Hutten, über eine gemeinsame Reise nach Plombières nachzudenken, wobei er den Brief angeblich direkt aus einem warmen Wannenbad (so dürfte hier in aquis calidis zu verstehen sein) schreibt.[734] Diese illustre, transkonfessionelle Badegesellschaft kam nicht zustande, doch sendet Camerarius später, nach seiner Ankunft in Plombières Anfang Mai 1540, eine Abbildung des Bades (wohl in Form eines Einblattdruckes mit Text, s.u.) an Stiebar und bittet auch um Weiterleitung an Hutten.[735]

Mit Dichtungen wendet er sich aus diversen Bädern an Freunde, so etwa mit einem Briefgedicht aus dem Tübinger Bläsibad im Juni 1536 an Bartholomäus Amantius (OCEp 0147), den er auffordert, die von ihm versprochenen Verse zu schicken bzw. gleich damit ins Bad zu kommen. Ebenfalls mit einem Briefgedicht von einer warmen Quelle im "Germanenwald"[736] beehrt er Ende April 1537 Jakob Micyllus (OCEp 0150): Es gefalle ihm, so Camerarius, dort durchaus, doch langweile er sich während der langen Bäder und des langen Aufenthaltes, hoffe aber freilich auf Heilung durch Gottes Gnade. Angesichts der schönen Topographie denke er über Natur und Geologie des Ortes und der warmen Quellen nach und schon sei die Zeit kürzer. Aus einer (wohl nur mäßig erfolgreichen) weiteren Badekur im Schwarzwald (Nos hic Herciniae laticosa valle sedemus / Et morbi in tepidis medicamina quaerimus undis. / Scire cupis quid opis sit adhuc mihi forte repertum? / Re modicum sed me spes consolatur, & audet / Tristibus eventum multis promittere laetum, vv. 5-9) schickt er 1539 ein Briefgedicht an Caspar Volland und entschuldigt sich für die Qualität der im Bad verfassten Verse (erklärt aber, dass er nicht vor dem zuvor festgelegten Termin abreisen werde).

Camerarius' Reise nach Plombières und der dortige Badebetrieb sind Gegenstand mehrerer Gedichte.[737] So verfasst er

  1. ein Hodoeporicon an die Straßburger Freunde (OCEp 1531, "Ὁδοιπορική Plumbaria ad amicos Argentinenses"), die er auf der Reise zum Bad besucht hatte. Die 60 elegische Distichen umfassende Dichtung beschreibt die Etappen der Anreise und die Ankunft und thematisiert die Hoffnung auf Heilung, der mit Gebeten Nachdruck verliehen wird;[738]
  2. ein launiges, leicht anzügliches Gedicht über den Badebetrieb in Plombières (OC 0590, "De thermis Plumbariis") im Umfang von 145 Hendekasyllaben, das sicherlich auch von dem berühmten Brief Poggios an Niccolò Niccoli (dat. 19.05.1416) über das lockere Treiben in Baden bei Basel beeinflusst ist.[739] Bei den "Thermae", für deren Zusendung sich Meckbach am 30.04.1542 bei Camerarius bedankt,[740] dürfte es sich um dieses Gedicht handeln; im Druck erscheint es erst 1553 und zwar in Conrad Gessners Verzeichnis der Heilbäder in der Schweiz und in Deutschland, das dieser zur Bäderschriftensammlung Tommaso Giuntas (dem sog. "Corpus Venetum de balneis") beisteuerte. Im abschließenden Unterkapitel "De Plumbariis thermis in Lothoringia" (die speziell, so Leonhart Fuchs als Referenz, auch für die Behandlung bösartiger und schwer zu behandelnder Geschwüre geeignet seien, 298r) findet sich sowohl das Gedicht des Camerarius (298r/v) als auch ein Holzschnitt (299r), welcher – wie das Gedicht – die bunte Badegesellschaft im Großbecken des öffentlichen Bades zeigt, zudem die das Becken umgebenden Wirtshäuser mit diversen Akteuren dazwischen sowie die Topographie des Ortes. Einen derartigen Holzschnitt dürfte Camerarius als lokales Souvenir seinem Brief an Daniel Stiebar vom 04.05.1540 (OCEp 1018) beigelegt haben (En vero tibi nostras plumbarias descriptas & depictas).[741] Wenn man descriptas & depictas nicht als Hendiadyoin liest, war die Abbildung von einem Text begleitet, ggf. auf einem Flugblattensemble (außer es handelt sich, was unwahrscheinlich ist, bei der Textbeigabe bereits um eine handschriftliche Kopie von Camerarius' Gedicht).[742] Camerarius wird sich freilich nicht in dem von ihm so ironisch beschriebenen, turbulenten 'Sammelbecken' im Freien aufgehalten haben, sondern räumlich davon getrennt ein exklusiveres Bad oder eine Einzelwanne genutzt und als elitärer Gast 'von außen' auf das Geschehen geblickt haben;[743]
  3. ein (undatiertes) Briefgedicht an Johannes Hospinianus (OCEp 0159), das motivisch den beiden Dichtungen nahesteht,[744] aufgrund der Beschreibung des 'international' besuchten Badehotspots sicherlich auf Plombières zielt und vor Ort im Mai 1540 entstanden sein dürfte. An Hospinianus schreibt er wohl 1540 (im Druck: 1560) ein weiteres Briefgedicht (OCEp 0189), angeblich aus einem heißen Wannenbad, das er mit einer Fuhre Wasser aus Bläsibad zubereiten ließ.[745]

Auf Plombières, dessen Heilwasser insbesondere gegen Geschwüre helfen sollte (s.o.), hatte Camerarius große Hoffnungen gesetzt (so ist auch die Göttin Spes Leitfigur seines Hodoeporicon), nachdem die Aufenthalte in den lokalen Thermen bzw. Bädern nicht den gewünschten Erfolg zur Linderung seines Beinleidens zeitigten,[746] bzw. es ihm danach sogar schlechter ging[747]. Im Frühjahr 1540 ringt er sich zur Konsultation eines Chirurgen in Bad Königshofen durch, der schon den pfälzischen Kurfürsten von einem chronischen Beinleiden kuriert hatte, Camerarius aber nicht kurzfristig behandeln kann. Den Sturz vom Pferd auf dem Rückweg bei Pforzheim wertet er als schlechtes omen und beschließt, den Thermen doch noch einmal den Vorzug vor einer chirurgischen und einer medikamentösen Behandlung zu geben und einen späteren Termin bei dem genannten Chirurgen nicht wahrzunehmen.[748]

Anfang Mai befindet sich Camerarius dann nach einer mehrtägigen Reise mit Zwischenhalt in Straßburg in Plombières.[749] Dort angekommen, wendet er sich sogleich brieflich an Daniel Stiebar und spricht eine Empfehlung des Bades für einen nicht genannten Freund desselben aus, da es dort sehr erfahrene Ärzte gebe (Camerarius wurde sicherlich vor Ort zunächst befragt und untersucht und erhielt dann einen individuellen Kurplan, der neben den Bädern auch andere, purgative Maßnahmen umfasst haben dürfte).[750] Da er wegen eines Seuchengeschehens Plombières bereits nach 21 Tagen verlassen muss, besucht er auf seiner Rückreise noch das zwischen Straßburg und Tübingen gelegene Bad Antogast. Aus Tübingen berichtet er Stiebar im August, dass er die Thermen (in Plombières) nicht so nutzen konnte, wie geplant, dass aber seine Erwartungen erfüllt worden seien.[751] Dies muss er allerdings in einem Brief an Hieronymus Baumgartner vom Mai 1541 revidieren:[752] Er sei von einem zurückliegenden Badaufenthalt geschwächt, spüre kaum Besserung, hoffe aber noch darauf. Doch habe ihn die Hoffnung nach seinem Aufenthalt in Plombières ein Jahr zuvor auch hingehalten. Im April und Mai 1542 unterzieht sich Camerarius dann der Guajak-Kur und erteilt der Bad-Empfehlung Hieronymus Baumgartners eine Absage, da diese Therapie ihm bisher nur Beschwerden bereitet habe.[753]

Über Bäderreisen von Leipzig aus, wo er von 1541 bis 1574 lebt, berichtet Camerarius (zumindest in den gedruckten Briefen) nicht.[754] Dies mag einerseits an der Guajak-Kur liegen, die anders als die Badtherapien erfolgreich verlief, zum anderen an der mangelnden Nähe von Thermalbädern. So schreibt Camerarius in den letzten Lebensjahren, die von einem schmerzhaften Nierenleiden geprägt waren, an Hieronymus Wolf, dass er auch die Thermen aufsuchen würde (und dies nicht ohne Gewinn), wenn sie so nahe wären wie einst in Tübingen.[755]

(Marion Gindhart)

"Pest" und Epidemiegeschehen

Von den "mehr oder weniger regelmäßig wiederkehrende(n) Seuchenzüge(n)"[756] des 16. Jahrhunderts sind in Camerarius' Korrespondenz mehrere epidemische Ereignisse an verschiedenen Orten dokumentiert, die ihn, seine Familie und Bekannten sowie die Institutionen, an denen er tätig war, betrafen. Immer wieder begegnet hierbei die 'Pestflucht' als sicherste Option des Selbstschutzes, freilich nur für diejenigen Vertreter der Ober- und Mittelschicht, die es sich - wie Camerarius - leisten konnten, die Pestorte zu verlassen und sich in das Umland (etwa auf Landsitze) oder in andere Städte zu begeben.[757]

Die Pest in Nürnberg 1533/34

Als von Juli 1533 bis Februar 1534 wieder einmal die Pest in Nürnberg grassierte[758] und die Fluchtbewegungen der (begüterteren) Nürnberger Bürger auch die Obere Schule verwaisen ließen, zog sich Camerarius mit seiner Familie auf Gut Eschenau zurück, das sich im Besitz der Nürnberger Linie seiner Frau befand.[759] Tatsächlich soll laut eines Briefes von Michael Behaim an seinen Vetter Paulus Behaim (dat. Oktober 1533) mehr als ein Drittel der Bevölkerung aus der Stadt geflohen sein, darunter ein großer Teil der Ratsmitglieder und anderer städtischer Funktionsträger sowie ungewöhnlich viele Handwerker.[760] Anders als von Charlotte Bühl vermerkt,[761] wurde im Pestregiment, das der Nürnberger Rat am 16.07.1533 bei Johann Petreius hatte drucken lassen,[762] die Bevölkerung jedoch nicht "eindringlich zur Flucht aufgerufen". Dringend angeraten wurde (für die in der Stadt Verbliebenen!) die Meidung von Menschenansammlungen und von Infizierten.[763]

Neun Tage nach Drucklegung des Pestregiments hielt Andreas Osiander in St. Lorenz eine Predigt zu Psalm 91, die unter dem Titel "Wie vnd wo hin ein Christ die grausamen plag der pestilentz fliehen soll" am 03.08.1533 ebenfalls bei Petreius publiziert wurde:[764] Er betont, dass er die Flucht, die Einnahme von Arznei oder das Meiden von gefarliche orth und Erkrankten nicht generell ablehne, solange damit nicht gegen den Glauben, berufliche Verpflichtungen und das Gebot der Nächstenliebe verstoßen werde. Aber: Der Pest müsse als Strafe Gottes für die sündhaften Menschen (aiiiv-aiiiir) auf christliche Art begegnet werden: mit Er- und Bekenntnis der Sünden, mit Buße, Gebet und Besserung (aiiiiv). Wer nun aus vnordenlicher forcht dieser plag Beruf und Amt verlasse, gegen das Gebot der Nächstenliebe und damit das Gebot Gottes verstoße, ziehe erst recht Gottes Zorn auf sich und verschärfe die Seuche (bir/v). Namentlich die weltlich Obrigkeit wird ermahnt, ihre Verpflichtungen zum Wohl der in der Stadt Verbliebenen zu erfüllen (biir). Wer furchtlos sei und den Mitmenschen diene, werde - so die Erfahrung - oft gerettet; Furcht und Flucht seien nichts anders/ dan ein anzaigen eines grossen vnd schweren vnglaubens (ebd.). Wer sich hingegen Gott anvertraue, dem werden Gnade und Rettung und die Hoffnung auf das Ewige Leben zuteil; fehle der Glaube, können alle Vorkehrungen gegen die Pest nichts nutzen und es drohe das ewig verdamnis (civ). Für die Adressaten der Predigt, nämlich diejenigen, die so von ampts wegen/ oder armuot halben/ oder aus andern redlichen vrsachen nit fliehen koennen/ oder woellen (aiiir), war diese Auslegung ein wichtiges Instrument zur Krisenbewältigung und so verwundert es nicht, dass der Text nicht nur 1533 mehrfach nachgedruckt, sondern auch bei der Epidemie 1543/44 und bei der Pest in Königsberg 1549 (Osiander war in diesem Jahr an die dortige Universität berufen worden) erneut aufgelegt wurde.[765]

Im Reisegepäck von Camerarius, der zu den privilegierten Pestfliehenden gehörte (sich aber wegen der Schließung der Oberen Schule keiner 'Amtsflucht' schuldig machte), befand sich unter anderem der zweite Band der 1525/26 in der aldinischen Offizin publizierten griechischen Galen-Ausgabe ("Galenaldine", ↑ Theriak). Die aktuelle (Seuchen-)Lage sei, so Camerarius, nun der richtige Zeitpunkt, um den Bitten einiger Freunde nachzukommen und während des von Verpflichtungen freien Aufenthalts auf dem Land seine Kenntnisse von Gegengiften aus der antiken griechischen Medizin zu vermitteln: Petiere igitur aliqui a me, ut quae de his in Graecis scriptorib(us) invenissem, studerem aliquando latine exponere. […] Quod ut facerem, ipsa me haec tempora admonere visa sunt, quibus cum metu pestilentiae perculsa civitate nostra functio nostra in fuga & trepidatione omnium, & ipsa quasi suspenderetur, secessi cum familia in propinquum urbi, rus, ibique & otio suppetente, & hortante cupiditate amicorum in manus hoc opus sumpsi […].[766] Das aus seinen Bemühungen resultierende opus umfasst den Johannes Magenbuch gewidmeten "Commentariolus", in dem Camerarius u.a. Galenisches zu den Gegengiften versammelte, sowie Editionen und Übersetzungen griechischer Theriak-Rezepte. Gedruckt wurde das Konvolut ebenfalls bei Johann Petreius in Nürnberg. (↑ Theriak) Petreius schien die Offizin nach dem Druck von Osianders Pestpredigt weiterbetrieben zu haben, so dass eine Publikation noch im Jahr 1533 wahrscheinlich ist; Terminus post quem ist das Datum (13.09.1533) des ebenfalls im Konvolut enthaltenen Widmungsbriefes an Johann Schütz von Weyll, das Camerarius seiner lateinischen Übersetzung von Galens "De theriaca ad Pamphilianum" beigegeben hatte. Theriak und Mithridat wurden bevorzugt als Pestmedizin verabreicht, da die Symptome (Auswurf, Pestbeulen, Fieber) als Reaktionen auf Unreinigkeit und Gifft interpretiert wurden, die über die vergiffte Luft in den Körper eingedrungen waren[767]: "Nicht nur zum Vorbeugen, sondern auch bei den ersten Anzeichen der Pest am eigenen Körper nahm man den allseits beliebten Theriak ein und experimentierte mit allerlei Rezepten, welche Kräuterbücher und Pestschriften in solchen Fällen je nach Geldbeutel des Kranken bereitstellten".[768]

Seuchengeschehen und Bildungsbetrieb

Pest- und andere Seuchengeschehen führten immer wieder zu temporären Schließungen von Bildungsstätten (wie im o.g. Fall der Nürnberger Oberen Schule 1533/34), zur Reduktion der Studentenzahlen und des Lehrbetriebes und/oder zu Auslagerungen an seuchenfreie Ausweichorte.

Diese Beeinträchtigungen des Bildungsbetriebes finden ihren Niederschlag auch in der Korrespondenz von Camerarius: So ist das Wüten der Pest 1564/65 im Norden des Reiches, vor allem in Danzig und Königsberg, Thema im Briefwechsel mit Matthias Stojus, der selbst aus Königsberg geflohen war und erst post longos errores, wie er in einem handschriftlichen Brief an Camerarius vom 21.04.1565 berichtet, wieder in die Stadt zurückgekehrt sei.[769] Stojus geht darin auf einen Brief des Camerarius ein, den dieser bereits am 30.10.1564 von Bamberg aus an ihn geschickt hatte.[770] Darin hatte Camerarius unter anderem erwähnt, dass Berichte über das Wüten der Pest im Norden, vor allem in Danzig, kursierten und sich auch Seuchen in anderen Teilen des Reiches ausbreiteten.[771] Auch hatte er Grüße an Ambrosius Lobwasser ausrichten lassen, der 1563 durch seine Vermittlung als Professor der Rechte und Hofassessor nach Königsberg berufen worden war. Anders als die meisten seiner Kollegen, die nach der Schließung der Universität und der Beurlaubung des Lehrpersonals und der Studenten aus Königsberg geflohen waren,[772] blieb Lobwasser in der Stadt und erwarb sich dadurch hohes Ansehen.[773]

Im Dezember 1564 berichtete Camerarius aus Leipzig an Hieronymus Baumgartner nach Nürnberg,[774] dass während seiner Abwesenheit (er war im Oktober/November 1564 aus privat-geschäftlichen Gründen in Franken) Ansteckungen mit der Pest (contagiones λοιμικαί) vor allem außerhalb Leipzigs erfolgt seien, die die zahlreichen Angehörigen der Polnischen Nation zur Abreise von der Universität bewogen hätten; in Leipzig sei nun angeblich alles sicher, die Lage mithin stabil.[775]

Auch das folgende Seuchengeschehen von 1566/67 schien – so Camerarius in mehreren Briefen aus Leipzig an diverse Adressaten –[776] für die Stadt relativ glimpflich verlaufen zu sein. Victorinus Strigel erwähnte jedoch in einem Brief an Benjamin Ursinus, dass die Pest die Leipziger Universität und die benachbarten Hohen Schulen zersprengt habe und er vereinsamt nurmehr die Kommunikation mit Gott pflege (Nostram Academiam et vicinas lues dissipavit. Quare nunc vivo in solitudine. Cum enim destituor colloquiis amicorum, aut cum DEo loquor, aut DEum mecum loquentem audio...).[777] An Albrecht von Preußen berichtete er, dass die Studentenzahlen in Leipzig und Wittenberg aufgrund der Pest stark geschwunden seien (Dann beide vniuersiteten Leiptzig vnd Wittenberg durch die sterbenden Leuffte fast geringe an der anzal der studierenden iugent worden sind).[778]

Camerarius blieb während dieser Epidemie in Leipzig wie bereits auch 1543/44: In einem Brief an Hieronymus Baumgartner vom 07.09.1543[779] hatte er angeboten, Nürnberger Studenten aus Leipzig zurückzuschicken, falls es dem Rat geboten erschien; bisher habe jedoch niemand die Universität aus Angst vor der in der Nähe grassierenden Seuche verlassen.[780] Am 08.11.1543 berichtete er jedoch,[781] dass zwei Studenten der Familien Holzschuher und Stromer nach Nürnberg zurückgerufen wurden, ohne dass er ein entsprechendes Dokument gesehen habe. Ansonsten habe es bisher nur wenige Opfer in Leipzig gegeben und keiner der Oberen aus Stadt und Universität habe die Stadt verlassen. Falls sich die Lage jedoch verschlechtere, werde er seine Familie nach Erfurt (zu Georg Sturtz?) bringen, doch sei mit dem Winterfrost auch eine Ende der Seuche zu erwarten.[782] In einem wohl auf Anfang Dezember zu datierenden Briefgedicht an Christoph von Karlowitz erwähnte er, dass doch zahlreiche Studenten Leipzig aufgrund der Seuche verlassen hätten und die Zahlen nun noch niedriger seien als zuvor.[783]

Anlässlich der Pest im Jahr 1552 wurde Camerarius als Delegierter der Leipziger Universität an den Dresdener Hof entsandt, um dort schriftlich und mündlich von der aktuellen Lage zu berichten und sich über das weitere Procedere zu verständigen.[784] Herzog August verwies auf die baldige Rückkehr seines Bruders Moritz,[785] der sich der Sache annehmen werde; Camerarius hatte jedoch von dem herzoglichen Rat Georg von Komerstadt die mündliche Auskunft erhalten, dass es keinen Ausweichort für die Universität gäbe, da alle anvisierten Orte mittlerweile ebenfalls infiziert seien. Dieser habe empfohlen, dass sich jeder – falls sich die Pest nicht legt – nach eigenem Gutdünken an einen sicheren Ort zurückziehe (Optimum igitur ipsi videri, ut, si pestis grassari non desinat, quisque eo concedat, ubi commode et tuto habitare possit)[786]. Camerarius schickte daraufhin seine Familie nach Neustadt an der Orla voraus, er selbst wartete noch das Ende des Dresdener Landtags (31.08.1552) ab.[787] Danach reiste er selbst über Schulpforta und Jena[788] nach Neustadt, wo er um den 13.09.1552 herum eintraf. Von dort brach er - wie zuvor geplant - mit Frau und Kindern nach Franken auf, den Rest der Familie vertraute er der Obhut seines Schwiegersohnes Esrom Rüdinger an.[789] In Bamberg kam er vor dem 29.09. an,[790] kurz darauf reiste er mit seiner Familie weiter zum Zielort Nürnberg.[791] Er selbst kehrte vor dem 18.10. nach Bamberg zurück, um dort dringliche Angelegenheiten zu klären,[792] und war dann spätestens ab dem 02.11.1552 für mehrere Monate bei seiner Familie in Nürnberg.[793] Dort stellte er auch die Edition der Hessusbriefe fertig.[794] Nach dem 22.04.1553[795] reiste Camerarius mit seinem Sohn Joachim von Nürnberg aus Richtung Leipzig und nahm dort in der ersten Maihälfte 1553 seine Lehrtätigkeit wieder auf; seine Frau blieb mit dem Rest der Familie vorerst in Nürnberg, was Camerarius angesichts der Lage in Franken (Zweiter Markgrafenkrieg) große Sorgen bereitete.[796]

Anders als im Fall der Universität Leipzig, deren Lehrkörper für die Zeit der Pestwelle 1552/53 vom Dienst freigestellt wurde, da kein geeigneter Ausweichort gefunden werden konnte, wurde die Universität Wittenberg im Juli 1552 nach Torgau verlegt,[797] jedoch wurde auch dort im Herbst die Lage kritisch. Während die Juristen andere Ausweichorte suchten, blieben jedoch, so Melanchthon in einem Brief vom 29.09.1552 an Camerarius,[798] Paul Eber und Sebastianus Theodoricus mit ihren Familien in Torgau und unterrichteten dort weiter. Eber las über Proklos' "Hypotyposis"; den Text hatte Camerarius an seinen Schwiegersohn Johann Hommel geschickt.[799] Solche Auslagerungen wurden in der Geschichte der Leucorea immer wieder praktiziert: Als dort im Juli und August 1527 198 Menschen an der Pest verstorben waren, wählte die Universität Jena und Schlieben als vorübergehende Ausweichorte.[800] Auch 1535 erfolgte, nachdem im Juli die Pest zu wüten begonnen hat, eine Auslagerung nach Jena.[801] 1539 hatte sich, so Camerarius in einem Brief an Hieronymus Baumgartner vom 01.12.,[802] die Leucorea erneut in Angst vor der Pest zerstreut, Sebald Münsterer und dessen Frau seien an der Seuche verstorben.

