Schreibung substantivierter Infinitivwendungen

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 263 - 263
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Orthographie: Groß- oder Kleinschreibung

Genannte Bezugsinstanzen: Literatursprache, Schreiber guten Stils, Hart - Julius
Text

Wenn man aus solchen Verwandlungen ersehen kann, wie unnotig diese allerjüngsten Wortgeschöpfe, richtiger Mißgeburten in die Welt gesetzt worden sind, so erhellt, wie zwitterhaft sie sind am klarsten aus der Ratlosigkeit ihrer Väter, an welcher Stelle sie ihnen das Zeichen der Substantivierung, den großen Anfangsbuchstaben, aufdrücken sollen. Da einmal die ganzen Wendungen substantiviert werden, wäre es gewiß am natürlichsten, sie in ein Wort zu schreiben, wie es die Schöpfer der oben unter 2. aufgeführten Ungetüme gehalten haben. Anderseits ist es wohl begreiflich, daß das manchem in dem Gefühle, daß das Zusammenschreiben allein noch kein richtiges Hauptwort aus ihnen gemacht hat, auch nicht behagen will, zumal sie dadurch weniger übersichtlich werden. Aus dieser Empfindung heraus schreiben dann Gewissenhafte: Dreistes ins-Zeug-hinein-Lügen; die Sitte des In-den-April-schickens; das Nicht-im-Unrecht-sein-Können; ein Moment-des-wieder-zu-sich-selber-Genesens. Wieder ein anderer, ein Dichter wieder und zugleich Meister der Form und Gedanken, wie J. Hart, hält den großen Buchstaben am Anfange, selbst an einem Verhältnisworte für genügend: das Geschwafel vom intuitiven Aus dem Ärmelschütteln des göttlichen Hellenentums. Noch ein anderer hält ihn am Ende an der Nennform für ausreichend: das sich nähere Befassen mit der tatsächlichen Gestaltung. Endlich wird mit ganzer Halbheit nur irgend ein in der Wendung vorkommendes Hauptwort groß geschrieben oder sie nur halb zusammengerückt: das zu Tage treten der letzten Ereignisse; es war ein aufregendes Züge der Wirklichkeit ablauschen.

Doch genug! Wer Augen haben will, zu sehen, der kann schon an der bloßen Schreibung das Mißliche der substantivierten Infinitive gewahren, wenn er nicht schon vorher mit dem Sprachverständnis das zu Bequeme und Unfertige dieser Ausdrucksweise erkannt hätte.


Zweifelsfall

Orthographie: Groß- oder Kleinschreibung

Beispiel
Bezugsinstanz Literatursprache, Schreiber guten Stils, Hart - Julius
Bewertung

ausreichend, ganzer Halbheit, genügend, Mißgeburten, Mißliche, nicht behagen will, Ungetüme, unnötig in die Welt gesetzt, weniger übersichtlich, zu Bequeme und Unfertige, zwitterhaft

Intertextueller Bezug