Personennamen

Aus Zweidat
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hinweis: Dieses Kapitel ist derzeit noch in Bearbeitung. Die angezeigten Informationen könnten daher fehlerhaft oder unvollständig sein.

Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 51 - 52
Externer Link zum Kapiteltext

Nur für eingeloggte User:

Unsicherheit
Text

Ganz allgemein erhält heute kein Personennamen mehr die Fallbezeichnung, wenn das Geschlechtswort davorsteht, so besonders in der Angabe von Dichterwerken: W. v. Eschenbach, der Dichter des Parzival, und Goethe, der Dichter des Faust, gehören zu den tiefsinnigsten Deutschen; ähnlich: die Fahrten des Graf Zeppelin (entsprechend: dem, den Graf Z.); oder wenn ein Beiwort dazwischen- $Seite52$ tritt: Die Sprache des jungen Goethe ist wie Musik. Nur wenn ein persönlicher Eigenname zu einer Sachbezeichnung wird, erhält er trotz davorstehenden Artikels gleich andern Gattungsnamen das Genetivzeichen, und wie es heißt eine Versammlung des Stahlhelms (vgl. § 71), so auch: mittels eines Diesels (= Dieselmotors), die Probefahrt des neuen Flettners. Überhaupt wird von Personennamen auch heute noch wenigstens für den Genetiv in der Regel eine besondere Form gebildet, und zwar von denen mit Zischlauten am Ende wie meist auch von den weiblichen auf -e durch die Endung -ens, sonst allgemein, von männlichen wie nach deren Muster auch von weiblichen, auf -s, beide Male gleichmäßig von einheimischen wie von solchen fremden Namen, die ihre fremde Endung abgeworfen haben. Demnach sagt man Horazens so gut wie Voßens, Franzens, Mariens; Ovids so gut wie Kants, Pauls und Goethes (nicht mehr wie früher: Goethens), während umgekehrt neben Mariens auch Maries vorkommt. Gerh. Hauptmann schreibt: als er Quinten sah, jener Quinten befreundete Hirt und Quintens Begleiter und Th. Mann (1919): wie ehemals der Feuilletonist Heinen die Leichtigkeit abguckte. Das Geschlechtswort ist vor dem Eigennamen nur nötig, wenn ein Beiwort davorsteht (des liebenswürdigen Paul Friedrich Richter), wenn der Name zur Bezeichnung eines Werkes dient (s. o.) oder wenn seine fremde Form beibehalten ist (des Livius). Darüber hinaus beliebt der in der Schriftsprache hier herrschend gewordene Brauch des Kanzleistils das Geschlechtswort nicht, und Fügungen wie: der Tod des Siegfried, die Jugend des Heinrich, muten so fremd oder mundartlich an wie die auf deutsch-böhmischen Geschäftsschildern allein herrschende Ausdrucksweise: Kramerei des Franz Richter. Um so dankbarer ist es daher aufzunehmen und desto mehr nachzuahmen, daß die Romanschriftsteller jetzt auch den 4. und 3. Fall auf -en oder -n, der in der Schriftsprache fast abgekommen war und nur vom Volke fortgebraucht worden ist, neu zu beleben beginnen. Oder wenn uns bei Goethe: er gab Franzen die Hand oder bei Schiller: Der Sieg setzte Ferdinanden in den Besitz aller seiner Staaten angenehm berührt, warum sollte man da nicht, mit G. Keller z. B. sagen für Reinharten, Bertrade(n)s; Kabys, Kabyssens, Kabyssen, Kabysse; Vitalisens; zwischen Polyhymnien und Euterpen oder mit K. v. Heigel: neben Luisen und neben den 2. Fällen Armidas und Armidens im 3. und 4. Fall: Armiden?

Eine andere Sitte der älteren Zeit, den fremden Namen in allen Fällen ihre fremde Endung zu geben, wollen wir dagegen auf den Namen Jesus Christus beschränken, dessen Formen Jesu Christi, Jesu Christo, Jesum Christum mit so vielen Liedern und Sprüchen uns ins Fleisch und Blut übergegangen sind; außerdem sei sie allenfalls noch den Geistlichen zugestanden für Anführungen der biblischen Bücher (Evangelium Matthaei u. a.). Im übrigen genügt es uns, den Fall solch fremder Namen aus der Satzfügung zu erkennen, den Genetiv zumal an seiner Stellung vor dem Hauptworte: Demosthenes Reden; oder auch — freilich nur für das Papier — Demosthenes' Reden; wenn wir nicht lieber einen bezeichnenden Beisatz machen oder hier auch bloß das Geschlechtswort vorsetzen; des Tacitus, besser des Redners Demosthenes, dem Geschichtsschreiber Livius.


Zweifelsfall

Zweifelsfall Importplatzhalter

Beispiel

W.v. Eschenbach, Goethe, der Dichter des Faust, die Fahrten des Graf Zeppelin, Die Sprache des jungen Goethe ist wie Musik, eine Versammlung des Stahlhelms, Diesels, die Probefahrt des neuen Flettners, Horazens, Voßens, Franzens, Mariens, Ovids, Kants, Pauls, Goethes, Goethens, Maries, er sah Quinten, Quintens, Heinen, des liebenswürdigen Paul Friedrich Richter, des Livius, der Tod des Siegfried, die Jugend des Heinrich, die Krämerei des Franz Richter, er gab Franzen die Hand, Der Sieg setzte Ferdinanden in den Besitz aller seiner Staaten, für Reinharten, Bertradens, Kabyssens, Kabys, Kabyssen, Kabysse, Vitalisens, Polyhymnien, Luisen, Armidas, Armidens, Armiden, Jesus Christus, Jesu Christi, Jesu Christo, Jesum Christum, Demosthenes, Demosthenes`, des Tacitus, dem Geschichtsschreiber Livius, Evangelium Matthaei, Euterpen, Bertrades

Bezugsinstanz alt, Kirchensprache, Böhmen, alt, Schriftsprache, Kirchensprache, Geschäftssprache, Goethe - Johann Wolfgang, Hauptmann - Gerhart, Heigel - Karl August von, gegenwärtig, Behördensprache, Keller - Gottfried, Literatursprache, Mann - Thomas, Mundart, neu, Literatursprache, Schiller - Friedrich, Schriftsprache, Redewendung/Sprichwort, Volk
Bewertung

fremd

Intertextueller Bezug