Allerdings konnten Pestgerüchte auch eingesetzt werden, um einer konkurrierenden Universität Studenten zu entziehen und für die eigene Institution zu gewinnen. Diesen Verdacht äußerte zumindest Petrus Mosellanus anlässlich von Falschmeldungen, die im Jahr 1520 bezüglich der Universität Leipzig gestreut wurden.[803]

Sorgen und Trauer

In Camerarius' Korrespondenz wird wiederholt die Sorge um das Wohlergehen von Freunden und Familienmitgliedern verbalisiert, die sich in Pestgebieten aufhielten. Briefe etwa zur Zeit der Großen Pest in Nürnberg (1562/63), die rund 10.000 Opfer fordern sollte,[804] zeigen seine Beunruhigung anlässlich der kursierenden Gerüchte über das Seuchengeschehen in der Reichsstadt und deren Umgebung. So gibt ein Brief an Hieronymus Baumgartner vom 10.09.1562[805] nicht nur der Angst um die Gesundheit der Familie Baumgartner und der Bekannten und Freunde in Nürnberg, sondern auch um die seiner Frau Anna Ausdruck, die in seinem Auftrag geschäftlich (es ging um das Familienvermögen) in Bamberg zu tun hatte und von dort aus weiter in die Reichsstadt reisen wollte (was sie zwischenzeitlich auch getan hatte).[806] Zu dieser Zeit war der Peak der Sterbefälle in Nürnberg erreicht, die Sorge also mehr als gerechtfertigt.[807] Emphatisch erklärte Camerarius in dem Brief sein Vertrauen in die Barmherzigkeit Gottes, dem er das Wohlergehen der Genannten empfahl. Zehn Tage später wandte er sich erneut brieflich an Baumgartner,[808] gab wiederum seiner Sorge bezüglich des Wütens der Pest Ausdruck und legte die Abschrift eines Rezeptes (wohl für Theriak) bei, das er von Caspar Peucer erhalten habe und das Baumgartner einem Arzt zeigen könne (Non potui facere quin mitterem tibi descriptionem communicati mecum remedii ut praesentissimi a D. Peucero, quod medico ostendere poteris); gleichwohl betonte er, dass das Gebet zu Jesus, dem Hüter und Retter der Menschheit, wirksamer sei (scil. als jedes menschgemachte Heilmittel). Mit demselben Boten schickte er einen Brief an den Nürnberger Arzt Hieronymus Herold[809] mit Hinweis auf ebendieses Rezept, das Herold ansehen und beurteilen könne.[810]

Immer wieder gab es auch seuchenbedingte Todesfälle unter Freunden und Familienangehörigen zu beklagen. So berichtete Camerarius an Baumgartner, dass Sebald Münsterer, den er von Kindheit an kannte, sowie dessen Frau 1539 in Wittenberg an der Pest verstorben seien – ein Verlust, der ihn tief treffe.[811] Am 21.03.1541 sendete er einen Trostbrief[812] an Johannes Sturm anlässlich des Todes von Claude de Féray, der am 12.03.1541 als erstes Pestopfer am Straßburger Gymnasium gestorben war. Camerarius war darüber von Jakob Bedrott informiert worden, der ihm auch von Sturms Trauer um den jungen Gelehrten und Freund berichtet hatte,[813] und der selbst am 16.11.1541 der Pest erliegen sollte.[814] Auf Camerarius' consolatio antwortete Sturm einige Zeit später (11.10.1542) mit einer langen Replik; das Ensemble leitete einen kurz darauf in Straßburg erschienenen Sammeldruck ein,[815] der u.a. Epitaphien von Michael Toxites und Johannes Sapidus auf jüngst verstorbene Gelehrte (auch de Féray und Bedrott) und auf Familienangehörige von Gelehrten (s.u.) enthält. Sturms Brief informierte mit Blick auf das Straßburger Gymnasium retrospektiv über den Verlauf des Seuchengeschehens und die Opfer, welche die Pest nach dem Tod von Claude de Féray forderte (korrespondierend mit den Epitaphien von Toxites und Sapidus). Einige gemeinsame Bekannte von Sturm und Camerarius waren von schmerzlichen, teilweise mehrfachen Verlusten in den eigenen Familien betroffen. So musste etwa Nikolaus Gerbel seinen gleichnamigen Sohn betrauern,[816] Caspar Hedio verlor seine Tochter Caritas sowie die Söhne Caspar, Johannes Ludwig, Joseph und Chrysostomus,[817] Martin Bucer seine Frau Elisabeth, die Töchter Anastasia, Sara und Felicitas sowie den Sohn Martin.[818] Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein weiterer Brief von Bedrott, den dieser am 11.09.1541 an Camerarius richtete:[819] Darin verwies er (noch aus Straßburg) Camerarius bezüglich weiterer Informationen über die Pest an Jakob Gallus und berichtete von der übergangsweisen Verlegung des Gymnasiums nach Gengenbach (Scholae reliquias Gengenbachum transferimus. Locum adhuc minime pestilentem, licet nimium vicinum pagis quibusdam, ubi lues ista saevire caepit)[820] und von der Diskussion, ob diese Umsiedelung etwas nütze (Disputamus interea, fortiter, fugere expediat nec ne). Aus den antiken medizinischen Autoren wisse er, dass eine Luftveränderung als probate Maßnahme gelte, bei den Historikern jedoch gäbe es kaum Belege für Pestflucht, wohl aber bei Autoren wie Vegetius oder Lukrez. Er wiederhole seine nun schon einmal an Camerarius gerichtete Bitte, ihm eine Einschätzung aus seiner reichen Lektüre- und Beobachtungserfahrung zu geben.

Auch die Familie von Camerarius blieb nicht von der Pest verschont. So verstarb ein sechsmonatiger Sohn von Joachim Camerarius d.J. 1570 an der Beulenpest in Nürnberg, wie Christoph von Karlowitz aus einem Brief von Camerarius erfuhr (Multi pueri moriuntur papularum morbo; qui plane est ἐνδήμιος, & unum ex duobus nepotibus meis Ioachimi filiolum semestrem puerum his ille diebus peremit).[821]

(Marion Gindhart)

