Lehren, einen etwas, und lernen

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 202 - 202
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Verb: Valenz

Genannte Bezugsinstanzen: Volk, Alt, Goethe - Johann Wolfgang, Gegenwärtig, Literatursprache, Luther - Martin, Mundart, Sütterlin - Ludwig, Wieland - Christoph Martin
Text

Frühere Grammatiker waren geneigt, lehren einen persönlichen Dativ zuzugestehn, und die Forderung des Französischen hat auch die Klassiker oft zu solcher Fügung verleitet; aber dem Wesen dieses Wortes wird man gerechter, wenn man es mit dem doppelten Akkusativ verbindet, da es als kausatives Verbum wissen machen bedeutet und diese beiden Begriffe jeder ein Objekt erheischen. Also nehme man sich hierin wieder Luther zum Muster, der immer also fügt: Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige. Aus der Grundbedeutung von lehren = wissen machen geht auch hervor, daß der von dem ganzen kausativen Begriffe abhängige persönliche Akkusativ den sachlichen, der nur von dem seiner Selbständigkeit verlustig gegangenen Stammbegriffe abhängt, überwiegen und somit derjenige sein muß, welcher bei der Verwandlung ins Passiv Subjekt wird//1 Nur dann ist ein Sachsubjekt neben dem Passiv berechtigt, wenn keine belehrte Person genannt ist: In den humanistischen Anstalten werden namentlich Sprachen, in den realistischen exakte Wissenschaften gelehrt.//. Es heißt also weder: mich noch mir ist eine Sache gelehrt worden, welche zweite Fügung ja der falschen aktivischen: einem etwas lehren entspräche, sondern nur: du bist die Sache gelehrt worden. Freilich ist diese richtige Fügung heute nur noch üblich, wenn die Sachergänzung in einem Eigenschafts- oder Fürworte sächlichen Geschlechtes//2 Substantivische Sachergänzungen, wie in dem Satze Wielands: Den Tanz wurde ich von der Natur selbst gelehrt, sind heute deshalb selten, weil dafür etwas lernen oder in etwas unterwiesen -, unterrichtet werden eintritt.//, in einer Nennform oder einem Satze gegeben wird. Das Schlimmste, was uns widerfährt, das werden wir vom Tag gelehrt. Ich bin empfindlich genug gelehrt worden, wie ich mich verhalten soll; vor allem bin ich durch solche Erfahrungen gelehrt, nur zu reden, wenn ich gefragt werde (Goethe). Durchaus muß der Schriftsprache lernen im aktivischen Sinne = lehren ferngehalten werden, wenn auch selbst ein Sütterlin mit der Mundart schreibt: Die Eigenschaften der Dinge lernt den noch sprachlosen Menschen eine weitere Betrachtung kennen. Bei den Klassikern findet es sich nur sehr vereinzelt oder mit Absicht so, daß es die Art des Volkes kennzeichnen soll, wie wenn Georg im Götz sagt: Dafür pfeif ich ihnen auch allerlei Weisen und lerne sie (!) allerlei lustige Lieder.


Zweifelsfall

Verb: Valenz

Beispiel
Bezugsinstanz Volk, alt, Goethe - Johann Wolfgang, gegenwärtig, Literatursprache, Luther - Martin, Mundart, Sütterlin - Ludwig, Wieland - Christoph Martin
Bewertung

dem Wesen dieses Wortes wird man gerechter, Es heißt also weder, falschen, Frequenz/immer, Frequenz/nur noch üblich, wenn, Frequenz/nur sehr vereinzelt, Frequenz/selten, muß der Schriftsprache ferngehalten werden, nehme man sich hierin zum Muster, richtige

Intertextueller Bezug