Reihenfolge der Ergänzungen und Umstände untereinander

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 399 - 400
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Syntaktische Möglichkeiten der Hervorhebung

Genannte Bezugsinstanzen: Bauer - Erwin Heinrich, Literatursprache, Fachsprache (Schifffahrt)
Text

Außer den bisher gegebenen Sonderbestimmungen hilft der Frage gegenüber, wie beim Zusammentreffen des Subjekts und Objekts oder des Objekts mit einem oder mehreren Adverbialen derselben oder verschiedener Art zu ordnen sei, immer wieder der eine grundlegende Satz: in dem sich erst bildenden Urteile des Satzes nimmt das Gegebene, Bekannte, Vorausgesetzte die frühere, das Bestimmende, Einengende, Neue die spätere Stelle ein. Von den Mitteln abgesehn, die die Sprache dafür gefunden hat, Haupt- wie Nebensatz als ein in sich geschlossnes Ganzes aufzubauen, fußen in letzter Reihe alle Bestimmungen über die Wortfolge auf jener Grundlage. Die Personenergänzung tritt heran, da sie uns früher interessiert, indem wir zu wissen wünschen, wen eine Handlung angeht, ehe wir sie sich vollziehn sehn. Unbedeutsame Fürworter und überhaupt schwach betonte Satzteile rücken auch nur deshalb vor und möglichst vom Ende weg, weil sie keine wichtigeren unterscheidenden neuen Umstände hinzufügen. Nur eine besondere Anwendung desselben Grundsatzes ist auch die übliche. aber nicht anfängliche Regel, daß adverbiale Bestimmungen den Objekten, unter den Adverbialen wieder Zeit- und Ortsbestimmungen, und zwar, wenn alle Arten zusammentreffen, in dieser Reihenfolge den Bestimmungen der Weise vorangehn. Wissen wir doch, daß wir und andere immer innerhalb einer gegebenen Zeit leben und gelebt haben, und fragen deshalb nach ihr weniger als nach dem Orte, der sich mannigfaltiger bestimmen kann. Weiter aber muß ein Rahmen der Zeit und des Raumes immer entweder gegeben sein oder gegeben werden, ehe wir urteilen können, wie in diesem Rahmen eine Handlung ausgeführt werde oder worden sei. Man nehme z. B. den Satz: Man wohnt besonders im Sommer auf dem Dorfe gesünder als in der Stadt; es ist klar, daß sich die Tatsache, daß man im Sommer auf dem Dorfe wohnt, wie von selbst und viel eher ergibt, als man das besondere, aus jener Tatsache erst gewonnene Urteil über die Art des Wohnens fällen kann.

Diese Regel genügt, um in vielen Sätzen aus allen Arten der Darstellung den Fehler zu erkennen. Statt zu sagen: Der 28. Mai 1875 wird stets oder Stets wird der 28. Mai 1875 in den Annalen der Kriegsflotte Deutschlands mit Ehren genannt werden, hat ein Seeoffizier geschrieben: Mit Ehren wird der 28. Mai 1875 in den Annalen der Kriegsflotte Deutschlands stets genannt werden; doppelt lahm, indem im Ausdrucke wie in der Sache das Vollere und Besondere vorweggenommen ist; denn das Wichtige, Neue liegt in dem Urteile, daß der Tag mit Ehren genannt werden wird. E. Bauer läßt in der Tägl. Rundschau seinen Helden überlegen: Er hatte Herz und Gefühl viel zu sehr in der letzten Zeit mitsprechen lassen statt: in letzter Zeit viel zu sehr, und ähnlich falsch der Verfasser einer Novelle ebenda: Er bedauerte, daß er dienstlich noch einmal heute $Seite 400$ (statt: daß er heute noch einmal dienstlich oder daß er dienstlich heute noch einmal) zur Stadt müsse.


Zweifelsfall

Syntaktische Möglichkeiten der Hervorhebung

Beispiel
Bezugsinstanz Bauer - Erwin Heinrich, Literatursprache, Fachsprache (Schifffahrt)
Bewertung

doppelt lahm

Intertextueller Bezug