Anmerkungen

  1. Vgl. Stolberg 2022, 507 und Stolberg 2003, 108f. Vgl. auch Wear 2000, 49ff.
  2. Vgl. Stolberg 2022, 508f. sowie 525ff. Zum besonders stark ausgeprägten medizinischen Interesse der Familie Gonzaga in Mantua vgl. etwa Herrmann 2018.
  3. Vgl. Stolberg 2022, 508.
  4. Vgl. Stolberg 2022, 507. Einen kompakten Überblick bietet Vanja 2010, 13ff. Vgl. auch Nutton 2022, Kapitel 5, S. 123-150 (zu den studierten Ärzten) und Kapitel 6, S. 151-179 (zu den Alternativen).
  5. Dies gilt zumindest für den mitteleuropäischen Raum. In Italien wurde auch die Medizin üblicherweise an der Artistenfakultät gelehrt und beide Abschlüsse wurden zugleich erworben (vgl. Stolberg 2022, 8 und Nutton 2022, 124).
  6. Hervorragende Überblicke über die Ausbildung akademischer Ärzte finden sich bei Stolberg 2022, 3-113 und Nutton 2022, 124-146.
  7. Zum Auslandsstudium vgl. Nutton 2022, 129ff.
  8. Vgl. Stolberg 2022, 415ff.
  9. Wenn sie keine größere Stadt fanden, um sich niederzulassen, waren diese Spezialisten aus Mangel an Patienten oft gezwungen, umherzuziehen (vgl. Nutton 2022, 166).
  10. Vgl. Stolberg 2022, 516; Vanja 2010, 14; Nutton 2022, 238.
  11. Vgl. Nutton 2022, 160.
  12. Vgl. Stolberg 2022, 513 und Nutton 2022, 151ff. Wiederum gilt für Italien, dass Chirurgie dort teilweise auch an den Universitäten gelehrt wurde (vgl. Nutton 2022, 124 und 152).
  13. Vgl. Stolberg 2022, 513 und Nutton 2022, 151ff.
  14. Vgl. Stolberg 2022, 517.
  15. Vgl. Nutton 2022, 161, 239.
  16. Vgl. Nutton 2022, 161.
  17. Vgl. Stolberg 2022, 517f.
  18. Vgl. Nutton 2022, 153.
  19. Vgl. Nutton 2022, 158.
  20. Vgl. Stolberg 2022, 518ff. Auch gelehrte Nicht-Mediziner übten Kritik: Vgl. etwa Helm 2002, 24f. zur heftigen Polemik Philipp Melanchthons.
  21. Vgl. Nutton 2022, 166.
  22. Vgl. Nutton 2022, 166.
  23. Vgl. Stolberg 2022, 520.
  24. Vgl. Nutton 2022, 166f.
  25. So Michael Stolberg, der sich im Gegensatz zu Vivian Nutton in seinem Buch v.a. auf den deutschsprachigen Raum beschränkt (Stolberg 2022, 520).
  26. Vgl. Stolberg 2022, 520f.
  27. Vgl. Stolberg 2022, 527.
  28. Vgl. Stolberg 2022, 521.
  29. Vgl. Nutton 2022, 173.
  30. Vgl. Stolberg 2022, 545.
  31. Vgl. Stolberg 2022, XXII; 545f.: Tatsächlich verhält es sich nach heutigem Verständnis bei den meisten Krankheiten so, dass sie sowohl mit als auch ohne Behandlung abheilen oder sich der Gesundheitszustand zumindest zeitweise bessert. Diese Besserung schreiben behandelte Patienten aber typischerweise ihrer Behandlung zu und nehmen sie als Beweis für die Richtigkeit einer medizinischen Theorie.
  32. Nutton 2022, 2.
  33. Vgl. Stolberg 2022, 26f.
  34. Vgl. Stolberg 2022, 529.
  35. Vgl. Stolberg 2022, 6.
  36. Vgl. Stolberg 2022, 7f.
  37. Vgl. Schipperges 1976, 359f.
  38. [Sc. naturae et causarum cognitio] ita necessaria est in exercenda arte, ut illi, qui non adhibent doctrinam, carnifices, non Medici iudicandi sint (CR XI, Sp. 507).
  39. Vgl. Stolberg 2022, XVIII; 33f.
  40. Vgl. Wear 2000, 37.
  41. Vgl. Stolberg 2022, 34; 140. Stolberg 2003, 117f. Wear 2000, 38. Gentilcore 2015, 15. Je nachdem, welcher Saft im Körper dominierte, sprach man von sanguinischem (Blut), cholerischem (gelbe Galle), melancholischem (schwarze Galle) und phlegmatischem (Schleim) Temperament.
  42. Vgl. Stolberg 2022, 42; 141.
  43. Stolberg 2003, 38.
  44. Vgl. Stolberg 2022, 530f.
  45. Vgl. Stolberg 2022, 118 und besonders 140ff., Stolberg 2015, 114ff., Stolberg 2003, 129f.
  46. Vgl. Stolberg 2022, 141. Eine Ausnahme war die Blutfülle (plethora); zu dieser vgl. Stolberg 2003, 121.
  47. Vgl. Stolberg 2003, 121.
  48. Vgl. Stolberg 2022, 122f. und 140, Stolberg 2003, 129f., Wear 2000, 39, 133, 137, Nutton 2022, 213.
  49. Vgl. Stolberg 2003, 158 und Stolberg 2022, 135; Nutton 2022, 224; Jütte 2013, 26.
  50. Vgl. Stolberg 2003, 173f. und 182, Stolberg 2015, 115f., Stolberg 2022, 129ff.
  51. Vgl. Stolberg 2022, 131. Zur großen Bedeutung von Zersetzung im Krankheitsbild der Zeit vgl. auch Wear 2000, 136ff.
  52. Vgl. Stolberg 2003, 194 und Stolberg 2022, 133.
  53. Vgl. Stolberg 2003, 172.
  54. Stolberg 2022, 138.
  55. Vgl. Stolberg 2003, 174ff.
  56. Vgl. Stolberg 2003, 123f. und Stolberg 2022, 139 sowie 208ff.
  57. Vgl. Stolberg 2003, 173f. und Stolberg 2022, 138ff. und 209ff.
  58. Wear 2000, 140.
  59. Vgl. auch Wear 2000, 174.
  60. Insbesondere gab es also keinen Blutkreislauf. Das Blut floss von der Leber über das Herz in den Körper, wo es vollständig verbraucht wurde. Vgl. Stolberg 2003, 121f. und 167; Stolberg 2022, 36, 123; Wear 2000, 171.
  61. Vgl. Nutton 2022, 96.
  62. Stolberg 2003, 124 und 182.
  63. Stolberg 2003, 125.
  64. Stolberg 2003, 124 und 170. Zu den Folgen mangelnder Verkochung allgemein vgl. auch Stolberg 2015, 115.
  65. Stolberg 2003, 192 und Stolberg 2022, 133f.
  66. Vgl. Stolberg 2003, 129ff. und Stolberg 2022, 127f.
  67. Vgl. Stolberg 2022, 531-535.
  68. Stolberg 2003, 38; Stolberg 2022, 223.
  69. Stolberg 2003, 38; Stolberg 2022, 222.
  70. Stolberg 2003, 40f.
  71. Vgl. Stolberg 2022, 534.
  72. Vgl. Stolberg 2022, 189ff.
  73. Zu Abführmitteln sowie schweißtreibenden Behandlungen vgl. Stolberg 2022, 183ff., zu letzteren auch ebd., 201. Zu Brechmitteln vgl. ebd., 188f. und Jütte 2013, 128.
  74. Zu diesen vgl. Stolberg 2022, 188.
  75. Außer im Fall der Plethora (Blutfülle): vgl. Stolberg 2022, 190 sowie Stolberg 2003, 121.
  76. Vgl. Stolberg 2022, 192; Wear 2000, 39; Nutton 2022, 238.
  77. Vgl. Stolberg 2003, 155ff., 174ff.
  78. Vgl. Nutton 2022, 213.
  79. Vgl. Stolberg 2022, 202f.
  80. Vgl. Stolberg 2003, 123f.
  81. Stolberg 2003, 179f.
  82. Vgl. Stolberg 2003, 180.
  83. Vgl. Stolberg 2022, 215.
  84. Vgl. Stolberg 2022, 200f.
  85. Vgl. Stolberg 2022, 185, 483, 494.
  86. Vgl. Stolberg 2022, 545.
  87. Vgl. Stolberg 2022, XXII; 545f.
  88. Vgl. auch Jütte 2013, 131.
  89. Vgl. Nutton 2022, 175f.
  90. Vgl. Nutton 2022, 237.
  91. Vgl. Stolberg 2022, 146.
  92. Vgl. Stolberg 2022, 150.
  93. Philipp Melanchthon etwa schlug aufgrund seines Horoskops Berufungen nach England und Dänemark aus, da dieses eine körperliche Gefährdung bei der Überquerung offener Gewässer anzeigte (vgl. → Astrologie).
  94. Vgl. Stolberg 2022, 150.
  95. Vgl. Stolberg 2022, 151.
  96. Vgl. Stolberg 2022, 151.
  97. Vgl. Stolberg 2022, 152ff.
  98. Vgl. Stolberg 2022, 154.
  99. Non naturalis bedeutet hier nicht "unnatürlich" im negativen Sinn. Vielmehr nannte man res naturales die Teile des einzelnen Körpers, die Säfte, facultates und spiritus; die res non naturales dagegen bezeichneten externe Faktoren, die den Körper beeinflussen. Dem gegenüber stehen die res praeter naturam, "gegen die Natur gerichtet": Krankheiten sowie deren Ursachen und Folgen (vgl. Gentilcore 2015, 14).
  100. Vgl. Stolberg 2022, 146 und Wear 2000, 156.
  101. Vgl. Stolberg 2022, 146ff.
  102. Vgl. Gentilcore 2015, 17 und Hutten 1519, Bl. i 1 r.
  103. Vgl. Stolberg 2022, 206f.
  104. Vgl. Stolberg 2022, 206.
  105. Gentilcore 2015, 14.
  106. Die Bestimmung der Primärqualitäten eines Nahrungsmittels erfolgte auf Grundlage wahrnehmbarer Eigenschaften: Süße und herzhafte Nahrungsmittel wurden tendenziell als warm und feucht eingestuft, solche, die Biss hatten oder den Körper spürbar wärmten, als heiß und trocken; saure und bittere Speisen galt als kalt und trocken, fade und wässrige schließlich als kalt und feucht. Vgl. Gentilcore 2015, 20.
  107. Vgl. Wear 2000, 38.
  108. Vgl. Vgl. Gentilcore 2015, 21.
  109. Vgl. Stolberg 2022, 207.
  110. Vgl. Stolberg 2022, 207.
  111. Vgl. Stolberg 2022, 207f.
  112. Vgl. Stolberg 2022, 205f.; Wear 2000, 154; Gentilcore 2015, 21.
  113. Vgl. Wear 2000, 166.
  114. Vgl. Nutton 2022, 40f.
  115. Vgl. Nutton 2022, 41.
  116. Vgl. etwa Jütte 2013, 30f.
  117. Diese Welle ist der Anlass, zu dem Camerarius Freund Euricius Cordus sein Regiment veröffentlicht. Vgl. Cordus 1529.
  118. Vgl. Nutton 2022, 28.
  119. Vgl. Stolberg 2003, 163, Nutton 2022, 27.
  120. So auch Cordus 1529, Bl. B ii r.
  121. Vgl. Stolberg 2003, 163f., Nutton 2022, 27.
  122. Vgl. Cordus 1529, Bl. B ii r und Stolberg 2003, 164.
  123. Vgl. Nutton 2022, 25.
  124. Vgl. Nutton 2022, 21.
  125. Vgl. Stolberg 2022, 289f.
  126. Vgl. Stolberg 2003, 162, Stolberg 2022, 289f.
  127. Für eine ausführliche Beschreibung der Symptome vgl. Stolberg 2022, 292ff.
  128. Vgl. Nutton 2022, 22.
  129. Vgl. Hutten 1519.
  130. Vgl. Stolberg 2022, 300.
  131. Vgl. Stolberg 2022, 300.
  132. Vgl. Stolberg 2022, 301f. Das Einatmen der Dämpfe war dabei nicht Ziel der Behandlung, sondern wurde oft bewusst verhindert (vgl. Stolberg 2022, 302).
  133. Vgl. Stolberg 2022, 303.
  134. Vgl. Stolberg 2022, 299.
  135. Vgl. Nutton 2022, 23f.
  136. Vgl. Stolberg 2003, 162; Nutton 2022, 23 und 224; Stolberg 2022, 296.
  137. Vgl. Nutton 2022, 24f.
  138. Nutton 2022, 27.
  139. Vgl. Nutton 2022, 97.
  140. Vgl. Nutton 2022, 98.
  141. Vgl. Nutton 2022, 98.
  142. Vgl. Nutton 2022, 98.
  143. Vgl. Nutton 2022, 98f.
  144. Vgl. Nutton 2022, 99.
  145. Das vollständige Werk in dann vier Büchern wurde 1509 das erste Mal gedruckt. Vgl. http://wiki.uibk.ac.at/noscemus/De_Plinii_erroribus.
  146. Vgl. Nutton 2022, 101.
  147. Vgl. Nutton 2022, 103.
  148. Vgl. Nutton 2022, 103.
  149. Vgl. Nutton 2022, 106.
  150. Vgl. Nutton 2022, 105.
  151. Vgl. Mani 1956, 30 und 50.
  152. Vgl. Nutton 2022, 109f.
  153. Vgl. Nutton 2022, 107 und 111f.
  154. Stolberg 2019, 62.
  155. Nutton 2022, 112. Vgl. auch Berrens 2024, 260 und Huth 2024, 281.
  156. Vgl. Nutton 2022, 107f.
  157. Vgl. Nutton 2022, 108.
  158. Vgl. Nutton 2022, 108.
  159. Vgl. Nutton 2022, 113.
  160. Vgl. Nutton 2022, 113.
  161. Nutton 2022, 214.
  162. Vgl. Nutton 2022, 214f.
  163. Zum Thema der medizinischen Terminologie des 16. Jahrhunderts vgl. Berrens 2024.
  164. Vgl. Nutton 2022, 3.
  165. Vgl. Nutton 2022, 223.
  166. Vgl. Nutton 2022, 94, 223.
  167. Vgl. Nutton 2022, 94.
  168. Vgl. für das folgende Nutton 2022, 215f.
  169. Vgl. Stolberg 2022, 192.
  170. Vgl. hierzu Nutton 2022, 216ff.
  171. Vgl. Manardi 1521, Bl. 15r/v.
  172. Vgl. Manardi 1521, Bl. 15v.
  173. Vgl. hierzu Nutton 2022, 217.
  174. Vgl. Nutton 2022, 11.
  175. Vgl. für das folgende Nutton 2022, 12.
  176. Vgl. Nutton 2022, 11.
  177. Vgl. Nutton 2022, 12.
  178. Vgl. Nutton 2022, 14.
  179. Vgl. Hutten 1519.
  180. Vgl. Nutton 2022, 14f.
  181. Ausführlicher hierzu Stolberg 2019, 59f. Tatsächlich ließ die Kirche selbst häufig ihre verstorbenen Würdenträger sezieren, um Mord auszuschließen; auch bei Verdacht auf Heiligkeit wurde teilweise seziert und etwa nach kreuzförmigen Blutgerinnseln auf dem Herzen oder drei Gallensteinen als Symbol der Dreifaltigkeit gesucht. Vielfach fanden solche Sektionen sogar in kirchlichen Räumen statt (vg. ebd.). Wo gesetzliche Regelungen anatomische Tätigkeiten einschränkten, befassten sie sich meist eher mit dem sozialen Stand des Dissektors und der Notwendigkeit eines angemessenen Begräbnisses als mit der Tätigkeit des Sezierens an sich (vgl. Nutton 2022, 245).
  182. Vgl. Nutton 2022, 245.
  183. Vgl. Nutton 2022, 247.
  184. Vgl. Nutton 2022, 248.
  185. Vgl. Stolberg 2019, 62 und Nutton 2022, 248f.
  186. Vgl. Stolberg 2019, 62.
  187. Vgl. Stolberg 2019, 59.
  188. Hierzu ausführlicher Stolberg 2019, 60ff.
  189. Vgl. Stolberg 2019, 62.
  190. Stolberg 2019, 62.
  191. Nutton 2022, 257.
  192. Vgl. Stolberg 2019, 63 und den vorigen Abschnitt.
  193. Vgl. Stolberg 2019, 61.
  194. Vgl. Stolberg 2019, 62.
  195. Vgl. Stolberg 2019, 61.
  196. Ausführlicher hierzu Stolberg 2019, 61.
  197. Vgl. Nutton 2022, 256.
  198. Vgl. Stolberg 2019, 61 und Nutton 2022, 256.
  199. Vgl. Nutton 2022, 255.
  200. Vgl. Nutton 2022, 258.
  201. Vgl. Nutton 2022, 257f.
  202. Vgl. Nutton 2022, 258.
  203. Vgl. Nutton 2022, 245.
  204. Vgl. auch Stolberg 2019, 65.
  205. Vgl. Stolberg 2019, 65.
  206. Vgl. Stolberg 2019, 66.
  207. Stolberg 2019, 66.
  208. Stolberg 2019, 66.
  209. Vgl. Nutton 2022, 279.
  210. Vgl. Nutton 2022, 281.
  211. Vgl. Nutton 2022, 279ff.
  212. Vgl. Nutton 2022, 281.
  213. Vgl. Nutton 2022, 278.
  214. Vgl. Nutton 2022, 278.
  215. Nutton 2022, 282.
  216. Vgl. Nutton 2022, 283 und Stolberg 2022, 363.
  217. Vgl. Nutton 2022, 284.
  218. Vgl. Nutton 2022, 285.
  219. Nutton 2022, 286.
  220. Vgl. Nutton 2022, 286.
  221. Vgl. Nutton 2022, 287.
  222. Vgl. Nutton 2022, 287f. Vivian Nutton nennt das Beispiel von Distelblättern, die wie Nadeln stechen und entsprechend gegen Stichverletzungen einzusetzen seien.
  223. Vgl. ausführlich Nutton 2022, 289ff., Stolberg 2022, 364.
  224. Vgl. Nutton 2022, 290.
  225. Vgl. Nutton 2022, 300.
  226. Vgl. Stolberg 2022, 365, 367.
  227. Vgl. Stolberg 2022, 368.
  228. Vgl. Stolberg 2022, 369f.
  229. Vgl. Stolberg 2022, 370f.
  230. Vgl. Stolberg 2022, 374ff.
  231. Vgl. Stolberg 2022, 377.
  232. Vgl. Burmeister 2015, 51.
  233. Vgl. Kühlmann/Telle 2001, 65 und http://www.aerztebriefe.de/id/00009188. Das Autograph befindet sich in der Briefsammlung Trew: H62/TREWBR RHAETICUS_GEORG_JOACHIM[1.
  234. Vgl. Kühlmann/Telle 2001, 77f. und http://www.aerztebriefe.de/id/00009424. Das Autograph befindet sich in der Briefsammlung Trew: H62/TREWBR RHAETICUS_GEORG_JOACHIM[2.
  235. Vgl. Kühlmann/Telle 2001, 84 und http://www.aerztebriefe.de/id/00009425.
  236. Vgl. Kühlmann/Telle 2001, 89 und http://www.aerztebriefe.de/id/00009426. Das Autograph befindet sich in der Briefsammlung Trew: H62/TREWBR RHAETICUS_GEORG_JOACHIM[3.
  237. Vgl. Szczucki/Szepessy 1995, 103.
  238. Rheticus non desinit argonauta esse, Theophrasto Helvetio gubernatore: naufragus est identidem, nec tamen oceanum et monstra ista Neptunia fugit, donet absorbeatur (Szczucki/Szepessy 1995, 123).
  239. Vgl. Szczucki/Szepessy 1995, 155.
  240. Vgl. Szczucki/Szepessy 1995, 395.
  241. Vgl. Helm 2002, 25.
  242. Stultitiam esse sentimus contemnere reliquas artes, quas humanum ingenium excogitavit. At Medicinam aspernari, non stultitia, sed impietas est. Nam coelestia dona contemnere, aut parum religiose colere, consceleratae mentis Furor et sacrilegium est (CR XI, Sp. 199).
  243. Nutrix est multarum virtutum haec ipsa aspectio aedificii multarum in nobis partium. Et ... prima virtus est, agnitio Dei opificis (CR XI, Sp. 941).
  244. Helm 2002, 26.
  245. Helm 2002, 26.
  246. Vgl. Helm 2002, 27. Vgl. Melanchthon, De anima, 1540, 40.
  247. Helm 2002, 24.
  248. Vgl. Helm 2002, 24.
  249. Unus omnium Hippocrates maxime contemptus iacet, quo authore non habet alium medicina superiorem. Is si revivicescet accisis rebus aliquid adhuc spei, reliquum est (Burckhard, Parva Hippocratis tabula, 1519, Bl. A ii r). Vgl. auch MBW – Regesten online, Nr. 37.
  250. Etsi enim postea Medicinam magna cum laude exercuerunt et Arabes et Graeci nonnulli, tamen fontes esse apud Galenum constat utriusque generis, disputationum artis seu dogmatici generis, et remediorum (CR XI, Sp. 502).
  251. Helm 2002, 20.
  252. [Sc. naturae et causarum cognitio] ita necessaria est in exercenda arte, ut illi, qui non adhibent doctrinam, carnifices, non Medici iudicandi sint (CR XI, Sp. 507). Vgl. auch Helm 2002, 22.
  253. Vgl. Disselhorst 1929, 100.
  254. Vgl. CR XI, Sp. 831f.
  255. Vgl. Helm 2002, 23.
  256. Vgl. Nutton 2022, 259.
  257. Abgedruckt in Muther 1867.
  258. Vgl. Muther 1867, 37f. Vgl. auch Helm 2002, 27f. und Disselhorst 1929, 81.
  259. Vgl. Nutton 2022, 213f. und Stolberg 2022, 37.
  260. Vgl. Stolberg 2022, 37.
  261. Vgl. Nutton 2022, 213f. und Stolberg 2022, 37.
  262. Abgedruckt in Hering 1882 sowie Israël 1913, 104-116 und Friedensburg 1926, 172-183.
  263. "Ferner, Wiewoll unser universitet, anfenglich nit mer dan ainen und nu ain zaitlang zwene doctorn Medicine gehapt die in derselben Facultet ordinarie gelesen, So wollenn wir doch, das bei unns und unsern nachkommen, nu fortmer drei Lectores in derselben Facultet, der zwene, So die ersten Lection haben, doctores, der dritte aber zum wenigsten ain Licentiat sein sollenn, Der Erste unnd Elter Lector doselbst soll, die nutzlichsten bücher hipocratis und galeni, Der annder Rasyn und aviconnam Und der dritte anathomicos libros lesen, Und der Erste Soll anderthalb hundert, der ander hundert unnd dreissig, der dritte achtzig guldenn, zu solde habenn"(Hering 1882, 10). Vgl. Israël 1913, 108, Friedensburg 1917, 181, Friedensburg 1926, 176 und Helm 2002, 28.
  264. Vgl. Helm 2002, 28.
  265. Helm 2002, 28.
  266. Vgl. Friedensburg 1926, 381f. Vgl. auch Helm 2002, 28 und Friedensburg 1917, 278f.
  267. Vgl. Friedensburg 1926, 381f.
  268. Helm 2002, 29.
  269. Vgl. Rudersdorf 2009, 386 sowie Stolberg 2022, 7ff.
  270. Vgl. Riha 2009, 953.
  271. Vgl. Riha 2009, 953f.
  272. Vgl. Riha 2009, 954.
  273. Vgl. Riha 2009, 954.
  274. Vgl. Stübel 1879, Nr. 362, S. 485f.. Vgl. auch Rudersdorf 2009, 385 und Rabl 1909, 2.
  275. Stübel 1879, Nr. 420, S. 547: "Dieweyl auch inn dysenn lanndenn nit kleiner gebrauch ann denn die der wuntertzney recht erfarenn, ordenenn und wollenn wyr, das nhun hinfurder einem chirurgo hundert und dreyssick guldenn sollenn gebenn werdenn." Vgl. Zaunick 1925, 190 und danach Stolberg 2022, 74. Anderslautend 1549 Riha 2009, 956 und danach Rudersdorf 2009, 385.
  276. Vgl. Zaunick 1925, 194ff.
  277. Vgl. Stolberg 2022, 74 und Zaunick 1925, 194.
  278. Vgl. Riha 2009, 956 und Rudersdorf 2009, 385.
  279. Zarncke 1861, 618: Cumque non mediocris fructus per inspectionem humani corporis, quae per sectionem fit (ἀνατομίαν appellant), ad discipulos redeat, itaque placuit constituere, ut singulis annis ad praescriptum medicorum corpus aliquod dissectetur, ita tamen ut partes corporis humani et ἁρμονία eiusdem discipulis accurate ostendatur.
  280. Vgl. Riha 2009, 956.
  281. Vgl. Riha 2009, 956.
  282. Lünig 1724, Sp. 741: "Zu dem soll [der Professor für Chirurgie] auch in einer publica Anatomia, alle Jahr zum wenigsten einmahl, in einem humano corpore, wenn es vorhanden, was er gelesen, demonstriren und weisen, und das erste Jahr figuram und compagem omnium ossium; auf andere Jahr die musculos, cutim, atque una inter secandum intercedentes partes, et intercurrentia vasa, venas, arterias, et nervos; auf das dritte Jahr aber, ventrium trium, hoc est: capitis, thoracis, et abdominis contenta viscera, demonstriren und zeigen" (danach Rabl 1909, 27). Vgl. Riha 2009, 956 und Rudersdorf 2009, 385.
  283. Vgl. https://www.aerztebriefe.de/.
  284. Die Korrespondenz von Camerarius und Stojus untersucht Alexander Hubert ausführlich in seiner am Camerariusprojekt angesiedelten Dissertation.
  285. Huth 2024, 282: "Die Werke sind von einem stark antiquarischen Interesse geleitet und Camerarius erscheint hier vor allem als wissensbewahrender Philologe".
  286. Vgl. OC 0126, Camerarius, De Theriacis, 1533, Bl. a2r/v. Dazu auch Huth masch..
  287. Vgl. OC 0286, Camerarius, Ἐπιγράμματα, 1538, 116.
  288. Vgl. OC 0126, Camerarius, De Theriacis, 1533, Bl. a2v-a3r. Hierzu ausführlicher Berrens 2024, 265f.
  289. Vgl. OC 0126, Camerarius, De Theriacis, 1533, Bl. a3r.
  290. Vgl. OC 0126, Camerarius, De Theriacis, 1533, Bl. a3v.
  291. Vgl. OC 0126, Camerarius, De Theriacis, 1533, Bl. a4r.
  292. Vgl. OC 0126, Camerarius, De Theriacis, 1533, Bl. a4v.
  293. Vgl. Huth 2023, 168.
  294. Zur Bedeutung der Analogie bei Galen vgl. Huth 2023, 157f. und 168. Zur Bedeutung der Analogie allgemein und im Werk des Camerarius vgl. ebd., 143-195.
  295. Vgl. OC 0126, Camerarius, De Theriacis, 1533, Bl. a4v-a5r.
  296. Baier 2017, 79.
  297. Vgl. Camerarius, Ecloga de morte Iohannis Stigeli, 1562, Bl. B4r/v.
  298. Vgl. Orph. h., 68 (Text nach TLG):
