Buchtitel und Buchaufschriften

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 232 - 233
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Kongruenz bei Appositionen

Genannte Bezugsinstanzen: Berend - Alice, Zeitungssprache, Schriftsprache, Gelehrte, Literatursprache, Dürckheim - Ferdinand Graf Eckbrecht von
Text

Die Gelehrten haben daran Teil besonders mit ihren Buchtiteln; denn nicht deren richtige Form: Schillers Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen ... herausgegeben von Dr. A. Jung, ordentlichem Lehrer, überwiegt, sondern häufig liest man falsch: Grundriß der Physik und Meteorologie, von Dr. J. Müller ... korrespondierendes Mitglied (st. korrespondierendem Mitgliede) oder Geschichte der holländischen Baukunst, von Dr. G. Galland, Privatdozent (st. -dozenten); Predigten, gesammelt von N., katholischer Probst; die Gefahr des Tuberkulins, von Dr. H., approbierter Arzt. Kein Wunder, wenn den Herren dann mit dem gleichen Fehler auf den Briefumschlägen geschrieben wird: An Herrn N., ordentlicher (statt ordentlichen Prof.; Herrn Medizinalrat Dr. ...* leitender Arzt (statt leitendem Arzte oder: dem//1 Über die Bedeutung des * auf der vorigen Zeile und der nächsten Seite vgl. oben (S. 122*), zur Sache aber Wunderlich, Satzbau 2. Aufl., Bd. 2 S. 20).// leitenden Arzte oder mit Ergänzung von An vor Herrn: (den) leitenden Arzt des Krankenhauses zu ... Vollends läßt sich nichts sagen gegen solche Wahrung eines Namens wie bei Alice Berend: Er machte ein Paar Stiefel für den ersten Liebhaber, den Schimpansen Bolo der Schöne. Überhaupt ist es so ganz unnatürlich nicht, wenn auf Besuchskarten, Briefumschlägen und in Buchtiteln die Bezeichnung des Standes ungebeugt bleibt; denn hier stehn diese Angaben durch den Druck auf einer besonderen Zeile und in feinerem Satze vom Namen getrennt und haben so noch mehr von ihrem Ursprunge an sich, wonach sie tonlose Schalt- oder abgekürzte Relativsätze sind. Aber unbedingt unzulässig ist es, daß solche Bequemlichkeit von Umschlag und Titel auch in das Innere der Sätze dringt, wo sich solche Beisätze unbedingt dem Gefüge des Satzes einpassen müssen, oder sie beleidigen störend den guten Geist unseres Satzbaues. Da schreibt einer in seinen Jugenderinnerungen: das Institut des Herrn Schornsteinfegermeister (!), ein stattlicher Bürger; der Einzug Sr. kgl. Hoheit, des Erzherzogs Johann, *deutscher Reichsverweser (statt des deutschen Reichsverwesers) u. ä. Ein Berichterstatter meldet: Die Delegation bestand aus vier Personen, den Herren .... und Schmidt, *Großindustrieller (statt einem Großindustriellen) aus Straßburg, und ein anderer: Durchnäßt kam der Verein in Bonn, sein heutiges Tagesziel, an. Auch ein hochgestellter Verfasser von Denkwürdigkeiten (v. Dürckheim) läßt jenen nichts drauf und erzählt z. B.: Ich bekam meinen ersten Mantel, ein großer Reitermantel. Ebenso natürlich Zeitungen: in Begleitung des Herrn ... Dsirne ... d. z. Studierender an der ... Universität; nach dem berühmten $Seite 233$ Kloster Etschmiadsin, *Sitz (statt dem Sitze) des Oberhauptes der armenischen Kirche.


Zweifelsfall

Kongruenz bei Appositionen

Beispiel
Bezugsinstanz Berend - Alice, Zeitungssprache, Schriftsprache, Gelehrte, Literatursprache, Dürckheim - Ferdinand Graf Eckbrecht von
Bewertung

beleidigen störend den guten Geist unsers Satzbaues, Bequemlichkeit, Ebenso natürlich, falsch, Fehler, Frequenz/häufig, Frequenz/nicht überwiegt, läßt jenen nichts drauf, müssen, richtige Form, so ganz unnatürlich nicht, unbedingt unzulässig, Vollends läßt sich nichts sagen gegen

Intertextueller Bezug Wunderlich: Satzbau 2. Aufl., Bd. 2 S. 20