Von richtig statt des Genetivs

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 152 - 153
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Präpositionalphrase oder Genitivphrase

Genannte Bezugsinstanzen: Hindenburg - Paul von, Rottenberg - Leontine, Sexau - Richard, Simrock - Karl, Zeitungssprache, Sprache der Vereine
Text

Eine ganz besondere Stellung nimmt das Wörtchen von insofern ein, als es Vertreter des Genitivs ist, noch öfter freilich sich bloß dafür aufspielt. Ein Fall, wo es berechtigt ist, wurde schon S. 51 u. 121 erwähnt: bei Länder-, Städte- u. a. Eigennamen, flexionslosen zumal. Nicht minder nötig ist die Vertretung überhaupt bei Wörtern, die an sich selber keine deutliche Genetivform darstellen lassen, also bei den meisten Zahlwörtern und bei artikellosen Mehrzahlen: Die Gefangennahme von 83 000 Mann. Verfasser von Gedichten sind noch lange keine Dichter. Simrock durfte nicht schreiben: Heimdall ist neun Mütter Sohn; Hindenburg nicht: diese Erscheinung religiösen Fanatismus, Paléologues Übersetzer nicht: Sie gaben sich den Anschein (fehlt: eines) zuversichtlichen Optimismus; und wenn auch häufige Fügungen wie Verein Berliner Künstler, solange sie den Vereinsnamen darstellen, als erstarrter Beisatz nach § 187 ff. zu rechtfertigen sind, so zeigen doch Verbindungen wie: nach sieben Jahren Dresdner Gesellschaft und Dresdner Hoftortur die reine Fügungslosigkeit. An diesen Brauch schließt sich der stoffartige Gebrauch artikelloser Hauptwörter auch in der Einzahl an, obwohl diese im männlichen und sächlichen Geschlecht einen Genetiv an sich kennzeichnen könnten; Wie ein Rohr von (aus) Stahl, heißt es also auch ein Strahl von Glück. Endlich kann man durch von vor einem Namen den Urheber, Verfasser eines Wertes von dessen $Seite 153$ Besitzer unterscheiden: Die Dresdner Sixtinische Madonna von Raffael, der Faust von Goethe, doch auch, ja schöner: Goethes Faust; aber nur: Künstlers Erdenwallen von Goethe und nicht wie in der Tägl. Rundschau: Erdmanns „Feindes Rache“. Wie hier der im Titel schon vorkommende Genetiv zur Wahl des von nötigt, so wird umgekehrt der Genetiv sich wieder für den Verfasser empfehlen, der durch die Abwechslung gebotenen Schönheit halber, wenn der Titel ein von oder eine andere Präposition enthält: Goethes Iphigenie auf Tauris. Ähnlich wechselt R. Sexau: Übersetzungen von Boccaccios Leben Dantes und der Sonette von Luiz de Camiens.


Zweifelsfall

Präpositionalphrase oder Genitivphrase

Beispiel
Bezugsinstanz Hindenburg - Paul von, Rottenberg - Leontine, Sexau - Richard, Simrock - Karl, Zeitungssprache, Sprache der Vereine
Bewertung

berechtigt, durch die Abwechslung gebotenen Schönheit halber, durfte nicht schreiben, Frequenz/häufige, heißt es also auch, nicht, Nicht minder nötig, nur, richtig, schöner

Intertextueller Bezug