    Ἱμερόεσσ', ἐρατή, πολυθάλμιε, παμβασίλεια,
    κλῦθι, μάκαιρ' Ὑγίεια, φερόλβιε, μῆτερ ἁπάντων·
    ἐκ σέο γὰρ νοῦσοι μὲν ἀποφθινύθουσι βροτοῖσι,
    πᾶς δὲ δόμος θάλλει πολυγηθὴς εἵνεκα σεῖο,
    καὶ τέχναι βρίθουσι· ποθεῖ δέ σε κόσμος, ἄνασσα,
    μοῦνος δὲ στυγέει σ' Ἀίδης ψυχοφθόρος αἰεί,
    ἀιθαλής, εὐκταιοτάτη, θνητῶν ἀνάπαυμα·
    σοῦ γὰρ ἄτερ πάντ' ἐστὶν ἀνωφελῆ ἀνθρώποισιν·
    οὔτε γὰρ ὀλβοδότης πλοῦτος γλυκερὸς θαλίηισιν,
    οὔτε γέρων πολύμοχθος ἄτερ σέο γίγνεται ἀνήρ·
    πάντων γὰρ κρατέεις μούνη καὶ πᾶσιν ἀνάσσεις.
    ἀλλά, θεά, μόλε μυστιπόλοις ἐπιτάρροθος αἰεὶ
    ῥυομένη νούσων χαλεπῶν κακόποτμον ἀνίην.
  299. Vgl. das Exemplar der BSB München, Sign. 4 Inc.c.a. 1799.
  300. Vgl. Orph. h. 68, V. 1-2.
  301. Vgl. Camerarius, Ecloga de morte Iohannis Stigeli, 1562, Bl. B4r, V. 1-8a.
  302. V. 5 bei Camerarius, vgl. Orph. h. 68, V. 2.
  303. V. 5 bei Camerarius, vgl. ἀιθαλής in Orph. h. 68, V. 7.
  304. Vgl. νοσοφθόρε in V. 1 bei Camerarius; in Orph. h. 68, V. 3 dagegen ausführlicher: ἐκ σέο γὰρ νοῦσοι μὲν ἀποφθινύθουσι βροτοῖσι.
  305. Bei Camerarius V. 2-3: [ᾌ]δεω / ἔχθρὰ ἑνός, κατὰ κόσμον ἅπασ' ἄλλοισι ποθείνη; dagegen Orph. h. 68, V. 5-6: ποθεῖ δέ σε κόσμος, ἄνασσα, / μοῦνος δὲ στυγέει σ' Ἀίδης ψυχοφθόρος αἰεί.
  306. V. 4 bei Camerarius (πολύευκτε) korrespondiert mit εὐκταιοτάτη in Orph. h. 68, V. 7.
  307. V. 4 bei Camerarius: ἄμπαυμα βροτῶν. Analog in Orph. h. 68, V. 7: θνητῶν ἀνάπαυμα.
  308. Vgl. V. 6 bei Camerarius und Orph. h. 68, V. 13.
  309. Vgl. Orph. h., 23, V. 8 (an Nereus), 29, V. 18 (an den Schlaf) und 84, V. 8 (für Hestia).
  310. [Ἐ]κθεόθεν θνητοῖς κεχαρισμένη ἐνθάδ' ἀρίστη / ὠφελίμη τε μάλιστα δόσις (Camerarius, Ecloga de morte Iohannis Stigeli, 1562, Bl. B4r, V. 7-8).
  311. Vgl. Orph. h. 68, V. 3-7.
  312. Vgl. Orph. h. 68, V. 8-10.
  313. Vgl. V. 8b-14.
  314. Vgl. Orph. h. 68, V. 4.
  315. Vgl. Camerarius, Ecloga de morte Iohannis Stigeli, 1562, Bl. B4r/v, V. 15-30.
  316. Vgl. V. 16.
  317. [Λ]οιμὸς ἑαυτῷ / αὐτὸς ἐών (Camerarius, Ecloga de morte Iohannis Stigeli, 1562, Bl. B4v, V. 22-23).
  318. [Δ]εσμοῖσιν ἐνὶ πλείοσι πιέζειν (Camerarius, Ecloga de morte Iohannis Stigeli, 1562, Bl. B4v, V. 26).
  319. Vgl. Camerarius, Ecloga de morte Iohannis Stigeli, 1562, Bl. B4v, V. 26-30.
  320. Vgl. Camerarius, Ecloga de morte Iohannis Stigeli, 1562, Bl. B4v, V. 31. Vgl. Theokr. eid. 16, V. 64. Camerarius hatte bereits 1530 eine Edition von Theokrits "Eidyllia" besorgt.
  321. Vgl. Orph. h. 68, V. 12-13.
  322. [Ἐ]μοὶ δὲ σὺ δῖ' ὑγίεια / ἐκθεόθεν τ' εἴης παραμείνασ' εἰσόκεν ἄλλους / ὠφελέουσα λάχοι τέλος ἡμετέρου βίου ὁρμή (Camerarius, Ecloga de morte Iohannis Stigeli, 1562, Bl. B4v, V. 31-33).
  323. [D]icere illum memini: Si vera et consentanea sint, quae de aegritudine, et omnibus perturbationibus a natura hominis removendis, a Stoicis disputentur et asserantur, omnino se fateri, quod in sapientum numero collocari non possit. Non obscure enim se, et varie affici, atque etiam saepe graviter perturbari, significabat, cum ob praesentia, tum impendentia pericula et incommoda, et propius accedentem mortem (Freyhub, Oratio in funere Camerarii (Druck), 1574, Bl. C3r/v).
  324. Huth 2023, 76.
  325. Zu Theriak und Mithridateion in der frühen Neuzeit und zur Nürnberger Apothekerordnung von 1529, die u.a. auch Zubereitung und Verkauf von Theriak regulierte, vgl. Huth 2023, 68-70; zur Gliederung und zum Inhalt des "Commentariolus" vgl. ebd., 75f.; eine Edition und Übersetzung von (a) und (b) ebd., 218-227; eine Analyse von (b) ebd., 77-80.
  326. Eine Analyse sowie eine Edition und Übersetzung der Widmung gibt Huth 2023, 80-83 und 228-232. Die Übersetzung wurde 1536 in der lateinischen Galen-Ausgabe bei Andreas Cratander erneut abgedruckt und fand auch Eingang in spätere lateinische Ausgaben.
  327. Vgl. Huth 2023, 73f. mit Belegstellen.
  328. Vgl. Huth 2023, 74f. mit Belegstellen.
  329. Zum Aufbau der Schrift vgl. die Streckenbeschreibung des Druckes und Huth 2023, 73-75; zur zeitlichen Reihenfolge der enthaltenen Werke vgl. ebd., 72: "Commentariolus" – Theriakgedichte (beides an Magenbuch gerichtet) – "De theriacis ad Pamphilianum" (lat.) mit Widmungsbrief an Schütz.
  330. Zur Flucht von Camerarius' Familie auf das Landgut und zur Situation in Nürnberg vgl. den "Commentariolus", a5v und die Widmung an Schütz, b6v. In einem Brief an Lazarus Spengler, der in Nürnberg geblieben war und Camerarius vom Tod Georg Hoppels unterrichtet hatte, schreibt Camerarius, er beeile sich, in die Stadt zurückzukehren (in urbem reverti accelerabo; OCEp 0433, dat. Mitte Dezember 1533). Zum Aufenthalt in Eschenau und der dort angesiedelten Ekloge V ("Marile") vgl. Taegert 2023, 199-206 mit Literatur. In Eschenau enstand wohl der Großteil der von Camerarius' Sohn Ludwig 1568 herausgegebenen Eklogen, vgl. ebd., 199 mit Zitat aus dessen Widmung an Anton von Ortenburg (A3v).
  331. Nach dem Tod von Aldus Manutius 1515 war die Leitung der Druckerei von dessen Schwiegervater Andreas Asulanus übernommen worden; an der Erstellung der fünfbändigen Galen-Ausgabe im Folioformat wirkte eine Gruppe Gelehrter mit, darunter als "oberster Textgestalter" (Mani 1956, 40) der Arzt und Humanist Giovanni Battista Opizzoni (zu den Mitarbeitenden vgl. ebd., 40-42; zu den Druckvorlagen ebd., 42f. sowie Gundert 2006, 82f. und Fortuna 2019, 444). Die Edition war im Sommer 1525 zum größten Teil abgeschlossen und wurde im Frühjahr 1526 ausgeliefert (Gundert 2006, 81). Zur Leistung und zu den Defiziten der Aldine vgl. Fortuna 2019, 444f.
  332. Quia autem in vestra arte libenter semper essem versatus, incubui pene totus in hanc, et quae nunc quidem in hac penuria librorum, optimus autor Galenus de medicamentis tradidisset, percensui, quae pars post percursos eius libros, qui extarent omnes, restabat (OCEp 1507, b6v).
  333. "Commentariolus", a5v.
  334. Ebd.
  335. Ebd.
  336. Johannes Schütz von der Weyll wird nachweislich 1536 vom Nürnberger Rat mit der Visitation von Apotheken betraut (vgl. Huth 2023, 73), ggf. war er auch schon vorher mit entsprechenden Aufgaben befasst.
  337. OCEp 0109 (dat. 06.07.1534).
  338. Vgl. die lobende Stellungnahme der Drucker, Band III, α2v; zu Gemusaeus vgl. Ueli Dill, Art. "Gemuseus, Hieronymus", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 18.02.2008, Abruf am 05.07.2023. Gemusaeus war mit Andreas Cratanders Tochter Sibylla verheiratet.
  339. Vgl. das Inhaltsverzeichnis des 4. Bandes. Einen synoptischen Überblick über die Galen-Editionen (mit normierten Titeln der Einzelwerke) gibt das CMG.
  340. GG 319.
  341. GG 353.
  342. Vgl. Huth 2023, 105.
  343. Stellen aus den Paratexten der Galenausgabe 1538 bei Huth 2023, 105; vgl. ebd., 113f. zu den Positionierungen von Fuchs und Camerarius. Fortuna 2019, 445 räumt bei allen Verdiensten der Aldine ein, ihr griechischer Text sei "far from perfect", betont aber zugleich, dass die Basler Edition nicht viel besser gewesen sei ("However, the next Greek edition of Galen, printed […] in Basle in 1538, was not much better than the Aldine […]"). Vgl. zum Einfluss der beiden Ausgaben auch Huth 2023, 117.
  344. Vgl. etwa die Widmung von Gemusaeus an Guillaume du Bellay, Band I, [α6]r oder das Vorwort der Drucker an den Leser, Band III, α2r.
  345. Band III, α2r.
  346. Vgl. auch die Äußerung der Drucker, Band III, α2v.
  347. Mani 1956, 390 mit Anm. 4.
  348. Nutton 2022, 108.
  349. Band IV, *2r/v mit Analyse in Huth 2023, 109-115 sowie Edition und Übersetzung ebd., 235-239.
  350. Band IV, *2r.
  351. Vgl. Gundert 2006, 85 und ebd., 86-90 mit Analyse der Annotate. Auf dieses Exemplar dürfte auch Leonhart Fuchs anspielen (exemplar ex Anglia transmissum, Band II, A2r), vgl. Huth 2023, 238f. mit Anm. 684f.
  352. Nach Gundert 2006, 98 wurden viele dieser Annotate in der Basler Ausgabe übernommen, einige andere Änderungen sind auf den Beizug der von Camerarius erwähnten nachaldinischen lateinischen Übersetzungen zurückzuführen, weitere sind Konjekturen der Herausgeber und Berichtigungen von Satzfehlern oder orthographischen Unregelmäßigkeiten.
  353. Band IV, *2v.
  354. Ebd. Diesem editorischen Arbeits- und Rechenschaftsbericht des Camerarius steht die Einschätzung von Konrad Koch entgegen, der ihn gänzlich abhängig von der Aldine sieht: Quartam partem editionis Basileensis curavit Joachim Camerarius, totus ab editione principe pendens (Corpus Medicorum Graecorum V 4,2, praefatio, XXII), zit. bei Mani 1956, 390 Anm. 4.
  355. Vgl. zu diesem Thema Berrens 2024.
  356. Vgl. Xenophon, Hippocomicus, 1556, Bl. G5r.
  357. Nulla autem certe est ansa, qua apprehendi possit vera et certa sententia, et animi conceptio, et cogitationis inventum, nisi orationis: quam qui non comprehendit, huic cetera etiam elabantur necesse est (Camerarius, Commentarii utriusque linguae, 1551, Bl. α4r).
  358. [C]um autor curiosa pene diligentia exquisiverit partium in corpore humano nomina, quo mensurationes certiores essent, quibusdam etiam nova imposuerit, confido fore ut studiosi versionis vel hac in parte difficultatem intelligant. Nam reliqua praetereo quae et ipsa non possint facilia videri fuisse, cum in hoc genere quod imitaremur, antiquorum extaret nihil (Dürer, De symmetria partium in rectis formis humanorum corporum, 1532, Bl. A4v).
  359. Vgl. Dürer, De symmetria partium in rectis formis humanorum corporum, 1532, Bl. A5r/v.
  360. Vgl. Berrens 2024, 270f.
  361. Baier 2017, 78. Vgl. dort auch zur programmatischen Bedeutung des Werks. Vgl. außerdem Kößling 2000 für eine detaillierte Untersuchung.
  362. Vgl. Camerarius, Commentarii utriusque linguae, 1551, Bl. M6r.
  363. Vgl. Camerarius, Commentarii utriusque linguae, 1551, Bl. α4r.
  364. Vgl. Camerarius, Commentarii utriusque linguae, 1551, Bl. β1v.
  365. Wie in dem zuvor angesprochenen Werk "Partium humani corporis nomina" basiert auch die "Διασκευὴ ὀνομαστική" auf den Texten antiker Autoren. "Neuere Befunde und Erkenntnisse, die nicht nur neuer Begrifflichkeiten bedurften, sondern eben auch diese antiken Schriften in der Sache in Frage stellten, lässt er außen vor" (Berrens 2024, 275f.
  366. [D]um versor in scriptis veterum autorum, horumque libros lego, annotavi praecipuorum verborum in his usum: quo comperto, olim ex amicis quidam nostris censuerunt ea quae collegissem, a me edi et publicari oportere (Camerarius, Commentarii utriusque linguae, 1551, Bl. β1v).
  367. Vgl. Camerarius, Commentarii utriusque linguae, 1551, Bl. β1v-2r.
  368. Vgl. Kößling 2000, 65f.
  369. Vgl. Camerarius, Commentarii utriusque linguae, 1551, Bl. β2r.
  370. Vgl. Camerarius, Commentarii utriusque linguae, 1551, Bl. β2r/v.
  371. Et parva tamen ista atque humilia, magna commoda et fructum singularem allatura esse studiosis utriusque linguae, mihi persuasum est. Et potuerunt haec tanquam fundamenta esse, super quibus aliorum observatio et attentio et sagacitas, maiora alia et magis spectabilia extruat ac collocet (Camerarius, Commentarii utriusque linguae, 1551, Bl. β2v).
  372. Vgl. Summerus 1646, Bl. D5r.
  373. Vgl. Summerus 1646, Bl. D5r. Weiterhin erwähnt Summer, dass zu diesem Werk bereits ein ausführlich ausgearbeitetes Vorwort vorliege.
  374. Quod privilegium in praesentia tibi IOACHIMO Camerario Pabergensi ... autoritate ... Imperatoris Romanorum Caroli Quinti, confirmamus: atque edicimus, Ne quis impressor contra sententiam nostram intra tempus praescriptum annorum, nisi te concedente, ullum abs te emendatum compositumve librum quo in genere supra dictum est, nominatim vero ... Nomina Graeca et Latina partium humani corporis, morborum, coniunctionum, agriculturae, per te congesta ... typis describere ausit (Camerarius, Commentarii utriusque linguae, 1551, Bl. M6r; ebenso Linacre, De emendata structura, 1545, Bl. Aa7v-a2r).
  375. Vgl. Selnecker, De partibus corporis humani, 1554, Bl. A1r.
  376. Vgl. Fuchs, Apologiae tres, 1538, Bl. A1r.
  377. Nunc poteris ex his (in quo sunt omnia) plane / Non modo quid sapias discere, sed quid agas (Fuchs, De medendis passionibus ac febribus, 1539, Bl. 1r).
  378. Quique dedit multis sperato funere vitam, / Per te huic extincto nunc prope vita datur (Hippokrates, Epidemiōn liber sextus, 1537, Bl. A1v).
  379. Vgl. Meurer, De catarrhis disputatio, 1549, Bl. A1r/v.
  380. Vgl. OC 1032.
  381. Zum Begriff des fluxus vgl. auch Stolberg 2003, 129ff. und Stolberg 2022, 127f.
  382. Vgl. Meurer, De catarrhis disputatio, 1549, Bl. A1r.
  383. Vgl. Meurer, De catarrhis disputatio, 1549, Bl. A1v.
  384. Opp. hal. V, 95: ἀλκή δ' ἀνεμώλιος ἄφρων. Camerarius schreibt ῥώμη τις μὲν ἔειπεν ὃτ' ἐστ' ἀνεμώλιος ἄφρων (Meurer, De vera corroborandi ratione capita, 1555, Bl. A1r), unter Austausch des Wortes ἀλκή gegen ῥώμη; dies ermöglicht es ihm, den Wortstamm im Folgevers mit ἄρρωστος für "krank, kraft-los (= ohne ῤώμη)" aufzugreifen.
  385. Man beachte die dritte Verwendung dieses Wortstocks in Antithese zum vorherigen ἄρρωστος.
  386. Vielleicht nach einem Zitat in Athen. deipn. XV, 50 (dann aber ungenau bzw. inkorrekt zitiert): ὑγιαίνειν μὲν ἄριστον ἀνδρὶ θνητῷ, / δεύτερον δὲ καλὸν φυὰν γενέσθαι, / τὸ τρίτον δὲ πλουτεῖν ἀδόλως.
  387. Vgl. Meurer, De recta medendi ratione, 1562, Bl. A1v.
  388. Hier wird Camerarius ebenso wie Hor. epist. I, 19, V. 6 auf die zahlreichen lobenden Epitheta anspielen, die Homer dem Wein beigibt.
  389. Vgl. Hoffmann, De vino eiusque partibus, 1558, Bl. A1v.
  390. Vgl. Ellinger, De erysipelate seu igne sacro, 1560, Bl. A2r/v.
  391. Quod privilegium in praesentia tibi IOACHIMO Camerario Pabergensi ... autoritate ... Imperatoris Romanorum Caroli Quinti, confirmamus: atque edicimus, Ne quis impressor contra sententiam nostram intra tempus praescriptum annorum, nisi te concedente, ullum abs te emendatum compositumve librum quo in genere supra dictum est, nominatim vero ... libros problematum, typis describere ausit (Camerarius, Commentarii utriusque linguae, 1551, Bl. M6r; ebenso Linacre, De emendata structura, 1545, Bl. Aa7v-a2r).
  392. Vgl. Camerarius, Decuriae, 1594, 10f.
  393. Vgl. Camerarius, Decuriae, 1594, 21.
  394. Vgl. Camerarius, Decuriae, 1594, 54ff.
  395. Nach Aristot. insomn. 460b, 20: καὶ τῇ ἐπαλλάξει τῶν δακτύλων τὸ ἓν δύο φαίνεται, ἀλλ' ὅμως οὔ φαμεν δύο· κυριωτέρα γὰρ τῆς ἁφῆς ἡ ὄψις. (Camerarius' Vorschlag: Verschränke Zeige- und Mittelfinger und berühre ein Objekt mit beiden Fingerspitzen gleichzeitig.) Vgl. Camerarius, Decuriae, 1594, 105f.
  396. Vgl. Camerarius, Decuriae, 1594, 18ff.
  397. Vgl. Camerarius, Decuriae, 1594, 84.
  398. Nach Plut. Crass. 33, 5. Vgl. Camerarius, Decuriae, 1594, 106ff.
  399. Vgl. Camerarius, Appendix problematum (Druck), 1596, 26.
  400. Vgl. Camerarius, Decuriae, 1594, 142ff.
  401. Vgl. Camerarius, Decuriae, 1594, 80f.
  402. Vgl. Camerarius, Decuriae, 1594, 88ff.
  403. Vgl. Camerarius, Decuriae, 1594, 98f.
  404. Vgl. Camerarius, Decuriae, 1594, 109ff.
  405. Vgl. Camerarius, Appendix problematum (Druck), 1596, 25.
  406. Vgl. Camerarius, Decuriae, 1594, 158.
  407. An est in his aemulatio etiam dissensionis caussa, uno alterum, exquirendo ea quae eum fugerint, studente superare, et gestiente exhibere aliquid singulare, et reperire quod reprehendat? (Camerarius, Decuriae, 1594, 158).
  408. Quae affectio omnibus in rebus insita est ingenio humano: eoque ista elatio et cupiditas vehementior est, quo animi sunt excelsiores. Laudis enim ac gloriae aviditas inexhausta est, neque facile satiari potest (Camerarius, Decuriae, 1594, 158f.).
  409. Itaque nonnunquam falsa absurdaque defenduntur, et oppugnantur simplicia ac recta, ne cedere unus alteri, aut hoc ille inferior esse videatur (Camerarius, Decuriae, 1594, 159).
  410. Vgl. Camerarius, Decuriae, 1594, 112ff.
  411. Vgl. Dornau, Amphitheatrum, 1619, Bd. 1, 636.
  412. Vgl. Stolberg 2022, 507. "Even those in the highest circles of society – people who could easily afford the help of a physician – were keen to acquire medical knowledge and sometimes engaged in healing practices of their own" (ebd., 508). Vgl. auch Stolberg 2003, 112. Zum weit verbreiteten medizinischen Allgemeinwissen gehörte etwa das Wissen um die "klimakterischen", also gesundheitlich besonders kritischen Lebensjahre: Camerarius erwartet das als kritisch gesehene 63. Lebensjahr voller Sorge, wie er Lazarus von Schwendi am 16.10.1562 schreibt (vgl. OCEp 0928).
  413. Vgl. Camerarius, De Theriacis, 1533, Bl. a5v. Zu Camerarius' Verhältnis zur zeitgenössischen Medizin vgl. Huth 2024.
  414. Lange natur- und sittenphilosophische Abhandlungen haben, wie Camerarius in seinem großen rhetorischen Lehrwerk schreibt, in epistulae familiares keinen Platz. Senecas Briefe an Lucilius seien ebenso wenig Briefe wie Ciceros Werk "De officiis", das ebenfalls einen Adressaten habe. Diese Themen kämen manchmal in kleineren Abschnitten vor, seien aber mit Vorsicht zu behandeln, wenn sie notwendig seien: [I]llae disputationes de natura et moribus, et tota philosophia, non sunt epistolae putandae, quanquam salus praescripta fuerit, sed libri. Nec magis Senecae scripta epistolae possunt videri, quod ad Lucilium missa sint cum praefatione amoris, quam Ciceronis de Officiis liber, similiter ad filium datus: et Plutarchi multa aliquibus inscripta opuscula. Quamvis et haec interdum incidunt, ut epistolis includantur: sed aliena tamen res est a toto genere. itaque caute et prudenter tractabitur, etiam tum, cum necesse fuerit (OC 0387, Camerarius, Elementa rhetoricae, 1541, 197; vgl. auch Huth 2024, S. 295). Entsprechend behandelt Camerarius in seinen Briefen kaum medizinische, Themen, ebensowenig wie naturkundliche oder philosopische Fragestellungen (vgl. Huth 2024, 285ff.).
  415. Vgl. die entsprechenden Datensätze unter http://www.aerztebriefe.de/.
  416. Vgl. München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 9r.
  417. MBW – Regesten online, Nr. 1384 (dat. 07.12.1533): Cum autem in Galeno verseris, quo nos quoque utimur, te rogo, ut nobis impertias, siquos locos invenies, quos arbitrabere nobis profuturos, de temperamentis deque aliis, quae physici magis quam medici quaerunt. Cupimus inserere partes humani corporis. Quas si collegisti, quaeso, ut nobis communices. MBW – Regesten online, Nr. 1400 (dat. 24.01.1534): Galeno valde delector. Tu quoque velim, cum incides in locos venustos περὶ κράσεων aut de humoribus, mihi eos indices. Zu den weiteren Umständen der Entstehung von "De anima" vgl. Helm 1996, 303 und Huth 2024, 289.
  418. Stolberg 2003, 76. Vgl. auch ebd., 84f.
  419. Vgl. Stolberg 2003, 76.
  420. "Haderte ein Schwerkranker mit seinem Schicksal, so konnte er damals in der Regel nicht auf Verständnis hoffen. Gefordert war nach der christlichen Ethik ein geduldiges Erleiden der Krankheit, die von Gott geschickt war" (Jütte 2013, 186).
  421. Vgl. OCEp 1001, Camerarius, Epistolae familiares, 1595, 137f.
  422. Vgl. Jütte 2013, 183.
  423. Jütte 2013, 184.
  424. Fieber waren in der Frühen Neuzeit ein eigenes Krankheitsbild: "A 'fever' was not a symptom but a disease" (Stolberg 2022, 226). Zum Begriff des "Dreitagefiebers" vgl. ebd. 231.
  425. Vgl. OCEp 1043.
