Adverbiale Bestimmungen neben Verbalsubstantiven: Hoffnung auf Beute, nicht der Beute

Aus Zweidat
Wechseln zu: Navigation, Suche
Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 162 - 163
Externer Link zum Kapiteltext

Nur für eingeloggte User:

Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Präpositionalphrase oder Genitivphrase

Genannte Bezugsinstanzen: 16. Jahrhundert, Stumpf - Johannes, Gegenwärtig, Mittelhochdeutsch, Schiller - Friedrich, Zschokke - Heinrich
Text

Ganz natürlich ist eine Angabe des Ortes und der Zeit, auch des Zweckes und Grundes neben Hauptwörtern, die nur noch irgendetwas von der Tragkraft des in ihrem Stamme steckenden Tätigkeits- oder Eigenschaftswortes bewahrt haben. So erklären sich zunächst die zahlreichen präpositionalen Wendungen neben Hauptwörtern, die das heutige Deutsch teils geradezu zum Ersatz für den sogenannten objektiven Genetiv anderer Sprachen, teils zur Ausweichung vor dem subjektiven Genetive gegen sie voraus hat: Freude über den Sieg, Hoffnung auf Besserung, Macht über Leben und Tod u. ä. Heute ist es denn auch in allen Fällen, in denen das Verhältniswort bereits vorherrscht, tadelnswert, wieder zum Genetiv zurückzukehren. Wir dürfen weder mit dem Chronisten von Pfäfers (1540) mehr sagen: die furcht des gefährlichen Weges (statt: vor dem g. W.), noch mit Zschokke: die Liebe des Vaterlandes, wenn damit die Liebe zum Vaterlande oder die Vaterlandsliebe gemeint ist, oder mit Schiller: Furcht einer (statt vor einer) ungewissen Gefahr oder Hoffnung der Beute (statt auf [die] Beute).

Außer diesen Objektsbezeichnungen stehn besonders Angaben des Ruhe- und Richtungsverhältnisses neben Hauptwörtern der oben besagten Art, aber auch sie nur unter der Bedingung, daß sie in der nämlichen Form neben dem entsprechenden Zeitwort der Bewegung stehn. In dieser Weise hat die mittelhochdeutsche Fügung die kommendiu vart in mîn hûs zahllose Nachbildungen gefunden, von einfachen und sinnlicheren an, wie: die Fahrt nach Berlin, die Rückreise aus Asien, Marsch quer durch Afrika, das Wohnen in den Bergen, bis zu abstrakteren wie: mit einem Aufblick zum Himmel, im Hinblick auf die Schwierigkeiten, die Ergebung in das Schicksal.

Am zahlreichsten und mannigfachsten müssen die Verhältnisattribute neben den dem Verbum selbst am nächsten stehenden Verbalsubstantiven, der Nennform selbst und der Ableitung auf -ung sein, so daß jede Verhältnisergänzung, die neben einem Verbum erscheint, an sich auch neben dieser seiner Substantivierung möglich ist: Berufung an die Universität Leipzig, Fortpflanzung durch Samen, Verherrlichung im Liede; der Trieb, seinen $Seite 163$ Willen zu haben, und die Verhinderung daran; Entschädigung für die Verluste; das Niederwerfen aufs Gesicht, Handlung aus Edelmut usw.


Zweifelsfall

Präpositionalphrase oder Genitivphrase

Beispiel
Bezugsinstanz 16. Jahrhundert, Stumpf - Johannes, gegenwärtig, gegenwärtig, mittelhochdeutsch, Schiller - Friedrich, Zschokke - Heinrich
Bewertung

abstrakteren, einfachen, Frequenz/Am zahlreichsten und mannigfachsten, Frequenz/zahllose Nachbildungen, Ganz natürlich, möglich, nicht, sinnlicheren, tadelnswert, Wir dürfen weder sagen

Intertextueller Bezug