Am Montag, dem oder den 11. September?

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 233 - 234
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Datumsangaben

Genannte Bezugsinstanzen: Gerhard - Adele, Gesprochene Sprache, Zeitungssprache, Literatursprache, Schriftsprache
Text

Genau denselben Fehler, nur umgekehrt den Akkusativ in Beziehung auf den Dativ oder Genetiv, enthält die häufige Form des Datums: Am Montag(e), den 19. September, oder Montags, den 19. September, die auch auf alle Fälle wegen des Widerstreites der verschiedenen Fälle unschön und wenig geschmackvoll ist. Entschuldbar und leicht erklärlich ist die Form statt der beiden streng richtigen, der bequemen und häufigeren: Montag, den 19. September, und der als lautlich unbequemer auch seltneren: am Montage, dem 19. Sep- $Seite 234$ tember, freilich insofern, als zwei für sich gleich richtige Ausdrucksweisen aneinander gerückt scheinen können//1 Freilich nur scheinen; denn baß wirklich die Präp. + Dat. und der alleinstehende, die Zeitdauer bezeichnende Akk. zusammengerückt seien, ist ausgeschlossen, da eine solche Zusammenrückung nie erfolgt, wenn die Apposition ein Neutrum ist, indem es dann nie so lautet: am 6. Jan., das Dreikönigsfest, sondern nur, wie z. B. in der T. R.: am 15. Aug., dem Napoleonsfeste. Die häufige falsche Form ist im Grund nichts als die in einem Falle mehr oder minder geduldete schriftliche Bestätigung der bequemen und liederlichen Aussprache des m = n !//. Übrigens beruht das Widerstreben gegen die letztere Fassung auf einem richtigen Gefühl für die Bedeutung von am mit folgendem Namen des Tages. Infolge der darin steckenden Kraft des Artikels kann es nämlich streng genommen nur von dem letztverflossenen oder dem durch einen Genetiv oder präpositionalen Zusatz fest bestimmten Tag des genannten Namens gebraucht werden. Am Freitage ist also eigentlich an dem letzten Freitag vor dem Zeitpunkte, wo der Ausdruck angewendet wird, ähnlich wie mit der Wendung am Donnerstage der Pfingstwoche, vor Weihnachten ein fest bestimmter Tag gemeint ist. Der bloße vierte Fall des Tages eignet sich dagegen, jeden früheren oder späteren, durch den folgenden Zusatz genau bestimmbaren Tag zu bezeichnen; und so wird bei Berichterstattern, wo sie nicht von den letztvergangenen Tagen reden, diese Form: Montag, den 7. Januar 1791, am richtigsten sein. Im allgemeinen gar nicht geeignet, durch eine genaue Angabe des Datums erläutert zu werden, ist der Genetiv, der die regelmäßige Wiederkehr bezeichnet: die Dampfer verkehren nur Donnerstags (= jeden Donnerstag); dieser Zug verkehrt nur Sonn- und Feiertags (= an Sonn- und Feiertagen). Etwas anderes ist es um die Darstellung der sich erst entwickelnden Rede im Roman z. B. oder in der freien Rede des Redners: hier kann sehr wohl erst nur die Erinnerung an den und den Wochentag auftauchen: es war am Freitage nach Ostern, es war Freitags; und dann kann, vielleicht gar nach einer Nachrechnung erst, nicht eigentlich als Apposition, sondern als selbständige genauere Angabe des Datums folgen: den xten April; und niemand wird daraus dem Redner einen Vorwurf machen. Es kann auch aus dem Zusammenhange klar sein, welcher einzelne Tag gemeint ist und doch die sonst die Wiederkehr bezeichnende Form stehen: „Ja, man kann immer noch etwas lernen, so alt man ist“, sagte sie nachmittags, als sie in ihrem Sessel saß (Adele Gerhard).


Zweifelsfall

Datumsangaben

Beispiel
Bezugsinstanz Gerhard - Adele, gesprochene Sprache, Zeitungssprache, Literatursprache, Schriftsprache
Bewertung

am richtigsten, bequemen, bequemen, Entschuldbar, falsche, Fehler, Frequenz/ausgeschlossen, Frequenz/häufige, Frequenz/häufigeren, Frequenz/nie, Frequenz/seltneren, für sich gleich richtige, lautlich unbequemer, leicht erklärlich, liederlichen, mehr oder minder geduldete, niemand wird daraus einen Vorwurf machen, nur, streng richtigen, unschön, wenig geschmackvoll, Widerstreben gegen

Intertextueller Bezug