  426. Vgl. MBW – Regesten online, Nr. 3510: Nec dubito, quin his gravissimis caussis moveare, cur Ioachimum Camerarium et vere ames et omni genere officii iuvandum esse censeas. ... Etsi igitur scio te tuo iudicio tuaque voluntate omnia tua officia ei delaturum esse, tamen te oro, ut hac in re et rempublicam ipsam intueare et propter eam amanter excipias Ioachimum et adiunctis aliquot equitibus Wircepurgum comiteris. Scis, unde sit ei periculum et quantum et quam iniustum. Melanchthon sorgte sich um Camerarius' Sicherheit, da die Ritter in Franken aufgewühlt (irritati) seien (vgl. auch die Gefangennahme Hieronymus Baumgartners am 31.05.1544); auch wenn Camerarius die Ritter verehre, seien sie mittlerweile doch Wölfen ähnlicher als ihren heroischen Vorfahren (vgl. MBW - Regesten online, Nr. 3700 vom 05.10.1544). Daher verwies er Camerarius zu dessen Schutz an den Coburger Hauptmann Matthäus von Wallenrode (vgl. MBW - Regesten online, Nr. 3511 (dat. 09.04.1544) und 3537 (dat. 25./26.04.1544) und empfahl ihm auch dem Schutz Daniel Stiebars (vgl. MBW - Regesten online, Nr. 3512 (dat. 10.04.1544). Zu Camerarius' Reise in Wallenrodes Begleitung, die sich durch diesen offenbar bis in den Herbst verzögerte, vgl. außerdem MBW - Regesten online, Nr. 3708 (dat. 14.10.1544), 3711 (dat. 16.10.1544) und 3715 (dat. 18.10.1544) (entstanden kurz vor dem Aufbruch). MBW - Regesten online, Nr. 3747 (dat. 03.12.1544) belegt Camerarius' Rückkehr nach Leipzig.
  427. Vgl. OCEp 0945.
  428. Stolberg 2003, 76.
  429. Vgl. OCEp 0942.
  430. "Zur Zeit der damaligen Bauern-Aufruhr hat [Roting] sich zu Bamberg eines entzuendeten Schenkels halben eine Zeitlang aufgehalten; und da ihm derselbe hat sollen abgeschnitten werden/ auch schon deswegen gebunden gewesen ist/ kam ohngefaehr Joach[im] Camerarius dazu und sagte: Nicht/ mein Freund/ Michael/ es ist besser zween als einen Schenkel haben/ ich will dir mit Huelf und Rath nach Moeglichkeit beyspringen. Wie er ihn denn auch hernach mit der Kur ligni Guaiaci gluecklich wieder herstellen lassen" (Will 1757, 411).
  431. Vgl. Jonge 1980.
  432. Vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00000192. Digitalisat in der Briefsammlung Trew unter H62/TREWBR BECH_PHILIPP[1.
  433. Vgl. OCEp 0816 (Edition des Autographs bei Zäh 2013, Nr. 119). Vgl. hierzu auch Huth 2024, 294.
  434. Freilich scheint Freyhubs Kompliment, die körperliche Widerstandskraft und Stärke seines Vaters seien auf Camerarius übergegangen, so ein wenig forciert, zumal angesichts der hervorragenden Gesundheit des Vaters Johannes. Dieser wurde nach Auskunft von Joachim Camerarius d.J. 82 Jahre alt, ohne jemals ein Medikament genommen oder einen Aderlass durchgeführt zu haben. Lediglich Zahnschmerzen plagten ihn ab und an; er starb schließlich an einem Schlaganfall: Pater Ioachimi fuit Iohannes ... Attigit annum 82 nullo unquam Medicamento, nec venae Sectione usus: qui saepe aliis affirmavit se nullo alio genere morbi quam interdum dolore dentium fuisse vexatum. propter aetatem adeo provectam correptus paralysi et tandem ἡμιπληγία extinctus obiit (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 2r).
  435. [D]icere illum memini: Si vera et consentanea sint, quae de aegritudine, et omnibus perturbationibus a natura hominis removendis, a Stoicis disputentur et asserantur, omnino se fateri, quod in sapientum numero collocari non possit. Non obscure enim se, et varie affici, atque etiam saepe graviter perturbari, significabat, cum ob praesentia, tum impendentia pericula et incommoda, et propius accedentem mortem (Freyhub, Oratio in funere Camerarii (Druck), 1574, Bl. C3r/v).
  436. Ac plane videri posset alicui, acumen ingenii materni, vires autem et robur corporis paternum, repraesentasse Praeceptorem nostrum, licet hoc non de toto vitae ipsius tempore, sed peculiariter de provectiore aetate, usque ad afflictiorem extremam senectam, sit intelligendum. Nam in pueritia, adolescentia et iuventute cum variis morbis illum fuisse conflictatum, et diu alterum pedem habuisse male affectum constat. Senectus vero ultima ob vehementiss[imos] nephriticos et disuricos dolores ipsi perquam molesta fuit (Freyhub, Oratio in funere Camerarii (Druck), 1574, Bl. A3v).
  437. https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html.
  438. http://www.aerztebriefe.de/
  439. [15]28: initium mali τῶν ἑλκωσεῶν (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 5r und Nr. 7r).
  440. 1529: cepi laborare ex pede M. Octobri cum fuissem ante(?) M[ensi] Aprili Spirae (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 6, Bl. 1r).
  441. Vgl. München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 7r. Ebd., Bl. 7v: Anno. 1529 fuit in conventu secundo Spirensi et domum reversus gravius ex pede laborare cepit Mense Octobri.
  442. Meum malum nunc incumbit in talum pedis (OCEp 0981, Camerarius, Epistolae familiares, 1595, 118).
  443. OCEp 0983, Camerarius, Epistolae familiares, 1595, 119.
  444. Vgl. Woitkowitz 2003, 39 und wohl Camerarius' Brief an Stiebar vom 20.12.1529 (OCEp 0997).
  445. Eodem anno [sc. 1528] ex leni quodam pruritu, quem inscius Ioach[imus] in balneo calidiore irritaverat defluxio facta est in sinistrum pedem, quam paulo post ἕλκωσις secuta est admodum δυσίδος, quae illum postea per multos annos graviter exercuit (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 7r).
  446. Meum malum nunc incumbit in talum pedis, si ita perget, discesserit aliquando (OCEp 0981, Camerarius, Epistolae familiares, 1595, 118).
  447. Vgl. München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 7v.
  448. Vgl. OCEp 0997 (dat. 20.12.1529).
  449. Itaque ne Ioachimo quidem significare potui, qui domi nunc sese continet, non potens in publicum egredi propter ulcus quod in crure satis habet molestum, quod ego quidem vel phlegmonem cholericam, vel omnino ἕρπετα interpretor. Iamdiu enim serpit ad circumvicinas partes, et tamen non tollitur (Hessus, Epistolae familiares, 1543, 133; vgl. auch https://www.aerztebriefe.de/id/00013034).
  450. Vgl. OCEp 0104.
  451. Vgl. OCEp 0995 (dat. wohl 13.10.1534).
  452. Vgl. OCEp 0112.
  453. Vgl. OCEp 0115 (dat. Januar oder Februar 1535).
  454. [S]pero sicut scripseram superioribus literis, illud malum in pede desiturum esse, cum eo usque descenderit, unde iam amplius descendere, nisi prorsum evanescat, nequeat (OCEp 0113 (dat. 10.02.1535), Camerarius, De Helio Eobano Hesso, 1553, Bl. L8r).
  455. Aiebat (gemeint ist der Bekannte) enim, horresco referens, e crure altero acerbissime te laborare, Corporeque toto exuccum, fere marcere, veluti flores solent Radicib[us] malo aliquo occultiore laborantib[us] (OCEp 0289 (dat. 05.02.1535), zitiert nach München, BSB, Sign. Clm 10368, Nr. 106).
  456. Vgl. OCEp 1006 (dat. 05.03.1535).
  457. Vgl. OCEp 0114 (dat. 15.06.1535).
  458. Vgl. OCEp 1468, Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536, Bl. A2r.
  459. Et sane toto tempore, quo in hac urbe [sc. Norimbergae] fui, non admodum firma valetudine usus sum: haud quidem urbis vitio, sed casu (OCEp 1454 (dat. 05.06.1535), Grynäus, Commentaria in librum octavum Topicorum Aristotelis, 1556, 135f.).
  460. Vgl. OCEp 0143.
  461. Vgl. OCEp 0141.
  462. Vgl. OCEp 1008.
  463. Vgl. OCEp 0451.
  464. Anno. 1536. ... Malum pedis auctum fuit ut interdum claudicare et scipioni innixus publicas doctrinae suae operas frequentare coactus fuerit (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 8v).
  465. [V]alde afflixit me morbus pedis (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 6, Bl. 1v).
  466. Vgl. OCEp 1010 (dat. 29.04.1537).
  467. [Me] morbi mala defatigant, / Et graves pressum cruciant dolores, / Sedulaeque usu medicina curae / Vexat inani(OCEp 0184, dat. 1537, Camerarius, Epistolae Eobani, 1557, Bl. F2v).
  468. Vgl. OCEp 1004.
  469. [M]agna afflictio (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 7).
  470. Vgl. Camerarius, De Philippi Melanchthonis ortu, 1566, 181. Rudolf Gwalther erwähnt dieselbe Reise in zwei Briefen an Heinrich Bullinger (dat. 15.11.1538 (Regest, Faksimile und Transkription bei Bullinger Digital, Nr. 11241) und 26.11.1538 (ebd., Nr. 11244)) und nennt als Motiv die Abberufung Philipp Melanchthons nach Tübingen; für derartige Pläne gibt es allerdings sonst keine Hinweise. Melanchthon selbst erinnert sich ein Jahr später an die Reise, vgl. MBW – Regesten online, Nr. 2314.
  471. Vgl. MBW – Regesten online, Nr. 2108 (dat. 27.10.1538).
  472. Vgl. MBW – Regesten online, Nr. 2113 (dat. 06.11.1538).
  473. Vgl. MBW – Regesten online, Nr. 2118 (dat. 12.11.1538).
  474. vgl. MBW – Regesten online, Nr. 2117 (dat. 12.11.1538).
  475. Vgl. OCEp 0609 (dat. 28.12.1538). Vgl. auch Camerarius, De Philippi Melanchthonis ortu, 1566, 181.
  476. So Camerarius in der Melanchthon-Biographie: Quo in itinere accidit, ut pedis malum, quod mihi iamdiu non solum molestum sed infestum quoque fuisset, et tunc videretur satis bene esse situm, cum vectatione iritatum, tum errore quodam curae recrudesceret, ut metu maiorum cruciatuum, festinantius Vuittenberga discedere cogerer, quam statueram ac volebam (Camerarius, De Philippi Melanchthonis ortu, 1566, 181). Dies deckt sich mit den Informationen aus seinem Brief an Hieronymus Baumgartner vom 28. Dezember: Veruntamen sic quoque fui illic [sc. Vuittebergae] libenter, quamquam exoriens malum illo quo istuc veneram die, non passum fuerit me capere speratum fructum ex consuetudine et usu amicorum. Idem me coegit non solum recta, sed festinanter etiam domum reverti (OCEp 0609 (dat. 28.12.1538), Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 202).
  477. Zu diesem vgl. OCEp 1532 sowie MBW – Regesten online, Nr. 2126.
  478. Vgl. Camerarius, Elegiae ὁδοιπορικαί, 1541, Bl. B8v. Den Besuch des Camerarius bei Sturtz erwähnt auch Hessus in einem Brief vom 23. November an letzteren, in dem er auch die Hoffnung äußert, dass die Reise sich nicht negativ auf Camerarius' Gesundheit auswirke: Ioachimum tecum fuisse, vehementer gaudeo, ac tantum non demiror tantum itineris sumpsisse hominem, utinam non perpetuo quodam cursu valetudiarium (Hessus, Epistolae familiares, 1543, 150). Vgl. auch https://www.aerztebriefe.de/id/00013051. In einem weiteren Brief an Sturtz zeigt sich Hessus noch einmal verwundert, dass Camerarius diese Reise unternommen habe (vgl. https://www.aerztebriefe.de/id/00013052).
  479. Vgl. Camerarius, Elegiae ὁδοιπορικαί, 1541, Bl. B8v.
  480. Deinde ego Francorum madidus coelestibus undis / Invia et in fossa cum cecidisset equus, / Moenia de mustis intravi dicta, nec uno / Me potuere tamen plus retinere die (Camerarius, Elegiae ὁδοιπορικαί, 1541, Bl. B8v). Dass Camerarius einen Tag in Würzburg blieb, ist leicht zu erklären: Der Brief an Hieronymus Baumgartner vom 28.12.1538 erwähnt einen eintägigen Aufenthalt ebendort aufgrund eines Hufeisenwechsels (Nusquam igitur in itinere substiti nisi Wircepurgi, dum novae soleae equo inducuntur, diem unum, OCEp 0609, Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 202). So lässt sich auch der Sturz erklären: Camerarius Pferd hatte vermutlich im tiefen Schlamm ein oder mehrere Hufeisen verloren und rutschte daher aus.
  481. Hinc ego ad usurpata prius dum balnea tendo, / Praedita quae medicis viribus esse putant / Balnea vicinae stagnantia valle Tubingae / Quae patriae est annis nunc mihi terra tribus. / Hos animo spectans latices ita saepe precabar: / Fite salutares sicut et ante mihi (Camerarius, Elegiae ὁδοιπορικαί, 1541, Bl. B8v). Dieser Aufenthalt muss mithin im November 1538 erfolgt sein.
  482. Ego de Saxonia retuli ... pedem afflictissimum: multo quidem magis quam cum morbus inciperet, metuebam. ... Nunc cum perpetuis cruciatibus conflictor, et curationem experior esse difficiliorem quam speraveram (OCEp 0609 (dat. 28.12.1538), Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 202).
  483. Et me scis modo tam male ambulare, / Quam quondam Euboicus male ambulavit / Arcus Herculei relictus haeres / Tristi Lemniaci in specus recessu (OCEp 0324 (dat. 13.02.1539), Camerarius, Epistolae Eobani, 1561, Bl. P7r).
  484. [I]ncidi in aegrotationem gravem et difficilem, de qua nunc etiam vix enitor et molior ingressionem (OCEp 1474 (dat. 18.03.1539), Camerarius, De tractandis equis, 1539 Bl. A2r).
  485. Vgl. Camerarius, Elegiae ὁδοιπορικαί, 1541, Bl. C1r.
  486. Dafür spricht, dass das Bad ihm keine Erleichterung verschaffte, ebenso wie die Formulierung im Hodoeporicon: Ergo reclinatum accepit me protinus ille, / Haec qui scribentem nunc quoque lectus habet. / Disco et praevisos patienter ferre dolores, / Atque animo veterem spem retinere meo (Camerarius, Elegiae ὁδοιπορικαί, 1541, Bl. C1r). Dass Camerarius einmal von "Schmerzen" (dolores) spricht und zweitens von solchen, die vorhersehbar waren (praevisos), ist ein deutliches Zeichen, dass es um sein Fußleiden geht und nicht um eine Ansteckung bei seiner Familie.
  487. Ego de Saxonia retuli longo itinere et diuturna agitatione pedem afflictissimum: multo quidem magis quam cum morbus inciperet, metuebam. Itaque hic me casus valde consternavit, docuitque non nimium confidere viribus meis (OCEp 0609 (dat. 28.12.1538), Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 202).
  488. Minime timentem his diebus rursum cruris dolores acres me invaserunt. Adhuc tamen ingredior, et interdum legens aut scribens aliquid obruo sensum mali: noctum autem quid contra moliar non habeo (OCEp 1016 (dat. 21.11.1539), Camerarius, Epistolae familiares, 1595, 156). Melanchthon wusste davon allerdings noch nichts: Er ging am 27. November nach einem entsprechenden Brief Veit Dietrichs davon aus, dass Camerarius bei guter Gesundheit sei (vgl. MBW – Regesten online, Nr. 2314).
  489. Melanchthons Antwort vom 20.05.1541 ist erhalten, vgl. MBW – Regesten online, Nr. 2701.
  490. Vgl. OCEp 1259 (dat. 01.11.1541).
  491. Vgl. etwa MBW – Regesten online, Nr. 2647 (dat. 28.03.1541) und MBW – Regesten online, Nr. MBW 2672 (dat. 19.04.1541).
  492. So in MBW – Regesten online, Nr. 2692.
  493. Vgl. OCEp 0606 (dat. 01.05.1545).
  494. Vgl. OCEp 0983. Dass der Grund für den Arztbesuch Camerarius' Fußleiden ist, scheint wahrscheinlich, geht allerdings nicht explizit aus dem Brief hervor.
  495. Dat. 26.07.1531: De valetudine tua sum sane sollicitus, et audio te periculose decubuisse; mihi videtur fluxus non posse sine periculo obstrui, quare etsi hoc quoque molestum est, lenibus remediis velim te eum moderari. Obsecro te de hac re disputes cum medicis istic (zitiert nach CR II, Nr. 995, Sp. 515). Vgl. auch MBW – Regesten online, Nr. 1167.
  496. Utere omnino consiliis doctiss[imorum] Medicorum, quicquid statues mi Ioachime (OCEp 0115, Camerarius, De Helio Eobano Hesso, 1553, Bl. M2r).
  497. Vgl. OCEp 0452 an Niger (dat. 01.06.1536) und OCEp 1008 an Stiebar (dat. 26.08.1536).
  498. Vgl. München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 8v.
  499. Vgl. München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 8v.
  500. Vgl. München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 9r. Vgl. auch München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 6, Bl. 1v.
  501. Vgl. München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 9v. Vgl. auch München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 6, Bl. 1v.
  502. Vgl. OCEp 0272 (dat. 03.08.1536) sowie OCEp 0273 (dat. 20.08.1536).
  503. Vgl. einen Brief vom 08.08.1536 (Regest unter http://www.aerztebriefe.de/id/00020665 ): Valetudinem tuam nonnihil adversam tibi esse valde doleo, sed spero eam tibi secundam fore, si, quod omnino facere debes, eam curaveris, permisso quodam studiis tuis laxamento (Briefsammlung Trew, Sign. H62/TREWBR NIGER_ANTONIUS[2).
  504. Vgl. etwa OCEp 0180 an Hessus (dat. 14.03.1537), OCEp 1010 an Stiebar (dat. 29.04.1537) und OCEp 0161 an Caspar Volland (dat. 1539).
  505. So schreibt Camerarius' Sohn Joachim: Tandem profectus est in plumbarias thermas Lotharingiae. non etiam adeo magno cum fructu: sed satis magnis sumtib[us] (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 9r), wobei er sich auf Camerarius' eigenhändige Notiz stützt: profectus in plumbarias non magno fructu (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 6, Bl. 1v). Vgl. hierzu auch ↓ Badbesuche.
  506. Vgl. OCEp 0606 (dat. 01.05.1541).
  507. Vgl. OCEp 1008 (dat. 26.08.1536).
  508. Thermas quod probas, facis tu quidem benigne, mihi autem hac opella nihil nisi molestiae et taedii quod in lacu perferendum erat, medicina quaesita fuit (OCEp 0615, Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 211).
  509. Dat. 21.09.1534: Περὶ τῶν χειρούργων, ita res se habet. Sunt ubique qui sibi in hoc genere peritissimi videantur, sed me sola chirurgia vix curaverit (OCEp 0999, Camerarius, Epistolae familiares, 1595, 135). Tatsächlich scheint Camerarius hier implizit auch die Kompetenz zumindest vieler Chirurgen in Zweifel zu ziehen. Sein Misstrauen gegenüber der Chirurgie wird sich auch später bei seinem Nierenleiden bemerkbar machen; selbst die Öffnung seines Körpers nach seinem Tod wollte Camerarius laut seinem Sohn Joachim nicht zulassen: De caussa [dysuriae] fuit disputatio varia: alii vesicae exulcerationem, alii lapidem esse putantes: quamvis vero lapidem adesse semper metuerim, nihil tamen certi affirmare possum cum per chirurgum nunquam cathetrum adhiberi voluit timens graviora symptomata: nec post mortem corpus aperiri voluit (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 16v).
  510. Vgl. Schlegelmilch 2019.
  511. Camerarius schreibt knapp: 1540: Ad medicum Kogshovensem(?) profectus frustra. raptatus ab equo. (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 6, Bl. 1v). Sein Sohn Joachim berichtet, auf Camerarius' Notiz gestützt: Anno. 1540. Ad Medicum Chirurgum eo tempore celebrem Konigshovensem in Franconiam orientalem pedis caussa se contulit: sed frustrata est illum spes hac quoque in parte. In itinere vero cum magno periculo raptatus ab equo fuit (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 9r). Für einen detaillierteren Bericht vgl. außerdem OCEp 1017 (an Daniel Stiebar, dat. 07.03.1540).
  512. Vgl. OCEp 1017 (an Daniel Stiebar, dat. 07.03.1540).
  513. Vgl. Stolberg 2022, 299.
  514. Vgl. Hutten 1519.
  515. Vgl. OCEp 1223 (dat. 07.10.1569).
  516. Vgl. Will 1757, 411.
  517. [M]isit ad me Sturtiades ... epistolam, qua lecta intellexi ... id [sc. malum pedis] augeri ... teque cogitare de violento aliquo remedio, quod consilium tuum ut non improbo, sic de Guaiaco valde suadeo ne experiaris, quanquam enim nondum sum collocutus cum Sturciade, tamen scio violentam valde esse medicinam eius ligni, quam vix ferant etiam robusta corpora, cum tuum sit paulo tenuius. Thermas feras forte facilius et levius, Memini quosdam dicere Huttenum diutius potuisse vivere, si ligno illi non credidisset nimium (OCEp 0115, Camerarius, De Helio Eobano Hesso, 1553, Bl. M1v-M2r).
  518. Autograph in der Briefsammlung Trew mit Sign. H62/TREWBR STURTZ_GEORG [1. Vgl. auch https://www.aerztebriefe.de/id/00041264.
  519. Dat. 10.02.1535: [M]ihi pergratum est, quod nostra iudicia conveniunt, de cura Xylina (OCEp 0113, Camerarius, De Helio Eobano Hesso, 1553, Bl. L8r).
  520. Vgl. Hutten 1519.
  521. Vgl. Hutten 1519, Bl. c iii r.
  522. Kästner 2011, 173.
  523. Vgl. Kästner 2011, 173f. Auch Pietro Andrea Mattioli verschrieb in einem Fall Guajak gegen Podagra (vgl. Stolberg 2022, 251).
  524. Vgl. München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 9r.
  525. Vgl. Hutten 1519 und Munger 1949. Vgl. auch Jütte 2013, 49.
  526. Vgl. Stolberg 2022, 299f. und 304ff.
  527. Andererseits lehrte Stromer noch bis zu seinem Tod im November 1542 in Leipzig und gehörte somit ab 1541 zu Camerarius' persönlichem Umfeld; dies mag ein weiterer Impuls für Camerarius gewesen sein.
  528. Dat. Anfang April 1542: De curatione pedis tui magnopere angor ... illud tantum oro, ut caveas, ne maius aliquod incommodum accersas: curationibus sisti fluxum non est utile, deinde Ebeni, quemadmodum mihi lubet nominare, usus in tanta siccitate intestinorum tuorum plurimum habet periculi (zitiert nach CR IV, 799 Nr. 2470). Vgl. auch MBW – Regesten online, Nr. 2924. Die Bezeichnung des Guajakholzes als "Ebenholz" ist dabei nicht ungewöhnlich (vgl. Munger 1949, 204); möglicherweise liegt dies an der identischen Härte beider Holzsorten.
  529. Vgl. Stolberg 2022, 215.
  530. Vgl. München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 6, Bl. 1v und Nr. 8, Bl. 9r.
  531. [S]pero te usum medicationis tuae, non ita multo post melius sensurum, quod ut fiat, Christus velit (OCEp 0334, Camerarius, Epistolae Eobani, 1561, Bl. S1r).
  532. Medicationem nostram his diebus finivimus, de qua nos iubent bene sperare medici. nos igitur interdum quasi dormitantes illas blandissimas τὰς ἐλπίδας omni ratione excitamus, neque consopiri prorsus patimur (OCEp 0615, Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 210).
  533. Camerarius selbst schreibt: 1542: usus medicamento τοῦ ξύλου circa ferias S. Georgii, sic satis sublevatus fui a dolorib[us] pedis sed sensi multo factum imbecilliorem stomachum (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 6, Bl. 1v). Sein Sohn Joachim schreibt in seinem Konzept einer Camerarius-Biographie: Anno. 1542. Usus Medicamento τοῦ ξύλου de consilio Henrici Stromeri Medici Lipsensis celebris: ex quo sic satis fluxus pedis illi esse molestus desiit: sed ventriculum inde debiliorem redditum sensit (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 9r).
  534. Dat. 15.06.1542. Vgl. https://www.aerztebriefe.de/id/00000346.
  535. Ego vero gratiam tibi habeo, quod τὴν σταφυλὴν curare maluisti, quam iter non necessarium ingredi: audiebam enim κατασκῆψαι τὸ ῥεῦμα εἰς γαργαρεῶνα (zitiert nach CR IV, 827 Nr. 2499). Vgl. auch MBW – Regesten online, Nr. 2975.
  536. Zur Begrifflichkeit des fluxus vgl. auch Stolberg 2003, 129ff. und Stolberg 2022, 127f.
  537. Das Fieber war in der frühneuzeitlichen Medizin selbst Krankheit und nicht nur Symptom (vgl. Stolberg 2022, 226). Vgl. weiterhin Stolberg 2003, 194ff.
  538. Valetudo ipsius saepe fuit tentata primum ἑλκώσει pedis molestiss[ima] et diuturna: postea febribus aliquoties (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 17v).
  539. Vgl. München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 5, Bl. 1v. Nr. 7. Nr. 8, Bl. 3v.
  540. Camerarius: 1522: mea febris in Iulio veni febricitans in patriam mense septembri (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 6, Bl. 1r). Sein Sohn schreibt: Anno. 1522. Ipse tertiana febri laboravit: venitque febricitans in patriam mense Septembri (ebd. Nr. 8, Bl. 5r). Vgl. auch ebd. Nr. 5, Bl. 1v und Nr. 7.
  541. Non mihi quod morbo deiectum corpus acerbo / Comminuat vires, aegraque membra trahat, / Seu flammaque geluque alternis fessus anhelem, / Seu casu acta rotet triste gravedo caput, / Ipsa suum, si quis pertentet, vena tenorem / Servat et imposito rite sub ungue salit (OCEp 0128, Camerarius, De Helio Eobano Hesso, 1553, Bl. V1r).
  542. Vgl. München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 6, Bl. 1r.
  543. Sane malum acre fuit, non febris illud quidem, sed καρδιωγμός. Quos etsi saepe sum antehac expertus: tamen omnes priores impetus violentia ista superavit. Cum febris me prorsus reliquisset, recurrerunt illi iterum octavo die, cum omnino fuisset δίαιτα ἀναμάρτητος, neque quicquam rebus caeteris neglectum (OCEp 1154, Camerarius, Epistolae familiares, 1595, 331).
  544. [I]ncidi in febrim acerrimam, in qua accedentes καρδιωγμοὶ me pene interfecerunt. Sed Dei benignitate ἐν ἑβδόμῳ παροξυσμῷ febris institit. Magna autem est adhuc prostratarum virium imbecillitas (OCEp 0697, Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 286).
  545. Anno. 1559. 13. Maii febris tertiana cum vehementi cardialgia illum invasit: a qua tamen septimo paroxysmo fuit liberatus (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 13r).
  546. Vgl. OCEp 0698.
  547. Den Brief edieren Kühlmann/Telle 2001, 64f. Das Autograph befindet sich in der Briefsammlung Trew: H62/TREWBR RHAETICUS_GEORG_JOACHIM[1
  548. Vgl. OCEp 0871.
  549. Anno. 1517. rursum in patriam redire coactus fuit valetudinis adversae caussa: Adiit tamen iterum Lipsiam eodem anno mense Octobri, ibique fuit auditor Petri Mosellani (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 4v).
  550. Vgl. OCEp 0997.
  551. Vgl. MBW - Regesten online, Nr. 3862.
  552. Vgl. OCEp 1510 (dat. 21.11.1550).
  553. Vgl. OCEp 0518.
  554. His diebus graviter aegrotavi, sed poene convalui (OCEp 1074, Camerarius, Epistolae familiares, 1595, 220).
  555. Significatum nobis est mi Ioachime, gravi cum morbo te conflictari coepisse (OCEp 0249, Camerarius, Epistolae Eobani, 1561, Bl. H5r/v).
  556. Vgl. auch Stolberg 2022, 138ff. Zur Bedeutung von Verstopfungen der entsprechenden Wege vgl. Stolberg 2003, 172ff.
  557. Vgl. OCEp 0679.
  558. Dat. 30.03.1556: Nam graviter aegrotavi ἀπ' ἐμφράξεων δι' ἀπεψίας (OCEp 0690, Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 281).
  559. Am 04.06.1555 schreibt Camerarius, wiederum an Hieronymus Baumgartner: Impeditus valetudine hic coactus fui commorari diutius quam constitueram: nam vehemens ἔμφραξις me uno die acerrime afflixit. Sed, Christo gratia, satis bene modo post ἐνέματος usum mihi me habere videor (OCEp 0680, Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 273).
  560. Vgl. OCEp 0716 (dat. 21.02.1562 an Hieronymus Baumgartner).
  561. Laut Joachim Camerarius d.J. litt sein Vater in den folgenden Jahren häufiger an solchen Verstopfungen. Vgl. München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 12r.
  562. Dat. 25.01.1559: valetudo mea nonnihil coepit affligi (OCEp 0522, Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 84).
  563. Dat. 31.08.1563/64: cum his diebus minus firma valetudine uterer (OCEp 0377, Camerarius, Epistolae doctorum, 1568, Bl. L4v).
  564. Excussit ... mihi ... huius officii ... functionem, hoc toto ferme tempore, quo a nobis discessisti, incertissima valetudo (OCEp 0802, Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 441).
  565. Valetudo ipsius saepe fuit tentata ... provectiore aetate Erysipelate (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 17v).
  566. Responderam litteris tuis ... cum quidem admodum adhuc a morbo languerem. Laboraveram enim ἐκκρίσει ἐρασιπελατώδει(!). Id quod iam aliquoties mihi accidit (OCEp 0454, Camerarius, Epistolae doctorum, 1568, Bl. T8r).
  567. Dat. 26.06.1559: Accessit postridie Iduum ad oculi affectionem vehemens exagitatio morbi, de qua nunc etiam sane langueo. Orsus eo die fueram τὰς Ἱκετίδας Euripidis interpretari animo satis alacri, cum sub vesperam me ἔκκρισις ἐρυσιπελατώδης subito perquam inclementer prostravit (OCEp 0772, Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 370f.).
  568. Vgl. Ellinger, De erysipelate seu igne sacro, 1560.
  569. Vgl. OC 0661
  570. Vgl. OCEp 1236 (dat. 26.07.1560).
  571. Vgl. OCEp 0561.
  572. Vgl. München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 17v.
  573. Vgl. OCEp 0196.
  574. Vgl. OCEp 0575.
  575. Vgl. OCEp 0772 an Johann Hommel.
  576. Vgl. OCEp 0717.
  577. Vgl. OCEp 0533.
  578. Lumbi sedendo, oculi spectando dolent (Plaut. Men. V. 882). Vgl. OCEp 0968 (dat. 26.10.1568).
  579. Vgl. OCEp 0562.
  580. Auch auf deutsch die Bezeichnung "Augenspiegel" für die Brille üblich (vgl. das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch: https://fwb-online.de/lemma/augenspiegel.s.0m, sowie das Titelblatt von Johannes Reuchlins Werk "Augenspiegel" (VD16 R 1306, München, BSB, Sign. Res/4 P.lat. 1100 a), das eine Brille zeigt).
  581. Hinweis von Vinzenz Gottlieb. Vgl. Kolde 1883, 445. Vgl. auch Melanchthons Brief vom 31.10.1524 (MBW – Regesten online, Nr. 349).
  582. Im 16. Jahrhundert verfügte man natürlich noch nicht über die Möglichkeit, die Sehschwäche zu messen und entsprechend passende Brillengläser herzustellen. Vielmehr erklärt sich Camerarius' Aussage und auch seine große Begeisterung so, dass man Brillen verschiedener Stärken herstellte und diese solange herumschickte, bis sich jemand fand, dem sie passten. Es war mithin großes Glück für Camerarius, überhaupt eine Brille zu finden, die ihm so gut half, wie er beschreibt, und diese auch noch zu erhalten, bevor jemand anderes ihm zuvorkommen konnte, dem sie ebenfalls passte.
  583. Sed quid esse dicam quod praeter me adhuc nemo est inventus cuius ista specula oculis convenirent, quive per haec non multo obtusius cernet atque solis oculis. Mirantur ergo me et munus verbis augere putant apud quos ego tam acutum per ea uidere glorior, Neque credunt quod res est, quae nudis oculis ἀσαφῆ καὶ ἀμαυρὰ aegre consequor ea accomodans specillis ἀτενῶς καὶ διακριδὸν perspicere (Kolde 1883, 445f.).
  584. Kolde 1883, 446: Iam tamen quidam consuefaciunt si hec gestare et sentiunt profectum quare spes est fore ut certius multa contemplentur (evtl. ist "si" zu "se" zu korrigieren).
  585. Dat. 02.11.1534: Rogo ut mihi mittas aliquid speculorum, quibus nos, ut scis super naso collocatis, ut quae absunt longius conspicere possimus (OCEp 0111, Camerarius, De Helio Eobano Hesso, 1553, Bl. 7r)
  586. Vgl. OCEp 0112.
  587. Für einen kurzen Überblick über Camerarius' Leidensgeschichte vgl. Wendorf 1957, 61.
  588. Joachim Camerarius d.J. schreibt: Dysuria acerrima remansit usque ad extremum: cum multa essent adhibita remedia sine fructu. De caussa huius fuit disputatio varia: alii vesicae exulcerationem, alii lapidem esse putantes: quamvis vero lapidem adesse semper metuerim, nihil tamen certi affirmare possum cum per chirurgum nunquam cathetrum adhiberi voluit timens graviora symptomata: nec post mortem corpus aperiri voluit (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 16v). Eine übliche Abhilfe gegen Blasensteine, die normalerweise die Behandlung eines Chirurgen erforderte, war ein Katheter, um den Stein beiseite zu schieben (vgl. Stolberg 2022, 257 und 263). Freilich waren bei Camerarius die Nieren das Problem, wie er selbst aussagt (s.u.).
  589. Vgl. Stolberg 2022, 259.
  590. Vgl. Stolberg 2022, 262.
  591. Valetudo ipsius saepe fuit tentata ... cumque excessisset annum 53. et sperasset se a nephritide qua vehementer laboravit ipsius mater immunem fore, postea illo affectu crebro et graviter fuit afflictus donec posterioribus annis accederet dysurica πάθη acerbiss[ima] quae etiam tandem illum ut diximus confecerunt (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 17v). Tatsächlich traten Steinleiden in der Frühen Neuzeit offenbar deutlich häufiger auf als heute: Martin Luther litt ebenso an Steinen wie Philipp Melanchthon, Justus Jonas und Erasmus von Rotterdam. Der Grund für das häufige Auftreten der Krankheit ist unklar (vgl. Stolberg 2003, 45 und Stolberg 2022, 256; zu Luther vgl. weiterhin unter anderem MBW – Regesten online, Nr. 1751; zu Melanchthon MBW – Regesten online, Nr. 2592, 3616, 3676, 4123; zu Jonas MBW – Regesten online, Nr. 1811, 3676).
  592. Solebat itaque dicere: Hoc malum, sat scio, mecum συναποθνῄσκεται (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 15v).
  593. Ego cum meo malo non tam luctor, quam ἑτεροζυγῶ. Est enim eiusmodi, ut cum hoc deinceps degendum sit (OCEp 1113, Camerarius, Epistolae familiares, 1595, 268).
  594. Graviter me hos dies aliquot affligit malum eius morbi, quocum mihi luctandum esse intelligo, quam diu duraverit in terris vita mea (OCEp 0563, Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 131).
  595. Vgl. Hippokr. morb. passim.
  596. Dat. 18.01.1566: Quia autem hoc (sc. malum) est τῶν συνθνησκόντων, secundum nostrum Coum, studere scilicet curando oportet, ut feratur minus graviter, cum prorsus depelli nequeat (OCEp 1233, Camerarius, Epistolae familiares, 1595, 443).
  597. Vgl. OCEp 0961 an Cracow (dat. wohl 07.08.1567 (1566 laut Druck)), OCEp 1235 an Ellinger (dat. 05.05.1570) und OCEp 1202 an Crato (dat. 20.04.1573).
  598. Valetudo ipsius saepe fuit tentata ... cumque excessisset annum 53. et sperasset se a nephritide qua vehementer laboravit ipsius mater immunem fore, postea illo affectu crebro et graviter fuit afflictus donec posterioribus annis accederet dysurica πάθη acerbiss[ima] quae etiam tandem illum ut diximus confecerunt (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 17v).
  599. Anno. 1555. ... Augustam rursum tempore conventus profectus et ibidem nephriticis doloribus et ἐκφράξει alvi, quam molestiss[imam] saepius expertus est postea, vehementer laboravit: et tum expertus est multorum singularem humanitatem. (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 12r).
  600. Vgl. OCEp 0680 an Baumgartner und OCEp 0909 an Karlowitz.
  601. Haec scripsi inter saevos cruciatus, quos λιθίασις faciebat. Idem morbus et Ioachimo Camerario incipit molestus esse (zitiert nach CR VIII, 516 Nr. 5823; vgl. auch MBW – Regesten online, Nr. 7550).
  602. Me νεφριτικὰ πάθη sic satis exercuere his diebus, et adhuc sunt molesta (OCEp 0707, Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 296).
  603. Me et aetate gravari, et νεφριτικοῖς πάθεσιν affligi, sentio (OCEp 0767, Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 361).
  604. So Camerarius in einem Brief an Hieronymus Baumgartner vom 21.02.1562: Graviter me afflixit heri ἔμφραξις νεφριτική (OCEp 0716, Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 302).
  605. Vgl. OCEp 1166 (dat. 06.07.1562).
  606. Davon zeugt ein Brief an Hieronymus Wolf vom 24.11.1562 (vgl. OCEp 0831).
  607. Vgl. OCEp 0833 an Wolf und OCEp 1120 an Lorber.
  608. Vgl. OCEp 0838 (dat. 09.08.1564).
  609. Vgl. OCEp 0577 (dat. 12.08.1564).
  610. Vgl. OCEp 1181 (dat. 11.05.1566).
  611. Vgl. OCEp 1221.
  612. Vgl. OCEp 0949.
  613. OCEp 1183.
  614. Vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00042047.
  615. Den genauen Ablauf der Reise über Bamberg nach Nürnberg mit Daten schildert Camerarius Johannes Crato in einem Brief, der im Druck auf den 11.04.1568 datiert ist, der aber mit großer Sicherheit auf 1567 vorzudatieren ist (vgl. OCEp 1190). Vgl. weiterhin u.a. einen Brief an Karlowitz vom 12. April, in dem Camerarius berichtet, er sei trotz seiner nicht optimalen Gesundheit nach Bamberg gereist und halte sich nun in Nürnberg auf (OCEp 0531).
  616. So schreibt Camerarius am 25.05.1567 aus Nürnberg an Crato, er wolle innerhalb eines Monats nach Leipzig zurückkehren (OCEp 1188). Am 07.06.1567 schreibt Camerarius ein weiteres Mal aus Nürnberg, er wolle bald nach Bamberg reisen, wohin sein Sohn Joachim bereits aufgebrochen sei; dort wolle er ca. acht Tage bleiben (vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00009815. Text in Wrocław, UB, Sign. R246, Nr. 42, Bl. 47). Vgl. auch Cratos Brief vom 30.07.1567 (Briefsammlung Trew, Sign. H62/TREWBR CRATO_JOHANNES_I[282).
    Am 12.06.1567 schreibt Camerarius dann aus Bamberg an Denis Lambin, nachdem er aus Nürnberg dorthin zurückgekehrt ist (vgl. OCEp 1141).
  617. Vgl. OCEp 1187 an Crato, OCEp 0579 an Kram.
  618. [H]is diebus experiri cogitabam vecturae equestris agitationem, expetente mea uxore congressum cum consobrina una sua reliqua in huius urbis vicinia (OCEp 0579, Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 157).
  619. Dat. 29.04.1567: Excursio de qua proximis litteris scripsi, male me accepit. Neque quo tendebamus, mihi pervenire licuit. Itaque mansi apud Hailsprunense coenobium cum miliari uno nostrati proficiscendum fuisset longius ad consobrinam meae uxoris, quo ipsa et Ioachimus filius noster perrexit (OCEp 0578, Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 155).
  620. Vgl. OCEp 0532.
  621. Dat. 24.05.1567: Non omnes ea sunt animi firmitate ut valetudinis et senectutis molestias tolleranter atque pacienter ferre possint. Nobis autem philosophiam nostram, quae mortis imo sempiternae beatae atque immortalis vitae, medicatio est, adiumenti aliquid afferre, in malis consolationi esse debet. Filium tuum D[octorem] Ioach[imum] officium suum sedulo facere certo scio, et te hoc tristissimo tempore cum eo esse, laetor (Briefsammlung Trew, Sign. UER-TREWBR CRATO_JOHANNES_I[277).
  622. Ioachimus adhuc abest Lipsia. Detinetur enim nephritide Noribergae adeo saeva et periculosa, ut nullas se vel commotiones corporis vel vectationes quantumvis leves tolerare posse queratur ([Ernst Volger: Katalog der Gelehrtenbriefe des 16. Jahrhunderts in Breslau und Schlesien], ms. Breslau 1886, Bd. 3 (Wrocław, UB, Akc 1967/8-[3]), 153, Nr. 3945). Vgl. auch http://www.aerztebriefe.de/id/00019207.
  623. An Joachim Camerarius d.Ä. schreibt er am 13.06.1567: Ex literis quas proxime a D[octore] Ioachimo F[ilio] tuo accepi, te in Academiam rursus cogitare intellexi (H62/TREWBR CRATO_JOHANNES_I[278). An Joachim Camerarius d.J. schreibt Crato am 12.07.1567: Accepi nudiusquartus tuas literas pridie K[a]l[endas] Junii scriptas, quae dolorem animi mei quem ex epistola D[octoris] Peuceri cui III. d[ie] Iunii asscriptus est sunt consolatae. Nam in ea epistola erat, ita acerbis et periculosis nephriticis cruciatibus patrem tuum Norimbergae conflictari ut nulla spes reditus in Academiam esse videatur (H62/TREWBR CRATO_JOHANNES_I[719).
  624. Vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00019208.
  625. Dat. 22.07.1567: Nuntiabatur hic nobis te relicta Academia, ivisse in patriam, ac statuisse reliquum vitae tempus ibidem transigere. ... Hanc vero nobis solicitudinem literae tuae mense Maio exaratae, facile exemerunt, quibus significas mihi te de reditu Lipsiam cogitare, Quod ut fiat te sano et incolumi ex animo precor (H62/TREWBR STOIUS_MATTHIAS[37). Die Korrespondenz von Camerarius und Stojus untersucht Alexander Hubert ausführlich in seiner am Camerariusprojekt angesiedelten Dissertation.
  626. Vgl. OCEp 1188.
  627. Dat. 22.07.1567: Hanc vero nobis solicitudinem literae tuae mense Maio exaratae, facile exemerunt, quibus significas mihi te de reditu Lipsiam cogitare (H62/TREWBR STOIUS_MATTHIAS[37).
  628. Vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00009815. Text in Wrocław, UB, Sign. R246, Nr. 42, Bl. 47.
  629. Vgl. OCEp 1141.
  630. De me ita sese res habet, ut saepe indicatum tibi malum mihi pertinaciter adhaereat. Caetera sunt, pro aetate mea, adhuc tolerabilia ( http://www.aerztebriefe.de/id/00009815 (dat. 07.06.1567). Text in Wrocław, UB, Sign. R246, Nr. 42, Bl. 47).
  631. Dat. 30.07.1567: Tuas literas quibus VII D. Iunii Norimberga ascripsisti, nudiustercius Vienna huc [sc. Posonium] missas accepi, ac quantum in hac miseria et calamitate rerum omnium licet, cum voluptate eas legi. Melius enim te valere ostendebant, quam ego solicite cogitabam (Briefsammlung Trew, Sign. H62/TREWBR CRATO_JOHANNES_I[282).
  632. Tibi τὰ νεφριτικὰ παθήματα molesta esse doleo (Briefsammlung Trew, Sign. H62/TREWBR CRATO_JOHANNES_I[283).
  633. [Ν]εφριτικὰ πάθη mihi molesta esse non desinunt, ut metuendum sit, ne χρόνια evadant, quae solent in senibus secundum Hippocratem συναποθνήσκειν. Mihi itaque ex voluptatibus illiteratis eripietur scilicet praecipua equitationum, cum commotiones omnes vehementiores me male accipiant (OCEp 0961, Camerarius, Epistolae familiares, 1595, 93).
  634. Vgl. OCEp 0534.
  635. So schreibt Crato am 29.10.1567 an Joachim Camerarius d.J.: D. Casparus haec ad me scripsit: ["]De Ioach[imo] quid polliceri possim nescio. Fortasse spem tibi fecit, ut se abs te liberaret. Egredi domo vix potest et vectationes difficulter fert.["] Itaque non instabo amplius (Briefsammlung Trew, Sign. H62/TREWBR CRATO_JOHANNES_I[729).
  636. Vgl. OCEp 0559 (dat. 31.03.1568).
  637. Vgl. OCEp 1191 (dat. 05.08.1568, vermutlich aber einige Tage später; s.d.).
  638. Vgl. OCEp 0535.
  639. Vgl. OCEp 0922 (an Karlowitz).
  640. Vgl. OCEp 0876 (an Georg Fabricius).
  641. Vgl. OCEp 0935 (an Florian Griespek von Griespach).
  642. Vgl. OCEp 1231 (an Theodor Zwinger).
  643. Vgl. OCEp 0968.
  644. Anno. 1568. ... Cum mense Novembri rursum illi ad suos satis longum iter in magno insuper frigore esse suscipiendum, ex hac peregrinatione vires eius valde attritae fuerunt: et morbus ipsius nephriticus et vesicae malum illum postea indies gravius afflixit (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 14v-15r).
  645. Anno. 1569. δυσουρία vehementiss[ima] illum afflixit. Multa remedia fuere adhibita, et ab exteris quoque Medicamenta illi plurima communicata: verum ipse ut erat rerum Medicarum non imperitus, semper allegabat Aph[orismum] Hipp[ocraticum] Vitia renum et quae sunt circa vesicam in senib[us] difficulter sanantur. Solebat itaque dicere: Hoc malum, sat scio, mecum συναποθνῄσκεται. Miratus saepe sum firmitatem cerebri ipsius. nam cum saepe integras noctes non solum insomnes sed cum max[imis] cruciatib[us] transegisset, paulum postea tamen sentiens levationem a morbo, statim scribendo vel legendo erat occupatus.
  646. Vgl. OCEp 0924 (dat. 29.03.1569).
  647. Dat. 06.07.1569: Post eas statim litteras, quas prox[ime] ad te dedi, tanti dolores me vesicae et alvi afflixere, ut potuisse eos in hac senectutis imbecillitate sustineri omnes admirati fuerint. Habui tamen Dei aeterni benignitate praesentem tunc fortuito adventu Ioachimum filium meum medicum (OCEp 0540).
  648. So Camerarius in einem Brief an Johannes Sambucus vom 22.01.1570 (OCEp 1211): Nuper usu medicamentorum valde fuerat irritatum malum. Nunc ἀνέχεσθαι καὶ ἀπέχεσθαι soleo.
  649. Vgl. OCEp 0969.
  650. Vgl. OCEp 1136.
  651. Vgl. OCEp 0544.
  652. Vgl. OCEp 0483.
  653. Vgl. OCEp 1197 (an Crato, dat. 05.10.1570).
  654. Nach dem in Bamberg entstandenen Brief an Crato folgen bis Februar 1571 mehrere Briefe, die Camerarius aus Nürnberg schrieb. Vgl. hierzu OCEp 0841 (an Hieronymus Wolf, dat. 21.10.1570), OCEp 0545 (an Karlowitz, dat. 03.11.1570), OCEp 0925 (an Karlowitz, dat. 12.11.1570), OCEp 0842 (an Hieronymus Wolf, dat. 20.11.1570), OCEp 0546 (an Karlowitz, dat. 24.12.1570), OCEp 0843 (an Hieronymus Wolf, dat. 11.01.1571) und OCEp 1448 (an Georg Ludwig von Hutten, dat. 21.02.1571). Die Rückkehr nach Leipzig bezeugt ein Brief an Hubert Languet vom 26.03.1571 (vgl. OCEp 1137).
  655. So Camerarius u.a. in zwei Briefen an Christoph von Karlowitz: Vgl. OCEp 0545 (dat. 03.11.1570) und OCEp 0925 (dat. 12.11.1570).
  656. So Camerarius gegenüber Christoph von Karlowitz am 24.12.1570 (vgl. OCEp 0546).
  657. Anno. 1571. Fuit in patria una cum coniuge et Norimberga hospite et Medico, ut solebat dicere, usus filio suo Ioachimo. Haec fuit ultima ipsius profectio in Franconiam quam propter adversam valetudinem vix potuit assolvere. (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 15v). Vgl. auch einen Brief an Hieronymus Wolf vom 21.10.1570 (vgl. OCEp 0841).
  658. Anno. 1571. ... Interfuit nuptiis filii Philippi i[uris] c[onsul]ti (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 15v). Vgl. auch OCEp 0843 (an Hieronymus Wolf, dat. 11.01.1571) und OCEp 1448 (an Georg Ludwig von Hutten, dat. 21.02.1571).
  659. Vgl. OCEp 1137 (dat. 26.03.1571).
  660. Vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00047451.
  661. Vgl. OCEp 1224.
  662. Mea valetudo hoc toto anno et dubia et infirma semper, et interdum admodum adversa atque gravis fuit, cum qua nunc etiam graviter conflictabar. Itaque operae studiorum meorum indies fiunt languidiores (OCEp 0971, Camerarius, Epistolae familiares, 1595, 105).
  663. Camerarius an Dudith, dat. 05.09.1571, ed. Szczucki/Szepessy 1995, Nr. 268, S. 283f.
  664. Vgl. OCEp 1199.
  665. Vgl. OCEp 0846.
  666. Vgl. OCEp 1138 (dat. 21.11.1572).
  667. Vgl. OCEp 0486 (dat. 12.08.1573).
  668. Vgl. OCEp 0563 (dat. 12.07.1573).
  669. So Camerarius in einem Brief an Christoph von Karlowitz von diesem Datum (vgl. OCEp 0548).
  670. Anno. 1574. post obitum coniugis suae, eius fidelem operam saepe requirebat, accedentibus quotidie variis curis et molestiis, cum etiam una cum annis morbi augerentur (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 16r/v).
  671. Dysuria acerrima remansit usque ad extremum: cum multa essent adhibita remedia sine fructu (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 16v).
  672. Anno. 1569. δυσουρία vehementiss[ima] illum afflixit. Multa remedia fuere adhibita, et ab exteris quoque Medicamenta illi plurima communicata: verum ipse ut erat rerum Medicarum non imperitus, semper allegabat Aph[orismum] Hipp[ocraticum] Vitia renum et quae sunt circa vesicam in senib[us] difficulter sanantur. Solebat itaque dicere: Hoc malum, sat scio, mecum συναποθνῄσκεται. (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 15r/v).
  673. Mihi νεφριτικὰ πάθη perquam molesta sunt, et ad levissimas commotiones fit τὸ οὖρον αἱματῶδες. Est apud nos D. Severinus, qui τροχίσκους apparare solet ad hoc malum cum oleo succini, de quo medicamento quaeso te significa mihi sententiam tuam (OCEp 1221 (dat. 1566), Camerarius, Epistolae familiares, 1595, 426f.). Dass es sich bei "Severinus" um Severin Göbel handelt, geht aus Stojus' Antwortbrief vom 21.02.1567 hervor (vgl. Briefsammlung Trew, Sign. H62/TREWBR STOIUS_MATTHIAS[35).
  674. Vgl. OCEp 1181.
  675. Vgl. Stojus' Brief an Camerarius vom 26.11.1566 (Briefsammlung Trew, Sign. H62/TREWBR STOIUS_MATTHIAS[34). Eine Edition des Rezepts wie auch der gesamten Korrespondenz zwischen Stojus und Camerarius ist in Vorbereitung.
  676. Vgl. Stojus' Brief an Camerarius vom 06.04.1572 (Briefsammlung Trew, Sign. H62/TREWBR STOIUS_MATTHIAS[47).
  677. Vgl. OCEp 1211 (dat. 22.01.1570).
  678. Vgl. Stolberg 2022, 262.
  679. Te more tuo vel iam esse, vel mox fore in thermis arbitrabamur. Quae sane a me quoque frequentarentur, neque ἀνωφελίμως, vt puto, si propius abessemus, vt olim cum Tubingae viximus (OCEp 0845, Camerarius, Epistolae familiares, 1583, 493; ediert in Zäh 2013, Nr. 415).
  680. Vgl. Stolberg 2022, 264.
  681. Stolberg 2003, 46.
  682. De caussa [dysuriae] fuit disputatio varia: alii vesicae exulcerationem, alii lapidem esse putantes: quamvis vero lapidem adesse semper metuerim, nihil tamen certi affirmare possum cum per chirurgum nunquam cathetrum adhiberi voluit timens graviora symptomata: nec post mortem corpus aperiri voluit (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 16v).
  683. So in seinem Brief an Camerarius vom 25.08.1570 (Briefsammlung Trew, Sign. H62/TREWBR STOIUS_MATTHIAS[44): Mörlinus vult λιθίασιν τῆς κύστεως curari incisione. Cum Princeps Illust[rissimus] meum de hac re consilium peteret, omnino dissuasi ne extrema illa tentarentur. Sed fortassis DEUS nos ita liberare vult a rabiosa bestia.
  684. Wagenmann, Julius August, "Mörlin, Joachim" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 322-324 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11692960X.html#adbcontent.
  685. Dat. 24.08.1573: D. Zopelius noster tibi, ut arbitror, notus diu eiusmodi cruciatibus affectus est, quos cum ferre non posset, Chirurgum adhibuit, qui sectione grandem calculum exemit. Sed ut ista aetate idem facias autor esse nolim (Briefsammlung Trew, Sign. H62/TREWBR CRATO_JOHANNES_I[445).
  686. Vgl. OCEp 1204.
  687. Vgl. Stolberg 2022, 262.
  688. Valetudo ipsius saepe fuit tentata ... cumque excessisset annum 53. et sperasset se a nephritide qua vehementer laboravit ipsius mater immunem fore, postea illo affectu crebro et graviter fuit afflictus donec posterioribus annis accederet dysurica πάθη acerbiss[ima] quae etiam tandem illum ut diximus confecerunt (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 17v).
  689. Vgl. einen undatierten Brief Meurers an Camerarius ( http://www.aerztebriefe.de/id/00000935).
  690. Vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00040782.
  691. Vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00041256 (dat. 27.03.1590).
  692. Vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00040784.
  693. Materteram tuam Schilteliam reb[us] humanis superiori Mense exemptam esse, procul dubio tibi non erit obscurum (Briefsammlung Trew, Sign. H62/TREWBR DÖRER_ANDREAS[13). Vgl. auch http://www.aerztebriefe.de/id/00041257.
  694. Anno. 1574. post obitum coniugis suae, eius fidelem operam saepe requirebat, accedentibus quotidie variis curis et molestiis, cum etiam una cum annis morbi augerentur. tandem ob continuos cruciatus in excernenda urina, natura fuit prostrata, ac propter vigilias et ἀσιτίαν max[imam] paulatim vires decreverunt, sensib[us] tamen tam interiorib[us] quam exteriorib[us] integerrimis, cum inprimis memoriae vigor ad ultimum usque permaneret mirabilis. Memini eum cum 17. die ante obitum ad ipsum venirem, ad me dicere, animo praesenti, Facultas naturalis plane iam periit: animalis satis adhuc est integra, vitalis durabit quamdiu Deo visum fuerit (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 16r/v). Zu den Begriffen facultas naturalis, animalis und vitalis vgl. Stolberg 2022, 35.
  695. Tandem itaque assidua invocatione filii Dei animum efflavit 17. April. hora p. m. 6. Annos natus 74 et dies 5 (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 16v).
  696. Vgl. Bersman, Poemata, 1576, 229.
  697. Quod ad funus meum attinet: cupio efferri corpus meum in commune coemeterium, et Eleemosina in pauperes, pro facultatibus superstitum, et pro eo ac res feret, sumtibus parci non volo. Sed omnem pompam removeri tam invitationis, quam deductionis, quam etiam musicarum cantilenarum, iubeo (Testament, 96).
  698. Petiit ante obitum ut sine pompa funus eius efferretur, et iuxta coniugem suam sepeliretur quod studiose liberi executi sunt quamquam tam Academia quam senatus universaque civitas illum admodum officiose luxerit (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 16v).
  699. Vgl. Stepner 1675, 356, Nr. 2092, 2093 und Hiller von Gaertringen 2011, 127f.
  700. So Vogel 1714, 228. Zu Freyhubs Leichenpredigt vgl. Freyhub, Oratio in funere Camerarii (Werk), 1574.
  701. Vgl. Testament, 96.
  702. Dieses wird seit der Sprengung der Paulinerkirche in der Kustodie der Universität Leipzig aufbewahrt (vgl. Katalogeintrag mit Abb.).
  703. Vgl. Kößling 2015, S. 103; Stepner 1675, 35; Hiller von Gaertringen 2011, 127 Nr. 104; München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 16v. Vgl. auch Testimonien.
  704. Ad iram quoque minime proclivis erat. Alioque praesertim domi gravis et paucorum verborum. Apud amicos vero quando res tulit satis hilaris et facetus, praesertim quando iter faciebat (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 17r).
  705. Corporis ipsius κατάστασις satis fuit firma. Statura quoque iustae magnitudinis. Ipse ad labores perferendos idoneus. Tolerantia famis in illo singularis extitit, ut multi audiverint illum affirmantem se nunquam sensisse, quid esset illa in ventriculo molesta suctio (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 17r).
  706. In vestitu nihil exquisitum. Honorum et opum, ad quae ambo [???] consequenda non exiguae saepe illi oblatae fuere occasiones, minime appetens: Rei familiaris universae et pecuniae tractandae curam committebat suae coniugi (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 17r).
  707. Cum liberos vel alios domesticos animadverteret nonnulla interdum non adeo necessaria expetere: Semper respondebat, Disce carere (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 17v). Wolf schreibt entsprechend zum Lemma "κόνδυλος" ("Ohrfeige"): Aristophanes: Si puer vinum petierit, alapam ei dato. Dictum hoc eo pertinet, ut assuefiant pueri, ne quid supervacaneum petant. Camerarius liberis suis dicere solitus est: DISCE CARERE (Wolf, Historica Suidae, 1581, 497).
  708. Ambitionis max[imus] hostis, ut etiam effigiem suam depingi et circumferri molestiss[ime] ferret (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 17r).
  709. Vgl. Blotius' Briefe an Joachim Camerarius d.J. vom 20.11.1576 ( http://www.aerztebriefe.de/id/00033877) und vom 11.11.1577 ( http://www.aerztebriefe.de/id/00022072). Zu dessen Briefen an Blotius vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00038195 (dat. bereits 31.08.1575), http://www.aerztebriefe.de/id/00060484 (dat. 25.04.1577), http://www.aerztebriefe.de/id/00060485 (dat. 14.05.1577), http://www.aerztebriefe.de/id/00038205 (dat. 18.06.15??) und http://www.aerztebriefe.de/id/00060505 (dat. 05.03.1583).
  710. Nunquam de studiis remisit quicquam: ut admiratione non careat, illum inter tot occupationes, et peregrinationes tam scribendo quam legendo potuisse tantum praestare. Vidi illum saepe quae in equo inter proficiscendum vel noctu vigilans (pauci enim fuit somni) animo conceperat, statim postea calamo arrepto annotasse. Delectabatur inprimis equis bonis, et equitandi artem tenebat, quod eius Hippocomicus quoque ostendit. Tulitque hac in parte hanc laudem, ut quidam princeps Germaniae praecipui nominis dixerat se inter literatos nullum vidisse, qui ita equestris esset sicut Ioachimus (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 17r/v).
  711. Anno. 1539. ... Hoc tempore coepit Medicos Graecos (quorum lectione deinde quoque plurimum fuit oblectatus) propter malum pedis quoque diligenter perlegere: et Galeni partem a se emendatam Basiliensib[us] (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 8v).
  712. Vgl. MBW – Regesten online, Nr. 1384 und 1400.
  713. Vgl. OC 0194.
  714. Vgl. OCEp 1468, Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536, Bl. A2r. Bei dem Druck, den Camerarius las, handelt es sich vermutlich um Beatus Rhenanus' Ausgabe zur Kirchengeschichte von 1535.
  715. Vgl. OCEp 1474.
  716. Vgl. OCEp 0377.
  717. Vgl. OCEp 1188. Konkret sind vermutlich die "Narrationes de rebus Turcicis" gemeint.
  718. Nunquam de studiis remisit quicquam: ut admiratione non careat, illum inter tot occupationes, et peregrinationes tam scribendo quam legendo potuisse tantum praestare. Vidi illum saepe quae in equo inter proficiscendum vel noctu vigilans (pauci enim fuit somni) animo conceperat, statim postea calamo arrepto annotasse (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 17r).
  719. Zur zeitgenössischen Einschätzung der Wirkung von warmem Thermalwasser über die Poren auf die humores und damit auf die viscera, deren Dysfunktion zu Krankheiten führt, vgl. Benedek 2017, 537-540. Die ausgelösten dynamischen Prozesse wie Verflüssigung und Verdünnung sollten positiv auf Geschwüre wirken, die als Ausscheidungsversuche nicht verkochter Materie interpretiert wurden, und die Reinigung des Körpers (wiederum durch die Poren) unterstützen. Zu Gründen für Badekuren seitens der Patienten, die sich mit ihren Bedürfnissen und individuellen Voraussetzungen diesbezüglich an Ärzte (auch mehrere) wenden und um ein consilium bitten, z.T. auch selbst die Bäder vorschlagen vgl. Kaufmann 2009, 65-73 (mit Beispielen aus der Vadianischen Briefsammlung). Ebd., 73-91 ein historischer Überblick über Krankheiten, für die bestimmte Badtypen empfohlen werden.
  720. Vgl. etwa OCEp 1010 (an Daniel Stiebar, dat. 29.04.1537): Trotz Aufenthaltes in den Thermen habe sich keine Besserung eingestellt, längere Reisen zu Fuß und zu Pferd seien unmöglich, Kutschfahrten lästig und teuer.
  721. Das Wasser konnte man, in Fässern abgefüllt, bei den Bädern abholen oder von dort liefern lassen, vgl. auch Kaufmann 2009, 255 mit Beispiel aus Luthernbad.
  722. OCEp 1019 (an Daniel Stiebar, dat. 10.06.1540). Zu den sogenannten "Badenfahrten", die seit dem Spätmittelalter in Deutschland zunehmend Konjunktur hatten und in den warmen Frühlings- und Sommermonaten (bevorzugt im Mai) unternommen wurden, vgl. einführend Studt 2001. Die Badesaison in Plombières wurde jährlich zum 30. April feierlich eröffnet (so Jean-Dominique Haumonté, Plombières ancien & moderne, Paris 1865, 64f.). Zu Maßnahmen bei Seuchengeschehen und zur Prävention vgl. Kaufmann 2009, 353f., zur Regelung in Plombières im Jahr 1580 Montaigne 2005, 25 (zu Michel de Montaignes Aufenthalt dort vom 16.-27.09.1580 ebd., 20-26). Zu Badeordnungen, der Überwachung und Durchsetzung ihrer Vorschriften und der Ahndung von Verstößen vgl. Kaufmann 2009, 281f. und 346-353; ebd., 407-413 Abdruck der Badeordnung von Pfäfers aus dem Jahr 1568 mit Übersetzung.
  723. Die Kuraufenthalte erstreckten sich meist über mehrere Wochen, die Badezeit wurde täglich gesteigert und konnte bis zu elf Stunden betragen, was auch für einen gesunden Menschen eine nicht unerhebliche physische Belastung darstellte (vgl. Studt 2001, 42 mit Rekurs auch auf begleitende Maßnahmen wie Purgation vor dem Bad oder Diät; zum Baderegiment Walther Hermann Ryffs vgl. Benedek 2017, 549f.; in Felix Hemmerlis Badeconsilia zu Pfäfers wird eine durchgängige Kur von 6-7 Tagen erwähnt, die lediglich von einer Nacht außerhalb des Wassers unterbrochen wird, vgl. Kaufmann 2009, 111).
  724. OCEp 0985 (an Daniel Stiebar, dat. 18.03.1530): Dies wolle er tun, sobald die Luft etwas milder sei.
  725. Erwähnung des Briefes in OCEp 0115 (von Helius Eobanus Hessus, dat. 13.01.-10.02.1535).
  726. Ebd.: Empfehlung der thermae ferinae, ggf. Wildbad bei Nürnberg, wo das stark eisenhaltige Wasser für Wannenbäder beheizt wurde, oder bereits Bad Wildbad im Schwarzwald, das Camerarius in seiner Tübinger Zeit öfter aufsuchen wird; OCEp 0114 (Brief von Helius Eobanus Hessus, dat. 15.06.1535): Karlsbad; falls sich Camerarius für letzteres Bad entscheide, werde Sturtz zu ihm kommen und ggf. auch Hessus; vgl. auch OCEp 0113 (von Helius Eobanus Hessus, dat. 10.02.1535).
  727. OCEp 0452 (dat. 01.06.1536).
  728. OCEp 0272 (dat. 03.08.1536).
  729. Die Bedeutung körperlicher Übungen für die Erhaltung der Gesundheit betonen bereits antike Autoren wie Platon oder Galen, vgl. Benedek 2017, 563.
  730. Etwa Wanderungen und Spaziergänge (dazu Kaufmann 2009, 280).
  731. Zur Badegeselligkeit und ihrer geschätzten Wirkung auf die mentale Gesundheit vgl. die Beispiele bei Studt 2001, 44-48 mit Rekurs auch auf die humanistische Bildungselite und deren "literarische Badezirkel" (ebd., 46). So wird der Aufenthalt im Bad zur ganzheitlichen Therapie: "Dem Purgieren von schädlichen Stoffen durch Aderlaß und abführende Maßnahmen, der Erwärmung, Verflüssigung und Ausschwemmung zäher, versteinerter Ablagerungen im Körper durch das Baden treten – auf Grundlage derselben humoralmedizinischen Lehre – nun der läuternde und anregende Effekt von Geselligkeit und Unterhaltung als gleichwertige und ebenso notwendige therapeutische Maßnahmen an die Seite" (ebd., 48).
  732. Vgl. OCEp 0192 (an Caspar Volland, dat. 1536-1541).
  733. Vgl. OCEp 1258 (Camerarius an Sturm, dat. 21.03.1541) sowie OCEp 1546 (Sturm an Camerarius, dat. 11.10.1542, A6r). Claude de Féray (gest. 12.03.1541) war das erste Opfer am Straßburger Gymnasium, das die Pest im Jahr 1541 forderte (vgl. dazu auch ↓ Sorgen und Trauer).
  734. OCEp 1004 (an Daniel Stiebar, dat. 17.01.1538); Hutten wünscht er sich bereits in einem früheren Brief als Reisebegleitung: OCEp 0462 (an Daniel Stiebar, dat. 13.08.1536).
  735. OCEp 1018 (an Daniel Stiebar, dat. 04.05.1540). Zu den Badegesellschaften und Prozessen ihrer Konstituierung, Festigung und Distinktion vgl. Kaufmann 2009, 237 und 274-280.
  736. Bacenis; in der Briefedition findet sich als Ortsangabe in thermis Herciniis.
  737. Zur praktischen Durchführung einer Badefahrt, respektive Aufbruch und Anreise, Aufenthalt (inklusive Logistik und Kosten), Abreise und Rückkehr vgl. Kaufmann 2009, 237-315.
  738. Das Gedicht ist im Druck (in Camerarius' Sammlung "Elegiae ὁδοιπορικαί" von 1541) allerdings erst auf den 23.07.1540 datiert, als Camerarius schon wieder – erneut über Straßburg und mit einem Aufenthalt in Bad Antogast – nach Tübingen zurückgekehrt war (vgl. OCEp 0267 von Jakob Bedrott, dat. 06.07.1540). Entweder ist das Datum also falsch oder es weist auf eine Überarbeitung des Textes in Tübingen. Dass das Gedicht bereits in Plombières entstanden ist und von dort an die Freunde in Straßburg versendet wurde, legt ein (undatiertes) Antwortgedicht von Nikolaus Gerbel aus Straßburg nahe, das in den "Elegiae ὁδοιπορικαί" auf das Hodoeporicon folgt. Gerbel bedankt sich darin für Grüße, die Camerarius ihm habe ausrichten lassen (vgl. das Ende des Hodoeporicon), und lobt dessen Dichtung. Er wünscht Camerarius, dass er geheilt aus den Thermen zurückkehre und ihn gesund und munter besuche (vgl. vv. 19-22: Dii faxint thermae quas nuper laetus adisti / ostendant vires te medicando suas. / Scilicet ut redeas reparato corpore sanus, / atque adeas alacer limina nostra. Vale). Gerbel spricht in Bezug auf Camerarius' Dichtung von tui sales (v. 8: Atque tui miscent seria nostra sales). Wenn er hierbei auf das Hodoeporicon rekurriert, muss es sich bei sales um "feinsinnige Eleganz" o.ä. handeln; sales i.S.v. "bissiger Humor" würde allerdings ausgezeichnet zum ironischen Ductus von "De thermis Plumbariis" passen (s.u.) und sich antithetisch gut zu seria nostra fügen.
  739. Der Brief ist ediert in: Poggio Bracciolini, Lettere. 1: Lettere a Niccolò Niccoli, a cura die Helene Harth, Firenze 1984, 128-135. Eine deutsche Übersetzung geben Münzel/Schweizer 1980, eine Paraphrase mit Verortung in der humanistische Briefliteratur findet sich bei Studt 2001, 42-48; Zu Camerarius' Gedicht vgl. Döpp 2017 (mit Edition, Übersetzung und Analyse).
  740. OCEp 0334.
  741. Camerarius bedauert in diesem Brief, dass er die Abbildung nicht mehr vor Ort habe kolorieren lassen können, da der Bote schnell abreisen wollte, doch wisse er, dass Stiebar einen geeigneten Künstler an der Hand habe; Stiebar könne sie dann auch an den praesul noster, wohl Moritz von Hutten, in Camerarius' Namen weiterleiten. Typologische Darstellungen einer "Bäderstadt" wie die von Plombières sind auch aus Kosmographien und Bädermonographien bekannt (Studt 2001, 36), vgl. etwa den Holzschnitt des öffentlichen Bades in Baden im Aargau aus der Schweizerchronik von 1548 (Baden, Stadtarchiv, Sign. Q.02.8213, Ausschnitt aus Blatt 173).
  742. In den Notizen von Joachim Camerarius d.J. zum Leben seines Vaters findet sich ein Hinweis, dass dieser eine Abbildung von Plombières mit einem lateinischen und einem deutschen Gedicht herausgegeben habe (vgl. München, BSB, Clm 10376, Nr. 8, Bl. 9r: Harum [sc. Plumbariarum thermarum] descriptio versib(us) Latinis & Germanicis una cum pictura earundem ab ipso editis exstat). Dieser Druck (ein Einblatt- oder Libelldruck?) konnte bisher nicht nachgewiesen werden.
  743. Etablierte Badeorte wie Plombières oder Baden verfügten über gehobene Herbergen mit hauseigenen Bädern/Badekabinetten und über Badehäuser für begüterte Gäste (vgl. Kaufmann 2009, 257f.).
  744. Dies wären einerseits etwa Reflexionen über das Leitmotiv der Hoffnung (die letztendlich in der Fürsorge und Gnade Gottes gründet), andererseits die Charakterisierung des Bades als 'Sammelbecken' von Menschen aus aller Welt, jeden Standes, Alters und Geschlechts, die dort gemeinsam kuren.
  745. Dieses Wasser transportierte laut Gedicht sein Blauschimmel auf einem Wagen zu ihm. Zuvor war er selbst in Bad Wildbad gewesen. Der Brief wird im Druck mit Zahlendreher auf M.D.LX datiert. Camerarius spricht hier erneut von einer lang fälligen Briefschuld. Eine Briefschuld gegenüber Hospinianus hatte er jedoch mit seinem Gedicht aus Plombières im Mai 1540 eingelöst. Der Besuch von Bad Wildbad und das Wannenbad dürften also in etwas weiterer zeitlicher Distanz erfolgt sein, ggf. vor der Reise in die Vogesen? Camerarius spricht jedenfalls von seinem schmerzhaften alten Leiden, dem er mit Thermalwasser beizukommen versuche.
  746. Vgl. etwa OCEp 0180 (an Helius Eobanus Hessus, dat. 14.03.1537). In dem Brief berichtet er auch, dass ihm einige Personen rieten, weiter entfernte Thermen aufzusuchen, aber damit eile es ihm nicht; OCEp 1010 (an Daniel Stiebar, dat. 29.04.1537).
  747. Vgl. etwa OCEp 1273 (an Georg Helt, dat. 07.03.1536); OCEp 0462 (an Daniel Stiebar, dat. 13.08.1536) über ein ungenanntes Bad, in dem das Wasser erhitzt werden müsse und das somit die Bezeichnung thermae gar nicht verdiene. Dieses Bad ist wohl identisch mit den thermae vicinae, über deren erfolglosen Besuch er schon zuvor an Vincentius Opsopoeus geschrieben hatte (OCEp 0447, dat. wohl Ende 1535); jedenfalls suche er jetzt nach natürlichen Thermen.
  748. OCEp 1017 (an Daniel Stiebar, dat. 07.03.1540); dazu und zur zeitgenössischen (wund-)ärztlichen Praxis Schlegelmilch 2019.
  749. Wahrscheinlich ist ein Brief an Stiebar über die bevorstehende Abreise nach Plombières (OCEp 1011, im Druck dat. 30.04.1537) auf Ende April 1540 zu datieren, es sei denn, Camerarius hat von den Reiseplänen Abstand genommen, da seine Frau Anna – wie er im Brief erwähnt – in (immer noch) schlechter Verfassung von einer Kur aus Bad Liebenzell zurückgekehrt war. Da Camerarius im Sommersemester 1538 Rektor in Tübingen war, könnte er die Reise ggf. für 1539 geplant haben, 1537 dürfte aufgrund einer historischen Anspielung auszuschließen sein.
  750. Vgl. OCEp 1018 (an Daniel Stiebar, dat. 04.05.1540).
  751. OCEp 1021, dat. 17.08.1540.
  752. OCEp 0606, dat. 01.05.1541.
  753. OCEp 0615, dat. 10.05.1542.
  754. Camerarius reist jedoch nach dem 23.08.1553 von Nürnberg aus über Tübingen nach Baden-Baden, in der Hoffnung, Daniel Stiebar dort bei den Thermalquellen anzutreffen (OCEp 0849 an Georg Fabricius, dat. Mitte November/Dezember 1553; vgl. auch OCEp 0584 an Bartholomäus Amantius, dat. 11.10.1553). Stiebar waren aufgrund der Folgen eines Schlaganfalls im Frühjahr 1553 Badekuren empfohlen worden (vgl. z.B. OCEp 1086 an Stiebar, dat. 22.03.1554; zu Stiebars Kuraufenthalten in Baden-Baden vgl. OCEp 0464 an Petrus Lotichius Secundus, dat. 24.10.1553; OCEp 0394 von Petrus Lotichius Secundus, dat. 27.05.1554; zu einer Reise nach Karlsbad vgl. OCEp 1078 an Stiebar, dat. 15.02.1554 oder 1555). Da Stiebar nicht vor Ort war, kehrte Camerarius (wohl ohne selbst zu kuren) über Bad Wildbad (von dort am 12.09.1553 Brief an Leonhart Fuchs, OCEp 0744, mit Besuch des Bades?) nach Nürnberg zurück. Zu Besuchen von Nicht-Badenden bei Badegästen vgl. die Beispiele in Kaufmann 2009, 276f.
  755. OCEp 0845, dat. 12.06.1572.
  756. Jütte 2013, 25.
  757. Vgl. Porzelt 2000, 45-52 exemplarisch für Nürnberg und die Fluchtbewegungen Nürnberger Patrizier und Kaufleute 1562 nach Nördlingen. Im Pariser Pestgutachten der Sorbonne von 1348 (dem "Compendium de epidemia") wurde in Rekurs auf Hippokrates empfohlen, einen Ort mit reiner Luft aufzusuchen und sich damit einer möglichen Infizierung zu entziehen (zum Pariser Pestgutachten und seinem Einfluss vgl. kursorisch Zimmermann 1988, 8-11). Galen, bisweilen auch Hippokrates zugeschrieben wird das Dictum Cito, longe fugeas et tarde redeas ("Fliehe schnell und weit und kehre spät zurück", auch in der Kurzform Cito, longe, tarde), in der frühneuhochdeutschen Variante von Hans Folz: fleuch pald fleuch ferr kum wider spot / das sint drey krewter in der not ("Ein fast koestlicher Spruch von der Pestilencz" [Nürnberg 1482, GW 10146], vv. 57f.). Die Verwendung des Begriffs 'Pest' in diesem Kapitel folgt Dross 2015, 304-306 und fasst Seuchengeschehen, die "das gleichzeitige Erkranken und den schnellen Tod einer großen Zahl von Menschen" bewirken (ebd., 306).
  758. Für Nürnberg verzeichnet Bühl 1990, 122-124 neun schwere Seuchenereignisse zwischen 1450 und 1550 mit periodischem Charakter (mittlerer Zeitabstand 10,3 Jahre), die mit einer Ausnahme Sommerepidemien waren und Sterblichkeitshöhepunkte im September/Oktober aufwiesen. Seit dem Pestgang von 1533/34 sind amtliche Totenlisten für Nürnberg überliefert; sie nennen für das genannte Intervall (Juli 1533 bis Februar 1534) 5754 Opfer (vgl. Bühl 1990, 125-127 mit Visualisierung der Todesfälleverteilung).
  759. Vgl. "Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft" (s.v. Eschenau II: Muffelschloss). Dies ist auch in den biographischen Aufzeichnungen seines Sohnes Joachim d.J. notiert (München, BSB, Clm 10376, Nr. 8, 8r). In seinem auf Gut Eschenau verfassten "Commentariolus" schreibt Camerarius, dass sein Dienstverhältnis (an der Oberen Schule) quasi aufgehoben sei, da sich alle auf der Flucht vor der Pest befänden (vgl. ebd., a5v).
  760. Vgl. das Zitat bei Bühl 1990, 127.
  761. Bühl 1990, 159.
  762. "Ein kurtz Regiment wie sich zu zeiten der Pestilentz zu halten sey" (VD16 K 2838).
  763. Vgl. ebd., aiii (In disen leufften seind die versamlungen vnd gemeinschafften der menschen hoch zufliehen) oder ebd., avr (Fliehe nachfolgend alle die/ so mit dieser kranckait beladen […]). Zu den Fluchtbewegungen, den damit (und mit den Sterbefällen) einhergehenden Folgen und zu den Maßnahmen, die städtische Ordnung trotz des reduzierten Verwaltungsapparates aufrecht zu erhalten, vgl. Bühl 1990, 127-133. Zu Ämtern, (Sonder)Behörden und den (nicht immer durchgesetzten) Bleibeverpflichtungen bestimmter Personengruppen sowie zu speziellen Einrichtungen und deren Personal in den Nürnberger Pestjahren vgl. Porzelt 2000, 53-68 (v.a. für 1562/63).
  764. VD16 O 1136, vgl. Bühl 1990, 159.
  765. Dazu Bühl 1990, 159; Porzelt 2000, 50f. Osiander befindet sich in einer Linie mit Luthers bekannter Stellungnahme, die 1527 unter dem Titel "Ob man fur dem sterben fliehen muge" an mehreren Orten, z.T. auch mehrfach, gedruckt worden war (in Augsburg, Hagenau, Magdeburg, Marburg, Nürnberg, Wittenberg, Zwickau: VD16 L 5513-5523), vgl. auch Dross 2015, 317-321.
  766. "Commentariolus", a5v.
  767. Vgl. Dross 2015, 309f.
  768. Jütte 2013, 111. In der Nürnberger Apothekenordnung von 1529 wurde u.a. festgelegt, dass Apotheken bei der Herstellung von Theriak, das sie auf Vorrat erstellten, einen Arzt beiziehen müssen (vgl. Bühl 1990, 145).
  769. Erlangen, UB, H62/TREWBR STOIUS_MATTHIAS/28. Von dem großen Seuchenzug, der im Jahr 1549 Preußen und insbesondere Königsberg heimgesucht hatte (vgl. Sahm 1905, 10-14), berichtet Georg Sabinus aus seinem aktuellen Aufenthaltsort Jäskendorf in einem Brief an Camerarius (OCEp 1351, dat. 06.12.1549).
  770. OCEp 1219.
  771. Camerarius hatte in dem Brief Stojus auch um die Übermittlung von Bernstein mit Tier- oder Pflanzeneinschluss gebeten. Allerdings war Stojus dieser Bitte während der Epidemie nicht nachgekommen, da er seine Netzwerke aufgrund der Fluchtbewegungen aus Danzig und Elbing nicht nutzen konnte und sein bewährter Bernsteinhändler im August in Danzig verstorben war; Stojus versprach aber, sich nach der Normalisierung der Lage darum zu kümmern (vgl. ebenfalls Erlangen, UB, H62/TREWBR STOIUS_MATTHIAS/28.
  772. Vgl. zum Pestzug von 1564/65 Sahm 1905, 16-19, zur Schließung der Königsberger Universität ebd., 18.
  773. Nach Michael Wetzel, Art. Ambrosius Lobwasser, in: Sächsische Biografie (Zugriff 18.01.2024) könnte dies der Grund sein, warum Lobwasser trotz seiner Neigung zum Calvinismus die folgenden konfessionellen Spannungen in Königsberg unbeschadet überstand.
  774. OCEp 0734, dat. 10.12.1564.
  775. In einem ebenfalls auf den 10.12.1564 datierten Brief an den in Nürnberg tätigen Arzt Hieronymus Herold (OCEp 0766) erwähnte Camerarius mit dem selben Terminus (contagiones λοιμικαί) die zurückliegenden Seuchenfälle, die viele Menschen beunruhigten; im Moment sei alles ruhig; wie lange, wisse man freilich nicht, da in der Umgebung andere Krankheiten grassierten und ein entsprechender Zustand der Luft herrsche (& κατάστασις ἀέρος qualis sit, vides).
  776. Brief an Ludwig Gremp von Freudenstein mit Erwähnung von Pestfällen in und um Leipzig (OCEp 1102, dat. 18.07.1566); Brief an Hubert Languet über Grassieren der Seuche in und um Leipzig (OCEp 1128, dat. 01.09.1566); Brief an Johannes Crato über eine nur langsame Verbreitung der Pest in Leipzig (OCEp 1183, dat. 17.10.1566); Brief an Willem Canter ebenfalls über einen glimpflichen Verlauf (OCEp 0881, dat. 21.10.1566); Brief an Johannes von Schroeter über die noch etwas 'wabernde' Seuche (OCEp 1234, dat. 01.11.1566]); Brief an Johannes Crato mit Erwähnung eines gemäßigteren Pestverlaufs (OCEp 1185, dat. 06.11.1566); Brief an Matthias Stojus mit Erwähnung, dass die Seuche sich nicht weiter ausbreite und im Winter hoffentlich ein Ende finde (OCEp 1220, dat. 18.11.1566); Brief an Adrian Albinus, dass die Angst vor der Ansteckung in Leipzig nachlasse, aber die vor Krieg stärker werde (OCEp 1113, dat. 14.01.1567); Brief an Hubert Languet mit Erwähnung, dass die Seuche in Leipzig langsam zurückgehe (OCEp 1129, dat. 09.03.1567).
  777. https://thbw.hadw-bw.de/brief/94799, dat. 12.10.1566; auch empfiehlt er diesem Georg Wottbergensis, der die Universität aus Geldmangel und wegen der Pest verlassen musste (vgl. https://thbw.hadw-bw.de/brief/84424, dat. 14.10.1566).
  778. https://thbw.hadw-bw.de/brief/19186, dat. 28.11.1566. NB: Zu Strigels Entlassung aus der Universität Leipzig im Folgejahr vgl. OCEp 1190#Anmerkungen.
  779. OCEp 0620.
  780. Camerarius erwartete wohl auch keine größere Epidemie, da der Himmel "unverdorben" sei (sed incorrupti caeli multa signa adhuc manifesta sunt).
  781. OCEp 0621.
  782. Auf einen Aufenthalt an einem gesünderen Ort hoffte Johannes Brenz, der sich in einem Brief vom 07.11.1543 besorgt über eine akute Gefährdung von Camerarius und dessen Familie zeigte (https://thbw.hadw-bw.de/brief/13946).
  783. OCEp 0195, dat. ca. 06.12.1543; vgl. Woitkowitz 2003, 120-130, Nr. 7; die Stelle vv. 52-54. Von einer allmählichen Beruhigung der Lage in Leipzig spricht er Ende Januar in einem Brief an Georg Sturtz (OCEp 0741, dat. 22.01.1544). Darin bittet er diesen auch, die Familie seines Bruders Hieronymus aufzunehmen, falls sich die Lage in Bamberg verschlimmert habe.
  784. Vgl. Zarncke 1859, 423.
  785. Die Ratifikation des Passauer Vertrages erfolgte am 02.08.1552, die letztendliche Abreise von Donauwörth nach Dresden jedoch erst am 20.08.1552, vgl. PKMS 6, 1157 (Itinerar).
  786. Vgl. Zarncke 1859, 423.
  787. Vgl. den Brief an Daniel Stiebar vom 30.08.1552 (OCEp 1081) und Woitkowitz 2003, 258. Der Landtag war von Moritz für den 23.08. einberufen worden, die Proposition fand am 26.08. statt, der Abschied am 31.08.
  788. Camerarius plante einen Besuch bei Johann Stigel, der jedoch nicht anwesend war; er hinterließ diesem eine hs. Version seiner "Narratio de Helio Eobano Hesso", wie aus einem Brief Stigels an Camerarius hervorgeht (OCEp 0163, dat. 19.09.1552).
  789. Vgl. OCEp 0788 an Johann Stigel (dat. nach dem 19.09.1552): Crastino die vecturam expectabam, quam nactus, profecturus eram, duce Christo, in patriam. Meus gener tamen hic interea curabit in familia nostra: quae etiam cum dividitur, tamen partibus magna est, & ita esse hanc gaudeo; vgl. auch Woitkowitz 2003, 259. Anscheinend hielt sich aber auch dieser Teil der Familie später in Franken auf (vgl. Brief an Stiebar, dat. 25.02.1553, OCEp 1085).
  790. Vgl. den an diesem Datum aus Bamberg versendeten Brief an Christoph von Karlowitz (OCEp 0906); Woitkowitz 2003, 257-259, Nr. 27.
  791. Vgl. ebd. und den Brief MBW - Regesten online, Nr. 6597, dat. 10.10.1552, in dem Melanchthon Camerarius sowie dessen Frau und Kindern einen guten Aufenthalt in Nürnberg wünscht.
  792. Vgl. den an diesem Datum versendeten Brief aus Bamberg an Johannes Crato (OCEp 1148). Das Seuchengeschehen in Leipzig nahm Camerarius zum Anlass, die in Bamberg anstehenden negotia mit einem Aufenthalt in Nürnberg zu verbinden.
  793. Vgl. hierzu das auf Basis des Briefwechsels erstellte Itinerar und die biographischen Aufzeichnungen seines Sohnes Joachim (München, BSB, Sign. Clm 10376, Nr. 8, Bl. 11r.) Vgl. auch den Brief vom 30.12.1552 an Hieronymus Wolf (OCEp 0810), in dem er die viermonatige Abwesenheit seines Hausstandes von Leipzig aus Angst vor der Pest und die damit zusammenhängende Reisetätigkeit erwähnte, seinen unerquicklichen Aufenthalt in der ihm fremd gewordenen Heimatstadt Bamberg und die Erholung in Nürnberg; desgl. den Brief vom 25.01.1553 an Ludwig Gremp von Freudenstein (OCEp 1097). In einem Brief an Petrus Lotichius Secundus (OCEp 0465, dat. 02.11.1552) erwähnte er einen Besuch bei Stiebar (in Würzburg), in einem Brief an Stiebar einen Aufenthalt in Eichstätt (bei Moritz von Hutten; OCEp 1083, dat. 01.12.1552), eine geplante Reise nach Augsburg mit Besuch der Fuggerschen Bibliothek (vgl. OCEp 0808 an Hieronymus Wolf, dat. 25.01.1553) fand wohl in der 2. Februarhälfte 1553 statt (vgl. Woitkowitz 2003, 265). Im April 1553 war Camerarius erneut für einige Tage in Bamberg.
  794. Vgl. u.a. den Brief an Philipp Bech vom 01.02.1553 (OCEp 0164).
  795. Die späte Abreise war auch Erkrankungen von Camerarius und seiner Familie geschuldet, vgl. z.B. seinen Brief an Franz Kram vom 04.04.1553 (OCEp 0575).
  796. Vgl. OCEp 0520 etwa Mitte Mai aus Leipzig an Karlowitz (Woitkowitz 2003, 266-268, Nr. 30); am 13.05.1553 schrieb er von Leipzig aus an Stiebar (OCEp 1088); vgl. auch MBW - Regesten online, Nr. 6835 (Melanchthon an Johannes Crato, dat. 20.05.1553) und das Itinerar. Zur Mitreise seines Sohnes Joachim studiorum causa vgl. OCEp 1089 (Brief an Stiebar, dat. 13.06.1553).
  797. Vgl. etwa MBW - Regesten online, Nr. 6497 (Melanchthon an Johannes Stigel, dat. 13.07.1552) und zahlreiche Briefe in Folge aus Torgau oder OCEp 0663 (Camerarius an Hieronymus Baumgartner, dat. 27.07.1552).
  798. MBW - Regesten online, Nr. 6571.
  799. Vgl. MBW - Regesten online, Nr. 6597 (Melanchthon an Camerarius, dat. 10.10.1552).
  800. Vgl. Lück 2020, 104.
  801. Vgl. ebd. und Helius Eobanus Hessus' Brief an Camerarius vom 18.07.1535 (OCEp 0117).
  802. OCEp 0605.
  803. Vgl. OCEp 0349 (Mosellanus an Camerarius, dat. 1520).
  804. Vgl. zu diesem Seuchenzug und den Opferzahlen Porzelt 2000, 39-53; vgl. auch Dross 2015, 303f., 313, 315, 321.
  805. OCEp 0719.
  806. Vgl. die Anmerkungen zu OCEp 0719 sowie OCEp 0705 (Camerarius an Baumgartner, dat. 20.09.1562). Ihr Sohn Philipp hielt sich von September bis mindestens Dezember in Bamberg auf (zu Camerarius' Leidwesen auf Kosten seines eben erst begonnenen Studiums), Anna reiste im November ab (vgl. Van Hout 1877, 15, Nr. 103-105).
  807. Vgl. die Graphik mit einer Verteilung der Sterbefälle in Porzelt 2000, 39.
  808. OCEp 0705, dat. 20.09.1562.
  809. OCEp 0759.
  810. Vgl. auch Camerarius' Übersendung antiker Theriakrezepten nach Nürnberg im Pestjahr 1533/34 (↑ Theriak).
  811. Vgl. OCEp 0605, dat. 01.12.1539.
  812. OCEp 1258.
  813. Vgl. OCEp 0269, dat. 16.03.1541.
  814. Vgl. OCEp 1546 (Sturm an Camerarius, dat. 11.10.1542), B4r-B5r; zum Tod von Claude de Féray ebd., A5v.
  815. Vgl. Sturm, Epitaphia, 1542, A2r-A4r (consolatio von Camerarius) und A4v-E8v (Replik von Sturm).
  816. Vgl. OCEp 1546, A7r/v; Epitaphium von Toxites im Sammeldruck, G2r, Epitaphium von Sapidus ebd., A6v (sep. Zählung).
  817. Vgl. OCEp 1546, A8v-B1v und B7r/v; Epitaphium von Toxites im Sammeldruck, G2r/v, Epitaphien von Sapidus ebd., A6v und B5r/v (sep. Zählung).
  818. Vgl. OCEp 1546, B2v-B4r mit einer Beschreibung der gefassten Haltung Bucers, den nur der Tod Jakob Bedrotts zu Tränen in der Öffentlichkeit gerührt habe; Epitaphium von Toxites im Sammeldruck, G2v, Epitaphien von Sapidus ebd., A7r/v, A8v, B2r, B3r/v, B4r (sep. Zählung).
  819. OCEp 0271.
  820. Zur Verlegung vgl. auch OCEp 1546, A8r.
  821. OCEp 0925, dat. 12.11.1570.